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Sandra Maria Geschke: Doing urban space

Cover Sandra Maria Geschke: Doing urban space. Ganzheitliches Wohnen zwischen Raumbildung und Menschwerdung. transcript (Bielefeld) 2013. 357 Seiten. ISBN 978-3-8376-2448-9. D: 33,80 EUR, A: 34,80 EUR, CH: 43,50 sFr.

Reihe: Urban studies.
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Thema

Man wohnt nicht einfach, weil man eine Wohnung, ein Dach über dem Kopf braucht. Man wohnt vielleicht auch nicht mehr nur, um ein Zuhause zu haben, irgendwohin zu gehören. Die Wohnung ist zu einem gesellschaftlichen Ort geworden, der nicht mehr nur Privates beinhaltet – in Abgrenzung etwa zur Öffentlichkeit. Vielmehr wird die Wohnung selbst ein Ort gesellschaftlicher Präsentation, quasi-öffentlich im Kontext des Privaten.

Oder ist in postmodernen - post-industrialisierten – Gesellschaften die Wohnung doch zum zentralen Bezugspunkt sozialer Integration avanciert – vor der Integration durch Arbeit? Gewinnt die Reproduktionssphäre gegenüber der Produktionssphäre an Bedeutung, deren konstitutives Merkmal die Wohnung und das Wohnumfeld sind? Und wird ganzheitliches Wohnen überhaupt zum Fokus integrationssichernder und identitätsstiftender Bedingungen des Lebens in modernen Gesellschaften?

Orte brauchen Räume, in denen sie sich verorten können. Ist die Wohnung also doch kein Ort angesichts des Verlustes von Raumbindungen hoch individualisierter Gesellschaften?

Autorin

Dr. Sandra Maria Geschke lehrt Kulturwissenschaft im Studiengang Cultural Engineering an der Universität Magdeburg.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in sechs große Kapitel:

  1. Der Mensch als Summe seiner Räume
  2. Warum Raumbindungen nachlassen
  3. Warum Raumbindungen wichtig sind
  4. Wie sich Raumbindungen stärken lassen
  5. Urbane Entfaltungsräume in der Praxis
  6. Verwurzeln und beflügeln

Daran schließt sich ein Quellenverzeichnis mit Literatur, Film- und Internetquellen und ein Anhang an, der eine Transkription eines Interviews mit A. Bücker, dem damaligen Intendanten des Nordharzer Städtebundtheaters enthält.

1. Der Mensch als Summe seiner Räume

Mit diesem Kapitel leitet die Autorin in den Gesamtkontext ihrer Argumentation ein.

Die Stadt ist die räumliche Verdichtung von Gesellschaft. Noch nie haben so viele Menschen so dicht auf einander gewohnt wie heute in urbanisierten Gesellschaften.

Sandra M. Geschke konstatiert einen Raumbindungsverlust in dem Maße wie es Städten und Gemeinden nicht mehr gelingt, Anwohner an sich zu binden, so dass sie das Gefühl haben, dort zu Hause zu sein unter den Bedingungen der Eigenlogik von Integration und Ausgrenzung, die diese Gemeinde entfaltet. Die Homogenisierung führt zu einer raum-abstrakten Lebensstilführung, die den Ort und die Verortung dort offensichtlich nicht mehr braucht.

Nach einer Auseinandersetzung mit Forschungsrichtungen wie dem Situativen Urbanismus oder dem New Urbanism stellt sie eine Forschungslücke fest. Sie fragt, welche Möglichkeiten der Stärkung der Raumbindung nachhaltig vorhanden sind. Es fehlt an einer theoretisch fundierten und praktisch anwendbaren Systematik des erfolgreichen Raumschaffens im Sinne eines nachhaltigen Doing Urban Space. Es geht um den Zusammenhang der Konstitution von Selbst und Welt, um die Seinswerdung des Individuums in seiner intergenerativen Charakteristik – und der ist immer räumlich geprägt (12).

