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Susanne Schröter (Hrsg.): Geschlechtergerechtigkeit durch Demokratisierung?

Cover Susanne Schröter (Hrsg.): Geschlechtergerechtigkeit durch Demokratisierung? Transformationen und Restaurationen von Genderverhältnissen in der islamischen Welt. transcript (Bielefeld) 2013. 321 Seiten. ISBN 978-3-8376-2173-0. 29,80 EUR.

Reihe: Global, local Islam.
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Gleichheit der Geschlechter: Menschenrecht?

Der Freiheits- und Gleichheitsartikel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland – „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ – basiert auf Artikel 1 der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 proklamierten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, in dem es heißt: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren…“. Eine Unterscheidung, gar eine Relativierung dieses Gleichheitsgrundsatzes der Menschen wird in der Menschenrechtsdeklaration in Artikel 2 eindeutig und unmissverständlich ausgeschlossen: „Jedermann hat Anspruch auf die in dieser Erklärung proklamierten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeine Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Vermögen, Geburt oder sonstigem Status“. Immer wenn es um grundlegende Fragen des Menschseins und um das euzôia, das gute Leben (Aristoteles) geht, werden Paradigmen formuliert, die als Gebote / Verbote gesetzt, als nichtkritisierbare und unumstößliche Gesetzlichkeiten und Selbstverständlichkeiten postuliert, oder als religiöse und naturrechtliche Voraussetzungen betrachtet werden. Der Anspruch auf Allgemeingültigkeit der Menschenrechte aber wird immer wieder in Frage gestellt und durch spezifische Deklarationen relativiert, wie z. B. die von den Mitgliedsstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz 1990 ratifizierte „Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam“, oder die bereits 1981 von den Staats- und Regierungschefs der Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU) beschlossene „Afrikanische Charta der Menschenrechte und der Rechte der Völker“. Der Soziologe und Sozialphilosoph Hans Joas schreibt eine „affirmative Genealogie des Universalismus der Werte“, indem er erst einmal feststellt: „Ich glaube nicht an die Möglichkeit einer rein rationalen Begründung letzter Werte“. Dabei freilich will er nicht an den Grundfesten und Denkgebäuden rütteln, wie sie in der Philosophie über die Jahrtausende hin gedacht und postuliert wurden; vielmehr geht es ihm darum, auf die Trennbarkeit von Genesis und Geltung im Argumentationsprozess um die Begründbarkeit von Menschenrechten zu verweisen: Es „kann nämlich die Geschichte der Entstehung und Ausbreitung von Werten selbst so angelegt werden, dass sich in ihr Erzählung und Begründung in spezifischer Weise verschränken“. Dabei weist er die seiner Meinung nach unfruchtbare Debatte zurück, ob „die Menschenrechte eher auf religiöse oder auf säkular-humanistische Ursprünge zurückzuführen sind„; vielmehr stellt der Autor fest, dass es eine fundamentale Alternative zu den genannten Positionen gibt: „Sakralität, Heiligkeit…, den Glauben an die Menschenrechte und die universale Menschenwürde als das Ergebnis eines spezifischen Sakralisierungsprozesses aufzufassen…, in dem jedes einzelne menschliche Wesen mehr und mehr und in immer stärker motivierender und sensibilisierender Weise als heilig angesehen und dieses Verständnis im Recht institutionalisiert“ wird. Das mögliche Missverständnis, dass Sakralität vornehmlich als religiös aufgefasst werden könne, räumt er dadurch beiseite, indem er insistiert, dass „subjektive Evidenz und affektive Intensität“ die Grundpfeiler eines so verstandenen sakralen Denkens und Handelns darstellen und die „Sakralisierung der Person“ zum Ziel hat (Hans Joas, Die Sakralität der Person. Eine neue Genealogie der Menschenrechte, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12425.php).

