Günter Dux: Demokratie als Lebensform
Rezensiert von Dr. Christian Heidl, 04.11.2013
Günter Dux: Demokratie als Lebensform. Die Welt nach der Krise des Kapitalismus. Velbrück GmbH Bücher & Medien (Weilerswist) 2013. 349 Seiten. ISBN 978-3-942393-43-0. D: 39,90 EUR, A: 41,10 EUR.
Thema
Die Publikation „Demokratie als Lebensform. Die Welt nach der Krise des Kapitalismus“ bietet aus philosophischer Perspektive einen Einblick in die direkte Demokratie im Völkerrecht. Die humane Lebensform sieht sich in der Neuzeit, was den Ausgangspunkt der Studie darlegt, an die Demokratie gebunden. Zielvorgabe der Demokratie ist es, für die Anforderungen der humanen Lebensform allererst die gesellschaftlichen Bedingungen zu legen und zu gewährleisten. Die selbstbestimmte Lebensführung eine jeden Subjekts liegt in ihrem Fluchtpunkt. Als zweiten Aspekt des Werkes beschreibt Günter Dux die Krise der Gesellschaft in der Gegenwart. Den Fokus legt er hier auf der Umweltforschung. Er setzt die immense Belastung der Umwelt in den Vordergrund, wenn sich die Rolle der Ökonomie gleichbleibend fortsetzt. Die Wissenschaft kann sich aus der Krise der Diskussion nicht entziehen. Diese ergibt sich aus der ungemeinen Bedrohung der Umwelt für die Organisationsform der Gesellschaft. Grundlegend muss sie darauf ausgerichtet sein, dass die Notwendigkeit und Möglichkeit der Marktgesellschaft in einer anderen Form dargelegt wird. Nach den Zielvorgaben der neuen Gesellschaft muss nicht explizit Ausschau gehalten und gesucht werden. Günter Dux legt zugrunde, dass der Maßstab und die Einheit der neuen Gesellschaft die Junktimierung zwischen der humanen Lebensform und der Demokratie sein muss, welche der Menschheit zugrunde liegen. Demnach wird das veröffentlichte Werk zu einer Reflexion über die Dekonstruktion des Kapitalismus, welche durch eine Dekapitalisierung von Produktion und auch durch eine Dekapitalisierung der Verteilung erreicht wird. Rechts- und Politikwissenschaftler, Ökonomen und alle an der Demokratie als Lebensform aus dem Blickwinkel des Kapitalismus Interessierten, erhalten mit der Publikation ein interessantes Werk über den aktuellen Stand von Theorie und Praxis aus der Philosophie.
Autor
Günter Dux, geb. 1933. Seit 1974 Professor an der Universität Freiburg. 1995 Leibnizprofessor der Universität Leipzig. Seit 1998 Em. Arbeitsgebiete: Theorie der Gesellschaft, Theorie des sozialen und kulturellen Wandels, Wissens- und Kulturtheorie, Normtheorie.
Aufbau
Die Veröffentlichung gliedert sich in insgesamt drei Teile mit Anhang.
Die Dokumentation der Literatur umfasst geschichtliche, historische und ökonomische Definitionen und Perspektiven, welche sich mit Demokratie in der Gesellschaft als Lebensform auseinandersetzt.
Die Publikation ist in wissenschaftlicher Sprache geschrieben. Für eine bessere Orientierung und um zielgerichtet Namen und Wörter nachzuschlagen, wurde ein Namens- und Sachwortregister hinzugefügt. Der Leser erhält in der editorischen Notiz Informationen zu anderen Werken von Günter Dux, welche mit einzelnen Kapiteln in Verbindung stehen und Hintergrundwissen bieten. Ferner legt das Literaturverzeichnis die verwendete Literatur zu Grunde. Erfreulicherweise endet jedes Kapitel mit einem Resümee, dass bietet dem Leser die Möglichkeit die wichtigsten Gedanken in Kürze nachzuvollziehen zu können.
Inhalt
Der erste Teil des Buches legt die „Die Humane Lebensform in einer säkular gewordenen Welt“ zugrunde. Günther Dux zeigt auf, worum es in der Demokratie als Lebensform geht. Es wird auf die Zeitwende eingegangen, welche die humane Lebensform in einer säkular gewordenen Welt beschreibt und beleuchtet die selbstbestimmte Lebensform als eine vom Sinn bestimmte Lebensform (bspw. Sinn als sinnhaftes Handeln). In der Wahrheit der Demokratie entfernt der Autor sich vom Menschen/Subjekt und stellt die zwei Demokratien in den Fokus (der Grund von Politik und Demokratie). Weiterführend wird der dreifache Wahrheitssatz der Demokratie diskutiert. (Der erste Wahrheitssatz der Demokratie geht auf eine humane, respektive selbstbestimmte Lebensform zurück. Der zweite Wahrheitssatz verdeutlicht, dass die Bedingungen für eine selbstbestimmte Lebensführung als einer von Sinn bestimmten Lebensführung erzeugt werden müssen. Der dritte Wahrheitssatz zielt darauf ab, eine Gerechtigkeit zu schaffen, damit in einer Gesellschaft Verhältnisse existieren, die allen Beteiligten ein sinnbestimmtes Leben bieten.) Abschließend wird die humane Lebensform unter der Machtverfassung der Gesellschaft dargelegt. Unter dem Verlust der Selbstbestimmung wird in diesem Kapitel über Macht der Gesellschaft, die familiäre Geschlechterbeziehung etc. diskutiert.
