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Jörg Knoll: Basisbibliothek für Seminare und Trainings

Cover Jörg Knoll: Basisbibliothek für Seminare und Trainings. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2013. 1007 Seiten. ISBN 978-3-407-36548-4. D: 68,00 EUR, A: 70,00 EUR, CH: 87,60 sFr.

Reihe: Weiterbildung - Training.
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Thema

Diese Box umfasst vier bewährte Werke zur Konzeption und Gestaltung von Seminaren und Trainings. Neben der Vermittlung von Grundlagen der Andragogik sowie der Didaktik und Methodik der Erwachsenenbildung, werden zahlreiche Methoden und Beispiele aus dem Seminaralltag, Ideen und Anregungen für Veranstaltungsplanung und -design, für aktivierende Methoden und klassische Trainingssettings und Seminarsituationen vorgestellt.

Herausgeber und Herausgeberin

Herausgeber und Herausgeberin sind Jörg Knoll (lehrte Erwachsenenbildung an der Universität Leipzig, verstorben 2012), Ulrich Lipp (selbstständiger Trainer, Moderator und Berater für Industrieunternehmen, Managementinstitute und verschiedene Bildungseinrichtungen), Gudrun F. Wallenwein-Toelstede (arbeitete nach jahrelangem Schuldienst als Dozentin und Trainerin) und Bernd Weidenmann (emeritierter Universitätsprofessor für Erwachsenenbildung und Autor verschiedener Werke zur Gestaltung von Seminaren und Trainings).

Aufbau

Die fast tausend Seiten starke Box umfasst folgende Werke:

  • Bernd Weidenmann: Erfolgreiche Kurse und Seminare (8. Auflage 2011, 209 Seiten)
  • Jörg Knoll: Kurs und Seminarmethoden (11. Auflage 2007, 261 Seiten)
  • Ulrich Lipp: 100 Tipps für Training und Seminar (1. Auflage 2008, 240 Seiten)
  • Gudrun F. Wallenwein: Spiele: Der Punkt auf dem i (6. Auflage 2011, 297 Seiten).

Inhalt

Jörg Knolls Werk „Kurs und Seminarmethoden“ liegt hier nun bereits in der elften Auflage vor. Er führt systematisch in relevante Methoden der Erwachsenenbildung ein, die er sehr pragmatisch, aber treffend, versteht als etwas: „das möglich macht, was erreicht werden soll.“ (14). Er führt in die verschiedenen Funktionen ein, die mit dem Methodeneinsatz verbunden sein können, benennt relevante Einflussfaktoren und präsentiert unterschiedliche Anwendungsbereiche, die er im Hinblick auf Charakter und Einsatzoption strukturiert. Dass er sich dabei für eine feste Darstellungsform entscheiden hat:

  • Name der Methode
  • Lernziele
  • Durchführung (ggf. mit dem Hinweis auf mehrere Varianten)
  • Rahmenbedingungen
  • Hinweise für die Seminarleitung
  • Tipps für die Weiterarbeit

erleichtert dem Trainer/der Trainerin den Überblick und die Auswahl deutlich. Zugleich werden die vorgestellten Methoden auch noch einmal in einem alphabetischen Verzeichnis aufgelistet und ermöglichen so einen alternativen Zugang für die Methodenauswahl.

Bernd Weidenmanns Buch „Erfolgreiche Kurse und Seminare“ ist ein inzwischen in der achten Auflage veröffentlichtes Standardwerk für die Konzeption von Erwachsenenbildunsgangeboten. Als solches berücksichtigt es viele relevante Eckpunkte: die Ausgangssituation des Lehr-Lern-Settings, die TeilnehmerInnen sowie die TrainerInnenrolle. Weidenmann stellt ausführlich wichtige andragogische Methoden vor, führt in die wichtigsten Medien ein (inklusive Lernsoftware und internet-basiertes Lernen) und stellt beispielhaft an den Aspekten Einsatz von Symbolen und Spielen bzw. Umgang mit Krisen wichtige Elemente des organisierten Lernprozesses und mögliche Umgangsweisen damit vor.