2. Warum Raumbindungen nachlassen. Städtische Raumentwicklungen als Dezentralisierungsprozesse menschlicher Bezugsorte vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen

Sicher finden wir in modernen Gesellschaften sozialräumliche Bewegungen, die Städte schrumpfen lassen, andere auch wieder wachsen lassen. Die traditionellen Formen lokalspezifischer Verortungspraxis verschwinden in dem Maße wie Menschen gezwungen werden, mobil zu sein. Ob sie also Städte verlassen, weil ihre öffentlichen Räume nicht mehr attraktiv genug sind oder weil die Infrastruktur nicht mehr ausreicht, um ein gutes Leben zu führen oder Bedingungen des Aufwachsens zu garantieren – in jedem Fall ist eine Stadtentwicklungspolitik herausgefordert, die danach fragt, wie man zukünftig in einer Stadt leben möchte, die unterschiedlichen sozialen und kulturellen Bezugsgruppen gerecht werden will.

Die Autorin setzt sich mit postmodernen Prozessen einer radikalen Pluralisierung auseinander, einem Pluralismus, der ständig zu Selbstbestimmung und Selbstentscheidung zwingt angesichts der Optionsvielfalt der Möglichkeiten unter dem Slogan „anythings goes“. Unterschiedliche Wertesysteme stehen legitim neben einander und produzieren Widersprüchliches und Ambivalentes – etwas, was wir dem Großstädter allemal zumuten, weil er ständig sich damit auseinandersetzen muss.

Es geht dann um die Heterogenisierung der individuellen Lebensweise als Uniformierungsmotor städtischer Lebenswelten, was meint, dass die Dezentralisierung menschlicher Bezugsorte auch zu einer Unifomisierung städtischer Lebenswelten geführt hat. „Anythings goes anywhere“. Wer sich in der Hamburger City auskennt, kann sich in der Londoner City nicht verirren?

Sandra M. Geschke setzt sich dann mit der schrumpfenden Stadt auseinander und verweist auf Beispiele in Sachsen-Anhalt, kommt dann zum Gentrifizierungsprozess als einem Prozess der Verlagerung von Raumzugehörigkeiten – und wenn man den Gentrifizierungsverlauf beschreibt, wird dies auch deutlich.

Weiter beschreibt die Autorin Migration als Entörtlichungsphänomen, was dann eher ein Problem der neuen Orte ist, an denen man ankommt oder ankommen will als dasses ein Problem der alten Orte ist, die man verlassen hat.

Und zum Schluss dieses Kapitels beschreibt Sandra M. Geschke „Enträumlichung durch Virtualisierung“. Statt des lokalen vergemeinschaftenden Netzwerkes bewegen sich Menschen im „global village“- ob sie dadurch nicht auch Gemeinschaft erfahren, die anders aussieht als traditionelle Vergemeinschaftungsformen, ist zumindest diskussionswürdig.

3. Warum Raumbindungen wichtig sind. Zur individuellen und kulturellen Bedeutung von Raumschaffung

Verlieren durch Enträumlichungsprozesse Städte ihr Profil als Stadt oder nur als die Stadt die sie ist, weil sie so ist, wo als bestimmte Dinge eine höhere Dignität und Plausibilität besitzen als anderswo?

Setzen deshalb Städte auf ihre Eigenlogik, um ihre je spezifische Attraktivität zu erhalten oder neu zu gewinnen, wie das M. Löw auch meint?

Es geht in diesem Kapitel um die Bedeutung von Räumen für die Identitäts- und Sinnbildungsprozesse und um die Frage, warum Menschen nicht überall zuhause sein können, sondern Orte brauchen, mit denen sie sich verbunden fühlen.

Dies wird von der Autorin zunächst neurowissenschaftlich begründet. Dass Menschen räumlich denken, gehört zur Grundausstattung und ist dem menschlichen Wesen immanent.

Und Räume sind konstruiert, bilden also räumlich gedachte Sozialzusammenhänge. Im Folgenden setzt sich die Autorin mit dem Raumbegriff auseinander, dem homogenen Raum, dem relativistischen und dem relationalen Raum, um dann die Raumkonstruktion als Ergebnis menschlicher und weltlicher Bedingtheiten zu beschreiben. Im Rückgriff auf Hannah Arendts Unterscheidung von Arbeiten, Herstellen und Handeln beschreibt Sandra M. Geschke die Bedingungen, unter denen Räume konstruiert werden, zugänglich werden, besetzt und angeeignet werden. Dabei geht es auch um die Leiblichkeit, um das Verhältnis des Leibes zu dem ihn umschließenden Raum. Dies wird an Hand der Literatur gründlich nachgezeichnet und begründet.

