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Thomas Eisenreich: Erfolgreiche Einführung der Balanced Scorecard in der Altenhilfe

Cover Thomas Eisenreich: Erfolgreiche Einführung der Balanced Scorecard in der Altenhilfe. WEKA MEDIA (Kissing) 2003. 54 Seiten.

Reihe: WEKA-Praxislösungen.


Aufsatz oder Buch?

Als Rezensent eines Buches hatte ich rein physisch mehr erwartet als eine Broschüre mit 53 Seiten und keine ISBN, kein Literaturverzeichnis, keine Angaben zum Autor. Es entsteht eher der Eindruck eines umfangreicheren Fachaufsatzes. So steht denn auch im Vorwort "Dieser Beitrag soll eine kleine Einführung in die Balanced Scorecard geben und dabei den Fokus auf die Einführung und Nutzung der BSC richten."

Balanced Scorecard als Instrument des Sozialmanagements

Anfang der 90er Jahre entwickelten Kaplan und Norton in den USA die Balanced Scorecard (BSC) als Steuerungssystem für amerikanische Großunternehmen. Die BSC sollte eher kurzfristige, finanzielle Ziele mit mittel- und langfristig wirksamen Erfolgsfaktoren in Einklang bringen. Um langfristig den Unternehmenserfolg zu sichern, sollten finanzielle, kundenorientierte, prozessorienterte und lern-/entwicklungsorienterte Perspektiven in einem ausgewogenen Verhältnis (= balanced) beachtet und verfolgt werden.

Auch wenn das System ursprünglich für gewinnorientierte Unternehmen entwickelt wurde, lässt es sich hervorragend für Nonprofit-Organisationen einsetzen, da auch nicht-finanzielle Ziele verfolgt und vielfältige Anspruchsgruppen berücksichtigt werden können. Laut Eisenreich ist es ein "sehr gut begreifbares und daher auch bei nicht betriebswirtschaftlich ausgebildeten Mitarbeiter/-innen regelmäßig akzeptiertes Instrument der Erfolgsplanung und -messung."

Autor

Thomas Eisenreich ist als Unternehmensberater tätig und in der Praxis mit Controlling in Nonprofit-Organisationen befasst.

Inhalte

Nach ein paar einführenden Bemerkungen werden die Grundlagen der BSC (Kapitel 3) und deutlich kürzer der Einführungsprozess (Kapitel 4) dargestellt. Dabei werden die wesentlichen Aspekte angesprochen, z.B. Anbindung der BSC an die strategische Planung, Berücksichtigung von weiteren Anspruchsgruppen neben den Kunden oder typische Ziele der einzelnen Perspektiven. Bei den Perspektiven hat sich Eisenreich für eine Darstellung mit fünf Perspektiven entschlossen. Neben den ursprünglichen Perspektiven - Finanzen, Kunden, Interne Prozesse und Mitarbeiter (bzw. Lernen und Entwicklung) - führt er "Externe Partner" ein.

Die Darstellung bleibt, entsprechend dem gewählten Umfang der Darstellung, zwangsweise etwas oberflächlich. Zentral für die BSC ist die Entwicklung von Wirkungsketten: Durch welche Erfolgsfaktoren können die strategischen Ziele beeinflusst werden? Der Begriff findet zwar Erwähnung, aber konkrete Beispiele fehlen. Einige Kennzahlen werden zwar aufgelistet ("Folgende Kennzahlen werden oft verwendet:"), aber nicht kritisch diskutiert. Dabei fangen hier erst die spannenden Fragen an:

  • Welche Zahlen passen zu beispielhaften strategischen Zielen?
  • Wie werden sie ermittelt?
  • Durch welche weiteren Faktoren werden sie beeinflusst?

Die Darstellung enthält auch keine beispielhafte BSC für eine stationäre oder ambulante Altenhilfeeinrichtung, so dass das Gesamtsystem aus strategischen Zielen, Perspektiven, Kennzahlen, Zielwerten und Aktionen auf einen Blick erfassbar wird.

Praxislösungen?

Die Broschüre vom Weka-Verlag trägt den Reihentitel "Praxislösungen". Diesem Anspruch wird der Aufsatz nicht gerecht. Dazu wären

  • eine differenziertere Darstellung, z.B. für den ambulanten und stationären Bereich
  • konkretere Ausführungen, z.B. zur Kennzahlenbildung oder einer Beispiel-BSC
  • praktische Hinweise, z.B. zu Softwareunterstützung und vertiefender Literatur

erforderlich.

Tatsächlich bietet die Broschüre eine gut lesbare und kurze Einführung in die Grundlagen der BSC am Beispiel der Altenhilfe. Sie ist damit geeignet, Entscheidungsträger für eine nähere Befassung mit dem Thema zu motivieren. Einer etwas lesefreudigeren Person sei als Alternative "Balanced Scorecard at work" von Friedag und Schmidt empfohlen. Hier findet gerade der Einführungsprozess große Beachtung und die ausführliche Darstellung eines Fallbeispiels aus der Altenhilfe lässt die Lektüre geradezu spannend werden. Eine unterstützende Software liegt bei. Siehe die Rezension dieses Buchs.

Als Einführung für künftige, betriebswirtschaftlich nicht vorgebildete Anwender ist der Text wenig geeignet, da keine Grundlagen, z.B. zu Controlling oder den vier Perspektiven, vermittelt werden. Auch eine Fachkraft, die mit der Einführung einer BSC in einer Pflegeeinrichtung befasst ist, findet kaum konkrete Hilfestellung. Gerade für letztere empfiehlt sich die wesentliche umfassendere, sehr praxisnahe und zugleich gut lesbare Darstellung von Fischbach und Spitaler, besprochen unter www.socialnet.de/rezensionen/1547.php.


Rezensent
Dipl.-Kfm. Christian Koch
Geschäftsführer der socialnet GmbH und selbständiger Unternehmensberater für Nonprofit-Organisationen
Homepage www.npoconsult.de
E-Mail Mailformular


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Zitiervorschlag
Christian Koch. Rezension vom 06.04.2004 zu: Thomas Eisenreich: Erfolgreiche Einführung der Balanced Scorecard in der Altenhilfe. WEKA MEDIA (Kissing) 2003. Reihe: WEKA-Praxislösungen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1545.php, Datum des Zugriffs 26.07.2017.


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