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Silvia Dirnberger-Puchner: Werden wir wie unsere Eltern?

Rezensiert von Mag.a Dr.in Marianne Forstner, 25.11.2013

Cover Silvia Dirnberger-Puchner: Werden wir wie unsere Eltern? ISBN 978-3-902903-14-3

Silvia Dirnberger-Puchner: Werden wir wie unsere Eltern? Die Kunst sein Leben zu verändern. Goldegg Verlag (Wien) 2013. 352 Seiten. ISBN 978-3-902903-14-3. D: 21,40 EUR, A: 22,00 EUR.
Reihe: Goldegg Leben & Gesundheit.

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Thema

Das vorliegende Buch fällt unter die Kategorie Ratgeberbuch. Silvia Dirnberger-Puchner widmet sich darin den Mustern und Glaubensätzen, die wir oft unbewusst aus unserer Kindheit übernommen mit uns herumtragen. Diese Werte und Normen können dabei im Sinne eines erfüllten Erwachsenenleben hinderlich wirken und Menschen als hemmende Komplexkonstellationen daran hindern, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und danach zu handeln. Dieses Buch stellt sich dabei der Herausforderung anhand von vielen Fallbeispielen aus der psychotherapeutischen Praxis der Autorin Silvia Dirnberger-Puchner exemplarisch Wege aufzuzeigen, wie es gelingen kann, diese Hemmnisse zu erkennen, sich mit dem eigenen Gewordensein auszusöhnen und neue Betrachtungsweisen, Ressourcen und Handlungsräume zu aktivieren, die fernab der tradierten Muster „die Schätze der Zukunft“ entdecken lassen helfen (Dirnberger-Puchner 2013, Klappentext).

Autorin

Mag.a Dr.in Silvia Dirnberger-Puchner ist Psychotherapeutin, geschäftsführende Gesellschafterin bei alphaTeam und arbeitet seit vielen Jahren als Coach und Organistaionsberaterin. Zusätzlich hält sie immer wieder Vorträge zu Themen aus dem Bereich Persönlichkeitsentwicklung und Veränderungsprozesse.

Entstehungshintergrund

Silvia Dirnberger-Puchner, die selbst eine schwere Krankheit hinter sich hat, behandelt in ihrer Praxis als Psychotherapeutin seit Jahren Menschen mit unterschiedlichsten Erfahrungsgeschichten und Thematiken. Den Gedanken zu einem Buch trug sie nach eigenen Angaben schon seit Jahren mit sich herum. Silvia Dirnberger-Puchner stellt mit diesem Buch gesammelte Erkenntnisse und Erfahrungsgeschichten ihrer Klientinnen und Klienten zur Verfügung, um ihre LeserInnen zu animieren, alte Glaubensätze zu verändern und damit das eigene Leben erfüllter zu gestalten.

Aufbau

Das vorliegende Buch ist in vier Hauptkapitel gegliedert, wobei jedes einzelne davon unabhängig vom anderen gelesen werden kann.

  1. „Werden wir wie unsere Eltern?“,
  2. „Gegenspieler? Verbündete!“,
  3. „Die Kunst sein Leben zu verändern“
  4. „Anhang“. Hier beschäftigt sich Dirnberger-Puchner mit den sich verändernden Vater- und Mutter- beziehungsweise Elternrollen.

Inhalt

Im Vorwort zu ihrem Buch erklärt Dirnberger-Puchner ausführlich die Motive zur Abfassung dieses Buches und hält fest: „Ich lade Sie ein, eine selbstreflektierende Reise zu beginnen, sich den eigenen blinden Flecken und den damit verbundenen Gefahren zu stellen […]. Für Erkenntnis und Veränderung braucht es Mut, Willenskraft und Geduld. Nur wenn Sie dazu bereit sind, wenn Sie bereit sind, etwas Risiko einzugehen, dann lohnt es sich weiterzulesen.“ (Dirnberger-Puchner 2013, S. 9)