Ist Leiblichkeit eine Bedingung der Konstruktion von Räumen, dann ist Heimatlosigkeit die zweite Bedingung. Es geht um die Konstruktion von kulturellen Identitätsräumen, die wir als Heimat umschreiben. Heimatschaffung als Raumkonstruktion meint, dass sich Räume auch materialisieren in geographischer Topographie, in Bauten, in dem, was Menschen aus einer Landschaft gemacht haben. Und Heimat ist Identität und Vertrauen, ist die Verbindung von hergestellter, geschichtlich gewordener Welt und Mensch. Das Kind wird in diese bereits gewordene Welt hineingeboren, vertraut sich ihr an und bildet gleichsam in der Auseinandersetzung mit dieser Welt seine Identität aus.

Eine weitere Basis der Raumkonstruktion ist das kommunikative Handeln. Menschliche Gesellschaften sind auf diese Art des Handelns angewiesen, ja, sie lassen sich auch konstitutiv so beschreiben. Gesellschaft ist Kommunikation (N. Luhmann). Das Austarieren von Nähe und Distanz und die Beantwortung der Frage, wer man ist im Verhältnis zu den anderen unter den Bedingungen der Pluralität geht nur im sozialen Raum und die Vielfältigkeit menschlicher Erscheinungsformen zwingt geradezu zur kommunikativen Verständigung.

Schließlich beschreibt die Autorin schematisch die Dimensionen einer handlungsbasierten Raumtypologie als Ausgangspunkt für eine Theorie Ganzheitlichen Wohnens. Dabei werden konstruierte Räume als Ergebnis menschlicher Handlungen und Zielsetzungen als angestrebte Umgangsweisen mit der Handlungsprogrammatik eines ganzheitlichen Wohnens in Verbindung gesetzt und in einem Zwischenfazit Wohnen als raumbezogene basale Bildungsaufgabe im Zeitalter der fortgeschrittenen Moderne begründet. Dabei greift Sandra M. Geschke auf diesbezügliche Autoren zurück.

4. Wie sich Raumbindungen stärken lassen. Narrative Figuren und ihre Raumerschließungspraktiken als Wegweiser zur Herstellung und Förderung urbaner Raumbindungen

In Anlehnung an Autoren wie Lippuner und de Certeau, die Raumschaffung als fortlaufend vollzogene Alltagspraktiken beschreiben und sich daher an die kultur- und medienwissenschaftliche Topologieforschung anbinden lassen, erschließt die Autorin die Frage nach den Möglichkeiten einer gelungenen Stadträumlichkeit, also danach wie urbane Raumbindungen nachhaltig gestärkt werden können. Diese theoretische Auseinandersetzung ist äußerst komplex, wird aber an Hand belletristischer Literatur dargestellt und verdichtet sich an der Begründung einer flanerischer und nomadischer Raumkonstruktion.

So wird der einheimische Flaneur als aktivierter subversiver Heimatkundler dargestellt, der durch sein Gehen Aufschluss über den Raum gibt. Schlendern und Entschleunigung erlauben Erinnern und Reflexion.

Die Autorin setzt sich mit der Herkunft und den Merkmalen flanerischer Raumerschließung auseinander, beschäftigt sich mit spatiiernden Raumaufspannungen in der Literatur bei F. Hessel und A. Eloesser, um dann zum flanerischen Wahrnehmen als Heimatstiftung bei Ruth Beckmann zu kommen.

Der Flaneur ist eine literarische Figur der Moderne, die in ihrer Raumkonstitution eher am Beständigen festhält und im Beharren trotz des sozialen Wandels seine Existenz begründet.

Dagegen ist der nomadische Fremde eine Interventionsfigur, eine Figur der Irritation und Initiator von Transformationen. Er kommt weit aus der Vormoderne, gewinnt aber heute durch das moderne Nomadentum wieder an Bedeutung. Der moderne Nomade ist nicht mehr unzivilisiert und anarchisch, der sich jeder Logik von Integration und jeder sozialen Kontrolle entzieht, aber er ist ortlos, zwar frei und flexibel, aber auf Kosten der Verortung und sozialökologischen Einbettung.