Entstehungshintergrund und Herausgeberin

Die Euro-, Germano-, Bianco-, okzidentale und kulturistische Zentrierung auf die Weltbilder wird nicht ohne Grund seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auch im Wissenschaftsdiskurs kritisch betrachtet. Ein Paradigmenwechsel, der sich in den „Turns“ ausdrückt (Cultural-, Linguistic-, Interpretive-, Performative-, Reflexive-, Translational-, Iconic-, Spatial- und Postcolonial-Turn) ausdrückt (vgl. dazu auch: Jörg Döring / Tristan Thielmann, Hrsg., Spatial turn. Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften, 2008, www.socialnet.de/rezensionen/6606.php; Moritz Csáky / Christoph Leitgeb, Hrsg., Kommunikation – Gedächtnis – Raum, 2009, in: www.socialnet.de/rezensionen/7645.php; Christian Berndt / Robert Pütz, Hrsg., Kulturelle Geographien, 2007, www.socialnet.de/rezensionen/6651.php), will dabei die Dominanzen, Verquerungen und scheinbaren Selbstverständlichkeiten in Frage stellen und korrigieren. Die traditionelle Okzident-Orient- und hier insbesondere die christlich-muslimische Betrachtung bestimmt dabei den Diskurs (vgl. z. B. dazu: Georg Stauth, Herausforderung Ägypten. Religion und Authentizität in der globalen Moderne, transcript Verlag, Bielefeld 2010, 272 S., Kai Hafez, Heiliger Krieg und Demokratie. Radikalität und politischer Wandel im islamisch-westlichen Vergleich, www.socialnet.de/rezensionen/8667.php). In Fallstudien (Ines Braune, Aneignungen des Globalen. Internet-Alltag in der arabischen Welt. Eine Fallstudie in Marokko, Bielefeld 2008, www.socialnet.de/rezensionen/8133.php) und Forschungsprojekten wird die Bedeutung der neuen Medien und Kommunikationsmittel in unterschiedlicher Weise dargestellt (Shadia Husseini de Araújo, Jenseits vom »Kampf der Kulturen«. Imaginative Geographien des Eigenen und des Anderen in arabischen Printmedien, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12016.php).

Die „Arabellion“, die Freiheits-, Laizitierungs- und Demokratisierungsbewegungen in islamisch-geprägten Ländern Asiens und Nordafrikas, wird von Politikern und Medien vielfach als eine Konsequenz eines fundamentalen Willens der Menschen nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung betrachtet, was zu der Annahme führt, es bedürfe nur der Übertragung der Demokratiemodelle und -konzepte des Westens in diktatorische und nicht-demokratische Länder, um Demokratie herzustellen. Dass dies eine allzu verkürzte und zudem arrogante Hervorhebung der eigenen Höherwertigkeitsvorstellungen ist, wird langsam durch die schwierigen, langwierigen und komplizierten Veränderungsprozesse in den arabischen Staaten deutlich. Hoffnungsvolle bis euphorische Erwartungshaltungen, dass die revolutionären Bewegungen auch und vor allem dazu beitragen würden, die traditionellen, von Männern und Macht dominierten, ungleichen Geschlechterverhältnisse verändern könnten, bestimmen zudem die öffentlichen (westlichen) Meinungen und Einschätzungen. Als die jemenitische Journalistin Tawakkul Karman 2011 den Friedensnobelpreis erhielt, verstärkten sich diese Erwartungshaltungen. Die aus Ägypten stammende, in den USA tätige Journalistin und Menschenrechtlerin Mona Eltahawy, die über Jahre hinweg die Entwicklungen insbesondere der Genderverhältnisse in der islamischen Welt beobachtet, hingegen bezweifelt, dass sich an der Diskriminierung und rechtlichen Benachteiligung von Frauen nach den Revolutionen etwas ändern würde; zu tief verwurzelt seien in den arabischen Gesellschaften die Vorstellungen von der Minderwertigkeit der Frauen und der Rechtmäßigkeit männlicher Dominanz.

