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Anja Hartung (Hrsg.): Das handelnde Subjekt und die Medienpädagogik

Rezensiert von Prof. Dr. Anna Zembala, 14.10.2013

Cover Anja Hartung (Hrsg.): Das handelnde Subjekt und die Medienpädagogik ISBN 978-3-86736-300-6

Anja Hartung (Hrsg.): Das handelnde Subjekt und die Medienpädagogik. Festschrift für Bernd Schorb. kopaed verlagsgmbh (München) 2013. 388 Seiten. ISBN 978-3-86736-300-6. D: 19,80 EUR, A: 20,40 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Entstehungshintergrund

Wie schon der Buchtitel in seinem zweiten Satz verrät, handelt es sich um eine Festschrift für Bernd Schorb. Dieser war bis zu seiner Pensionierung im März 2013 an der Universität Leipzig tätig. Von dort aus hat er als Professor für Medienpädagogik und Weiterbildung am Institut für Kommunikations- und Medienforschung den wissenschaftlichen Diskurs um die medienpädagogischen Themen geprägt. Im Laufe seiner Karriere hat er unterschiedliche weitere Aufgaben übernommen, wie den Vorsitz des Vereins Medienpädagogik e.V. in Leipzig oder des JFF e.V. – Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis in München. Darüber hinaus engagierte er sich als Programmdirektor für das UniRadio „mephisto 97.6“ und bei der Herausgabe der Zeitschrift „merz – medien und erziehung“ (http://mepaed.kmw.uni-leipzig.de/team).

Aus Anlass seiner Pensionierung haben sich nun insgesamt 30 Autor/-innen zu Wort gemeldet um den Jubilar zu ehren. Es sind seine Weggefährten, aber auch eine beachtliche Zahl seiner ehemaligen Student/-innen. Eine gute Festschrift vorzubereiten stellt keine einfache Aufgabe dar. Sie kann in eine Versuchung geraten: unbedingt alles sagen zu müssen, was leider oft mit einem chaotischen Konvolut aller möglicher Themen endet. Oder aber man bemüht sich die zu ehrende Person in einem übertrieben guten Lichte dazustellen, indem das ganze Unterfangen durch das Fehlen einer kritischen Auseinandersetzung mit den Themen für den Leser uninteressant wird.

Thema und Aufbau

Die Herausgeber der Festschrift (Anja Hartung/Achim Lauber/Wolfgang Reißmann) haben sich entschieden Texte zu veröffentlichen, die nur eine einzige, jedoch wesentliche, theoretische Positionierung von Schorb aufgegriffen haben. Es handelt sich um den Kern seiner theoretischen Schriften, der zugleich auch seine Forschungsaktivitäten maßgeblich beeinflusst hat. Seit den 1970er Jahren tritt der Jubilar für eine neue Medienpädagogik ein. Die Herausgeber bemerken dabei, dass es um „eine Neuformulierung der Medienpädagogik, die am Menschenbild des selbstbewusst handelten Subjekts orientiert ist und die dessen mehrfach interdependentes Verhältnis mit den Medien, verstanden als historisch gewordene gesellschaftliche Gegenstände, analysieren, erklären und praktisch moderieren kann“ geht. (S.9). Im Mittelpunkt so der verstandenen Medienpädagogik steht also das Subjekt, das fähig ist zu handeln und aufgrund dessen in der Lage wäre seine mediale Sozialisation, in eigenem Interesse, durchzuführen. Angesichts dessen und aller Tätigkeitsschwerpunkte von Bernd Schorb – die sich in der Theorie, Forschung, Praxis und Lehre niederschlugen – gliedern sich die Beiträge in vier Bereiche:

  1. Das handelnde Subjekt in der Medienaneignungstheorie
  2. Das handelnde Subjekt in der Medienaneignungsforschung
  3. Das handelnde Subjekt in der medienpädagogischen Praxis
  4. Das handelnde Subjekt in der medienpädagogischen Lehre

Jeder Bereich wird von einem oder zwei Leitbeiträgen getragen, um die dann weitere vier bis fünf Ausführungen gruppiert werden. Die Struktur der Beiträge wird überwiegend einheitlich gehalten: jeder Beitrag beinhaltet einen Abstract und ein Fazit, wie auch eine Literaturliste. Auskunft über die Autor/-innen bringt im Anhang eine Zusammenstellung entsprechender Daten, wo man bei Bedarf auch die Email-Adressen der Autor/-innen findet.

