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Harlich H. Stavemann: Frustkiller und Schweinehundbesieger

Cover Harlich H. Stavemann: Frustkiller und Schweinehundbesieger. Geringe Frustrationstoleranz und Aufschieberitis loswerden. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2013. 217 Seiten. ISBN 978-3-621-28031-0. D: 22,95 EUR, A: 23,60 EUR, CH: 31,80 sFr.
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Thema

Ein übermächtiger »Schweinehund« und eine geringe Frustrationstoleranz können Betroffene in große Schwierigkeiten bringen. Wichtige Aufgaben werden nicht oder nicht termingerecht erledigt (von der Klausurvorbereitung bei Schülern bis zur Steuererklärung bei Selbständigen), man reagiert auf kleinere und größere Irritationen ungehalten, abweisend, ängstlich (Stichwort: Das Leben als Zumutung). Schweinehunde wie auch geringe Frustrationstoleranz können aber nicht nur nach außen hin zum Teil erhebliche Schäden und Nachteile einbringen, sie können auf Dauer zu Minderwertigkeitskomplexen und gravierenden Formen von erlernter Vermeidung führen und soziale Isolation nach sich ziehen.

Entstehungshintergrund

Dass dies nicht sein muss bzw. eine geringe Frustrationstoleranz wie auch die Kapitulation vor dem inneren Schweinehund kein naturgegebenes Schicksal sind – und dass es durchaus Strategien gibt, die helfen, sowohl Frustrationstoleranz zu erhöhen wie den Schweinehund in seine Grenzen zu weisen, ist Anliegen des neuesten Buches von Harlich H. Stavemann. Er beschreibt Formen, Folgen und Ursachen geringer Frustrationstoleranz, Aufschieberitis und Schweinehunden aller Art – und er skizziert kluge Vorgehensweisen zu deren Bekämpfung.

Autor

Harlich H. Stavemann ist promovierter Psychologe und Leiter des Instituts für integrative Verhaltenstherapie e.V. in Hamburg. Er ist Autor einer Vielzahl von Fachpublikationen für Therapeuten und Patienten, unter anderem zur Lebenszielanalyse und Lebenszielplanung in Therapie und Beratung, zum Verstehen und Bewältigen von emotionalen Krisen, aber auch zum Sokratischen Dialog in der Therapie sowie dem Erkennen und Lösen von Selbstwertproblemen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch enthält eine Einführung, zehn Kapitel und einen Anhang mit Literaturhinweisen und Arbeitsblättern.

Nach der Einführung in die Thematik konzentriert sich der Autor im ersten Kapitel auf das Phänomen »Geringe Frustrationstoleranz« (GFT). Die GFT wird definiert und abgegrenzt, ihre Entstehung hergeleitet (meist durch Sozialisationsdefizite) – und es wird erläutert, weswegen es so schwer ist, sie loszuwerden.

Im zweiten Kapitel »Woran erkennt man GFT?« entwickelt Stavemann drei Typen: »Ewig fordernde Königskinder«, »Geübte Vermeider« sowie »Trockenduscher: duschen, ohne nass zu werden«. Die jeweiligen Typen haben Unterkategorien, so unterteilt erbeispielsweise die »Ewig fordernden Königskinder« in »Absolute Forderer und Wutbrummer«, »Im Wartesaal der bedingungslosen Liebe«, »Einsame Stars« sowie »Wunschdenker«.

Die Konsequenzen von GFT schildert der Autordann im dritten Kapitel. Die Auswirkungen auf Gefühle und Verhalten, auf Selbstwert, Selbstbild, Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen, aber auch die Folgen im privaten Bereich sowie in Beruf und Karriere werden deutlich, teilweise auch dramatisch geschildert.

Manche Leserinnen und Leser dürften sich auf das vierte Kapitel freuen, denn dort wird skizziert, wie man GFT wieder los werden kann. Die Schwerpunkte liegen dabei auf dem Wechsel von der Kurzfrist- zur Langfristperspektive, der Akzeptanz des momentanen Zustands, der Prüfung auf Veränderbarkeit, der Akzeptanz der eigenen Verantwortung, der Aufstellung von neuen und angemessenen langfristigen Zielen sowie der Einsatzbereitschaft der Betroffenen.

Ein Kernabschnitt dieser Publikation ist das fünfte Kapitel, in welchen »GFT-Konzepte« aufgespürt werden sollen. Hier beschreibt Stavemann das bekannte »ABC-Modell der Gefühle« und wendet es auf das Feld der geringen Frustrationstoleranz an. Die aufgeführten Beispiele erleichtern sowohl das Verstehen des Modells als auch den Transfer auf GFT-Konzepte.

