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Michael Luther: Das große Handbuch der Kreativitätsmethoden

Cover Michael Luther: Das große Handbuch der Kreativitätsmethoden. Wie Sie in vier Schritten mit Pfiff und Methode Ihre Problemlösungskompetenz entwickeln und zum Ideen-Profi werden. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2013. 423 Seiten. ISBN 978-3-941965-47-8. 44,90 EUR.

Reihe: Edition Training aktuell.
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Thema

Dieses Handbuch versteht sich als Nachschlagewerk und Arbeitshandbuch für Menschen, die sich zum einen einen Überblick über die Vielfalt an bewährten Kreativitätsmethoden verschaffen möchten und andererseits neue Kreativitätstechniken suchen, um das eigene Ideen- und Problemlösungspotenzial zu optimieren. Das Buch ist als Kompetenzleitfaden gestaltet, durch den LeserInnen die Gelegenheit erhalten sollen, sich in vier Schritten systematisch und praktisch zum „Ideen-Profi“ zu entwickeln und zudem den Umgang mit professionellen Kreativitätstechniken und Denkwerkzeugen zu erlernen.

Autor

Der Autor versteht sich – eigenen Angaben zufolge – als Kreativitätspionier, hat verschiedene Kreativitätstechniken weiterentwickelt und ist Autor verschiedener Bücher zu kreativen Methoden.

Aufbau …

Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt:

  1. Kreativität – Zukunftskompetnez mit System
  2. Kreative Performance entwickeln
  3. Kreativitätstechniken professionell anwenden
  4. Komplexe Kreativitätsmethoden professionell anwenden
  5. Das Ende…ist nur der Anfang.

Die – über 260 – Methoden werden in standardisierter Form präsentiert: in einer Präsentationsleiste werden die Eignung (Einzel- oder Gruppentechnik), das Schwierigkeitslevel, die Durchführungsdauer bzw. das erforderliche Material aufgeführt. Zugleich gibt es hier – falls vorhanden – einen Hinweis auf die Downloadoption. In der Regel schließt sich dann eine Einführung in die Kreativitätsmethode an, folgender Struktur folgend:

  • Kurzbeschreibung
  • Nutzen
  • Vorgehen
  • Hinweise
  • Vorteile
  • Nachteile.

… und ausgewählte Inhalte

Exemplarisch sollen hier einige interessante Methoden vorgestellt werden.

Beim Ideengenerator (176) handelt es sich um die fragenbasierte Vertiefung eines ersten Brainstormings, etwa dergestalt, dass gefragt wird „Was wäre alles vorstellbar/ denkbar (in Bezug auf die Fragestellung)?“, „Was wäre eine wirklich ausgefallene/ originelle Idee (in Bezug auf die Fragestellung)?“, Was wäre meine absurdeste/ verrückteste/ durchgeknallteste Idee (in Bezug auf die Fragestellung)?“.

Auch der Inspirationsstern (179) ist eine – etwas aufwendigere – Brainstorming-Variante, bei der die Ideenfindung durch Einbezug und Aktivierung unterschiedlicher Sinnessysteme, Körperpositionen und Reizrezeptoren auf besondere Weise stimuliert wird. Im Hauptteil liegen alle Beteiligten kreisförmig auf dem Boden mit dem Kopf zur Mitte und führen in dieser Position eine, durch externe Reize (Musik, Bilder etc.) initiierte Ideenfindung durch. In der Mitte des Kreises befindet sich ein Aufzeichnungsgerät (Kassettenrekorder, Sprachmemeofunktion eines Mobiltelefons etc.), das die abgegebenen Kommentare aufnimmt und festhält, die dann in einem weiteren Schritt bearbeitet werden.