Inhalt

Im ersten Teil der Festschrift (Das handelnde Subjekt in der Medienaneignungstheorie) findet man ein breites Spektrum an Überlegungen, die das handelnde Subjekt in einem medientheoretischen Kontext verorten.

Die Debatte eröffnet Ingrid Paus-Hasebrink mit ihrem Artikel „Medienwelten, Medienhandeln, Medienaneignung, Medienkompetenz. Medienpädagogische Theoriebausteine überdacht.“ Hier finden die Leser einen geschichtlichen Hintergrund des Subjekt-Konzepts von Schorb. Zugleich wird im Allgemeinen der Frage nachgegangen, was eigentlich die Kernaufgabe der handlungsorientierten Medienpädagogik ausmacht. Nur bei der Abwendung von den bewahrpädagogischen Ansätzen zugunsten der kommunikativen Kompetenz in Hinblick auf die Medienmündigkeit von Kindern und Jugendlichen kann es nicht bleiben. Essentiell und wegweisend scheint demnach der Zugang des „kontextuellen Verstehen[s] der Medienaneignung“, den Schorb und Theunert entworfen haben. „Er zielt darauf, sämtliche Lebenskontexte von Rezipienten und Rezipientinnen in der Untersuchung zu berücksichtigen.[…] Eine so verstandene Medienforschung stellt die Grundlage einer >reflektierten Medienpraxis […] dar und zählt zu den zentralen Herausforderungen medienpädagogischer Arbeit.“ (S.36)

Der nächste Beitrag „Das Sozialisationsprimat und der Identity Turn Mediales Handeln und Subjektentwicklung“ von Dagmar Hoffmann geht auf verschiedene Ansätze der Sozialisationstheorien ein und hinterfragt die Auslegung von Sozialisationsbedingungen unserer modernen, mediatisierten Gesellschaft. Hier stellt die Autorin eine zunehmende Subjektorientierung fest, die die Diskussion über die Identitätskonstrukte junger Menschen einengt. „Um den Stellenwert von Medien im Kontext der Sozialisation angemessen deuten zu können, sollte man Handlungs- und Erfahrungszusammenhänge mit Medien nicht isoliert betrachten, sondern als integriertes Wirkungsfeld, als Konglomerat, vor der Folie gesellschaftlicher Entwicklungen.“(S.53) Denn, nur auf diesem Wege kann man die Selbstkonzepte jedes einzelnen Individuums in Hinblick auf seine Biografie und die Lebensentwürfe verstehen.

Dieser Ansicht folgt auch Friedrich Krotz mit seinem Text „Rekonstruktion der Kommunikationswissenschaft. Vom passiven Publikum zur Partizipation der User“. Anhand Auseinandersetzung mit den theoretischen Auffassungen von Medienhandeln, Mediennutzung und Medienwirkung legt der Autor konkret und beispielhaft dar, wie über die Grundlagen der Medienforschung gedacht wird. Je nachdem wie das Publikum definiert wird, so wird auch geforscht.

Die darauf folgenden drei Texte dieses Kapitels von Ulrich Deinet und Ahmet Derecik „Das Konzept der sozialräumlichen Aneignung und die neuen Medien“, Achim Lauber und Andreas Krapp „Interessengeleitete Medienaneignung. Ein Vorschlag zur Weiterentwicklung des Konzepts der Medienaneignung auf der Grundlage tätigkeits- und interessentheoretischer Überlegungen“ und von Anja Hartung „Medienaneignung und Biografie. Die diachrone Perspektive auf Sinn- und Identitätsbildungsprozesse“ zeigen weitere konkrete Möglichkeiten einer theoretischen Weiterführung von Subjekttheorien in der Medienpädagogik. Deinert und Derecik nehmen als Ausgangspunkt die Raumtheorien, die in der Sozialarbeit mit Heranwachsenden angewendet werden und entwerfen ein neues Konzept für eine Aneignung virtueller Räume von Kindern und Jugendlichen. Die Maxime, „die Trennung zwischen virtuellen und realen Räumen ist für Heranwachsende nicht mehr haltbar“ (S.83), liegt zugrunde und zeigt, dass diese Tatsache sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Eine Erweiterung der Tätigkeitstheorie, die Berns Schorb für sein Konzept der Medienaneignung nutzte (auf der Grundlage der Begriffe: Tätigkeit, Interiorisierung, Aneignung und Vergegenständlichung) bringt der Beitrag von Achim Lauber und Andreas Krapp. Das Konzept wird um zwei weitere Komponenten von: Interesse und Motivation, ausgebaut. Im Gegenzug dazu zeigt der Beitrag von Hartung, wie die sich aus den medialen Artefakten speisende Selbstreflexion im Kontext von Biografisierungsprozessen zur Selbstwerdung des Subjekts beisteuert.

