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Vinod Verma: Demenz-Prävention aus der Tradition des Ayurveda

Cover Vinod Verma: Demenz-Prävention aus der Tradition des Ayurveda. Nymphenburger Verlag (München) 2012. 117 Seiten. ISBN 978-3-485-01393-2. D: 17,99 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 27,90 sFr.

Reihe: Nymphenburger kompetent.
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Thema

Der Titel sagt es bereits – das Buch widmet sich der Vorbeugung von Demenz aus dem Blickwinkel des Ayurveda, beschreibt mögliche Risikofaktoren und gibt zahlreiche Anregungen, Tipps und Handlungsstrategien für eine präventive Wirkung gegenüber diesen Risikofaktoren.

Autorin

Vinod Verma ist eine indische Wissenschaftlerin, die sowohl in den USA als auch in Deutschland forschte, bevor sie nach Indien zurück ging, um sich nun mehr der Erhaltung der Gesundheit statt der Erforschung von Krankheiten zu widmen.

Aufbau und Inhalt

Einleitung – Die Autorin skizziert kurz die globale Entwicklung von Demenzen, geht über zur mangelnden Beachtung der Prävention in der derzeitigen Forschung, um dann zum Ayurveda überzuleiten. Hier verdeutlicht sie ihre Intention des Buches: Menschen zu mehr Eigenverantwortung im Wissen über und umsetzen von förderlichen Strategien zur Gesunderhaltung zu bewegen.

1. Demenz und ihre Ursachen aus Sicht der modernen Naturwissenschaft und Medizin – Das Kapitel widmet sich dem Grundwissen über Demenz: Demenzformen, Symptome und die statistischen Daten zur Häufigkeit demenzieller Erkrankungen in Deutschland. Es folgt eine Einschätzung der zukünftigen globalen Entwicklung anhand von Daten aus verschiedenen Ländern, das Kapitel endet mit einer knappen Schilderung aktueller medikamentöser Therapien.

2. Demenz in ganzheitlicher Betrachtung – Sehr kurze Einführung in die Veden und das Ayurveda, dann geht es weiter mit den Systemen, Grundelementen, Grundenergien (Doshas), es folgt ein Überblick über das Verständnis von Geist, Körper und Sinne und über die Dynamik des Körpers. Hier werden die drei Energien Vata, Pitta und Kapha erläutert. Ausführlicher geht die Autorin dann auf die ayurvedische Behandlung von Leiden im Bereich Kopfes ein, und wendet sich noch einmal den drei Energien in ihrem Einfluss auf Gehirn, Nerven und Geist zu. Schließlich schildert sie Leiden, die als Vorboten einer Demenz angesehen werden, unter anderem das Delirium, das detailliert aus ayurvedischer Sicht beschrieben wird.

3. Entscheidende Risikofaktoren, die zu Demenz führen – Insgesamt 12 Faktoren, die aus ayurvedischer Sicht das Risiko an einer Demenz zu erkranken erhöhen, werden beschrieben. Diese sind eine Mischung von aus der Schulmedizin bekannten Risikofaktoren, anderen organischen Faktoren und Faktoren, die im westlichen Schulsystem unter psychische Belastung gefasst werden: von Überlastung und negativer Gebrauch der Sinne über unzulängliches Atmen und Bluthochdruck bis hin zu Sprunghaftigkeit des Denkens.

4. Den Risikofaktoren vorbeugen – Konsequent werden für alle 12 Risikofaktoren aus dem vorhergehenden Kapitel verschiedene präventive Maßnahmen erläutert. Neben Tipps des gesunden Menschenverstandes („Vermeiden Sie eine unnötige Geräuschkulisse aus dem Radio- und Fernsehgerät.“) und Ratschlägen zur Gestaltung des sozialen Umfelds und des eigenen Karmas gibt es eine Vielzahl an Körperübungen aus dem Yoga, Ernährungsempfehlungen, Meditations- und Atemtechniken, Massage- und Reinigungsempfehlungen und Anleitungen zu Inhalationen und Nasenspülungen. Diese Maßnahmen werden, wenn sie auch sehr komprimiert und geballt aufeinanderfolgen, alle als leicht umsetzbar und ohne größeren Aufwand im Alltagsleben integrierbar beschrieben.

5. Sich von der Angst vor Demenz befreien - Auch hier wieder ganz handfeste Ratschläge für Kopfmassagen, Atemtechniken und mentale Haltungen, mit denen man sich vor dem in Europa nach Aussage der Autorin immer stärker umgreifenden „Klima der Angst“ vor Demenz schützen kann.

6. Mit yogischen Methoden gegen Senilität angehen – Anhand von fünf Wandlungszuständen werden leidvolle und nicht leidvolle Zustände des Geistes erläutert, von denen die leidvollen als mögliche Ursache von geistigen und körperlichen Gesundheitszuständen angesehen werden. Als Vorbeugung wird ein yogischer Geisteszustand empfohlen, zu dessen Verwirklichung zum einen die Einnahme der Zuschauerperspektive auf das eigene Leben, zum anderen die OM-Rezitation genannt wird.

7. Stärke und Reinheit des Geistes als Demenz-Prävention – Auch hier geht es wie im vorhergehenden Kapitel noch einmal um den reinen Geist, der aus der Sicht yogischer Weiser erläutert wird. Anzustreben ist ein Sattva-Geisteszustand, den man unter anderem mit Achtsamkeitsübungen erreichen kann. Hierfür gibt es einige Anleitungen.

8. Vorbeugung durch Dosha-Ausgeglichenheit, Ernährung und Hausmittel - Zum Schluss folgt noch einmal ein sehr praktisches Kapitel mit zahlreichen Tipps und vielen Rezepten, von Kürbiskernrezepten bis hin zu verschiedenen gehirnstärkenden Mixturen.

