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Thomas Rauschenbach, Steffan Borrmann (Hrsg.): Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendarbeit

Cover Thomas Rauschenbach, Steffan Borrmann (Hrsg.): Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendarbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2013. 294 Seiten. ISBN 978-3-7799-2904-8. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 35,50 sFr.
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Thema und Entstehungshintergrund

Die (offene) Kinder- und Jugendarbeit hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Veränderte Bewältigungsaufgaben im Jugendalter, die Verlängerung des Schulalltags, neue Medien, eine fortschreitende Globalisierung, die stärkere Einbeziehung in Präventions- und Kinderschutzaufgaben oder neue Kooperationspartner sind nur einige der Stichworte, die diesen Wandel markieren. Vor diesem Hintergrund ist eine Aktualisierung der Herausforderungen und Aufgaben der Kinder- und Jugendarbeit überfällig. Der vorliegende Band will dazu einen wichtigen Beitrag leisten und „…die Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendarbeit in ihrer Vielgestaltigkeit ab(zu)bilden und nach(zu)zeichnen.“ (7). Die Artikel des Bandes stellen eine Auswahl von Texten dar, die zunächst in der vom Beltz-Verlag editierten „Enzyklopädie Erziehungswissenschaften Online“ erschienen sind und für die Buchveröffentlichung teilweise überarbeitet wurden.

Aufbau und Einführung

Der Reader ist in drei Abschnitte gegliedert

  1. Zielgruppenspezifische Ansätze (5 Beiträge)
  2. Räumlich orientierte Ansätze (3 Beiträge)
  3. Institutionenorientierte Ansätze (3 Beiträge)

Ihnen vorangestellt ist ein einführender Beitrag von Wolfgang Ilg „Jugendarbeit – Grundlagen, Prinzipien, Arbeitsformen“, der etwas irreführend unter dem Kapitel „Methodische Ansätze“ firmiert. Dieser „Artikel unternimmt den Versuch, die Jugendarbeit anhand ihrer grundlegenden Prinzipien so zu beschreiben, dass ihr „Wesenskern“ deutlich wird, der sich wiederum in den verschiedensten Arbeitsformen niederschlägt“ (12) Diesen Anspruch löst der Verfasser nur teilweise ein, weil er seinen Fokus vorrangig auf Jugendgruppen und -verbandsarbeit konzentriert, offene Kinder- und Jugendarbeit dagegen nur sehr kursorisch und knapp behandelt. Hier wäre ein erweiterter Blick bzw. ein zusätzlicher Beitrag hilfreich gewesen.

Inhalt

Im Abschnitt Zielgruppenbezogene Ansätze werden Arbeitsformen und Handlungskonzepte zur Mädchenarbeit (Ulrike Werthmanns-Reppekus), Jungenarbeit (Reinhard Winter), zur Jugendarbeit mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund (Kirsten Bruhns), Jugendarbeit mit Randgruppen (Rainer Kilb) sowie zu Jugendarbeit und Rechtsextremismus (Michaela Glaser/ Frank Greuel) vorgestellt. Die verschiedenen Beiträge skizzieren jeweils (in unterschiedlicher Gewichtung) den historischen Kontext der jeweiligen Handlungskonzepte, bechreiben die Lebenswelt der Zielgruppe und leiten daraus die handlungsleitenden Ziele ab. Unterschiedlich konkret werden teilweise auch die Arbeitsformen und Methoden der praktischen Umsetzung ausgeführt. Jeder Beitrag für sich stellt einen profunden Überblick über das jeweilige zielgruppenbezogene Handlungskonzept dar.

Unter dem Titel Räumlich orientierte Ansätze werden die Jugendarbeit auf dem Lande (Ulrich Deinet/Michael Janowicz), Jugendarbeit in der Stadt (Michael May) sowie Internationale Jugendarbeit (Andreas Thimmel) in ihren Rahmenbedingungen und praktischen Erscheinungsformen ausführlich und anschaulich dargestellt. Die inhaltliche Klammer der beiden erstgenannten Arbeitskontexte bildet das Konzept der Raumaneignung, das plausibel die unterschiedliche Nutzung öffentlicher Räume und organisierter Angebote zu erklären vermag. Der Beitrag zur Internationalen Jugendarbeit dagegen geht ausführlich auf deren unterschiedliche Programmformate und etablierte Organisationsstrukturen sowie insbesondere auf programmübergreifende Handlungsprinzipien wie Interkulturalität und Diversität und deren praktische Konsequenzen in Jugendbegegnungen ein.

