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Sven Dembski: Enterprise 2.0 und die Veränderung der Unternehmenskultur

Cover Sven Dembski: Enterprise 2.0 und die Veränderung der Unternehmenskultur. Potenziale und organisationale Herausforderungen für das Wissensmanagement. Diplomica Verlag (Hamburg) 2013. 181 Seiten. ISBN 978-3-8428-9228-6. D: 49,99 EUR, A: 49,99 EUR, CH: 65,00 sFr.
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Thema

Dembskis Buch beschreibt die Möglichkeiten von Social Software-Anwendungen, wie z.B. Wikis, Weblogs und Social Networks etc., für den Einsatz im Unternehmenskontext (Enterprise 2.0). Dazu werden die potenziellen Einsatzmöglichkeiten dieser Anwendungen, insbesondere für das Wissensmanagement herausgearbeitet. Darüber hinaus wird eine empirische Untersuchung dokumentiert, die jene Veränderungen bzw. die Anpassungen der Organisationsstruktur und Unternehmenskultur untersucht, die sich aufgrund des Einsatzes von Social Software-Anwendungen ergeben. Basierend auf den Ergebnissen werden zentrale Fragen beantwortet und der organisationale Wandel durch Enterprise 2.0 skizziert.

Autor

Nach Verlagsangaben ist Sven Dembski, Jahrgang 1983, Diplom-Wirtschaftsinformatiker. Er hat an den Universitäten Duisburg-Essen und Tel Aviv Wirtschaftsinformatik und MBA studiert und arbeitet aktuell als IT-Berater. Seine besonderen Interessensgebiete sind die Organisationspsychologie, das strategische Management sowie Change Management in IT-Projekten und e-Learning in Unternehmen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch widmet sich der Thematik in sieben Kapiteln:

  1. Einleitung
  2. Grundlagen
  3. Enterprise 2.0 – Potentiale für Unternehmen
  4. Empirische Untersuchung
  5. Ergebnis der empirischen Untersuchung
  6. Limitation und kritische Würdigung
  7. Zusammenfassung und Ausblick.

Wichtige Bestandteile und Beispiele von Web 2.0 und Social Software, die Dembski in seiner Arbeit näher beleuchtet, sind

  • Wiki (auf Hypertext-Prinzip beruhende Websiten-Sammlung zur kollaborativen Erstellung und Publikation von Wissen und Informationen)
  • Weblog (Netztagebuch, auch blog genannt mit häufig aktualisierten Beiträgen, die durch andere kommentierbar sind)
  • Social Network (Plattform im Internet, die dem Aufbau und der Pflege von Kontakten dient)
  • Social Bookmark (im Sinne persönlicher Linksammlungen, die von UserInnen mit Schlagworten – Tags – versehen wurden und mit anderen geteilt werden können
  • Social Tag (wird auch als Collaborative Tagging bezeichnet und lebt davon, dass viele UserInnen Metadaten in Form von freien Schlagworten mit Hilfe verschiedener Arten von Social Software ohne Regeln zuordnen. Diese Sammlungen von Schlagwörtern werden Folksonomien genannt)
  • Instant Message ( serverbasierter Dienst, der es ermöglicht, in Echtzeit mit anderen UserInnen zu kommunizieren, z. B. ICQ)
  • Microblog oder Miniblog (Abspaltung eines Weblogs, der es ermöglicht, im Internet SMS-artige Kurznachrichten zu veröffentlichen) sowie
  • Podcast und Vodcast (ein Podcast ist eine Mediendatei (meist Audiodatei), die im Internet verbreitet wird; ein Vodcast ist eine entsprechende Videodatei; beide können oft via RSS abboniert werden).

Dembski definiert die entsprechenden Anwendungen und beschreibt die Potentiale, die sich daraus für Unternehmen ergeben sowohl aus interner Sicht (wie lassen sich diese Anwendungen intern im Unternehmen optimal nutzen) als auch für die externe Verwendung (z. B. für Marketing und Public Relations) und berücksichtigt dabei insbesondere die Dimension des Wissensmanagements.