Diese unterschiedlichen Einschätzungen gilt es zu analysieren, sollen nicht durch allzu naive oder fatalistische Einschätzungen und Bewertungen der Situation falsche Schlüsse gezogen werden. Im Rahmen des Forschungsprojektes an der Goethe-Universität in Frankfurt/M. – „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ – wurde im Dezember 2011 eine Konferenz im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg durchgeführt. Die Tagung befasste sich insbesondere mit der Frage, wie „die Aushandlungsprozesse zwischen unterschiedlichen Akteuren – Liberalen und Konservativen, Religiösen und Säkularen, Ideolog/innen und Pragmatiker/innen – ausgelotet … wie die komplexen innen- und außenpolitischen Momente … wirksam werden“. Die Frankfurter Ethnologin Susanne Schröter gibt den Tagungsband heraus.

Aufbau und Inhalt

Susanne Schröter und die Orientalistin und Ethnologin Sonia Zayed setzen sich in ihrem Beitrag „Tunesien“ mit Fragen der Frauenrechte und der Entwicklung „vom Staatsfeminismus zum revolutionären Islamismus“ auseinander. Sie registrieren dabei nicht nur Vorstellungen von autoritärer Staatsführung, sondern auch einen „grundsätzlichen Widerspruch zwischen einer emanzipativen und einer islamischen Ordnung“. Die nach der Revolution sich bildenden Kräfte und Mächte werden insbesondere durch salafistische und fundamentalistische Gruppierungen dominiert. Die anfangs aufkommenden Hoffnungen, dass durch die Freiheits- und Demokratisierungsprozesse sich Geschlechtergerechtigkeit in der Gesellschaft durchsetzen würde, werden von den Autorinnen pessimistisch eingeschätzt: „Von grundsätzlicher Gleichheit oder Gleichberechtigung ist keine Rede mehr“.

Die in Kairo lebende Journalistin und Autorin des Buches „“Wir wollten Freiheit. Der Aufstand der arabischen Jugend“ (2011), Julia Gerlach, zeichnet mit ihrem Beitrag „Frühling der Frauen am Nil“ ein eher optimistisches Bild. Zwar registriert auch sie, dass „die Revolution in Ägypten weit hinter den Erwartungen der Revolutionäre zurückgeblieben“ sei, und sie nennt in ihrer Analyse vielfältige Gründe dafür; doch sie zeigt auch auf, dass sich – langsam aber durchaus stetig – ein Wandel in den patriarchalen, hegemonialen und vermeintlich natur(religiös-)rechtlichen Auffassungen vollzieht, der sich im Nachdenken über gleichberechtigtes familiäres und gesellschaftliches Leben zeigt und von Vorbildern für freiheitliches Denken und Handeln befeuert wird: „Die Menschen sind insgesamt selbstbewusster, politischer und kritischer geworden“.

Die Islamwissenschaftlerin von der Universität Freiburg, Roswitha Badry, reflektiert Aspekte von Dynamiken bei sozialen Bewegungen am Beispiel der Situation in Jemen: „Ermächtigung von Frauen im Jemen?“. Sie zeigt in einer historischen und gesellschaftskritischen Analyse auf, wie sich die Proteste im Jahr 2011 im Land und in der Region entwickelt haben. Sie benennt Akteure, die für die Freiheitsbewegungen als Symbole und Bilder stehen (wie etwa Tawakkul Karman), diskutiert die Widerstände und konterrevolutionären Aktivitäten, und sie schätzt die gegenwärtige Lage und zukünftige im Land ein (vgl. dazu auch: Jana Trumann, Lernen in Bewegung(en). Politische Partizipation und Bildung in Bürgerinitiativen, 2013, www.socialnet.de/rezensionen/14793.php sowie: Dorothee Kimmich / Schamma Schahadat, Hg., Kulturen in Bewegung. Beiträge zur Theorie und Praxis der Transkulturalität, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/14103.php).

