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Jörn Borke: Kultursensitive Krippenpädagogik

Cover Jörn Borke: Kultursensitive Krippenpädagogik. Anregung für den Umgang mit kultureller Vielfalt. verlag das netz GmbH (Berlin) 2013. 50 Seiten. ISBN 978-3-86892-086-4. D: 9,90 EUR, A: 10,20 EUR, CH: 14,90 sFr.

Reihe: Betrifft Kinder extra.
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Thema

Das Autorenkollektiv um Dr. Jörn Borke und Diplom-Sozialarbeiterin Hanna Bruns beschäftigt sich in diesem Werk mit der „Kultursensitiven Krippenpädagogik“ und der damit verbundenen „kulturellen Vielfalt“ unserer Zeit. Eingegangen wird auf Situationen, in denen pädagogische Fachkräfte, die ihre eigenen Wertvorstellungen mit in die pädagogische Arbeit bringen, auf Familien mit anderem kulturellen Hintergrund und darauf aufbauend anderen Wertvorstellungen, treffen. In Praxisbeispielen sollen mögliche Missverständnisse verdeutlicht werden, Merkpunkte und Fragen zur Reflexion anregen. Ziel des Autorenkollektivs ist es, pädagogisches Fachpersonal zu sensibilisieren, dieser „kulturellen Vielfalt“ respektvoll entgegen zu blicken.

Autor und Autorin

  • Dr. Jörn Borke (Dipl. - Psychologe) lehrt an der Universität, der Fachhochschule und der Volkshochschule der Stadt Osnabrück, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle „Entwicklung, Lernen und Kultur“ des „Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung“ („nifbe“) und Leiter der „Babysprechstunde Osnabrück“.
  • Diplom-Sozialarbeiterin Hanna Bruns beschäftigt sich freiberuflich mit der Mediation und dem Konfliktmanagement im familiären Bereich, ist Leiterin des Fachbereichs „Pädagogik“ und Fachberaterin beim „Kindertagesstätten- und Beratungs-Verband e.V. (KiB)“. Außerdem bietet sie Fortbildungen für ErzieherInnen und Eltern an.

Aufbau

Das Heft besteht aus mehreren Themenbereichen, welche jeweils mit einem Fallbeispiel beginnen und enden. Die bedeutendsten inhaltlichen Aussagen jedes Themenbereiches werden in Merkpunkten zusammengefasst. Im Anschluss regen Fragen zur Reflexion an.

Zunächst werden im „Vorwort“ das Thema und der Entstehungshintergrund des Heftes beschrieben (S.7). Daraufhin wird erläutert, was, für das Autorenkollektiv, unter „Kultur“ zu verstehen ist (S. 9).

Der erste Themenbereich befasst sich mit der „Kultursensitive(n) Haltung“ (S.11ff). Die Bedeutsamkeit der „Zusammenarbeit bzw. der Dialog(e) mit (den) Eltern“ wird im zweiten Bereich thematisiert (S.15ff).

Darauf folgt im dritten Themenbereich das Thema „Eingewöhnung“ (S.19ff).

Bereich vier bis acht befassen sich mit den im Krippenbereich relevanten Themen

  • „Sprache“ (S.23ff),
  • „Schlafen“ (S.27ff),
  • „Mahlzeiten/Essen“ (S.31ff),
  • „Spielen“ (S.35ff) sowie
  • „Pflegen und Sauberkeitserziehung“ (S.39ff).

Das letzte Kapitel versteht sich als „Leitfaden zur Aufnahme neuer Familien in der Krippe“ (S.43ff).

Abgerundet wird das Heft vom „Nachwort“ (S.47). Die Vorstellung des „Autorenkollektivs“ befindet sich am Ende des Heftes (S. 49f).

Inhalt

Unter „Kultur“ versteht das Autorenkollektiv „[…] von Menschen geteilte Deutungs- und Verhaltensmuster, die an ökonomische und soziale Ressourcen des Umfelds, in dem diese Menschen leben, angepasst sind. […] Je nach Umfeld, in dem die Familienmitglieder aufgewachsen sind, können [demnach] unterschiedliche Vorstellungen und Verhaltensweisen sowie unterschiedliche Erwartungen an die Arbeit in Kinderkrippen darüber vorhanden sein, wie man Kinder sinnvoll auf das Leben in diesem Umfeld vorbereitet“ (S. 9). Anhand zweier Beispiele wird erläutert, wie stark eine Orientierung in puncto „Autonomie und Verbundenheit“ ausgeprägt sein kann und wie wichtig es ist, diese Orientierungen ernst zu nehmen (vgl. S.9).

