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Joachim Armbrust, Siegbert Kießler-Wisbar u.a.: Konfliktmanagement in der Kita

Cover Joachim Armbrust, Siegbert Kießler-Wisbar, Wolfgang Schmalzfried: Konfliktmanagement in der Kita. Verständigungsprozess im Team gestalten. Carl Link (Kronach) 2013. 240 Seiten. ISBN 978-3-556-06359-0. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 35,50 sFr.
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Thema

Teamarbeit und Kooperation stellen im psychosozialen Arbeitsfeld eine Grundvoraussetzung für professionelles Handeln dar. Auch in Kindertagesstätten läßt sich Qualität in der Arbeit nur durch ein konstruktives Arbeitsklima, eine wertschätzende und ressourcenorientierte Grundhaltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erreichen.

Um produktiv mit den Unterschieden in den Kompetenzen, den Fähigkeiten und Rollen, die die Einzelnen in die Kooperation einbringen umzugehen, braucht es u.a. kommunikative Kompetenzen, Methodenkenntnis der Gruppendynamik, konstruktiv mit Konflikten umzugehen und die Fähigkeit Klärungsprozesse zu moderieren.

Erzieherinnen und Erzieher werden spezifisch in der Arbeit mit Kindern und Kindergruppen ausgebildet. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zum konstruktiven Streiten stellt neben den täglichen Arbeitserfordernissen eine erweiterte Kompetenz und gleichzeitig unverzichtbare Voraussetzung zur professionellen Kooperation dar.

Entstehungshintergrund

Das Buch basiert auf der langjährigen Erfahrung der Autoren in der Supervision, der Prozessbegleitung, der Teamentwicklung, der Fort- und Weiterbildung. Als Team haben sie sich für dieses Buch zusammengefunden und von Ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen profitiert. Es gilt den Autoren neben methodischen Kenntnissen und Leitfragen, theoretisches Hintergrundwissen zur Teamarbeit und zum Konfliktmanagement zur Verfügung zu stellen und den Leserinnen und Lesern Hinweise und Leitsätze für ihre Praxis mitzugeben.

Aufbau und Inhalt

Joachim Armbrust, Siegbert Kießler-Wisbar und Wolfgang Schmalzried gliedern ihr Buch in vier Abschnitte:

  1. einen einleitenden Teil A, den sie mit „Grundlegendes” überschreiben,
  2. einen Abschnitt B zum Thema Team und Teamentwicklung,
  3. einen Teil C zum Konfliktverständnis und Konfliktmanagemnt,
  4. sowie Schlussbemerkungen.

Teil A beginnen die Autoren mit der Darstellung von Zielen und Werten, die Grundlage des Handelns in Kindertagesstätten sind. So wird auf die Fähigkeit zur Verbundenheit, zu Gerechtigkeit und Menschlichkeit, sowie auf das aktuelle Thema der Inklusion als Basis des pädagogischen Handelns verwiesen. Dem stehen vielfältige Belastungen und Herausforderungen, physische und psychische Stressfaktoren gegenüber. Die Autoren zählen aus ihren Praxiserfahrungen zahlreiche Anforderungen und Spannungsfelder der täglichen Arbeit auf (z.B. Umgang mit vielfältigen Erwartungen, mit den Geschlechterunterschieden), dabei folgt die Beschreibung einem aus der Praxis und weniger aus einer theoretischen Systematisierung abgeleiteten Vorgehen. Die vorgeschlagene Lösung liegt in Visionen, gemeinsamen Zukunftsbildern und der Verständigung auf einen gemeinsamen Entwicklungsweg. Diesen wie jeden folgenden Abschnitt beschließen die Autoren mit Praxisempfehlungen.

Im Teil B werden den Leserinnen und Lesern handlungsleitendes Wissen, Bilder und Botschaften zum Wert, zur Funktion und zu Prinzipien der Teamarbeit vermittelt. Zur Reflexion anregende Fragen und Hinweise beschließen die einleitenden Ausführungen und helfen auch an anderer Stelle die eigenen Vorstellungen, die alltägliche Praxis und persönliche Ziele zu reflektieren.

