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Andreas Jähne, Cornelia Schulz u.a.: Wege zur Raucherentwöhnung

Rezensiert von Prof. Dr. phil. Barbara Wedler, 03.06.2016

Cover Andreas Jähne, Cornelia Schulz u.a.: Wege zur Raucherentwöhnung ISBN 978-3-942734-48-6

Andreas Jähne, Cornelia Schulz, Iris Wurmbauer: Wege zur Raucherentwöhnung. Handbuch zur Einführung im Klinikbereich am Beispiel des "Freiburger Modells". Deutsche Krankenhaus Verlagsgesellschaft mbH (Düsseldorf) 2013. 86 Seiten. ISBN 978-3-942734-48-6. D: 29,00 EUR, A: 29,90 EUR.
mit CD-ROM
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Thema

Wege zur Raucherentwöhnung. Handbuch zur Einführung im Klinikbereich am Beispiel des „Freiburger Modells“.

Autorinnen und Autor

Cornelia Schulz (Leiterin, Diplompsychologin) und Dr. Andreas Jähne (Stellvertreter) leiten das Präventionsteam Freiburg am Tumorzentrum Ludwig Heilmeyer – CCCF des Universitätsklinikums Freiburg. Dr. Jähne ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Iris Wurmbauer arbeitete als Präventionsmanagerin am selben Tumorzentrum.

Entstehungshintergrund

Schulz, Jähne und Wurmbauer haben gemeinsam mit MitarbeiterInnen des Tumorzentrums Präventionsstrukturen zur Frühintervention für rauchende Patienten entwickelt. Das unter dem Namen „Freiburger Modell“ etablierte Präventionsprogramm soll Anregung zum Nachahmen für andere Kliniken bieten.

Aufbau

Das Handbuch beginnt mit Grußworte(n) und dem Vorwort der Autoren.

Im Hauptteil gliedert sich das Buch in:

    Teil I

  1. Tabakabhängigkeit und Tabakentwöhnung
  2. Das „Freiburger Modell“ in der Praxis – Erfahrungen aus dem Universitätsklinikum Freiburg

    Teil II

  3. Anleitung zur Einführung an Ihrer Klinik

Nach dem Schlusswort findet sich die Übersicht der Arbeitsmaterialien auf der beigefügten CD-Rom sowie dem Literaturverzeichnis.

Inhalt

In den Grußworten verweisen der Direktor des Tumorzentrums Prof. Dr. Opitz, Prof. Dr. R. D. Hurt vom Comprehensiv Cancer Center in Minnesota sowie Mechthild Dyckmanns als Drogenbeauftragte der Bundesregierung auf den Umfang und die Gefahren des gesundheitsschädigenden Tabakkonsums. Vor diesem Hintergrund nimmt die Prävention einen besonderen Stellenwert ein, weshalb die Drogenbeauftragte der Bundesregierung die Schirmherrschaft über das „Freiburger Modell“ übernommen hat.

Neben dem Dank an alle „Entwickler und Mitwirkenden“ des „Freiburger Modells“ benennen die AutorInnen im Vorwort, worauf es ihnen mit diesem Modell ankommt: auf ein flexibles Therapieprogramm, dass sich einerseits in das Setting eines Akutkrankenhauses anpassen und gleichzeitig die unterschiedlichen Patientenbedürfnisse berücksichtigen kann.

Im Teil I wird im ersten Teil auf statistisches Datenmaterial zurückgegriffen, welches den Tabakkonsum als Gesundheitsrisiko kennzeichnet. Interessant in diesem Zusammenhang ist der Verweis auf durchaus vorhandene, mehr und weniger evidenzbasierte Therapieangebote bundesweit, die allerdings nicht ausreichend genug zur Kenntnis genommen werden. Ein Krankenhausaufenthalt sensibilisiert Patienten für Befinden und so bietet das Akutkrankenhaus einen hervorragenden Anknüpfungspunkt zur Kontaktaufnahme und den Beginn von Veränderungsprozessen. Nachdem auf biochemische Abläufe beim Nikotinkonsum eingegangen wird und bewährte therapeutische Interventionen kurz vorgestellt werden, erörtern die VerfasserInnen die Grundlagen des „Freiburger Modells“. Dabei orientieren sie sich am Modell der Stadien der Veränderungsbereitschaft von Prochaska/Di Clement und nutzen die Technik der Motivierenden Gesprächsführung nach Miller/Rollnick. Die entsprechenden Diagnoseinstrumente werden kurz benannt und sind auf der CD ROM hinterlegt. Angewendete psychologische sowie biologische Therapieformen werden ebenso umrissen wie Methoden nicht evidenzbasierter Tabakentwöhnung. Im zweiten Teil liegt der Schwerpunkt auf die Struktur und Umsetzung des „Freiburger Modells“ selbst. Hervorzuheben sind als Projektziele nicht nur die Implementierung des Modells in den Klinikalltag sondern auch die Hilfestellung für ein rauchfreies Leben. In diesem Rahmen sehen sich die Experten als Brückenbauer zu regionalen Anbietern von Entwöhnungstherapien. Die Schritte von der Bildung des interdisziplinären Präventionsteams, über den Aufbau notwendiger Präventionsstrukturen bis hin zur Evaluation erster Ergebnisse werden nachvollziehbar beschrieben.