Im ersten Themenbereich „Kultursensitive Haltung“ wird verdeutlicht, dass es, um eine respektvolle, neugierige und offene Haltung gegenüber Familien anderer kultureller Herkunft zu haben, unabdingbar ist, sich mit dem eigenen kulturellen Hintergrund auseinander zu setzen (vgl. S.11ff).

Von größter Bedeutsamkeit in der Arbeit mit Kindern im Krippenalter ist eine „partnerschaftliche – vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit den Eltern, welche im zweiten Bereich thematisiert wird (vgl. S.15). Dabei ist vor allem das Wissen um unterschiedliche Kulturen und Vorstellungen in der Erziehung hervorzuheben. Gespräche mit Eltern sowie die Reflexion möglicher Vorurteile helfen, Missverständnisse zu vermeiden (vgl. S.15ff).

Im dritten Themenbereich wird die Relevanz der „Eingewöhnung“ deutlich (S.19ff). Vor allem in diesem Bereich ist es von größter Wichtigkeit, den Eltern aus unterschiedlich kulturellem Umfeld und mit unterschiedlichen Vorstellungen und Erfahrungen, die Bedeutung der „Eingewöhnung“ transparent zu machen. Die Eingewöhnung dient dem gegenseitigen Kennenlernen der PädagogInnen mit Kind und Familie sowie der Alltagssituationen in der Einrichtung (vgl. S.19ff).

Der vierte Bereich sensibilisiert den Leser für das Thema „Sprache“. Verdeutlicht wird, dass Kinder fähig sind, mit mehreren Sprachen aufzuwachsen und diese auch zu lernen. Wichtig sei der ständige, sowohl verbale als auch nonverbale, Austausch mit dem Kind. Gleichzeitig sei ihm die Zeit zu gewähren, die zum Erlernen der anderen Sprache benötigt wird (vgl. S.23ff).

Einen weiteren Bereich, in dem individuelle kulturelle Vorstellungen und Erfahrungen und somit vielfältige Unterschiede bestehen, bildet das „Schlafen“ (S.27ff). Auch hier wird auf die Relevanz des Austausches mit den Eltern hingewiesen, um Rituale und Gegenstände (wie Nuckel, Kuscheltiere etc.) in Erfahrung zu bringen, die dem Kind das einschlafen erleichtern (vgl. S.27ff).

Die kulturellen Unterschiede in Gewohnheiten und Vorstellungen im Bereich „Mahlzeiten/Essen“ (S.31ff) sind heutzutage jedermann bekannt. Aufgezeigt werden Fragen an die Eltern, die den Kindern die Esssituationen in der Krippe erleichtern können (bspw. „Welche Speisen und Getränke erhält das Kind zu Hause?“, „Welche Vorlieben, Abneigungen und Gewohnheiten (Flasche, Tasse, Löffel…) hat das Kind?“, „Isst und trinkt das Kind bevorzugt allein oder mit Hilfe?“) (S.31). In Krippen sollte eine Atmosphäre geschaffen werden, in denen „(…) unterschiedliche kulturelle Ess- und Füttertraditionen gelebt werden können“ (S.32).

Ebenso gibt es hinsichtlich des Themas „Spielen“ unterschiedliche Vorstellungen, wie das kindliche Spiel (sei es das „Freispiel“, das angeleitete Spiel oder das „Symbolspiel“) aussehen kann bzw. aussehen sollte. Anders als in anderen Ländern dominiert hierzulande das sog. „Freispiel“, es wird eine anregungsreiche Umgebung geschaffen, in der das Kind selbstständig entscheiden kann, womit, mit wem, wo und wie lange es mit seiner Wahl spielen möchte (S.35ff). So ist auch hier wiederum ein Austausch zwischen PädagogInnen und Eltern notwendig, um den Nutzen des „Freispiels“ zu erläutern.

„(Das) Pflegen und (die) Sauberkeitserziehung“ stellen weitere Bereiche dar, in denen es hinsichtlich kultureller Vorstellungen zu Konflikten kommen kann. Den Eltern sollten hier die Entwicklungsschritte des Kindes und auch umfassendes Wissen verschiedener entwicklungspsychologischer Erkenntnisse verdeutlicht werden (S.39ff). Liebe- und respektvolle Pflegesituationen bieten nicht nur Gelegenheit zur Erfahrung des eigenen Körpers sondern auch zur „Kommunikation und Interaktion“ (vgl. S.39).

