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Silke Schuster: Interkulturelle Bildung

Rezensiert von Dipl. Päd. Štefan Kvas, 22.11.2013

Cover Silke Schuster: Interkulturelle Bildung ISBN 978-3-86388-040-8

Silke Schuster: Interkulturelle Bildung. Die Bedeutung natio-ethno-kultureller Zuschreibungen in der Erwachsenenbildung. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2013. 203 Seiten. ISBN 978-3-86388-040-8. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.

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Thema

Wie laufen Lernprozesse innerhalb der interkulturellen Erwachsenbildung ab? Wir wirkt sich während einer solchen Weiterbildung die eigene natio-ethno-kulturelle Zugehörigkeit auf den Bildungsprozess aus? Dieser Frage geht Silke Schuster in ihrer Veröffentlichung nach. Dazu führt sie zunächst Gruppeninterviews mit Teilnehmer_innen einer interkulturellen Weiterbildung und führt im nächsten Schritt drei narrative Interviews. Ihre Forschungsdaten komplettiert sie durch die Durchführung eines zweiten Gruppeninterviews. Für die Auswertung des Materials wählt sie unter anderem die dokumentarische Methode.

Autorin

Dr. Silke Schuster ist an der Universität Koblenz Landau (Campus Landau) am Institut für Erziehungswissenschaft/Philosophie beschäftigt. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin ist sie in der Abteilung Erziehungswissenschaft bei Prof. Dr. Bernd Schwarz (Arbeitsbereich: Erwachsenenbildung/Weiterbildung) tätig.

Entstehungshintergrund

Zum Entstehungshintergrund verweist Silke Schuster zunächst auf die Entwicklung der Interkulturellen Pädagogik. Im Gegensatz zur schulischen und Jugendbildung haben interkulturelle Themen die Erwachsenenbildung vergleichsweise spät erreicht. Und trotz des aktuell mannigfaltigen Angebots an Weiterbildungsmöglichkeiten zum Thema der Interkulturellen Kompetenzen, beschreibt die Autorin Studien, die eine teilnehmer_innenorientierte Sicht fokussieren als Forschungsdesiderat. Vor diesem Hintergrund nutzt die Autorin, die selbst als Bildungsreferentin zur Fortbildung von interkulturellen Trainer_innen/Berater_innen tätig war, die Gelegenheit und entwickelte eine Studie deren Aufbau und Auswertung sie in dieser Publikation darlegt.

Aufbau und Inhalt

Silke Schuster gliedert ihre Publikation in folgende sieben Kapitel:

  1. Einleitung
  2. Konzepte Interkultureller Pädagogik
  3. Theoretischer Analyserahmen
  4. Forschungsansatz und methodische Herangehensweise
  5. Untersuchungsfeld und forschungspraktische Herangehensweise
  6. Aneignungs- und Bildungsprozesse im Kontext der Weiterbildung und die Bedeutung der eigenen natio-ethno-kulturellen Zugehörigkeit
  7. Interkulturelle Bildung als Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft

Ergänzt wird ihre Arbeit durch ein Vorwort von Univ.-Prof. Dr. Franz Hamburger i. R., dem Anhang (Literatur, Abkürzungen und Transkriptionsrichtlinien) sowie einem Abbildungsverzeichnis.

Im ersten Kapitel leitet die Autorin in das Thema des vorliegenden Forschungsvorhabens ein. Dazu beschreibt sie zunächst aus der Entwicklung der interkulturellen Pädagogik heraus das zugrundeliegende Forschungsdesiderat und umreißt die Auswahl ihrer Methodologie.

In Kapitel 2 erstellt Silke Schuster einen kritischen Überblick über verschiedene Konzepte Interkultureller Pädagogik. Dabei zeichnet sie die Entwicklungslinien der Ausländerpädagogik hin zur Interkulturellen Pädagogik (Kap. 2.1) und geht auf die Antirassismus-/Antidiskriminierungs-Pädagogik (Kap. 2.2) sowie die intersektionale „Pädagogik der Vielfalt“ ein (Kap2.3). Die differenzierte Auseinandersetzung mit den Konzepten nutzt die Autorin u.a. um eine Brücke zur Grundierung der Forschungsarbeit und dem nächsten Kapitel zu schlagen (Kap.2.4).

Den theoretischen Analyserahmen legt Silke Schuster in Kapitel 3 fest. Dazu definiert sie die Termini Migration und Migrationspädagogik (Kap. 3.1) und ordnet sich Mecherils Konzeption der Migrationspädagogik zu (vgl. S. 25). In diesem Kontext diskutiert die Autorin die auch im Titel der Publikation verwendete Begrifflichkeit natio-ethno-kulturell. Konstruktionsprozesse hinsichtlich der Zuordnung, wer ein_e „Migrant_in“ ist und wer nicht, deckt Silke Schuster unter Anwendung des Diskursbegriffs auf. Für Modellierungen Interkultureller Bildung (Kap. 3.2) unterscheidet die Autorin zunächst Erziehung und Bildung voneinander und beschreibt unter Einbezug von Marotzki Bildungsprozesse als biografische Transformationsprozesse.

Das vierte Kapitel nutzt die Autorin zur Darlegung ihrer Forschungsmethodologie. Begründet legt sie ihre Auswahl der rekonstruktiven Sozialforschung (Kap. 4.1) und der dokumentarischen Methode zur Interpretation dar (Kap 4.2). Ausführlich wendet sie dabei das Hallenser Konzept des „individuellen Orientierungsrahmens“ auf ihre Fragestellung an (Kap. 4.3).