Die Professorin für Islamische Studien und Islamische Theologie von der Hamburger Universität, Katajun Amirpur, spricht von der „blockierten Demokratie“ (4.7.2013) angesichts der Entwicklung in Ägypten. Im Tagungsband stellt sie die Situation der Frauen in den Demokratiebewegungen am Beispiel des Iran dar: „Wir sind die Hälfte der Bevölkerung“. Die „Geschlechter-Apartheid“, die nach der Revolution von 1978/79 in Iran eingeführt wurde, herrscht weiterhin vor. Die anfangs zögerlichen und eher unwirksam sich darstellenden Widerstände von Frauen gegen die Geschlechterungerechtigkeit verstärken sich durch eine Reihe von Aktivitäten und Aktivistinnen insbesondere aus der Mittelschicht und den Intellektuellen im Land. Die Einschätzung der Autorin, dass „die heutige Frauenbewegung nicht nur trotz des Islams existiert, sondern gerade wegen des Islams“, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Herausforderungen, die für Geschlechtergerechtigkeit noch zu leisten sind, nämlich Aufklärung!

Die Hamburger Sprachwissenschaftlerin für Austronesistik, Monika Arnez, thematisiert „Transformationsdynamiken der Geschlechterordnung in Indonesien“, indem sie über „Aktivistinnen im Spannungsfeld politischer, religiöser und kultureller Entwicklungen“ informiert. Sie weist dabei auf Problemfelder hin, die im globalen öffentlichen Diskurs um Frauenrechte bisher eher vernachlässigt werden. Die verschiedenen Positionen, traditionellen, kulturellen, weltanschaulichen und politischen Machtverhältnisse werden dargestellt und bewertet. Ob die Erwartungen erfüllt werden können, dass sich über ideologische Festlegungen hinaus eine schlagkräftige Emanzipationsbewegung bilden kann, bleibt offen.

Die an der Universität in Zürich lehrende Politikwissenschaftlerin Elham Manea verdeutlicht am Beispiel Kuwaits, welche Einflüsse der arabische Staat und die Politik auf Legitimation und „Überlebens“- Anspruch hat. Sie arbeitet heraus, dass der arabische autoritäre Staat drei Grundzüge aufweise: „er verfügt über keine Legitimität, seine herrschenden Eliten stützen sich auf eine traditionelle Machtbasis, und er ist unablässig mit Überlebenspolitik beschäftigt“. Mit der Fallstudie argumentiert sie die eher pessimistische Einschätzung, dass der arabische Staat in seiner Geschlechterpolitik sich weder patriarchal noch liberal verhält (verhalten kann?), was bedeutet, dass demokratische Ansätze allein keine Veränderungen bewirken, weil ein Regierungswechsel eben kein Systemwechsel ist. Vielmehr komme es darauf an, „durch friedlichen, aber hartnäckigen Kampf … für Gleichberechtigung von Frauen und Männern“ einzutreten.

Der Chefredakteur der Zeitschrift „Orient“ und wissenschaftliche Abteilungsleiter im Deutschen Orient-Institut (Deutsche Orient-Stiftung / Deutsches Orient-Institut, NUMOV, Berlin), Sebastian Sons, fragt in seinem Beitrag „Eine egalitäre Geschlechterordnung in Saudi-Arabien?“. Die beim „Arabischen Frühling“ sich vollziehenden Veränderungsprozesse und Herausforderungen machen vom scheinbar „stabilen“ Königreich nicht Halt. Auch in Saudi-Arabien vollzieht sich ein fundamentaler Wandel, „der (jedoch) vielfach in privaten Räumen und jenseits der Öffentlichkeit stattfindet“. Die Zeichen sind sichtbar, und es entsteht die Hoffnung, dass die Aufbruchstimmungen, wie sie sich in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens bemerkbar machen, mittel- und längerfristig nicht nur zu einem Perspektivenwechsel des Frauen-, sondern auch des Männerbildes in der Gesellschaft führen.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum Moderner Orient in Berlin, Andrea Fischer-Tahir, informiert über „Konkurrenz, Kooperation und Widerstand“, indem sie über „Handlungsoptionen irakischer Frauen im politischen Feld“ berichtet. In einer historischen Analyse verdeutlicht die Autorin die Entwicklungsprozesse und Stationen von Emanzipationsaktivitäten, verweist auf Einflüsse und Frauenbewegungen von außen und zeigt Beispiele von innergesellschaftlichen Initiativen auf. Dabei wird erkennbar, dass es „die irakische Frau“ und „eine irakische Frauenbewegung“ nicht gibt, sondern „im politischen Feld agieren (Frauen) unter konkreten lokalen und regionalen Bedingungen und organisieren sich entlang ethnischer und religiöser Linien“.