Der zweite Teil der Festschrift (Das handelnde Subjekt in der Medienaneignungsforschung) enthält neun Beiträge und wird ebenfalls von einem Leitbeitrag getragen: Helga Theunert, Koautorin vieler Schriften von Schorb, schreib über „Zugänge zum Subjekt. Sinnverstehen durch Kontextualisierung“. Auf 17 Seiten stellt Theunert den Forschungsansatz vom „kontextuellen Verstehen der Medienaneignung“ dar. Zugleich deutet sie auf die aktuellen medialen Herausforderungen hin und die daraus resultierenden neuen Reflexionen. Wenn die gängigen medialen Erklärungen in linearen Vorstellungen von Sender-Medium-Empfänger bleiben, durchbricht Theunert dieses Muster mit einem Dreieck von Subjekt-Gesellschaft-Medien. In unterschiedlichen Denkachsen von Medienaneignung als Interaktionsprozess, dann der Kommunikation und Artikulation in alltagsüblichen Formen sowie den sozialen Kontextualisierung und anschließend der sinnverstehenden Interpretation wird das komplexe Gefüge der theoretischen Auslegungen aufgezeigt.

Vor welchen konkreten Grenzen die subjektorientierte Medienforschung steht, zeigt die Frage von Hans-Jörg Stiehler („Subjektive Medientheorien Versuch einer (Zwischen-?)Bilanz“), mit der er fragt: „Inwieweit kommen in subjektiven Medientheorien Aspekte von objektiver Erkenntnis zum Vorschein, seien sie Resultat eigener Auseinandersetzung und/oder von (beiläufiger) Rezeption popularisierter wissenschaftlicher Erkenntnis?“ (S. 156).

Weitere Beiträge thematisieren die Forschungsschwerpunkte in Hinblick sowohl auf die Zielgruppen (Kinder, Familien, Migrant/-innen), als auch auf die Kompetenzen (Partizipation, moralisches Urteilen). Bei Ulrike Wagner und Maren Würfel („Gesellschaftliche Handlungsfähigkeit in mediatisierten Räumen“) handelt es sich um die ständige Befähigung durch die Medien sich aktiv an gesellschaftlichen Diskursen beteiligen zu können. Sandra Fleischer und Burkhard Fuhs schreiben über „Medien und Kindheit. Kinder als die Expert/innen ihrer Lebenswelt“ und Andreas Lange folgt seinem Konzept „Doing Familiy“ im Beitrag „Familie und Medien. Zeitdiagnostische Trends als Themen für Forschung und Theoriebildung“. Migranten als Zielgruppe subjektorientierter Forschung greift Susanne Eggert („Gut hin und nicht ganz weg. Wie Medien im Integrationsprozess unterstützen können“) auf. Dann wird dies am Beispiel von durch Musik erzeugter Emotionen auch von Wolfgang Reißmann, Anja Hartung und Karina Böhm in ihrem Text „Das fühlende Subjekt in Prozessen der Medienaneignung. Das Beispiel Musik“ ausgeführt. Die weiteren Beispiele von Computerspielen und Bücherlesen bringen Rüdiger Funiok und Sebastian Ring in „Das auch moralisch handelnde Subjekt. Ethik und Computerspielen“ und Gudrun Marci-Boehncke in „Stories, Sprache, Schrift und die Digitalisierung. Mediensozialisation heute und morgen“.