Exemplarisch sollen nun die empirische Untersuchung Dembskis ausführlicher vorgestellt werden. Da nach Aussage des Autors für Deutschland bislang noch keine entsprechende Untersuchung vorliegt, geht es Demski in seiner Online-Untersuchung insbesondere darum: „möglichst umfassende Erkenntnisse über die Verbreitung von Enterprise 2.0-Anwendungen sowie über die dadurch entstehenden Veränderungen der Unternehmenskultur und der Organisationsstruktur zu erhalten.“ (74). Dazu sollten möglichst viele Unternehmen befragt werden, weshalb sich der Autor für eine anonyme Online-Befragung entschied. Befragt wurden 645 (!) Unternehmen in Deutschland. Dabei wurden folgende Forschungsfragen untersucht:

  • Welche Potenziale ergeben sich durch den Einsatz von Social Software für Unternehmen und welche Social Software-Anwendungen eignen sich besonders für das Wissensmanagement?
  • Ist der Einsatz von Social-Software-Anwendungen im Unternehmen bereits verbreitet und welche Anwendungen werden eingesetzt?
  • Welche Voraussetzungen für Veränderungen in der Unternehmenskultur sind für den erfolgreichen Einsatz von Social Software im Unternehmen notwendig und welche Veränderungen in der Unternehmenskultur haben bereits stattgefunden?
  • Welche Anpassungen der Organisationsstruktur ergeben sich aus Veränderungen der Unternehmenskultur? (87)

Insgesamt 104 (16,12%) der 645 Unternehmen haben den Fragebogen komplett ausgefüllt, davon fast 30 % aus der Dienstleistungsbranche, 25% Produktions- und Industrieunternehmen, ca. 24 % aus der IT-Branche. Davon hat die Hälfte mehr als 2000 MitarbeiterInnen, ca. 20 % zwischen 500 und 2000 MitarbeiterInnen.

Aus den Ergebnisse der empirischen Untersuchungen leitet Dembski folgende Einschätzungen ab:

  • Potenziale durch den Einsatz von Social Software für Unternehmen und Social Software-Anwendungen für das Wissensmanagement: Potenziale werden vor allem für Wissensmanagement, Projektmanagement dun Unternehmenskultur gesehen. Als besonders wichtig werden für den internen Bereich Wikis betrachtet, aber auch andere Anwendungen werden eingesetzt. Im Kontext der externen Verwendung werden insbesondere Weblogs, Microblogs und Podcasts genutzt.
  • Verbreitung des Einsatzes von Social-Software-Anwendungen im Unternehmen: Die Ergebnisse zeigen, dass generell der Einsatz der beschriebenen Anwendungen weit verbreitet ist, vor allem Wikis (88,4%) werden häufig genutzt, aber auch Social Networks (56,5%) und Instant Messaging (55,1%) oder Weblogs (47,8%).
  • Veränderungen in der Unternehmenskultur: Entscheidende Voraussetzung scheint die Bereitschaft der Mitarbeiterinnen zu sein, diese Anwendungen nutzen zu wollen. Dies muss mit entsprechenden Schulungsmaßnahmen auf allen Ebenen unterstützt werden. Die Organsiation muss sich als lernende Organisation verstehen und die Führungskräfteeine entsprechende Offenheit für den Umgang mit diesen Anwendungen vorleben. Die konstatierten Veränderungen beziehen sich vor allem auf das Wissensmanagement, die Kollaboration und die Kommunikation.
  • Veränderungen in der Unternehmenskultur: die Untersuchung ergab, dass in ca. 18 % der befragten Unternehmen bereits eine Veränderung stattgefunden hat, in ca. 13 % wird sie erwartet. Dort, wo bereits Veränderungen erkennbar sind, beziehen sich diese auf die Zunahme von Team- und Gruppenstrukturen.

Fazit

Bei der vorliegenden Publikation scheint es sich um eine Diplomarbeit zu handeln, also um einen eher recht formalen Text, in deren Mittelpunkt eine umfangreiche empirische Untersuchung steht: Es wurden insgesamt 645 Unternehmen in Deutschland befragt, darunter die 500 gößten Unternehmen. Dabei verfolgte Dembski zwei Ziele: zum einen wollte er herausarbeiten, welche Potentiale sich für Unternehmen aus der Nutzung von Social Software ergeben, zum anderen sollte durch eine empirische Untersuchung erforscht werden, welche Veränderungen in der Unternehmenskultur und Organisationsstruktur damit verbunden sind (18f). Die Auswertung der Untersuchung stützt sich auf einen – durchaus akzeptablen – Rücklauf von 104 komplett ausgefüllten Fragebögen. Die Ergebnisse werden ausführlich dokumentiert und durch viele – teils farbige – Graphiken illustriert.

Insgesamt eine sicherlich interessante Arbeit, die vor allem Menschen, die selber entsprechende Befragungen planen, gute Anregungen bieten kann.


Rezension von
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 12.09.2013 zu: Sven Dembski: Enterprise 2.0 und die Veränderung der Unternehmenskultur. Potenziale und organisationale Herausforderungen für das Wissensmanagement. Diplomica Verlag (Hamburg) 2013. ISBN 978-3-8428-9228-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15244.php, Datum des Zugriffs 09.12.2021.


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