In seinem Buch „100 Tipps für Training und Seminar“ präsentiert Ulrich Lipp zahlreiche Anregungen für den Seminaralltag auf der Basis seines eigenen Erfahrungsschatzes: Dabei skizziert er zunächst wichtige Basics des Erwachsenenlernens und Lernstrategien, beschäftigt sich mit der TrainerInnen-Rolle und den Gruppensettings. Er schließt Ausführungen an zur Auswahl geeigneter Methoden und Medien und der Seminardokumentation und -auswertung und geht am Ende des Buches noch kurz auf die spezifischen Herausforderungen von Trainings im Ausland ein (Beipiele: Vietnam und Namibia). Am Ende stehen Hinweise auf Does and Don´ts im TrainerInnenalltag.

Gudrun F. Wallenwein widmet sich in ihrem Buch „Spiele: Der Punkt auf dem i“ der Frage, wie kreative Übungen den Lernprozess unterstützen können und stellt ausführlich entsprechende Übungen vor. Sie werden dabei systematisiert, z. B. im Hinblick auf Spiele, die besonders für den Seminarbeginn, die Pause, zum Wiedereinstieg nach der Pause, zur Steigerung der Konzentration, Entspannung und Kommunikation, geeignet sind. Desweiteren werden explizite Lernspiele, Kreativspiele, musik-unterstützte Spiele und Übungen speziell für das Seminarende präsentiert. Alle Spiele werden nach dem übereinstimmenden übersichtlichen Schema kurz und prägnant – meist auf einer bzw. zwei Seiten – präsentiert:

  • Art (Charakter) des Spiels
  • Beteiligte
  • intendiertes Ziel
  • Dauer
  • erforderliches Material („Wir brauchen dazu“)
  • Ablauf („Wie geht es?“)
  • zusätzlicher Hinweis (falls erforderlich)
  • Einsatzmöglichkeit („Wann einsetzen?“)
  • und ggf. ein zu berücksichtigender Warnhinweis („Achtung!“) und – falls dies zur Logik des Spiels dazu gehört –
  • der Hinweis auf die Musterlösung.
  • Bei einigen Spielen werden zusätzlich noch mögliche Varianten erläutert.

Diskussion

Jörg Knoll war ein sehr erfahrener Theoretiker und Praktiker der Erwachsenenbildung. Das merkt man seinem Klassiker, der hier zum elften Male neu aufgelegt wurde, deutlich an: es bietet – anwendungsorientiert, aber auch theoretisch reflektiert - zu einem sehr zentralen Thema der Seminar- und Kursgestaltung, nämlich der Methodenauswahl, relevante Hintergrundinformation und höchst praktische Anregungen. Diese sind am konkreten Kursalltag und den entsprechenden Erfordernissen orientiert. Die vielen Beispiele und konkreten Vorlagen und Illustrationen unterstützen die Trainerin/den Trainer sehr konkret bei der Auswahl geeigneter Methoden und deren Einsatz im Seminar. Schön auch die kurze Zusammenfassung des „Kerns der Methode“, die jeweils in wenigen Worten das Wesentliche gewissermaßen „auf einen Blick“ präsentiert.

Weidenmann ist „ein alter Hase“ in der Weiterbildungsszene, so ist sein Buch entsprechend praxisnah, gestaltet: kurz und knapp, ganz unprätensiös widmet er sich den zentralen Fragen der Seminarplanung und -durchführung. Hinterlegt mit zahlreichen anschauliche Illustrationen und eingängigen Praxisbeispielen, hilft es noch unerfahrenen TrainerInnen bei der TeilnehmerInnen-adäquaten und sachgerechten Gestaltung von Seminaren, bietet aber auch erfahrenen DozentInnen Anregungen zur Reflexion und Neuorientierung in Hinblick auf ihre Trainings. Auch macht der Autor deutlich, dass TrainerInnen aus den eigenen Fehlern lernen dürfen und emutigt zum konstruktiven Umgang mit möglichen Misserfolgen.