Mit einem geschichtlichen Aufsatz „Das Subjekt in der handlungsorientierten Medienpädagogik“ von Hans-Dieter Kübler wird der dritte Teil des Sammelbandes eingeleitet (Das handelnde Subjekt in der medienpädagogischen Praxis). Hier bekommen die Leser eine historische Übersicht über die Konjunkturen und Versionen von Medienkompetenz und der damit einhergehenden Auffassungen vom Subjekt. Kübler stellt fest, dass sich die Medienpädagogik im Laufe der letzten 60 Jahre auf mehreren Subjektkonstrukte bezogen hat (bewahrpädagogisches, kritisches, handelndes, funktionierendes und ganzheitliches Konzept), jedoch diese sich immer im Rahmen „der etablierten Tradition über Differenzierung von Lernzielen und Handlungskonzepten“ (S. 236) bewegt haben. Zudem gingen die Subjektkonzepte nicht über die starren abstrakten Begriffsvorstellungen hinaus. Die theoretischen Unstimmigkeiten setzen sich nach Kübler auch in der Forschungspraxis fort, wo die Subjekte sich in Summen von „Konglomeraten der erhobenen Daten“ auflösen. So dass die heutige subjektbetonende Medienpädagogik aller Wahrscheinlichkeit nach neu definiert werden muss.

Eine betonende Auffassung dessen bringt Dieter Spanhel („Medienerziehung“), in der er die Zwickmühle der Subjektorientierung im Hinblick auf die erziehlichen Aufgaben auffasst. Die dort erforderlichen Konzepte und Programme können nicht lediglich aus der Beobachtung der medialen Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen entstehen. „Vielmehr erfordert Medienerziehung zu seiner Legitimierung eigenständige theoretische Leistungen im Sinne der Entwicklung von Modellen einer verbesserten Medienpraxis sowie eigne konstruktiv-kreative Leistungen im Sinne des Entwurfs von Handlungsmöglichkeiten.“ (S.268)

Auf eine breite Perspektive der allgemeinen Aufgaben und Ziele der Medienpädagogik bringt Horst Niesyto in seinem Beitrag „Bildung – Beschleunigung – Medien“ die Auffassung von Medienpädagogik nach Schorb.

Vergleichbar dazu eröffnet Franz Josef Röll in seinem Aufsatz „Medienpädagogik als Wahrnehmungsbildung“ weitere Interpretationsmöglichkeiten von differenzierten Bedingungen, die die Entwicklung von Individualitäten im medialen Kontext stärken.

In weiteren Beiträgen von Fred Schell und Kathrin Demmler („Aktive Medienarbeit. Theoretische Einordnung, Ziele, Lernprinzipien und Lernbereiche“), Jan Keilhauer („Themenzentrierte Medienarbeit“), Claudia Kuttner („Intergenerative Medienarbeit“), Achim Lauber und Daniel Hajok („Zur Bedeutung des Jugendmedienschutzes in der Medienaneignung von Kindern und Jugendlichen“) Margrit Witzke („Medienarbeit und Selbstausdruck. Symbolisch-ästhetischer Selbstausdruck in Video-Eigenproduktionen“) sowie Judith Zeidler und Susanne von Holten („Praktische Medienarbeit der Landesmedienanstalten. Vielfältig, aber nicht beliebig“) findet der Leser gute Beispiele praktischer Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Facetten von vom Subjekt her geleiteten, kontextuellen Herangehensweisen in medienpädagogischen Feldern.

Mit dem Leitartikel von Gerhard Tulodziecki („Das Subjekt in der medienpädagogischen Lehre“) beginnt der vierte und letzte Teil des Sammelbandes (Das handelnde Subjekt in der medienpädagogischen Lehre). Auch die Lehre, selbst über die Medienpädagogik und unabhängig davon um welche konkrete Lehrsituation es sich handelt, kann kein kohärentes Bild von Subjekten aufweisen.

Im gleichen Ton bleibt der sich anschließende Beitrag von Niels Brüggen („Die Wahrnehmung der Lernenden als Moment der Subjektorientierung“), in dem die Überschaubarkeit der Mediendidaktischen Lehrkonzepte im Bezug auf das Subjektfokussierung noch deutlicher ausfällt.

Die drei weiteren Texte von Stephen Frank und Anke Dommaschk („Handelndes Subjekt und eLearning-Didaktik. eLearning als Lehren und Lernen“), Johannes Schiller („Hochschulradio als Ausbildungswerkstätte. Das Lokalradio der Universität Leipzig mephisto 97.6“) sowie Karla Spendrin und Hendrik Löwe („Praktische Forschung in der Lehre. Das Lehr-Lern-Projekt. >Lesestart>“) berichten über die inzwischen gelungenen Umsetzungen des Subjektbetonenden Ansatzes in der Lehre.

