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Andreas Behr, Götz Rohwer: Wirtschafts- und Bevölkerungsstatistik

Cover Andreas Behr, Götz Rohwer: Wirtschafts- und Bevölkerungsstatistik. UVK Verlagsgesellschaft mbH (Konstanz) 2013. 347 Seiten. ISBN 978-3-8252-3679-3. D: 24,99 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 35,90 sFr.

Reihe: UTB - Nr. 3679 - Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften.
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Thema

Grundlegende Begriffe und Konzepte aus der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik sind Thema dieses Buches.

Autoren und Entstehungshintergrund

Der Autor Prof. Dr. Andreas Behr ist der Inhaber des Lehrstuhls für Statistik am Institut für Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen und der Autor Prof. Dr. Götz Rohwer ist der (seit Ende des Sommersemesters 2012) emeritierte Inhaber des Lehrstuhls für Sozialwissenschaftliche Methodenlehre und Sozialstatistik an der Fakultät für Sozialwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum.

Beide Autoren verfügen über eine langjährige Erfahrung bei der Durchführung von Lehrveranstaltungen im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, sodass sich dieses Buch vordergründig an Studenten ebensolcher Studiengänge im Bachelor- und Masterbereich richtet.

Aufbau und Inhalt

Das Buch setzt sich aus neun Kapiteln und einem Anhang zusammen; die ersten vier Kapitel umfassen etwa 100 Seiten und führen in grundlegende demographische Konzepte ein, die restlichen fünf Kapitel umfassen etwa 200 Seiten und erläutern ausgewählte Aspekte der Wirtschaftsstatistik. Jedes Kapitel beginnt mit einem Überblick über die einzelnen Themen und endet mit Übungsaufgaben (ohne Lösungen). Für registrierte Dozenten beim Verlag steht ein Foliensatz als Zusatzmaterial zum Download zur Verfügung.

Im ersten Kapitel werden Größen aus der Bevölkerungsstatistik beschrieben: Dazu zählen u.a. die Bevölkerungsgröße, Geburten, Sterbefälle, Zu- und Fortzüge, die zudem nach dem Alter und dem Geschlecht getrennt ausgewiesen werden können. Die Autoren führen eine eigene Notation ein und verweisen auf das Statistische Bundesamt als zentrale Quelle für demographische Daten aus Deutschland, den alten und den neuen Bundesländern.

Das zweite Kapitel befasst sich vornehmlich mit Sterbetafeln, einem zentralen Gegenstand der Mortalitätsanalyse. Die Autoren beschreiben einzelne Sterbetafelparameter hinsichtlich ihrer Berechnung, Interpretation und beobachteten Entwicklung in den alten Bundesländern. Zudem erläutern die Autoren kurz den Unterschied zwischen Perioden- und Kohortensterbetafeln.

Das dritte Kapitel befasst sich mit Geburten. Die Autoren beschreiben grundlegende Maßzahlen zur Messung der Fertilität in der Perioden- und Kohortenbetrachtung. Darüber hinaus zeigen die Autoren mit Daten aus der Deutschen Lebensverlaufsstudie vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, dass Surveys neben der offiziellen Geburtenstatistik eine wichtige und ergänzende Informationsquelle darstellen.

Das vierte Kapitel befasst sich mit demographischen Projektionen bzw. mit der Fortschreibung einer Bevölkerung nach Einzelalter und Geschlecht mit und ohne Migration, unter Verwendung eines Matrixmodells. Die Autoren wenden beide Modellvarianten mit konstanten Annahmen zur Mortalität, Fertilität (und Migration) in einer Beispielrechnung für Deutschland an.

Das fünfte Kapitel befasst sich mit Haushalten, Familien- und Lebensformen, Erwerbspersonen und Unternehmen. Die Autoren erläutern relevante Definitionen und Klassifizierungen (aus der amtlichen Statistik und von Organisationen wie der ILO), Maßzahlen und Datenquellen. Beispiele mit beobachteten Daten aus Deutschland vertiefen das Verständnis des Lesers.

Das sechste Kapitel befasst sich mit einem Modell zur Güterproduktion; die Autoren zeigen wie direkte und indirekte Vorleistungen, Beschäftigung sowie Ausrüstungen und Lagerhaltung in diesem Modell berücksichtigt werden können. Darüber hinaus erläutern die Autoren die Bewertung von Gütern mit Preisen. Zum besseren Verständnis des Lesers bauen die Autoren ein Beispiel mit vier Gütersorten sukzessive aus.

Das siebente Kapitel befasst sich mit der Bewertung unterschiedlicher Güter, insbesondere mit Marktpreisen. Die Autoren vergleichen die Berechnung und Aussagekraft ausgewählter Preisindizes und sie beschreiben deren Verwendung in der amtlichen Statistik. Neben der zeitlichen Entwicklung wird auch der Vergleich des Preisniveaus zwischen Regionen thematisiert; Daten vom Statistischen Bundesamt und von der OECD vermitteln einen Eindruck aus der realen Welt.

Das achte Kapitel befasst sich mit Input-Output Tabellen zur Erfassung von Güterströmen zwischen Produktionsbereichen und stellt damit eine Fortsetzung des sechsten Kapitels dar. Neben einer ausführlichen Darstellung des Aufbaus und der Berechnung von IO – Tabellen gehen die Autoren auch auf die Berücksichtigung von Vorleistungen und Arbeitsleistungen ein. Abschließend werden Möglichkeiten für die Verwendung von IO – Modellen für modale Fragestellungen aufgezeigt.