Teambildung und -entwicklung werden nun mit zahlreichen methodischen Anleitungen, reflektierenden Fragen und zielführenden Grundsätzen vorgestellt. Dabei fehlen jedoch zumeist Angaben zu den Quellen. Es ist häufig nicht nachvollziehbar, woraus die Autoren ihre Einschätzungen, Hinweise und methodischen Grundsätze ableiten. Dort, wo dies geschieht (z.B. bei der spannenden Frage: Wie entsteht der Charakter einer Person?) wird auf Seite 58 jedoch nur ungenau auf eine neuseeländische Langzeitstudie aus dem Jahr 2000 und auf die Befunde der Neurowissenschaften verwiesen. Hilfreich wäre hier der einheitliche Gebrauch wissenschaftlicher Formate der Quellenangaben. Ausführlicher wird von den Autoren die von Belbin entwickelte Systematik von Teamrollen (in Problemlösegruppen) vorgestellt, hier fälschlicherweise als Persönlichkeitstypen (Überschrift S. 61) bezeichnet. Hilfreiche Fragen zur gemeinsamen Reflexion im Vier-Augen-Gespräch beschließen dieses Teilkapitel.

Methodisch fundiert und mit handlungsleitenden Tipps versehen behandelt der folgende Abschnitt Fragen der Teamfindung. Die Leserinnen und Leser erhalten Hinweise zur Suche neuer Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter und zum Vorgehen in Vorstellungsgesprächen. Dies erfolgt in Bausteinen bzw. einer Systematisierung der Handlungsschritte in Vorbereitung und Durchführung der Vorstellungsgespräche. Thematisch schlüssig folgt nun das Thema Entscheidungen im Team. Für die Entscheidungsprozesse in Teams findet eine Bezugnahme auf Grundsätze der psychologischen Forschung (Hofstätter 1957) statt, weitere Quellen aus der aktuelleren Awendungsforschung sucht man jedoch vergebens. Die Autoren konzentrieren sich auch in diesem Abschnitt auf das Zurverfügungstellen ihres Handlungswissens und methodischer Hinweise zur Verbesserung der alltäglichen Praxis bzw. zur Fehlervermeidung.

Ausführungen zur Rolle der Leitung und zu Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten beschießen den Teil zur Teamarbeit. Im letzten Abschnitt finden sich zahlreichen Fragen konkreter auf die Betreuung der Kinder und die Elternarbeit in Kindertagesstätten bezogen.

Der Teil C zu Konflikten und Konfliktmanagement wird mit Grundlagen der Kommunikation und den Grundsätzen und der Arbeitsweise in der gewaltfreien Kommunikation begonnen, um dann auf die Ursachen, Konfliktmerkmale, die Arten von Konflikten, das Konfliktverhalten und Strategien der Konfliktlösung einzugehen. Der Abschnitt mit der Überschrift „Konfliktlösung beginnt bei mir” führt in zahlreiche psychologische Phänomene beispielsweise die Projektion und die Auswirkung von Stresserfahrungen auf das Verhalten im Arbeitsalltag ein und regt die Leserinnen und Leser durch zusätzliche Übungen zur Selbstreflexion an.

Die Konfliktdynamik und Fragen der Eskalation werden auf der Grundlage des Modells von Friedrich Glasl vorgestellt und mit Hinweisen auf Möglichkeiten zum „Ausstieg” aus Konflikten verbunden. Schlüssig gehen die Autoren nun zu Fragen des Konfliktmanagements über und vermitteln verschiedene Methoden, teilweise unter Bezug auf theoretische Modelle (z.B. Kommunikationsregeln der Themenzentrierten Interaktion), teilweise aus eigener Praxis. Dieser Abschnitt ist detailreich und vermittelt einen guten Einblick in die verschiedenen Maßnahmen zur Konfliktbearbeitung.

