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Roland Bühs: Zeichnen, Visualisieren, Strukturieren

Cover Roland Bühs: Zeichnen, Visualisieren, Strukturieren. Grafischer Werkzeugkasten für Pinnwand, Flipchart & Co. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2013. 139 Seiten. ISBN 978-3-407-36530-9. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 33,90 sFr.

Reihe: Weiterbildung - Training.
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Thema

Wirkungsvolle Visualisierungen in Seminaren, Schulungen oder professionellen Gesprächssituationen sind ein Dauerbrenner in Weiterbildung und Training. Visualisierungen inspirieren, optimieren Überblick und Verständnis für komplexe Sachverhalte und erhöhen die Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit. Gerade deswegen sollten sich Lehrende – ganz gleich ob Businesstrainer, Lehrer oder Dozenten – systematisch mit den Möglichkeiten der bildhaften Darstellung vertraut machen, um diese Möglichkeiten in Lehrveranstaltungen zielführend einzusetzen. Einen Beitrag dazu leistet dieser Titel, denn Zeichnungen und Skizzen sind seit jeher wichtige Bestandteile des Lehrens und Lernens.

Autor

Roland Bühs hat nach seiner Ausbildung zum Lithografen Kunst studiert und ist Lehrer geworden. Aktuell lebt er in Bremen und bildet dort heute überwiegend Referendare aus.

Aufbau und Inhalt

Der vorliegende Band „Zeichnen, Visualisieren, Strukturieren“ bietet auf rund 140 Seiten Ideen, Techniken und Methoden zur grafischen Gestaltung für Pinnwände, Flipcharts oder einfach Notizzettel. Mehr als 300 Beispielzeichnungen runden das Angebot ab. Zahlreiche Übungen laden zum Ausprobieren und Nachahmen ein.

Der Band lässt sich grob in zwei Teile gliedern, einer kurzen Einführung mit theoretischen Grundlagen und ersten kleineren Übungen sowie einem praktischen Teil mit achtzehn Unterkapiteln, die verschiedene Techniken und Visualisierungshilfen vereinen.

Schon im Einführungskapitel wird der Leser aufgefordert und angeregt das Zeichnen auszuprobieren. Er möge herausfinden wie es für ihn am besten klappt und wie sich etwa eine natürliche Strichführung abzeichnet. Danach geht es um die Kernbotschaft, die am besten einfach aber nicht banal dargestellt werden sollte. Mit einer Vorstellung der verschiedenen Grundformen – also: Kreis, Dreieck, Viereck, Linien, Gewusel, Punkten, Spiralen oder Pfeilen – schließt das erste Kapitel ab. Ein Grundstock ist somit schon gelegt.

Im zweiten Teil werden verschiedene Techniken vertieft und weitere Grundlagen zum Anfertigen komplexerer Visualisierungen angeboten. Den Anfang macht eine alphabetisch geordnete Übersicht Allgemeine Symbole, die komplexe Sachverhalte einfach und eindeutig darstellen. Es folgen die Grundregeln für das Zeichnen. Genaugenommen sind es sechs weitere Regeln, die den Leser und Anwender befähigen seine visuellen Darstellungsmöglichkeiten zu optimieren. Den Abschluss bildet ein Übungsteil mit fünf kleineren Aufgaben.

Das dritte Unterkapitel widmet sich den Zeichnungen für Moderationsphasen. Wieder gibt es eine alphabetische Sammlung entsprechender optischer Signale für die Moderationsphase. Von A wie Ablauf bis Z wie Zusammenarbeit sind hilfreiche Symbole für eine professionelle Moderation dargestellt. Im nächsten Abschnitt - Darstellung: fotoähnlich oder symbolisch? – widmet sich der Autor und Illustrator den verschiedenen Abstraktionsgraden. Diese ermöglichen es feinere Akzente und Betonungen zu signalisieren. Den Abschluss bilden wieder einige kleinere Übungen, um die theoretischen Inhalte selbst auszuprobieren. Weiter geht es mit Figuren und Proportionen und Strichmännchen. Hier gibt es zunächst noch ein paar wertvolle Tipps, genaugenommen drei wesentliche Hinweise, und dann eine Vielzahl anschaulicher Beispiele und Zeichnungen. Im siebten Teil widmet sich Roland Bühs den sogenannten Organizern. Organizer bieten Struktur, Übersicht und Orientierung. Sie können beispielsweise eingesetzt werden, um eine Gliederung darzustellen oder Prozessabläufe zu veranschaulichen. Farben, Hilfslinien, Muster sind so wichtig für Visualisierungen, dass ihnen ein separates Unterkapitel gewidmet ist. Komprimiert werden einzelne Zuordnungsmöglichkeiten und Symbolwerte für Farben dargestellt. Genauso wie die Möglichkeit, Farben zu nutzen, um (kultur-)spezifische Assoziationen hervorzurufen. Kompositionen vereinen verschiedene der bereits vorgestellten Elemente und bedürfen einer sorgfältigen Vorbereitung. Sie sind jedoch immer wieder einsetzbar und können die gewünschte Wirkung vieler Worte verstärken und somit Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit der Teilnehmenden steigern.

