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Stephan Sting, Günther Zurhorst (Hrsg.): Gesundheit und Soziale Arbeit

Rezensiert von Prof. Dr. Johanna Hartung, 01.08.2001

Cover Stephan Sting, Günther Zurhorst (Hrsg.): Gesundheit und Soziale Arbeit ISBN 978-3-7799-1309-2

Stephan Sting, Günther Zurhorst (Hrsg.): Gesundheit und Soziale Arbeit. Gesundheit und Gesundheitsförderung in den Praxisfeldern Sozialer Arbeit. Juventa Verlag (Weinheim ) 2000. 255 Seiten. ISBN 978-3-7799-1309-2. 20,50 EUR.
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Zum Thema

Gesundheit und Gesundheitsförderung sind auf vielfältige Weise mit den grundliegenden Anliegen und Handlungsfeldern Sozialer Arbeit verknüpft:

  • Soziale Probleme, soziale Benachteiligung gehen auch heute noch mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einher.
  • Die Veränderung des Krankheitsspektrums erfordert eine interdisziplinäre, auf die Lebenlagen und Lebensweisen der Menschen bezogene Arbeit zur Prävention und Bewältigung von Krankheit.
  • Ein positives Verständnis von Gesundheit, das Aspekte des bio-psycho-sozialen Wohlbefindens auf einem Kontinuum zwischen Gesundheit und Krankheit umfasst (Antonovsky), erfordert sozialpädagogische Anregungen zur Gesundheitsförderung, die über die Prävention und Bewältigung von Krankheit hinausreichen.

Gesundheitsrelevante Tätigkeiten im Rahmen von Sozialer Arbeit finden besonders in Einrichtungen des Gesundheitswesens statt. Darüberhinaus erfordern alle Bereiche sozialer Arbeit und sozialpädagogischen Handelns eine Sensibilität und professionelles Engagement für gesundheitliche Belange der Zielgruppen.

Das vorliegende Buch leistet einen interessanten Beitrag zu dieser Sensibilisierung. Auf dem Hintergrund aktueller Entwicklungen der gesundheitsökonomischen und politischen Rahmenbedingungen werden programmatische Forderungen, differenzierte Darstellungen der Komplexität der Handlungsansätze und exemplarische Darstellungen einzelner Projekte der Gesundheitsförderung in einer Sammlung von Aufsätzen vorgestellt.

Gliederung und Inhalte des Buches

In einem Grundlagenteil, der etwa ein Drittel des Buches ausmacht, entwirft zunächst Heiner Keupp ein Plädoyer für eine "Gesundheitsförderung als Ermutigung zum aufrechten Gang", indem er zentrale Gedanken der Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation, des Modells der Salutogenese von Antonovsky und des Konzepts des Empowerment aufgreift und die Bedeutung sozialstruktureller und individueller Ressourcen für die Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung postuliert.

Günther Zurhorst stellt den in der modernen "Risikogesellschaft" bestehenden Zusammenhang zwischen Armut, sozialer Benachteiligung, Lebensweisen und Gesundheit dar und zeigt ein Spektrum von Handlungsansätzen der Sozialen Arbeit - insbesondere für eine lebensweltorientierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen - zu einer Verbesserung von Lebensbedingungen und Lebensweisen.

Stephan Sting reflektiert den Stellenwert von "Gesundheit als Aufgabenfeld sozialer Bildung" auf dem Hintergrund historischer und aktueller gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen und erörtert dabei normative Fragen sozialpädagogischer Ansätze der Gesundheitsförderung.

Im zweiten Teil des Buches werden Arbeitsfelder, in denen Soziale Arbeit gesundheitsförderlich wirksam werden kann, und Erfahrungen aus konkreten Forschungs- und Praxisprojekten vorgestellt. In diesem Teil des Buches beeindruckt die Vielfalt der Handlungsfelder, der methodischen Zugänge und der Kooperationserfahrungen mit den verschiedenen Zielgruppen sowie mit anderen im Gesundheitsbereich tätigen Berufsgruppen:

  • Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung (Joachim Baumeister)
  • Fort- und Weiterbildung für Selbsthilfe-UnterstützerInnen (Wolfgang Thiel)
  • Gruppenveranstaltungen zur Aids-Prävention (Matthias Stiehler)
  • Suchtpräventive Projektarbeit mit Jugendlichen (Ingrid Fliegel & Adelheid Krämer)
  • Gruppendiskussionen mit BewohnerInnen aus benachteiligten Wohngebieten zu ihrem Gesundheitsverständnis (Hans Günther Homfeldt)
  • Gesundheitsförderung in benachteiligten Stadtteilen (Nikola Löns)
  • Gesundheitsförderung durch informelle Hilfen und Unterstützung in sozialen Netzwerken (Frank Nestmann)
  • Effekte lebensweltorientierter Drogenarbeit (Heidi Reinl & Gabriele Stumpp)
  • Soziale Arbeit in der Rehabilitation Abhängigkeitskranker (Georg Wiegand)
  • Klinische Sozialarbeit in Einrichtungen des Gesundheitswesens (Georg Hey)
  • Soziale Arbeit in der psychosomatischen Rehabilitationsklinik (Elmar J. Mans)
  • Sozialdienst im Allgemeinkrankenhaus und in der Rehabilitationsklinik (Erika Witthöft)

Die Autorinnen und Autoren vertreten ein Gesundheitsverständnis, wonach nicht nur die Prävention und Bewältigung von Krankheit und die Abwehr "krankmachender Bedingungen" angestrebt wird, sondern darüberhinausgehend eine Förderung des bio-psycho-sozialen Wohlbefindens und der Lebensqualität. Angesichts dessen verwundert es, dass bei den vorgestellten Arbeitsfeldern entweder gesundheitsbeeinträchtigende soziale Problemlagen oder gesundheitliche Schäden bzw. Bedrohungen Ansatzpunkte Sozialer Arbeit darstellen. Eine Bereicherung des Spektrums wären m.E. sozialpädagogische Ansätze zu einer handlungs- und erlebnisorientierten Förderung gesundheitsförderlicher Lebensweisen und individuellen Gesundheitsverhaltens z.B. in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Entspannung, Lebensfreude.

Im dritten Teil des Buches werden im Rahmen der abschließenden interdisziplinären Perspektiven Ergebnisse eines Forschungsprojektes der FH Esslingen, der Universität Freiburg und der der Kath. FH Freiburg vorgestellt, das Curricula des Studiums der Sozialen Arbeit und der Medizin auf Aspekte interdisziplinärer Kooperation von Pflege, Medizin und Sozialer Arbeit untersuchte (Lotte Kaba-Schönstein & Karl Kälble).

Den Abschluss der Buches bildet eine komprimierte Zusammenstellung kontroverser Diskussionsbeiträge eines im Rahmen des 3. Bundeskongresses Soziale Arbeit in Dresden (1998) durchgeführten Symposiums zur "Gesundheitsförderung als soziales Projekt" (Günther Zurhorst).

Autoren / Herausgeber

Das Buch ist erschienen in der von der Erziehungswissenschaftlichen Fakulät der Technischen Universität Dresden herausgegebenen Reihe "Dresdner Studien zur Erziehungswissenschaft und Sozialforschung". Autorinnen und Autoren kommen aus verschiedenen Fachgebieten (Sozialpädagogik/Sozialarbeit, Soziologie, Erziehungswissenschaft, Psychologie) und verschiedenen Tätigkeitsfeldern (Hochschullehre, Forschung, Praxisfelder Sozialer Arbeit).

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Lehrende und Studierende in Studiengängen des Sozialwesens und an PraktikerInnen in allen Bereichen Sozialer Arbeit, um sie für gesundheitsrelevante Aspekte ihrer Arbeit zu sensibilisieren und Handlungsperspektiven zu eröffnen.

Abschließende Einschätzung

Das Buch ist eine Fundgrube für Leserinnen und Leser, die die Vielfalt der Verknüpfungen von Gesundheit und Sozialer Arbeit sowohl in programmatischer als auch in praktischer Sicht entdecken wollen oder auch zielgerichtet einen Einblick in einzelne Arbeitsfelder suchen. Dass dies jeweils nur ein Einblick sein kann, ist angesichts der Kürze der Einzelbeiträge nicht zu vermeiden. Für eine vertiefende Beschäftigung mit einzelnen Themen kann das umfangreiche, aktuelle Literaturverzeichnis hilfreich sein.

Rezension von
Prof. Dr. Johanna Hartung
Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Fachgebiet Psychologie
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Es gibt 13 Rezensionen von Johanna Hartung.

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Zitiervorschlag
Johanna Hartung. Rezension vom 01.08.2001 zu: Stephan Sting, Günther Zurhorst (Hrsg.): Gesundheit und Soziale Arbeit. Gesundheit und Gesundheitsförderung in den Praxisfeldern Sozialer Arbeit. Juventa Verlag (Weinheim ) 2000. ISBN 978-3-7799-1309-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/154.php, Datum des Zugriffs 23.05.2022.


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