Im Abschnitt Institutionenorientierte Ansätze schließlich werden drei ausgewählte Organisationskontexte näher in den Blick genommen: Kirchliche Jugendarbeit (Mike Corsa), Kinder- und Jugendarbeit in kulturellen Einrichtungen und Initiativen (Bünyamin Aslan/ Erich Sass) und Jugendarbeit und Schule (Stephan Maykus).

Mike Corsa erläutert in seinem Beitrag sehr differenziert die besondere Bindung kirchlicher Jugendarbeit an Glauben und Sinnsuche seiner NutzerInnen und gibt einen besonders anschaulichen Einblick in die Vielschichtigkeit ihrer Angebote und Wirkungen. Ähnlich vielfältig stellen sich die Projekte und Aktivitäten kultureller Jugendbildung dar, die Bünyamin Aslan und Erich Sass in ihrem Beitrag schildern.

Stephan Maykus plädiert in seinem Beitrag entschieden für eine Kooperation von Jugendarbeit und Schule, um das schulische Lernen um erlebnis- und lebensweltbezogene Erfahrungsfelder zu ergänzen, die durch die Handlungsprinzipien der Jugendarbeit (Freiwilligkeit, Partizipation usw.) geprägt und charakterisiert werden.

Warum in diesem Abschnitt Jugendverbandsarbeit nicht auftaucht, bleibt Geheimnis der Herausgeber.

Fazit

Die einzelnen Beiträge dieses Bandes geben einen profunden und aktuellen Überblick zu ihrem jeweiligen Thema und bilden den „aktuellen Stand der Dinge“

zuverlässig und zutreffend ab. Gelegentlich verweisen sie auf ungeklärte Fragen oder zukünftige Herausforderungen, innovative Impulse oder gar Visionen entwickeln sie indes nicht. Das ist sicher auch ihrem enzyklopädischen Charakter geschuldet.

Wer sich über die genannten Zugänge und Themen einen aktuellen Überblick verschaffen will, ist also mit dem vorliegenden Band gut bedient.

Deutlichere Kritik dagegen richtet sich an Herausgeber und Verlag. So wäre es sicher hilfreich gewesen, wenn die Herausgeber – gewissermaßen als Klammer und Verbindung zwischen den einzelnen Beiträgen – das dieser Zusammenstellung zugrundeliegende Verständnis von Kinder- und Jugendarbeit einleitend formuliert und auf dieser Grundlage die Auswahl der berücksichtigten Perspektiven und Handlungskonzepte begründet hätten. Dann wäre vielleicht auch verständlich, warum Arbeit mit Kindern zwar im Buchtitel, in den einzelnen Beiträgen jedoch – wenn überhaupt – nur implizit vorkommt.

Für die Gliederung des Bandes wäre eine klarere Begrifflichkeit hilfreich gewesen: so handelt es sich nach den in der Sozialen Arbeit üblichen Definitionen bei dem, was die meisten Beiträge beschreiben entweder um Handlungskonzepte (nicht um Ansätze) oder um Handlungskontexte (nicht um Institutionenbezogene Ansätze) und bei dem, was Wolfgang Ilg in seinem ersten Kapitel beschreibt, schon gar nicht um „Methodische Ansätze“.


Rezensent
Dipl.-Soz. Willy Klawe
war bis März 2015 Hochschullehrer an der Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Hamburg. Jetzt Wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Instituts für Interkulturelle Pädagogik (HIIP)
Homepage www.klawe-sozialepraxis.de
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Zitiervorschlag
Willy Klawe. Rezension vom 11.10.2013 zu: Thomas Rauschenbach, Steffan Borrmann (Hrsg.): Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendarbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2013. ISBN 978-3-7799-2904-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15311.php, Datum des Zugriffs 18.08.2017.


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