Lipps Buch bietet viele Tipps aus seinem erkennbar umfangreichen Erfahrungsschatz, wenn sie auch manchmal etwas „speziell“ systematisiert wirken. Gut ist, dass es so viele Abbildungen gibt, aber sie sind manchmal so klein, dass sie kaum lesbar sind und so geht einiger Anregungscharakter verloren. Hier wäre es ggf. besser gewesen, im Buch selbst weniger Abbildungen zu zeigen und weitere als Online-Ressource zur Verfügung zu stellen. Der Autor gibt zahlreiche Anregungen für die Optimierung von Powerpoint-Präsentationen, die sicherlich hilfreich und sinnvoll sind. Bei einem 2013 erschienen Buch würde ich allerdings auch erwarten, dass es zusätzlich Hinweise auf neuere – und dynamischere – Alternativen gibt wie z. B: PREZI. Positiv ist, dass er in sein Buch auch andere als die eigene Perspektive und Expertise einbringt: so lässt er beispielsweise Teilnehmende aus seinen Seminaren in Statements zu Wort kommen ebenso wie AuftraggeberInnen oder Dolmetscher seiner Seminare in Vietnam oder Namibia – das ist wohltuend anders.

Die in Wallenwein-Toelstedes Buch vorgestellten Spiele sind für Trainings und Seminare eine wirkliche Bereicherung. Sie machen Spaß und können neue Lernzugänge ermöglichen, den Lernerfolg verstärken, die Seminaratmosphäre optimieren oder auch das Miteinander im Kurs nachhaltig verbessern. Die Systematisierung ist eingängig und die Beschreibungen trotz ihrer Kürze aussagekräftig und mit wenig Aufwand und ggf. auch kurzfristig – passend zur jeweiligen Seminarsituation und Trainingsherausforderung – auswählbar. Zu Beginn des Buches gibt es den Hinweis auf Online-Ressource: in diesem Fall allerdings lediglich eine Übersicht über die Liste der Spiele, noch dazu nur erreichbar über eine wirklich nicht sehr nutzerfreundliche URL, die mühselig händisch als Buchstaben-, Zahlen- und Sonderzeichenkombination eingegeben werden muss. Nach Eingabe der URL gibt es also lediglich dieselbe Information, die ich bekommen hätte, wenn ich als Nutzerin einfach auf die Verlagsseite zum entsprechenden Werk gegangen wäre. Solche Online-Ressourcen sind keine. Hier wäre es wünschenswert, dass bestimmt Vorlagen für Spiele bzw. Übungen als downloadbare Vorlagen bereit gestellt würden und nicht aufwendig für den eigenen Einsatz abgetippt werden müssten, z. B. für das Typenspiel (31), das Konzentrationsspiel (107) oder das Gedächtnisspiel (161), um nur einige wenige Beispiele zu benennen.

Die Lehr- und Lernrealitäten von Frauen und Männern unterscheiden sich, das gilt es in Trainingshandbüchern zu berücksichtigen. Der Einsatz geschlechtergerechter Sprache ist dabei das Mindeste: Knoll und Weidenmann bemühen sich konsequent, Männer und Frauen sprachlich adäquat zu berücksichtigen. Wallenwein weist darauf hin, dass sie Frauen „mit-meint“, wenn sie die männliche Sprachformulierung wählt. Lipp bezieht weibliche Trainerinnen, Kolleginnen und Teilnehmerinnen wenigstens ab und zu sprachlich ein.

Fazit

Das Preis-Leistung dieser Box ist sehr angemessen, auch wenn in Kauf zu nehmen ist, dass die Hardcover-Variante der früheren Auflagen dem oft stürmischen Trainingsalltag sicherlich besser standgehalten hat. Diese Box ist ein gutes Starter-Kit für NeueinsteigerInnen in die Erwachsenenbildung oder auch für erfahrene TrainerInnen, die im Trainings- und Seminaralltag noch besser werden wollen, bietet sie vielfältige Anregungen. Diese Box sollte in jedem Bücherregal – oder als ebook – auf jedem TrainerInnen-Tablet vorhanden sein!


Rezension von
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 14.11.2013 zu: Jörg Knoll: Basisbibliothek für Seminare und Trainings. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2013. ISBN 978-3-407-36548-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15347.php, Datum des Zugriffs 09.12.2021.


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