Das Saatbeet (262) ist eine reizwortbasierte, mit der Analogie- oder Bisotiationstechnik verwandte Ideenfindungstechnik, die Begriffe miteinander in Verbindung bringt, die keine entsprechende Beziehung in der alltäglichen Erfahrungswelt haben; z.B.: „Welchen Teil meines Problems verbinden Sie eigentlich mit Wüstenschiffen – und welchen mit einem Theaterbesuch?“(262)

Die Lotusblütentechnik (209) ist eine Ideenfindungstechnik (Yasuo Matsumura), die Parallelen sowohl zu Mind Mapping und Clustering etc. aufweist. Dabei führt ein zentrales Thema zu Ideen, die nachfolgend selbst wiederum zu einem zentralen Thema für weitere Vorschläge werden. Die zentrale Idee, ein anstehendes Problem wird in die Mitte eines Blattes gesetzt, das – vergleichbar den Blättern einer Lotusblüte – mit acht „Ideenblättern“ umgeben wird. Diese wiederum können nach einem ersten Durchgang jeweils das Zentrum für einen Denkschritt werden. Dazu steht im Downloadbereich eine Vorlage zur Verfügung.

Das Creative casting (217) ist eine Ideenfindungstechnik (Harald Braem), bei der durch vielfältige Aktionen (etwa das Sammeln von Material, dem Besuch relevanter Orte , verbunden mit der Aufnahme entsprechender Sinneseindrücke oder Interviews mit relevaten Personen) eine ganzheitliche Wahrnehmung eines Kontextes, verschiedener Implikationen eine Problems etc. initiiert wird. Alle Ergebnisse fließen anschließend in einer Ausdruckscollage (Mood Chart) zusammen und werden weiter verarbeitet.

Mit dem Haferflocken-Worte-Tool (224) nimmt Luther Bezug auf eine von Edward de Bono entwickelte Ideenfindungstechnik, bei der scheinbar bedeutungslose Begriffe und Wörter gesammelt werden, die es möglich machen, eine Frage auf unklare Weise zu stellen und damit neue Lösungsebenen anzusprechen. Unter Haferflocken-Worten sind scheinbar bedeutungslose, unscharfe, verschwommene Begriff zu verstehen (Dingsbums, Tralala z. B.). Sie bedienen sich bewusst der „Milton-Sprache“, hier verstanden als möglichst unkonkrete Formulierungen, die von dem/der EmpfängerIn einer Nachricht selbstständig mit Sinn gefüllt werden müssen und dadurch kreativ-assoziativ wirken.

Mit der Bionik (227) präsentiert Luther eine von Jack E. Steele vorgelegte Ideenfindungstechnik, die mit Vergleichen zu Ideen oder Lösungsansätzen aus der Natur, arbeitet – im Sinne eines Lernens von der Natur für die Technik. Für den Prozess wird zunächst das zentrale Anliegen definiert. Dann werden Vergleiche aus dem Bereich der Natur ermittelt („Wo in der Natur tritt ein vergleichbares Problem, eine vergleichbare Herausforderung oder ein vergleichbares Prinzip auf?? Wie, mit welchen Hilfsmitteln, Mechanismen, Prinzipien, wird das Problem dort gelöst?“). Die entdeckten Ansätze werden ausgetauscht, gegebenenfalls zusammengeführt und können über die Frage „Wie kann diese Lösung auf die Aufgabenstellung übertragen werden?“ zur Lösungsfindung beitragen.

Arthur B. VanGundy hat den Wort-Diamanten (234) als Ideenentwicklungstechnik entwickelt, die von der Hypothese ausgeht, dass in jeder Aufgabe bereits ein Teil der Lösung steckt und diese, vergleichbar einem Diamanten aus dem Stein herausgearbeitet werden kann. Dazu werden aus der ursprünglichen Aufgabenstellung vier Schlüsselwörter ausgewählt und in einer bestimmten Form grafisch miteinander in Beziehung gesetzt, um ungewöhnliche Lösungsideen zu stimulieren. Im Downloadbereich lässt sich das entsprechende Arbeitsblatt als Kopiervorlage ausdrucken.

Der Einsatz der Boxenstopp-Methode (311) ist vor allem dann gut geeignet, wenn deutlich werden soll, dass der Weg zur Lösung eines Problems oder das Erreichen eines Zieles nicht bei Null beginnt, sondern dass oft schon ein beträchtliches Potenzial an Ressourcen im Sinne von Fähigkeiten, Strategien und Hilfsmitteln vorhanden ist, auf das sich aufbauen lässt.