Sandra M. Geschke beschreibt dann weiter die Ausprägungen des Nomadischen als subversive Strategie zur Konstitution kommunikativer Erscheinungsräume. Auch dies wird an Beispielen aus der Literatur ausführlich erörtert.

Sind flanerische und nomadische Raumerschließungsstrategien programmatische Aktionsmöglichkeiten für urbane Raumbindungsstärkung? fragt anschließend die Autorin.

„Während der einheimische Flaneur uns Strategien des Aufschließens einer vertraut gewordenen und mit dem Menschen aktional verschmolzenen Welt vor Augen führt, zeigt der nomadische Fremde die Notwendigkeit auf, sich dem Unbekannten auch ohne Rückzugschutz zu stellen, um Wirksamkeiten und soziale Momente im entwicklungsförderlichen Sinne auch jenseits des Vertrauten zu finden.“ (261). Beide Narrative – so die Autorin- sind Formen urbaner Raumaneignung und vielleicht auch in ihrer dialektischen Durchdringung die Bedingungen der Möglichkeit, sich die Stadt als Raum zu erschließen. Denn im Konzept städtischer Raumaneignung ist die Dialektik von Vertrautem und Fremdem, von Bekanntem und Unbekanntem immer enthalten. Diese Überlegungen werden umfassend theoretisch erschlossen und analytisch zugänglich gemacht.

5. Urbane Entfaltungsräume in der Praxis. Beispiele gelungener Stadtprojektkonzepte zur nachhaltigen Raumbindung

Sandra M. Geschke beschreibt hier zwei Beispiele konkreter Raumbindungsstärkung für die beiden Narrative – den Flaneur und den Nomaden.

Einmal geht es um das Projekt „BuddyGuide – Your travelling Companion“. Dahinter steht die Idee eines Netzwerks von Menschen, die als Ortsansässige Fremde durch die Stadt Essen führen und dabei ihre Persönlichkeit mit den Orten verbinden, die sie den anderen zeigen wollen. Die Ortsansässigen haben ja ihre eigene Raumaneignungsgeschichte, die sie mit Orten verbinden – und die soll transportiert werden. Die Orte haben eine Bedeutungsgeschichte, und die wird als Deutungsmuster angeboten. Und diese Bedeutungsgeschichte ist emotional gefärbt und lehnt sich an das an was Herrmann Bausinger mit dem Heimatbegriff meint.

Wenn es in diesem Projekt in Essen um die Zugänglichmachung von Orten für die Fremden geht, die sich der Einheimische bereits angeeignet und erschlossen hat, geht es im Folgenden um ein Projekt, das die Rückeroberung von öffentlichen Räumen durch die Ortsansässigen durch Kunst und Kultur zum Gegenstand hat.

„Auf die Plätze! Eroberung des öffentlichen Raums durch Kunst und Kultur“ nennt sich ein Projekt, das in Halberstadt zusammen mit dem Städtebundtheater Nordharz initiiert wurde als Reaktion auf gewalttätiger Übergriffe radikaler Jugendliche auf eine Gruppe von Schauspielern.

Der darin entstandene Diskurs über die Frage, warum sich in den Abendstunden keiner mehr auf die öffentlichen Plätze traut – aus Angst vor Übergriffen oder weil sie bereits anders besetzt sind – dieser Diskurs führte auch zu Gegenkonzepten der Nutzung und damit zu einer Rückeroberung des öffentlichen Raumes.

In einem weiteren Projekt beschäftigt sich Halberstadt mit den Grenzen seines Wachstums und mit Schrumpfungsprozessen, die sich allenthalben auch zeigen in Leerstand, Freiflächen und inzwischen dysfunktionalen Flächen, die ihrer Funktion verlustig gegangen sind.

„Flaneur meets Nomade“ nennt Sandra M. Geschke das und beschreibt die narrative Umcodierung einer Brachfläche an der Schnittstelle zwischen flanerischer und nomadischer Raumerschließung (297). Der niedrigschwellige Zugang über ein Vorlesepicknick ermöglichte die Raumerschließung brachliegender und ihrer Funktion entleerter Flächen in der Kernstadt von Halberstadt. Dies wird ausführlich und sehr konkret beschrieben und erörtert und in den Gesamtkontext einer Stadtentwicklung gestellt, deren Herausforderung in der Überwindung des durch Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und sozialistische „Umwidmungen“ entstandenen Stadtbildes ist.