Im ersten Kapitel mit dem Titel „Werden wir wie unsere Eltern?“ geht Dirnberger-Puchner mit vielen Fallbeispielen der Frage nach, warum es für viele Menschen beleidigend erscheint, wenn sie damit konfrontiert werden, wie einer seiner Elternteile zu agieren. Als erfahrene Psychotherapeutin zeichnet sie einen Weg der Auseinandersetzung, Konfrontation und Versöhnung mit der eigenen Vergangenheit und mit den Eltern nach. Sie verdeutlicht, wie prägend familiäre Erziehungs- und Sozialisationseinflüsse sind und wie sehr der Mensch modellhaft lernt und eben leider oft genau das als hemmend erlebte Verhalten der eigenen Eltern unreflektiert ins eigene Verhaltensrepertoire übernimmt. In diesem Kapitel werden auch die systemischen Wirkmechanismen und Rangordnungen innerhalb von Familie als „hochsensibles, geschlossenes System“ (Dirnberger-Puchner 2013, S. 46) beleuchtet. Daneben werden Prägungen und Wirkmechanismen aus der Kindheit, die sich im Erwachsenenleben hemmend auswirken können, anhand vieler eindrücklicher Falldarstellungen unter die Lupe genommen. Aber auch Bindungsmuster und Bindungsstörungen beziehungsweise -traumatisierungen werden in ihrer Auswirkung behandelt. Innere Glaubenssätze wie „Widersprich nicht!“, „Männer weinen nicht!“ oder ähnliche werden thematisiert und mit ihrer oft dramatisch hemmenden Wirkkraft bis ins Erwachsenenalter beleuchtet. Das Thema Erwachsenwerden und -sein mit all seinen Entwicklungsaufgaben wird in diesem Kapitel behandelt und schließlich mit der Auseinandersetzung mit Traumatisierungen beendet. Dabei unterscheidet die Autorin klar zwischen der notwendigen Aussöhnung mit der Vergangenheit und der Tatsache, dass viele Dinge dabei auch nicht verzeihbar bleiben können.

Im Kapitel „Gegenspieler? Verbündete!“ thematisiert die Autorin den Umstand, dass innere Veränderung nach ihrer Erfahrung bei allen Menschen möglich sei. Sie verdeutlicht dies mit dem plakativen Satz: „Egal, wie alt wir sind oder unter welchen Umständen wir leben, in welchen sozialen Netzwerken wir und befinden oder welcher sozialen Herkunft wir abstammen: Wenn wir wirklich wollen, sind wir alle in der Lage, unserer Einzigartigkeit zu erkennen und eine Veränderung alter Muster zu vollziehen“ (Dirnberger-Puchner 2013, S. 117). Verdrängung, Abspaltung als VerhindererInnen dieses vermeintlichen Prozesses werden ebenso beleuchtet wie einseitige Schuldzuschreibungen und damit das Verhindern von Verantwortungsübernahme für sein gegenwärtiges und zukünftiges Handeln. Dabei werden auch die Themen Selbstwert, Selbstwirksamkeit und Selbstakzeptanz behandelt, sowie Störungen dieser, die oft aus Erfahrungen aus der Kindheit resultieren können. Auch suizidale Gedanken und Handlungen als Ausweg daraus und der Umstand, dass massive Beeinträchtigungen und Negativglaubenssätze einer professionellen psychotherapeutischen Begleitung und Behandlung bedürfen, werden anhand von Falldarstellungen verdeutlicht.

Im dritten Kapitel „Die Kunst, sein Leben zu verändern“ widmet sich die Autorin dem Hauptteil ihrer Abhandlung und der Frage, wie es gelingen kann, Veränderungsprozesse erfolgreich zu initiieren und durchzuführen, um Einstellungen, Glaubenssätze, Denk- und Handlungsmuster aber vor allem die Einstellung zu sich selbst förderlich zu verändern. Zunächst werden dazu neurobiologische Erkenntnisse dargelegt, die verdeutlichen, dass emotionale Verfasstheiten und Bedeutungsgebungen unsere Kognition massiv beeinflussen und umgekehrt. Daher schlägt Dirnberger-Puchner als ersten Schritt selbstbezogene Kommunikation zu üben vor, wo Ich-Botschaften an Stelle von Du-Botschaften geäußert werden, räumt jedoch gleich ein, dass dies geduldig geübt werden muss, um internalisiert werden zu können. Auch beschreibt die Autorin die verschiedenen Typologien im Veränderungsprozess, die wiederum teilweise auf Erfahrungen aus der Kindheit zurückgeführt werden können.