Der auf die Themenbereiche folgende „Leitfaden“ enthält Fragen, die das Kennenlernen des Kindes und seiner Familie bei der Aufnahme in die Krippe erleichtern, um somit eine vertrauensvolle Basis zu schaffen. Die Fragen werden in folgende Themenbereiche unterteilt: „Eingewöhnung“ (z.B. Frage nach bereits erlebten Trennungen), „Ernährung“ (Essgewohnheiten), „Schlafen“ (Schlafgewohnheiten), „Sauberkeit“ (Windel und/oder Toilette/Töpfchen), „Spiel“ (Interessen des Kindes), „Allgemeiner Umgang mit dem Kind“ (Vorstellungen der Eltern über Erziehung, Erfahrungen in bestimmten Situationen), „Dialog mit den Eltern“ (bestimmte Vorstellung zur Elternarbeit), „Allgemeines“ (allgemeine Informationen wie bspw. Name des Kindes und Geburtsdatum) und „Allgemeine Informationen über die Eltern“ (z.B. Berufstätigkeit) (S.43ff). Des Weiteren erhält die Familie einen Eindruck der pädagogischen Vorstellungen und Arbeitsweise in der Krippe (vgl. S.43).

Dem „Leitfaden“ folgen das „Nachwort“ mit einer Danksagung der AutorInnen sowie die Vorstellung des „Autorenkollektivs“ (S.47ff).

Diskussion

Das Heft gibt einen umfassenden und verständlichen Einblick in das Thema der „Kultursensitiven Krippenpädagogik“ sowie vielfältige „Anregungen für den Umgang mit kultureller Vielfalt“. Es ist sowohl für Laien als auch für pädagogisches Fachpersonal sehr interessant zu lesen und sehr gut verständlich. Es dient sowohl als Lehrbuch als auch als Auffrischung des bereits Gelernten und regt zur Durchführung der von den Autoren gemachten Vorschläge an.

Sehr anregend ist die Wahl der Beschreibung der einzelnen Themenbereiche. Die bedeutendsten inhaltlichen Aussagen jedes Themenbereiches werden in Merkpunkten zusammengefasst. Fragen im Anschluss regen zur Reflexion an. Fallbeispiele verdeutlichen die Aussagen und Darstellungen.

Um noch tiefer in einzelne Themen einsteigen zu können, verweist die Autorin mit Hilfe einiger Fußnoten auf weiterführende Literatur (S.7), auf Literatur, der sie verschiedene Inhalte entnommen hat (S.15, 23, 43), auf folgende bzw. vorangegangene Themen (S.16, 19) sowie auf nähere Erläuterungen (S.27, 35).

Zusätzlich verdeutlichen viele aussagekräftige, im Heft dargestellte, Fotos von Kindern mit unterschiedlicher Herkunft das Geschriebene (bspw. S.6, 11 u.a.m.)

Auffallend ist, dass Absatz 5 des Vorwortes und das Nachwort nahezu identisch sind.

Fazit

Meines Erachtens gibt dieses Heft einen sehr guten Überblick über das Thema der „Kultursensitiven Pädagogik“ und deren Bedeutung. Aufgrund der zahlreichen Fragen am Ende jedes Themenbereiches, regt das Heft sehr zur Selbstreflektion an und frischt das im Studium „Bildung und Erziehung in der Kindheit“ Erlernte wieder auf. Beim Lesen wird vor allem die große Bedeutung der Beziehungsentstehung und der Elternarbeit deutlich. Das Autorenkollektiv weist immer wieder auf die große Relevanz von Elterngesprächen hin. Diese dienen dazu, den Eltern die eigene pädagogische Arbeit transparent zu machen und Konflikte, die möglicherweise aufgrund verschiedener kultureller Ansichten und Erfahrungen entstehen, zu vermeiden. Des Weiteren wird aber auch verdeutlicht, dass es von großer Wichtigkeit ist, offen für individuelle Vorstellungen und Wünsche zu sein und Kompromissbereitschaft zu signalisieren. Ich empfinde das Heft als sehr lesenswert und empfehle es an pädagogisches Fachpersonal, das sich näher mit dem Thema „Kultursensitive Pädagogik“ beschäftigen möchte.

© 2013 socialnetGmbH, Bonn rezensionen@socialnet.de 15417borke_dietsch.odt 24. September 2013 13:32


Rezensentin
Katharina Dietsch
Kindheitspädagogin (B.A.)
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Zitiervorschlag
Katharina Dietsch. Rezension vom 08.10.2013 zu: Jörn Borke: Kultursensitive Krippenpädagogik. Anregung für den Umgang mit kultureller Vielfalt. verlag das netz GmbH (Berlin) 2013. ISBN 978-3-86892-086-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15417.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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