Teil II widmet sich ausführlich den Möglichkeiten, das „Freiburger Modell“ auf andere Kliniken zu übertragen. Neben der detaillierten Beschreibung der einzelnen Schritten (Bedarfsanalyse, Ressourcenanalyse, Zieldefinition sowie Aufbau entsprechender Strukturen) konzentrieren sich Schulz, Jähne und Wurmbauer vor allem auf ihre praktischen Erfahrungen. Vor Bedeutung sind u.a. der Aufbau eines internen Netzwerkes innerhalb der Klinik sowie die Beachtung notwendiger und auch nicht notwendiger Datenschutzfragen. Die Varianz der therapeutischen Angebote wurde im „Freiburger Modell“ aus den Möglichkeiten der Verhaltenstherapie entnommen.

Im Schlusswort betonen Schulz und Jähne nochmals, dass dieses Handbuch die Rolle des „Multiplikators“ übernimmt und sie sich auf einen regen Austausch diesbezüglich freuen.

Diskussion und Fazit

Die AutorInnen wollen mit diesem Handbuch nicht nur ihre „Pionierarbeit zur proaktiven Beratung rauchender Patienten im klinischen Setting“ (S. VII) vorstellen, sie wollen sich mitteilen und ihre Erfahrungen – in der Hoffnung, dass zukünftig mehr Experten und Kliniken derartige Präventionsteams sowie Angebote für ihre Patienten bereithalten. Weil sich das Handbuch in erster Linie an Experten in Puncto Rauchentwöhnung i.w.S. wurde der theoretische Teil erfrischend kurz gefasst. Der „Anleitungsteil“ hingegen ist ausgesprochen handlungsorientiert und besteht jeweils aus einer Vorbereitungs- und Aktionsphase.

Dank der abschließenden Checklisten können die Nutzer des Handbuches die einzelnen Schritte für ihre Arbeit vor Ort überprüfen. Im Text wird auf die jeweiligen Arbeitsmaterialien auf der CD-ROM verwiesen. Doch trotz detaillierter Hilfestellungen dient das Manual lediglich als Anregung zur der Entwicklung des passenden Präventionsvorhabens vor Ort. Und auch wenn nicht explizit im Handbuch darauf verwiesen wurde: Geschäftsführer, Klinikdirektoren etc. sollten unbedingt dieses Handbuch lesen. Denn diese bieten den Rahmen für derart fachkompetente und langfristig hochwirksame Arbeit.

Ein Handbuch, das an „die Hand nimmt“. In hervorragender Tradition von frühinterventiven Ansätzen zur Verhaltensänderung setzt das Team um C. Schulz die Grundgedanken von Prochaska/Di Clemente sowie Rollnick/Miller auf dem Weg zur Raucherentwöhnung im Klinikum Freiburg sehr sachverständig und kreativ um. Das Handbuch hebt alle Kernelemente dieses Modell hervor und notwendige Arbeitsmateriealien stehen auf der CD-ROM zur Verfügung. Diese inhaltliche Tiefe auf so wenigen Seiten niederzuschreiben ringt den LerserInnen Hochachtung ab. Das beste Fachbuch zu exakt diesem Thema!

Rezension von
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
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Zitiervorschlag
Barbara Wedler. Rezension vom 03.06.2016 zu: Andreas Jähne, Cornelia Schulz, Iris Wurmbauer: Wege zur Raucherentwöhnung. Handbuch zur Einführung im Klinikbereich am Beispiel des "Freiburger Modells". Deutsche Krankenhaus Verlagsgesellschaft mbH (Düsseldorf) 2013. ISBN 978-3-942734-48-6. mit CD-ROM. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15260.php, Datum des Zugriffs 02.10.2022.


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