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Hanne Schaffer: Sozialpädagoge und Mann

Cover Hanne Schaffer: Sozialpädagoge und Mann. Männliches Selbstverständnis in einem Frauenberuf. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2013. 159 Seiten. ISBN 978-3-7841-2147-5. D: 18,00 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 25,90 sFr.
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Thema

Das Buch widmet sich im Rahmen der Darstellung einer qualitativen Studie der Frage, warum Männer das Studium der Sozialen Arbeit wählen und als Sozialarbeiter arbeiten, „obwohl“ es sich dabei einen Frauenberuf handelt.

Autorin

Prof. Dr. Hanne Schaffer ist Hochschullehrerin für Soziologie am Fachbereich Soziale Arbeit der Katholischen Stiftungsfachhochschule München. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich der Genderforschung sowie der empirischen Sozialforschung in der Sozialen Arbeit.

Entstehungshintergrund

Soziale Arbeit ist eine Profession, die sowohl aus einer historischen Perspektive als auch im Sichtfeld des Geschlechterverhältnisses in den Arbeitsfeldern stärker weiblich geprägt respektive dominiert ist. Die Studie greift dies auf und exploriert, welche Erfahrungen als Sozialarbeiter tätige Männer unter diesen Vorzeichen machen.

Aufbau

Das Buch beinhaltet neben einem Vorwort vier Hauptkapitel:

  1. Einleitung
  2. Sozialwissenschaftliche Diskurse zu Männlichkeiten und Männern in sozialen Berufen
  3. Empirische Untersuchung zu Männern in der Sozialen Arbeit
  4. Sozialpädagoge und Mann sein als inhärentes Spannungsverhältnis: Eine Schlussbetrachtung

Inhalt

In der Einleitung geht die Autorin kurz auf die Beschäftigungssituation beziehungsweise den Arbeitsmarkt ein. Daran anschließend stellt sie die zentralen Fragen der Studie dar:

  1. Fühlen sich Männer komprimittiert?
  2. Welches Selbst- und Rollenverständnis haben die angehenden/bereits tätigen Sozialarbeiter
  3. Wie funktioniert bei den Befragten „doing masculinity“, also wie stellen sie ihre Männlichkeit her?

Ferner geht sie auf die der Studie zu Grunde liegende theoretische Annahme ein, dass Männlichkeit als soziales Konstrukt verstanden wird, welches sich an einer hegemonialen Männlichkeit als kollektivem Ideal orientiert.

Im zweiten Teil des Buchs Soziale Arbeit als Frauenberuf stellt Hanne Schaffer den theoretischen Rahmen der Studie dar. Sie beschreibt Aspekte von Geschlecht als symbolische Ordnungskategorie. Sie betrachtet Männlichkeit aus der Perspektive von Rollentheorien und beleuchtet Männlichkeit als soziales Konstrukt. Die Autorin differenziert hierbei hegemoniale Männlichkeit bei Michael Connell sowie als Habitus und generatives Prinzip bei Michael Meuter. Im Anschluss widmet sie ein Kapitel den sozialwissenschaftlichen Diskursen zur Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt und Männern in typischen Frauenberufen, wobei sie hierbei mit der historischen Perspektive startet, Aspekte des Doing Gender anschließt und letztlich bisherige Forschungen zur Thematik vorstellt.

Der dritte Teil des Buchs Empirische Untersuchung zu Männern in der Sozialen Arbeit wird die Erhebung vorgestellt. Nach den entsprechenden methodischen und methodologischen Vorbemerkungen(Gruppendiskussion, Moderatorenrekrutierung etc.), geht Hanne Schaffer auf die Kontaktaufnahme mit den Männern ein. Danach referiert Sie über die Erhebungssituation, sowohl das Untersuchungsdesign und die Stichprobe als auch die Auswertungsmethode. Die beiden darauffolgenden Kapitel umfassen die Ergebnisse aus den Gruppendiskussionen mit den Studenten (Männer aus dem ersten Semestern sowie dem siebten Semester) und den bereits langjährigen respektive erst seit kurzem tätigen Sozialarbeitern. Die Verfasserin legt hier die Ergebnisse in sehr breiter Form vor und veranschaulicht diese anhand entsprechender Beispielzitate.

Im letzten Teil des Buchs Sozialpädagoge sein und Mann bleiben als inhärentes Spannungsverhältnis resümiert die Autorin die Ergebnisse und fasst diese auf die Fragestellungen und den theoretischen Ansatz hin zusammen.

Diskussion und Fazit

Hanne Schaffer hat eine interessante Studie erschaffen, die vor allem durch ihre Prägnanz auffällt. Der notwendige thematische Rahmen wird auf 32 Seiten ausreichend dargelegt und ferner so dargeboten, dass auch für die ersten Semester unter den interessierten Student_innen Nachvollziehbarkeit gewährleistet ist. Dies gilt auch für die methodologischen respektive methodischen Schritte. Diese sind nur knapp dargestellt, reichen aber für den Überblick vollkommen aus. Die Ergebnisse sind für die meisten Leser_innen sicherlich wesentlich interessanter und erhalten demgemäß auch Erwähnungsraum in aller Ausführlichkeit. Beinahe 100 Seiten wurden hier ausgeschöpft. Die Ergebnisse und Interpretationen sind umfangreich anhand entsprechender Zitate belegt. Auch hier liest sich das Buch vorderhand flüssig und behält die Nachvollziehbarkeit bei. Die Ergebnisse verwundern an vielen Stellen nicht, unterstreichen oder widersprechen stellenweise aber bisherigen Befunden zur Thematik. Aus diesem Grund lohnt sich die Lektüre allemal.


Rezensent
Jens M. Schneider
Sozialarbeitswissenschaftler, M.A. (Hochschule Fresenius - Standort Frankfurt am Main)
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Zitiervorschlag
Jens M. Schneider. Rezension vom 28.01.2014 zu: Hanne Schaffer: Sozialpädagoge und Mann. Männliches Selbstverständnis in einem Frauenberuf. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2013. ISBN 978-3-7841-2147-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15252.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


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