Im sechsten Kapitel werden die Leserinnen und Leser aufgefordert, ihre eigenen GFT-Konzepte zu prüfen. Eine Checkliste sowie Fallbeispiele für das Identifizieren von entsprechenden Selbstkonzepten erleichtern die Lektüre und gegebenenfalls das Durcharbeiten dieses Abschnitts. Generell ist hervorzuheben, dass die am Ende eines jeden Kapitels stehenden Übungsaufgaben sehr funktional ausgestaltet sind.

Nach der Prüfung der jeweils eigenen GFT-Konzepte erfolgt nun im siebten Kapitel eine Einführung in das »Ersetzen durch gesunde Konzepte«. Das Ziel heißt hier, weniger langfristig negative Auswirkungen zu produzieren, indem Veränderungsziele erstellt, auf Angemessenheit geprüft und zur Maximierung der langfristigen Lebensqualität verankert werden.

Wie Harlich H. Stavemann bereits in seiner Einführung darlegt, ist die ernsthafte Durcharbeitung dieses Buches durchaus nicht ohne Aufwand und kann mitunter ein gehöriges Maß an Selbstüberwindung erfordern. So ist es nur konsequent, wenn das achte Kapitel eine Anleitung zur Selbstmotivation enthält, von Stavemann launig mit »Die Konstruktion der Arschtrittmaschine« überschrieben. Die hohe Kunst der Eigenmotivation wird jedoch hier sehr seriös und nachvollziehbar beschrieben.

Im Sinne einer Nachhaltigkeit werden im neunten Kapitel angemessene Übungen vermittelt, hierbei spielen insbesondere Vorstellungsübungen mit einem inneren Drehbuch sowie das Training des neuen Konzepts im Alltag eine große Rolle.

Den Abschluss bilden »Der innere Schweinehund und andere Stolpersteine«. In diesem Kapitel wird auf die verschiedenen Fallen bei der mittel- bis langfristigen Implementierung der vorstehend genannten Konzepte eingegangen. Besonderes Augenmerk ist unseres Erachtens auf den »Umgang mit den zehn hinterhältigsten Schweinehund-Tricks« zu legen.

Der Anhang enthält nützliche Hinweise auf weiterführende Literatur sowie die wichtigsten Elemente des Konzepts in Form von Arbeitsblättern.

Diskussion

Harlich H. Stavemann schildert in seinem neuesten Buch auf zum Teil unterhaltsame, zum Teil nachdenklich machende Weise, wie wir uns manchmal selbst überlisten, welche Blockaden »Marke Eigenbau« wir hegen und pflegen und wie wir uns mittel- bis langfristig damit in möglicherweise nicht geringe Schwierigkeiten bringen können. Ob wir uns paralysieren, weil wir uns zwischen einer sicheren Position und einer lukrativen, aber riskanteren neuen Stelle nicht entscheiden können, oder ob wir im Zeitalter der Multioptionsgesellschaft darunter leiden, nicht gleichzeitig zwei Dinge machen zu können (und uns dann nicht nur schlecht fühlen, sondern gegebenenfalls unentwirrbar verzetteln), mit großer Sicherheit findet ein jeder Leser/eine jede Leserin ein klein wenig von sich in den vielen Beispielen dieses Buches wieder. Es mag den meisten von uns nicht so dramatisch ergehen wie den Menschen, deren Geschichten in diesen Beispielen erzählt werden. Hilfreich sind die Hinweise und Strategieanweisungen gegen geringe Frustrationstoleranz und den inneren Schweinehund auch bei kleineren und alltäglichen Missgeschicken. Insoweit kann diese Publikation nicht nur all jenen empfohlen werden, die wirklich massiv unter dem Phänomen der GFT und entsprechenden Folgen leiden, sondern auch jenen, die nur ab und zu ein kleines Schweinehündchen in sich vorfinden und sich ein wenig bessern möchten. In methodischer Hinsicht könnte die Lektüre auch für die Sozialpädagogik bzw. Sozialarbeit sowie für das Sozialmanagement interessant sein.

Fazit

Ein ebenso unterhaltsamer wie nützlich-fundierter Ratgeber gegen innere Schweinehunde und -hündchen.


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 01.08.2013 zu: Harlich H. Stavemann: Frustkiller und Schweinehundbesieger. Geringe Frustrationstoleranz und Aufschieberitis loswerden. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2013. ISBN 978-3-621-28031-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15312.php, Datum des Zugriffs 06.07.2020.


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