Mit den Ausführungen zum Kita-Fachbeirat, zur Supvervision, Intervision und Organisationsentwicklung liefern die Autoren Sachwissen zu verschiedenen weiteren Konzepten, Methoden und Ansätzen zur Weiterentwicklung der Qualität der Kita-Arbeit.

Fallbeispiele und ermutigende Schlussbemerkungen beenden das Buch.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Fachkräfte in Kindertagesstätten, sieht darüber hinaus auch Leitungskräfte von Kindertagesstätten und Studierende der Pädagogik der Kindheit als Adressaten. Insbesondere können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren, die wenig diesbezügliche Vorerfahrungen im Umgang mit Konflikten besitzen. Das Buch lässt sich auch in der Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern bei Fragen der Zusammenarbeit, der Teamfindung und der Konfliktbearbeitung einsetzen. Dabei kann das Buch jedoch nicht als einzige Literaturquelle dienen, sondern muss durch Grundlagenliteratur ergänzt werden. Für Studierende ist aufgrund der ungenauen Quellennachweise und der fehlenden Anbindung an wissenschaftliche Kontroversen eine Empfehlung meinerseits nicht möglich.

Diskussion

Das Buch ist in seiner Gesamtstruktur schlüssig gegliedert. Es thematisiert knapp den Kontext der Kita-Arbeit, die Ziele, Werte und besonderen Herausforderungen. Im Teil Team bleiben die Autoren recht allgemein, manchmal vermisste ich als Leser den Bezug zur Kita-Praxis. Erst im letzen Abschnitt des Teil B wird die Perspektive der Kita-Arbeit wieder stringenter behandelt.

Der Teil C enthält wichtige Grundlagen zum Konfliktverständnis, die später beschriebenen Beispiele für Konfliktsituationen in der Kita könnten die Leserin bzw. den Leser in die sich stellenden Praxisfragen der Konfliktbearbeitung einführen, sie kommen im Buch jedoch erst am Ende.

Die Autoren stellen ihr Methodenwissen und ihre Praxiserfahrungen zur Verfügung. Ihr Buch verbinden sie mit ermutigenden Botschaften und werteorientierten Hinweisen zur Ausrichtung der Arbeit. Als Begründung herangezogene Modelle, Theorien und Konzepte werden oft nur skizziert.

Fazit

Das vorgelegte Buch wendet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Autoren aus der Supervision, Prozessbegleitung und Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im psychosozialen Bereich kennen. Als Diplom-Sozialpädagogen bzw. Sonderpädagogen stellen sie ihre Erfahrungen und ihr Methodenwissen zur Verfügung.

Um die Themen Konflikte in der Teamzusammenarbeit und Konfliktlösung bzw. -management umfassend kennenzulernen, wäre ergänzende Literatur notwendig. Auch empfiehlt es sich, das Buch durch weiterführende Literaturhinweise und einen Glossar anzureichern. Stellt man diese Erwartungen zurück, liegt den Lesern ein Praxisbuch vor, das verständlich geschrieben, systematisch aufgebaut und handlungsorientiert ausgerichtet ist. Die Praxisbeispiele helfen dabei, sich potentielle Probleme in der Kooperation in Kindertagesstätten vorzustellen und deren professionelle Handhabung kennenzulernen.


Rezensent
Prof. Dr. Hans-Jürgen Balz
Dozent für Psychologie (Schwerpunkte Diagnostik und Beratung) an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum
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Zitiervorschlag
Hans-Jürgen Balz. Rezension vom 17.12.2013 zu: Joachim Armbrust, Siegbert Kießler-Wisbar, Wolfgang Schmalzfried: Konfliktmanagement in der Kita. Verständigungsprozess im Team gestalten. Carl Link (Kronach) 2013. ISBN 978-3-556-06359-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15340.php, Datum des Zugriffs 17.10.2018.


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