Diskussion

Durch das Zusammenbringen diverser theoretischer Ansätze, nach denen man über Medienpädagogik aktuell sprechen kann, demonstriert der Sammelband eindrucksvoll wie vital diese wissenschaftliche Disziplin heute ist. Ferner wird deutlich, dass es nie um feste, in sich abgeschlossene Theoreme ging. Vielmehr und insbesondere dann, wenn eine Diskussion unter Pädagogen und Lehrern durchgeführt wird, stand und steht das Wohl der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund. In diesem Sinne kann man bemängeln, dass der Leser auf die theoretische Positionierung von Bernd Schorb erst bis zum zweiten Kapitel des Bandes warten muss, wo sie Helga Theunert in einer entsprechende Übersicht einleitet. Eine frühere Platzierung würde den Zugang zu allen weiteren Beiträgen wesentlich erleichtern. Der Beitrag von Niesyto bringt die notwendige Perspektive, eine Beschäftigung mit dem Subjektorientierten Ansatz über den „Leipziger Tellerrand“ hinaus im Kontext eines breiten medienpädagogischen Diskurses stattfinden zu lassen. Ob eine noch weitere Ausdifferenzierung der Themen dieser schon so umfangreichen Festschrift zugute kämen, sei allerdings dahin gestellt. Die Tatsache, das Medium in seiner Beschaffenheit nur mit einem einzigen Satz der Einleitung – „ein Medium ist ein besonderes Ding“ – zu erwähnen, überrascht jedoch sehr. Vielleicht könnte diese Perspektive neuen Wind in die Diskurse über die medienbezogene Handlungsstrategien der Subjekte bringen. Schade, dass die so subjekthervorbringende Vorgehensweise die „wissenschaftlichen Subjekte“ kaum thematisiert. Zwar ist es in Festschriften nicht üblich viele Worte über die Jubilare zu verlieren, aber ein Foto oder eine Erinnerung an eine persönliche Begegnung mit dem Jubilar hätte der Festschrift auch eine persönliche Note verleihen können.

Fazit

Die Festschrift hat ihr Ziel nicht verfehlt. Sie zeigt die Vielfalt der Impulse, die Bernd Schorb mit seinem Schaffen, sowohl in seinen theoretischen als auch forschenden Tätigkeiten, ausgelöst hat. Aber nur in diesem Kontext sollte sie auch gelesen werden. Viele Beiträge ergänzen sich gegenseitig. Zum Teil werden sie auch erst im Kontrast zu anderen, indem sie so auf ihre Stimmigkeit hin übergeprüft werden, verständlich. Über die Zuordnung einiger Titel ausgerechnet zu einem der thematisierten Bereiche kann sich der Leser zwar manchmal wundern, dem Gesamteindruck von einem sorgfältig vorbereiteten Band schadet es letztlich jedoch nicht. Man findet hier einen fundierten Austausch zu allen relevanten Disziplinen der subjektorientierten Medienpädagogik, so dass der Eindruck entsteht, dass wir von einer „Leipziger Schule der Medienpädagogik“ sprechen können. Ungeachtet dessen zeigt die Festschrift auf, wie unerlässlich die Reflexion über eigene Wert- und Weltvorstellung in der Wissenschaft ist. In diesem Sinne haben wir nie mit einer objektiven, sondern immer mit einer „subjektorientierten“ Forschung oder Theorie zu tun. Letztendlich leiten sich die medienwissenschaftlichen Arbeiten von den persönlichen Überzeugung darüber, wie der Mensch in seinem sozialen und demnach auch medialen Umfeld agiert, ab. Dafür findet der Leser in diesem Werk viele anregende Gedanken. Man kann nur hoffen, dass es den Medienpädagogen aller Couleurs, in Zeiten des Konformismus des „like-Buttons“, zugute kommt.

Rezension von
Prof. Dr. Anna Zembala
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Es gibt 13 Rezensionen von Anna Zembala.

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Zitiervorschlag
Anna Zembala. Rezension vom 14.10.2013 zu: Anja Hartung (Hrsg.): Das handelnde Subjekt und die Medienpädagogik. Festschrift für Bernd Schorb. kopaed verlagsgmbh (München) 2013. ISBN 978-3-86736-300-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15298.php, Datum des Zugriffs 10.08.2022.


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