Das neunte Kapitel befasst sich mit der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zur Erfassung des gesamtwirtschaftlichen Geschehens. Dazu erläutern die Autoren die Entstehungs-, Verteilungs- und Verwendungsrechnung des Bruttoinlandsprodukts. Empirische Daten für Private Haushalte, Unternehmen und den Staat in Deutschland runden die Darstellung ab.

Den neun Kapiteln folgen fünf Anhänge, die zusätzliche Informationen für einzelne Kapitel aus der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik geben.

Diskussion

Dieses Buch eignet sich sehr gut als Begleitung für Lehrveranstaltungen im Bereich der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik, insbesondere aufgrund des klar strukturierten Aufbaus aller Kapitel. So werden in jedem Kapitel grundlegende Begriffe und Konzepte erläutert und mit empirischen Daten und Beispielrechnungen veranschaulicht. Die prägnante Beschreibung relevanter Maßzahlen und die tabellarische Auflistung empirischer Daten erlaubt dem Leser die Bearbeitung der am Ende eines jeden Kapitels gestellten Aufgaben. Allerdings wäre es für den Lernerfolg des Lesers wünschenswert, die Ergebnisse mit den tatsächlichen Lösungen abgleichen zu können. Im Buch werden dazu allerdings keine Informationen gegeben.

Die vorliegende Veröffentlichung liefert einen Einblick in die komplexe Welt der Demographie und der Wirtschaftsstatistik. Beide Themen sind inhaltlich miteinander verbunden, denn – stark vereinfacht – erfasst und analysiert die Demographie die Zusammensetzung einer Bevölkerung aus Individuen (nach Alter, Geschlecht und weiteren sozio-ökonomischen Merkmalen), die wiederum als Akteure in der Wirtschaft agieren. Daher ist der Aufbau des Buches logisch: Die Kapitel eins bis vier erläutern Konzepte aus der Demographie, die Kapitel fünf bis neun erläutern Konzepte aus der Wirtschaftsstatistik. Um dem Leser die inhaltliche Verflechtung beider Fachgebiete noch klarer zu verdeutlichen, wäre ein zusätzliches Kapitel wünschenswert, in dem beispielsweise genauer auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Bevölkerung (Stichwort: demographische Alterung, Kapitel 1 und 2) und den Sozialleistungen des Staates (soziale Sachleistungen und monetäre Sozialleistungen, Kapitel 9) eingegangen werden könnte. Gleichzeitig muss natürlich bei der Komplexität der beiden Themengebiete berücksichtigt werden, dass nicht alle Aspekte erschöpfend behandelt werden können.

Den Autoren gelingt es, dem Leser grundlegendes Wissen in den ausgewählten Themengebieten zu vermitteln, das, darauf aufbauend, mit weiterführender Fachliteratur gezielt vertieft werden kann. Insbesondere im wirtschaftsstatistischen Teil erläutern die Autoren die grundlegenden Begriffe und Konzepte mit gängigen Definitionen und empirischen Daten aus Veröffentlichungen amtlicher Institutionen und Organisationen wie dem Statistischen Bundesamt, der OECD, der ILO oder auch der UN. Diese Vorgehensweise übernehmen die Autoren auch bei vielen demographischen Sachverhalten, allerdings mit einigen Ausnahmen wie z.B. im Kapitel 2, das sich mit der Konstruktion von Sterbetafeln befasst. Anstatt den typischen Aufbau einer Sterbetafel mit der gängigen Notation für ihre Parameter zu erläutern, greifen sich die Autoren einzelne Parameter heraus und beschreiben deren Berechnung mit einer eigenen Notation. Durch diese z.T. abweichende Darstellung (und Berechnung) können die Autoren dem unerfahrenen Leser z.B. die Lektüre demographischer Fachliteratur oder auch publizierter Sterbetafeln vom Statistischen Bundesamt erschweren. Darüber hinaus wäre es beispielsweise für den Leser von Kapitel 4, das sich mit demographischen Projektionen befasst, wünschenswert zu erfahren, mit welchen Methoden Annahmen zur zukünftigen Entwicklung der Mortalität, Fertilität und Migration generiert werden können, da sie einen wesentlichen Bestandteil bei der beschriebenen Fortschreibung einer Bevölkerung nach Alter und Geschlecht ausmachen.

Fazit

Dieses Buch eignet sich gut als einführendes Lehrbuch in die Thematik der Wirtschafts- und Bevölkerungsstatistik. Prägnante Beschreibungen wesentlicher Begriffe und Konzepte aus den beiden Themengebieten werden häufig von empirischen Daten aus Deutschland und passenden Beispielrechnungen begleitet, die das Verständnis des Lesers fördern. Inhaltlich ist der Teil zur Wirtschaftsstatistik stärker ausgebaut als der zur Bevölkerungsstatistik. Wer sich also tiefer mit der jeweiligen Materie beschäftigen möchte, sollte auf weiterführende Fachliteratur zurückgreifen; dies trifft insbesondere auf den demographischen Part zu.


Rezension von
Dr. Christina Bohk
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Zitiervorschlag
Christina Bohk. Rezension vom 15.01.2014 zu: Andreas Behr, Götz Rohwer: Wirtschafts- und Bevölkerungsstatistik. UVK Verlagsgesellschaft mbH (Konstanz) 2013. ISBN 978-3-8252-3679-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15306.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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