6. Verwurzeln und Beflügeln. Mit konfigurativer Raumschaffung zur gezielten Raumbindungsstärkung

Dieses Kapitel ist das Resümee ihrer Arbeit. Sandra M. Geschke setzt sich nochmal mit der Frage auseinander, wie geschichtlich Räume sind, wie sehr sie Menschen prägen und wie wichtig es für die soziale Verortung von Menschen ist, sich dieser Geschichte der Orte zu vergewissern. Raumbindung ist identitätsbildend und integrationssichern im umfassenden Sinne. Und Menschen schaffen sich ihre Räume nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten, ihnen eine Bedeutung zu geben – und deshalb verändern wir unser Raumverständnis im Laufe unseres Lebens immer wieder mal.

Menschen schaffen Räume durch Tätigwerden, sie erfahren die Räume in dem Maße wie sie sie zu gestalten vermögen, Interessen dort realisieren und Bedürfnisse befriedigen können.

Und Räume werden durch Erinnern geschaffen, sie leben durch das Erzählen von ihnen und ihre Geschichte wird dort lebendig, wo sie durch Erinnern rekonstruiert werden.

Diskussion

Der hier vertretene Ansatz eines Ganzheitlichen Wohnens geht zumindest implizit zunächst von der Frage aus, ob Raumbindung eine zentrale Voraussetzung des Wohnens ist. Der Raumbindungsverlust wird konstatiert, wobei hier von der Art und Qualität einer Raumbindung ausgegangen wird, die unterstellt, dass Raumbindung eine zentrale, weil identitätsstiftende und integrationssichernde Wirkung entfaltet. Gerade für die Stadt wird die Wohnung als gesellschaftlicher Ort identifiziert, der privat ist. Aber ist das Private jetzt mit dem Öffentlichen verwoben und gehen wir mit H. P. Bahrdt davon aus, dass der Spannungsbogen zwischen Privatem und Öffentlichem das Urbane ausmacht, weil Privates vollständig integriert, Öffentlichkeit aber immer nur unvollständig integrieren kann – was völlig ausreicht?

Die Strategien der Raumstärkung werden entwickelt und diskutiert immer vor dem Hintergrund hoch individualisierter Gesellschaften, deren schwindende Integrationskraft auch in der schwindenden Raumbindung deutlich wird. Kann der Großstadtmensch seine Identität auch sichern, wenn er sich nicht an Räume gebunden fühlt? Bedarf es der Identifikation mit Orten, um seine Identität zu sichern und kann man sich auch einfach in einer Stadt auch wohl fühlen, weil man dort gut wohnt und lebt, ohne sich mit ihr zu identifizieren? Gehört Raumbindung zu den Konstitutiva einer urbanen Identität?

Diese Fragen werden virulent bei Lesen dieses Buches und entfachen einen neuen Diskurs über das, was Städte in ihrem Wesen ausmacht und deshalb schrumpfende Städte, Städte in der Stagnation auch einen Identitätsverlust hinnehmen müssen.

Spannend bleib die Auseinandersetzung um die Narrative Flaneur und Nomade in ihrer je spezifischen dialektischen Verschränkung von Fremdsein und Vertrautsein.

Fazit

Ein Buch, das eher eine Philosophie der Stadt als eine Theorie des Ganzheitlichen Wohnens kreiert. Und es wirft die Frage auf, wie eine Stadt beschaffen sein muss, in der ganzheitliches Wohnen denkbar und möglich ist.


Rezensent
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Soziale Probleme, Kommunale Sozialpolitik, Stadtsoziologie, insbesondere Soziale Probleme der Stadtentwicklung, Segregationsprozesse, Stadtumbau
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 08.11.2013 zu: Sandra Maria Geschke: Doing urban space. Ganzheitliches Wohnen zwischen Raumbildung und Menschwerdung. transcript (Bielefeld) 2013. ISBN 978-3-8376-2448-9. Reihe: Urban studies. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15472.php, Datum des Zugriffs 17.10.2018.


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