Diskussion

Bedauerlich ist das Angstszenario, das die Autorin in der Einleitung aufbaut „alarmierend“, „unkontrollierbar“, „tickende Zeitbombe“, um dann später selbst in Kap. 5 zu raten, „sich von der Angst vor Demenz zu befreien.“ Dass dann am Ende der Einleitung gleich erst einmal auf die anderen Bücher der Autorin verwiesen wird, erweckt den Eindruck, dass hier erst einmal Angst geschürt wird, um die eigenen Bücher gut zu verkaufen.

Die medizinischen Grundlagen der Demenz werden folgend knapp aber verständlich geschildert und es ist soweit vielleicht auch notwendig in einem Buch über die Prävention von Demenz, dass man zuerst schildert, vor was denn vorgebeugt werden soll. Warum dann aber noch ein größerer Abschnitt über statistische Daten rund um Demenz folgt, der wieder einen eher dramatischen Unterton gegenüber den sicher nicht unterzubewertenden Daten zeigt, ist gerade im Zusammenhang mit dem eher geringen Umfang des Buches (114 Seiten, davon etliche Bild- und Füllseiten) aus Sicht der Prävention unverständlich. Leser, die dieses Buch in die Hand nehmen, haben vermutlich bereits ein konkretes Interesse und zumindest etwas Vorkenntnisse über Demenz, und brauchen nicht erst noch sensibilisiert werden, dass Handlungsbedarf besteht. Wer keine Ahnung von der Daten- und Faktenlage hat, wird wohl eher nicht zu einem Buch greifen über ayurvedische Prävention von etwas, von dem man nicht weiß, was es ist.

Ähnlich kritisch ist auch das folgende 2. Kapitel zu beurteilen, in dem Grundwissen über Ayurveda vermittelt werden soll. Als in den vedischen/ ayurvedischen Grundlagen unwissende, aber sehr interessierte Leserin irrt man auf den folgenden Seiten doch etwas umher zwischen den vielen Begriffen unterschiedlicher Ebenen (Elemente, Energien, Reinigungspraktiken, Therapien, Wandlungsformen…). Hier hätte ich mir eine besser strukturierte, ausführlichere Einführung in das Ayurveda und die verschiedenen Elemente und Ebenen, die (für Unkundige) scheinbar unsortiert mehrfach erwähnt werden, gewünscht.

Glücklicherweise lassen sich die folgenden Kapitel auch lesen, ohne Kapitel 2 in voller Tiefe durchdrungen zu haben, und nun kommt auch das, warum Ratsuchende mit diesem Buch in Sachen Gesundheitsprävention vor einem östlichen Hintergrund sicher auf ihre Kosten kommen: Verständliche Beschreibungen, auch mit dem philosophischen, manchmal vielleicht auch esoterisch anmutenden Hintergrund der – aus Sicht des Ayurveda – hauptsächlichen Risikofaktoren für Demenz und viele, zumeist gut und einfach umzusetzende Ratschläge. Vermutlich wird keiner alle Ratschläge umsetzen wollen oder können, aber jeder ernsthaft zu eigenem Tun bereite Leser kann und wird hier Ansätze für eine eigene Verhaltens- oder gar Lebensstiländerung finden. Die Titel von Kapitel 5 (Sich von der Angst vor Demenz befreien) und Kapitel 6 (Mit yogischen Methoden gegen Senilität angehen) versprechen sicher mehr, als man durch das Lesen und Ausprobieren der ein oder anderen Methode erreichen kann (außerdem hier noch einmal der kritische Hinweis zur Einleitung, die Angst aufbaut, was hier bekämpft werden soll). Ab Kapitel 3 kann ich das Buch interessierten Leser/innen mit einem Grundverständnis von Demenz, der sie vorbeugen wollen, und einem Grundwissen über Ayurveda, mit dem vorgebeugt werden soll, empfehlen – Patentrezepte und 100 % Wirksamkeit wird sicher keiner erwarten, der ein derartiges Buch in die Hand nimmt.

Fazit

Nach einem unnötig aufreißerischen Einstieg und nur bedingt verständlicher Einführung in das Ayurveda liefert das Buch ab Kapitel 3 das, was es im Titel verspricht: Methoden, Maßnahmen, Ernährungsempfehlungen, Übungen und Anregungen zur mentalen Arbeit, mit der man zur Gesunderhaltung von Körper, Geist und Seele beitragen und damit möglicherweise auch der Entwicklung einer Demenz vorbeugen kann – aus Sicht einer östlichen Weisheitstradition.

Empfehlenswert für alle mit Offenheit gegenüber östlichen Philosophien und Schulen und mit der Bereitschaft, das eigene Handeln und Denken zu verändern. Als „Erstlektüre“ für Ratsuchende in Sachen Demenzprävention eher weniger zu empfehlen, als Exemplar einer Patientenbibliothek oder der Bibliothek einer Seniorenberatungsstelle aber schon.


Rezensentin
Dipl.-Pädagogin Bettina Wichers
Gerontologin (M.Sc.), Dipl.-Pädagogin & Coach
CommuniCare. Kommunikation im Gesundheitswesen, Göttingen
Homepage www.xing.com/profile/Bettina_Wichers
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Zitiervorschlag
Bettina Wichers. Rezension vom 25.09.2013 zu: Vinod Verma: Demenz-Prävention aus der Tradition des Ayurveda. Nymphenburger Verlag (München) 2012. ISBN 978-3-485-01393-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15447.php, Datum des Zugriffs 17.11.2019.


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