Luther präsentiert in seinem Buch auch zahlreiche von ihm selbst entwickelte Kreativitätsmethoden, z. B. den IPC-Profiler (73), den er versteht als „Profilinginstrument das die individuellen Denkstile und Aufgabenpräferenzen von Einzelpersonen und Teams ermittelt und in Form eines Denkprofils wiedergibt. Das Persönlichkeitsinstrument ist vollständig kompatibel zu den vier Phasen des kreativen Problemlösungskreislaufs“ (Glossar im Downloadbereich 27). Der Autor geht davon aus, dass sich mit Hilfe des IPC-Profilers nicht nur die Aspekte der Persönlichkeit abbilden lassen, sondern auch „Verhalten in und die Affinität zu den einzelnen Prozessphasen“ (ebd.) prognostizieren lassen, verbunden mit einer Aussage zu möglichen Stärken-/Defizit-Bereichen.

Fazit

Luther Buch ist eine gute Fundgrube für Menschen, die nach einen guten und sytematischen Überblick über Kreativitätsmethoden suchen. Es präsentiert viele bekannte, aber auch zahlreiche neue Methoden. Fotos und Graphiken illustrieren einzelne Methoden und tragen so zu einem vertieften Verständnis bei. Diverse Onlineressourcen ergänzen das Buch und bieten dabei über die Printvariante hinaus tatsächlich einen Mehrwert, denn ein Teil der Methoden wird im Buch nur kurz präsentiert und kann ausführlich online nachgelesen bzw. herunter geladen werden. Auch werden druck- bzw. kopierfähige Arbeitsformulare bereitgestellt. Zudem wird ein aussagekräftiges Glossar zur Verfügung vorgehalten.

Wünschenswert wäre ein intensiveres Lektorat gewesen: es gibt diverse kleinere Fehler: etwa das großgeschriebene „Sie“ mitten im Satz, das wie bei der Anrede großgeschrieben ist, gemeint sind aber die Haferflocken-Worte (225). Ein Textabschnitt taucht zweimal auf (Seiten 10 und 12). Grundsätzlich ist es zwar eine sehr gute Idee, in die Thematik eines Kapitels mit Zitaten einzuführen, aber weniger gut ist es, wenn ein- und dasselbe Zitat zweimal auftaucht (Seiten 286 und 250). Gar nicht gut ist aber, dass dasselbe Zitat „Wenn das einzige Werkzeug, das Sie zur Verfügung haben, ein Hammer ist, dann neigen Sie dazu, jedes Problem als einen Nagel anzusehen.“ zweimal auftaucht und dabei auch noch unterschiedlichen Autoren zugeordnet wird, einmal Watzlawik, von dem es tatsächlich stammt (117), einmal Maslow (367). Der sprachliche Stil des Buch ist gelegentlich ein wenig hemdsärmlig: „Packen wir´s an.“, „Legen wir los! (20), „Stöbern Sie los!“ (14), „Auf geht´s!“ (18, 36). An das Ende eines jeden Kapitels stellt der Autor einen oder mehrere Tipps, meist kombiniert mit durchaus vertiefenden Fragen. Diese haben oft leider einen eher geschlossenen Charakter, wie etwa die Frage „Welche Ihrer aktuellen Herausforderungen in Beruf, Alltag und Privatleben würden davon profitieren, wenn Sie „kreatives Denken“ anwenden würden?“ (37). Nun ja, je nach individuell ausgeprägter Introspektionsfähigkeit bietet sich die Antwort sehr allgemein oder sehr eng gefasst ausfallen.

Nicht sehr kreativ ist, dass sich der Autor nicht für den Einsatz einer geschlechtergerechten Sprache entschieden hat, sondern sich damit zufrieden gibt, der Einfachheit halber Leser zu schreiben und die ungenannten Leserinnen einzubeziehen.


Rezension von
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 23.12.2013 zu: Michael Luther: Das große Handbuch der Kreativitätsmethoden. Wie Sie in vier Schritten mit Pfiff und Methode Ihre Problemlösungskompetenz entwickeln und zum Ideen-Profi werden. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2013. ISBN 978-3-941965-47-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15435.php, Datum des Zugriffs 16.10.2021.


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