Im Unterkapitel „Navigationssystem für Veränderung“ (S. 293 – 322) schließlich beschreibt Dirnberger-Puchner anschaulich 11 wesentliche Punkte, die im Sinne des Veränderungsprozesses beachtenswert erscheinen. Diese können in Wille zur Veränderung, Zielfokussierung, Stärkenmobilisierung, Befreiung von Überflüssigem, Konfrontation mit Ängsten, Suche nach Modellen und LehrerInnen, Freude und Lust am Trainieren, Feiern, Umgang mit förderlichen Menschen und Humor als Begleiterin im Veränderungsprozess zusammengefasst werden. Schritt für Schritt motiviert die Autorin damit dazu, sich Veränderungsprozessen und Musterunterbrechungen aktiv zu widmen.

Im vierten Kapitel „Anhang“ befasst sich Dirnberger-Puchner mit den jeweiligen Elternrollen im Wandel der Zeit. Sie begründet diesen auch historischen Blick auf die Veränderung der Vater-und Mutterrolle beziehungsweise der Elternrollen abschließend wie folgt: „ […] die mit dem Wandel der Zeit einhergehende Entwicklung der Mutter- und der Vaterrolle ist dazu gedacht, […] uns bewusst zu machen, dass nicht nur wir Eltern hatten, die uns geprägt haben, sondern, dass auch diese Eltern hatten, die sie geprägt haben“ (Dirnberger-Puchner 2013, S. 347).

Diskussion

Das vorliegende Buch kann eine leicht lesbare und dennoch aufgrund der vielen Fallbeschreibungen eindringliche Grundlage für Menschen darstellen, Glaubensansätze und Handlungsmuster zu reflektieren und im Sinne des humanistischen Prinzips der „Selbstwerdung“ zu verändern. Hin und wieder fehlen bei den Darstellungen korrekte Fachbezüge und Quellenangaben. Da es sich jedoch eindeutig um eine Ratgeber-Literatur handelt, erscheint dies nachvollziehbar.

Fazit

Dieses Buch erscheint für eine breite Interessengruppe von Menschen geeignet und empfehlenswert, die sich aktiv mit ihrer Herkunftsgeschichte und den damit verbundenen Werten und Normen aber vor allem Denk- und Handlungsmustern kritisch-reflexiv auseinandersetzen und diese im Sinne der eigenen Lebensgestaltung förderlich verändern wollen. Dirnberger-Puchner scheint es damit gelungen zu sein, ein Buch aufgrund ihrer jahrelangen psychotherapeutischen Erfahrung auf den Markt zu bringen, das Mut macht, Veränderungsschritte im Sinne der eigenen Lebenszufriedenheit aktiv anzugehen.

Rezension von
Mag.a Dr.in Marianne Forstner
Lehrende und Lehrgangseiterin FHOÖ, Lehrgang Sozialpädagogik und Erlebnispädagogik, Supervisorin und Mal- und Gestaltungstherapeutin
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Es gibt 14 Rezensionen von Marianne Forstner.

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Zitiervorschlag
Marianne Forstner. Rezension vom 25.11.2013 zu: Silvia Dirnberger-Puchner: Werden wir wie unsere Eltern? Die Kunst sein Leben zu verändern. Goldegg Verlag (Wien) 2013. ISBN 978-3-902903-14-3. Reihe: Goldegg Leben & Gesundheit. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15479.php, Datum des Zugriffs 03.12.2022.


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