Persepktiven, Speedlines, Actionlines sind weitere Darstellungsmöglichkeiten, die jedoch vor Ihrer praktischen Anwendung etwas Theorie brauchen. Deswegen werden gleich zu Anfang des Kapitels vier weitere Regeln erläutert, die für das Verständnis und die praktische Umsetzung relevant sind. Zum Abschluss dieses Kapitels gibt es wieder einige Übungen für den Leser.

Symbole im Projektmanagement ermöglichen es Vortragenden Akzente zu setzen und so die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Den Anfang macht hier wieder eine alphabetisch geordnete Übersicht nützlicher Symbole im Projektmanagement. Von A wie Abweichung über N wie Neue Idee bis hin zu Z wie Ziel werden rund sechzig verschiedene Zeichnungen und Skizzen für die Projektvisualisierung gezeigt. Häufig sogar verschieden Vorschläge für einzelne Stationen.

Schnittmengen, Abläufe, Verbindungen ermöglichen es Gemeinsamkeiten oder Ähnlichkeiten aufzuzeigen, Unterschiede herauszustellen oder Konkordanzen zu verdeutlichen. Hier gibt es enge Verzahnungen mit dem Kapitel Organizer und sicher gute Kombinationsmöglichkeiten. Im nächsten Kapitel zeigt Roland Bühs uns verschiedene populäre Redensarten und Redewendungen – auch zeichnerisch. Wieder alphabetisch geordnet und oft mit mehreren Variationen.

Symbole finden ist eine Aufforderung eine eigene Sammlung von Symbolen und Piktogrammen für die zukünftige Seminararbeit zu erstellen. Hier verweist Roland Bühs auf die Piktogrammsammlung von Otl Aicher, einem der prägendsten Gestalter des 20. Jahrhunderts. Strukturen bieten zusätzliche Orientierung und helfen komplizierte Situationen zu ordnen und eventuell gar aufzulösen. Wieder zeigt Bühs uns alphabetisch geordnet verschiedene Darstellungsformen und Möglichkeiten dafür. Redutkionen, Hervorhebungen und Ausrichtungen fassen noch einmal wichtige Grundregeln für die Anfertigung von Orientierungsgrafiken zusammen und fordern den Leser auf, eigene Visualisierungen der bisherigen Seminararbeit zu überprüfen. Den Abschluss bildet das Kapitel Entwurfshilfen. Dort sind weitere wichtige Techniken und Möglichkeiten zusammengefasst, um die persönliche Kompetenz zu verbessern. Und zum guten Schluss … ist ein Appell an den Leser selbst aktiv zu werden und zeichnerisch zu visualisieren, wo immer nur das möglich ist.

Den Abschluss des Buches bildet der Teil Verzeichnisse und Glossar, der ein Literaturverzeichnis und ein Stichwortverzeichnis umfasst.

Zielgruppe

Lehrer, Dozenten, Trainer, Coaches.

Diskussion

Das Buch ist ein kompakter „Grafischer Werkzeugkasten für Pinnwand, Flipchart & Co.“, ganz wie es der Untertitel verspricht. Theorie ist bewusst knapp gehalten, bringt aber die wesentlichen Inhalte ansprechend rüber. Vielleicht hätten ein paar konkrete Beispiele aus der Unterrichts- oder Trainingspraxis den insgesamt guten Eindruck noch verstärken können. Dann wären die angebotenen Zeichnungen sicherlich noch besser nachvollziehbar. So hat das Ganze noch Entwurfscharakter, lässt aber gleichzeitig auch Spielraum für individuelle Modifikationen. Mir persönlich hat das Kapitel „Strukturen“ sehr gut gefallen, da es eine Vielzahl an variablen Grundelementen zusammenfasst.

Sehr schön sind auch die zahlreichen Tipps und Techniken, wie etwa die Aufforderung auf Post-it Grafiken zu entwerfen, da die Fläche (sehr) begrenzt ist. Dadurch nimmt die Konzentration des Zeichners jedoch zu und gleichzeitig entstehen Zeichnungen mit angemessenen Proportionen. Diese lassen sich dann beispielsweise einfach auf das wesentlich größere Flip-Chart übertragen. Manchmal sind die Dinge so einfach – man sieht‘s nur nicht immer sofort. Es fehlt ein Glossar, das aber aufgrund des sehr guten und anschaulichen Textes und den zahlreichen Erläuterungen, nicht sehr vermisst wird.

Bei entsprechender praktischer Anwendung kann jeder etwas aus dem Buch ziehen und seine gestalterischen Möglichkeiten erheblich erweitern. Insgesamt ist der Aufbau stringent, theoretischer Input wirkt bewusst komprimiert gehalten und durch die vielen Skizzen und Zeichnungen wird die Fantasie angeregt.

Fazit

Ich kann den Band sehr empfehlen und habe ihn neuerdings immer bei Vorbereitungen für Trainings oder Coachings griffbereit liegen. Oft eine tolle Inspiration!


Rezension von
Andreas Ploog
Politikwissenschaftler, M.A.
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Zitiervorschlag
Andreas Ploog. Rezension vom 12.12.2013 zu: Roland Bühs: Zeichnen, Visualisieren, Strukturieren. Grafischer Werkzeugkasten für Pinnwand, Flipchart & Co. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2013. ISBN 978-3-407-36530-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15371.php, Datum des Zugriffs 20.09.2020.


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ISSN 2190-9245

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