Der zweite Teil des Buches diskutiert die Genese der Demokratie, der Konflikt mit der Ökonomie. Hierbei wird die geschichtliche Historie der Demokratie beleuchtet. Diese setzt sich u.a. mit der athenischen Demokratie der Antike, deren soziostrukturelle Entwicklung der athenischen Polis im achten bis zum sechsten Jahrhundert, die Maßnahmen Solons sowie die der Selbstbestimmung im Fokus der athenischen Demokratie und den Aufgaben der politischen Gestaltung, auseinander. Weiterführend wird die Genese der Demokratie als bürgerliche Demokratie unter dem Aspekt der französischen Revolution aufgezeigt. Nach der geschichtlichen Darlegung geht Günter Dux auf die Demokratie einer kapitalistisch verfassten Marktgesellschaft ein. Hier diskutiert er den Widerstreit mit dem ökonomischen System. Im Anschluss folgt die soziale Demokratie Lorenz von Steins, die Ausbildung der formalen Demokratie mit dem Fokus auf der Hoffnung des Proletariats. Abschließend setzt sich der Autor mit der Demokratie und dem Sozialstaat, der Sozialstaat des Verschwindens, auseinander, bevor der Ausblick auf die Aufkündigung der Idee der Demokratie in der das Subjekt als Unternehmer seiner Arbeitskraft führt.
Im dritten Tei diskutiert der Autor die Krise – Marktgesellschaft – gewiss, aber eine andere. Er stellt die Krise der Marktgesellschaft als Krise der Demokratie vor. Zeigt die europäische Währungskrise als Krise von Demokratie und Gesellschaft auf. Weiterhin wird verdeutlicht über eine andere Demokratie in eine andere Gesellschaft zu gelangen, indem die Aufgaben der Wissenschaft und Intellektuellen für eine Reformierung diskutiert werden. Ferner spielen die Dekonstruktion des Kapitalismus, die Dekapitalisierung der Produktion und Verteilung eine bedeutende Rolle. Das Kapitel endet mit dem Blick auf die Demokratisierung der Demokratie und deren Dialektik. Der Schluss wird als Ortsbestimmung der Gegenwart offenbart, indem Maß und Ziel der Demokratie als Lebensform in den Kontext gestellt werden, wo die Desavouierung der Demokratie durch kapitalistisch verfasste Marktgesellschaften, die Krisenlage im Innern der Gesellschaft sowie die Bedrohung der Umwelt besprochen werden.
Der abschließende Teil des Buches stellt die Kritik der Theorie der deliberativen Demokratie von Jürgen Habermas in den Fokus. Hier werden das Erkenntnisinteresse, die Theorie des kommunikativen Handelns als Grundlage der Theorie der deliberativen Demokratie behandelt. Weiterhin werden das Theorem der Selbstgesetzgebung, Moral und Wille, die diskursive Vernunft sowie die unverstandene Marktgesellschaft und Demokratie diskutiert.
Diskussion
Das Werk richtet sich an Philosophen, Ökonomen, Wirtschafts- und Politikwissenschaftler sowie an Studenten und an alle Interessierte, welche an Demokratie als Lebensform aus kapitalistischer Perspektive interessiert sind. Der Leser erhält einen interessanten Aufschluss über den geschichtlichen und aktuellen Stand von Theorie und Praxis der Demokratie als Lebensform.
Fazit
Mit der Publikation wird ein fundiertes Werk aus der Perspektive der Demokratie als Lebensform vorgelegt. Zusammenfassend betrachtet, präsentiert diese Veröffentlichung eine breite Perspektive der Demokratie, welche sich mit der Kritik des Kapitalismus auseinandersetzt. Wie Eingangs dargelegt, muss die Welt nach der Krise des Kapitalismus eine Ordnung finden, in der der Ausgleich zwischen Gesellschaft und Natur ebenso sichergestellt ist, wie der Ausgleich zwischen den Bedingungen der Lebensführung der Subjekte. In dieser Welt ist es bedeutsam, dass die Demokratie eine andere Organisation erfährt. Weiterhin muss die Teilhabe aller an der ökonomischen Gestaltung der Gesellschaft ebenso sichergestellt werden, wie an der kulturellen. Ferner wird es von Bedeutung sein, dass das Verfahren, die Entscheidung Mehrheiten zuzuweisen, welche eine Machtagglomeration in der Gesellschaft abstützen zu einer gestrigen Welt gehören. Demnach benötigt es eine neue Orientierung, welche die Demokratie in den Fokus rückt. Die Veröffentlichung bietet einen fundierten Überblick über die Geschichte, Ursachen, Folgen und politische Konsequenzen der Demokratie im Kapitalismus. Allumfassend wird die Lektüre des Buches empfohlen, weil sich der Demokratie aus differenzierten Perspektiven angenähert und ein fundiertes Bild der Thematik vermittelt wird.
Rezension von
Dr. Christian Heidl
Diplom-Pflegewirt (FH), MSc Dozent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter SRH Wilhelm Löhe Hochschule für angewandte Wissenschaften Fürth, Forschungsinstitut IDC
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