Die Gastprofessorin an der Qaid-i-Azam-Universität in Islamabad, Andrea Fleschenberg dos Ramos Pinéu, reflektiert über Demokratisierung und Konfliktsituationen: „Afghanistan plus 10 – Demokratisierung per Intervention?“. Afghanistan stelle im Vergleich mit anderen Initiativen im internationalen Kontext in vielfacher Hinsicht eine Ausnahme dar; es bedürfe deshalb einer viel stärkeren Beachtung auch von Interventions-Akteuren und Institutionen von außerhalb, bis hin zur Durchsetzung von internationalen (UN-)Verträgen. Die Autorin kennzeichnet die Situation mit der bezeichnenden Überschrift: „Frauenrechtlerinnen – ein Hauch von Reform, Revolution oder Kampf gegen Windmühlen?“

Die an der Berliner Humboldt-Universität tätige Indologin Nadja-Christina Schneider formuliert in ihrem Beitrag „Islam und Gender in Indien“ Perspektiven der Geschlechtergerechtigkeit in der Minderheitensituation. Die traditionell deutliche Benachteiligung der indischen Muslime in fast allen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Bereichen hat mit zahlreichen Widerstandsprojekten und -aktivitäten zu einem für die indische Gesellschaft herausforderndem Diskurs geführt, der dazu führen dürfte, dass in der „größten Demokratie der Welt“ sich Geschlechtergerechtigkeit und Demokratisierung stärker als bisher durchsetzen wird.

Fazit

Die vielfältigen Argumente und Aspekte zur Situation der Geschlechtergerechtigkeit in der islamischen Welt, wie sie im Tagungsband „Geschlechtergerechtigkeit durch Demokratisierung?“ differenziert diskutiert und gewertet werden, machen deutlich, dass es bei der Bewertung von Transformations- und Restaurationsprozessen Auf und Abs, Für und Widers, Positives und Negatives gibt. Sie zu kennen und zu bedenken ist sowohl als individuelle, wie lokal- und global-gesellschaftliche Herausforderung zu verstehen. Wenn Revolutionen, genau so wie evolutionäre Entwicklungen, bewirken (sollen), Bewusstseinswandel zu vollziehen, sind vor allem die Fragen nach Gleichheit und Gerechtigkeit von Bedeutung, bei uns wie überall in der Welt. Wenn Benachteiligungen und Diskriminierungen von Frauen Bestandteile des gesellschaftlichen, politischen, weltanschaulichen und ideologischen Ordnungssystems sind, bedarf es des Aufstandes und der Solidarität! Dass traditionell überlieferte wie religiös oder ideologisch gesetzte Geschlechtermodelle sich nicht auf die vagen Formeln von traditionell überlieferter oder kulturell begründeter „Andersartigkeit“ zurückziehen können, sondern „Gleichheit“ als nicht relativierbares und unverzichtbares Menschenrecht etabliert werden muss, das verdeutlichen die Analysen und Forschungsergebnisse, die von Südostasien bis zum äußersten Westen Nordafrikas reichen.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 28.08.2013 zu: Susanne Schröter (Hrsg.): Geschlechtergerechtigkeit durch Demokratisierung? Transformationen und Restaurationen von Genderverhältnissen in der islamischen Welt. transcript (Bielefeld) 2013. ISBN 978-3-8376-2173-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15274.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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