In Kapitel 5 gibt die Autorin einen ausführlichen Einblick in ihre forschungspraktische Vorgehensweise. Dazu beschreibt sie zunächst Inhalte des Fortbildungsprogramms der bayerischen ‚Landesinitiative für Demokratie, interkulturelle Verständigung und Antirassismus‘ (LIDIA) zum_r interkulturellen Trainer_in/Berater_in. Weiterhin geht Silke Schuster auf didaktische Hintergründe sowie Ziele der Fortbildung ein (Kap. 5.1). Die Erhebung ihrer Daten unterteilt die Autorin in drei Schritte, in denen sie zunächst eine Konzeptanalyse über die Fortbildung erstellt. Teilnehmer_innen der Fortbildung standen ihr für den nächsten Schritt, den Gruppendiskussionen sowie den dritten Teil ihrer Datenerhebung zur Verfügung, den narrativen Interviews, die sie anhand der dokumentarischen Methode auswertete (Kap.5.2).

Kapitel 6 bildet mit der Darstellung der Analyseergebnisse den Kern dieser Publikation. Im ersten Teil dieses Kapitels stellt die Autorin den kollektiven Umgang mit natio-ethno-kultureller Zugehörigkeit dar und verwendet für ihre Analyse Transkripte der Gruppeninterviews, die Aha-Effekte unter den Teilnehmenden widerspiegeln. In weiteren Verlauf erarbeitet Silke Schuster anhand von Fallbeispielen drei Verarbeitungsmodi der Teilnehmenden von Inhalten der untersuchten interkulturellen Fortbildung:

  • Dominanzkulturell-meta-theoretische Verarbeitung
  • Existentiell-emotionale Verarbeitung
  • Diskursiv-reflexive Verarbeitung

Zum Ende des Kapitels zieht Silke Schuster ein Fazit ihrer Analyse und vergleicht dabei die drei Fallportraits. Dabei resümiert die Autorin, welche Bildungsprozesse bei den einzelnen Teilnehmenden im Kontext derer natio-ethno-kultureller Zugehörigkeit stattgefunden haben und begründet ihre Argumentation anschaulich.

Im siebten Kapitel zieht Silke Schuster ein Resümee zu ihren Forschungsergebnissen und beleuchtet diese kritisch hinsichtlich verschiedener Fragestellungen (bspw. die Anerkennung der Mehrfachzugehörigkeit). Im Ausblick erschließt sie dabei weitere Desiderate, die sie durch ihre Forschungsarbeit aufgedeckt hat.

Diskussion

Silke Schuster beschäftigt sich in Ihrer Publikation mit einem sehr wesentlichen Teil und bisher vernachlässigtem Gebiet der Forschung über interkulturelle Bildungsprogramme. Zum einen beleuchtet die Autorin Lerneffekte und untersucht dabei die Relevanz der nationalen, ethnischen und/oder kulturellen Zugehörigkeit. Die theoretischen Bezüge leitet sie dabei nachvollziehbar ein und ordnet sich an mehreren Stellen der Arbeit der Position Mecherils zu. In den Fallportraits verdichtet sie Ihre Argumentation und Herleitungen und untermauert diese mit anschaulichen und lesenswerten Analysebeispielen. Diese sind sehr interessant und es wäre spannend gewesen, wenn die Autorin mindesten ein weiteres Fallportrait hätte beschreiben können, dass eine „bio-deutsche“ (vgl. S. 173) Gegenposition zu dem Fallportrait der diskursiv-reflexiven Verarbeitung gebildet hätte. Da die Autorin jedoch einen bestimmten Proband_innen-Pool zur Verfügung hatte, stellt diese Anmerkung keine Kritik dar. Anhand von Silke Schusters Analysen wäre es sehr reizvoll gewesen, wie sich eine solche Facette in den Ergebnissen niedergeschlagen hätte.

Fazit

Silke Schuster gelingt es in ihrer Arbeit die Frage zu beantworten, in welche verschiedenen Einflüsse die eigene natio-ethno-kulturelle Zugehörigkeit auf den Bildungsprozess in interkulturellen Fort- und Weiterbildungen haben kann. Mit der Bearbeitung dieses Forschungsthemas schließt die Autorin eine Lücke im Bereich der Forschungen zur Interkulturalität bzw. interkulturellen Kompetenzen/Bildung/Fort- und Weiterbildung. Mit Ihrer auf die Teilnehmer_innen orientierte Sicht schafft sie es, Einblick in die Bildungsprozesse unter Berücksichtigung verschiedenster Zugehörigkeitskonstellationen zu erlangen. Während des Lesens wurde relativ schnell deutlich, dass diese Publikation für Anbieter_innen von interkulturellen Kompetenztrainings und/oder interkulturellen Fort- und Weiterbildungen eine Relevanz hat. Ebenfalls geeignet ist die Veröffentlichung für Wissenschaftler_innen im Bereich der Erwachsenenbildung/Weiterbildung, sowie Studierende im Hauptstudium.

Rezension von
Dipl. Päd. Štefan Kvas
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Es gibt 5 Rezensionen von Štefan Kvas.

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Zitiervorschlag
Štefan Kvas. Rezension vom 22.11.2013 zu: Silke Schuster: Interkulturelle Bildung. Die Bedeutung natio-ethno-kultureller Zuschreibungen in der Erwachsenenbildung. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2013. ISBN 978-3-86388-040-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15367.php, Datum des Zugriffs 17.07.2024.


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