socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Markus A. Wirtz, Janina Strohmer (Hrsg.): Lexikon der Psychologie - Dorsch

Cover Markus A. Wirtz, Janina Strohmer (Hrsg.): Lexikon der Psychologie - Dorsch. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2013. 16., vollst. überarb. Auflage. 1984 Seiten. ISBN 978-3-456-85234-8. 69,95 EUR.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-456-85643-8 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

„Der Dorsch“ darf sich mit Recht über bisher 15.Auflagen als das Lexikon zur Begleitung und Orientierung eines Psychologie-Studiums in Deutschland bezeichnen und zudem als verlässliche Informationsquelle für Fachleute aus dem Bereich Psychologie, Pädagogik, Psychiatrie und all den Gebieten, in denen psychologische Ergebnisse zu berücksichtigen sind.

Nun also die vorliegende 16. Auflage, begleitet von einem umfassenden online- Zugang. ( 2 Jahre nach Aktivierung gültig -was gleichzeitig die Perspektive des Verlages für die 17.Auflage zu sein scheint.)

Herausgeber

Markus Wirtz ist geschäftsführender Herausgeber des umfassenden Werkes. Er ist Leiter der Abteilung für Forschungsmethoden des Instituts für Psychologie der Pädagogischen Hochschule Freiburg Unter seiner Regie arbeiten als sog. Gebietsexperten: Jens Asendorpf, Jürgen Bengel, Hans-Werner Bierhoff, Nicola Döring, Joachim Funke, Siegfried Gauggel, Gerhard Gründer, Marcus Hasselhorn, Markus Huff, Helmut Lück, Jochen Müsseler, Franz Petermann, Rosa Maria Puca, Gudrun Schwarzer, Karlheinz Sonntag, Renate Volbert, Sabine Walper, Pienie Zwitserlood.

Aufbau

Der Dorsch in der komplett überarbeiteten Version bietet ggü. früheren Auflagen tatsächlich Neues in reichhaltiger Form.

Zunächst die Struktur des Lexikons: was sich mit den sog. Gebietsexperten andeutet sind die 19 Teildisziplinen, in die beim Dorsch die Psychologie zunächst eingeteilt ist. Im einleitenden Teil des Lexikons werden diese 19 Disziplinen kurz vorgestellt- von der „Geschichte der Psychologie“ bis zur „Wahrnehmungspsychologie“ (Umfang insgesamt 86 Seiten).

Im Teil II folgt das eigentliche Lexikon: 13000 Stichworte- davon ggü. der vorigen Auflage 5000 neue- in der Autorenschaft von 500 Fachautoren… eine Herkules Aufgabe für die Herausgeberschaft! Die vorliegende Neuauflage enthält ggü. der vorangegangenen schließlich 60 % neue Textanteile. Die Autoren selbst werden im Teil III vorgestellt und es schließt sich eine bibliographischer Teil IV an- insgesamt umfasst das Werk 1984 Seiten- ein wahrlich gewichtiges Buch! Zeitgemäß ist die redaktionelle Entscheidung mit dem Erwerb des dicken Buches auch einen Online-Zugang für 2 Jahre anzubieten, indem dann auch fortlaufend aktualisierte Versionen der Stichworte nachzuschlagen sind. Zudem wird die kontinuierliche Aktualisierung durch ein „Online-Content-Management“ angestrebt und erreicht, mit dem Autoren Bezüge zwischen den Stichworten aber auch deren Bearbeitung beantragen können. Schließlich ändert sich der Titel ggü. Vorgänger-Versionen: das frühere „Psychologische Wörterbuch“ heißt nunmehr „Lexikon der Psychologie“.

Ausgewählte Inhalte

Jedes der 13000 Stichworte wird nach einem bestimmten Darstellungsmodus editiert, zu dem die Zuordnung zu einem Gebiet, die Erwähnung zentraler Begriffe und Konstrukt, Verweise auf vertiefende Stichwortbeiträge und auch vertiefende Quellenangaben gehören. Die Darstellung von Testverfahren folgt einer analogen Systematik.

Die Qualität der Beiträge kann nur stichpunktartig gewürdigt werden- sie erscheint in der Durchsicht des Referenten von verlässlich hoher Qualität. Es gelingt eine gute Mischung zwischen kurzen, erklärenden Beiträgen und vertiefenden Essays zu zentralen Begriffen. Immer ist eine theoriegeleitete, dem jeweiligen Forschungsstand entsprechende Darstellung gegeben – so wird das Lexikon wirklich zu einem Fachlexikon. Die Autorenschaft der Beiträge wird jeweils angeführt, weitere Hinweise erfolgen in zitierfähiger Form. Die Stichwortauswahl kann als wirklich umfassend und ideologiefrei betrachtet werden- weder werden bspw. bestimmte therapeutische Ansätze in der Psychotherapie besonders breit bzw. eng dargestellt, noch „scheuen“ sich die Herausgeber sich fast esoterischen Aspekten wie bspw. der „Fernheilung“ fachlich-sachlich zu stellen. Die vielen Weiterverweisungen erweitern die Sichtweise des Lesers, er/ sie kann Bezüge herstellen, wird angeregt, die Einheitlichkeit des Psychischen sozusagen durch die Vernetzung angebotener Querverweise zu erleben. Gerade der Rückgriff auf die einleitenden Darstellungen der 19 Gebiete der Psychologie und die dort erwähnten Essentials (Teil I) helfen dennoch, nicht den Überblick zu verlieren.

Beispielhaft soll dies an Beiträgen verdeutlicht werden, die mit den Buchstaben „SOZ“ beginnen. Hierzu liefert das Lexikon insgesamt mehr als 120 mehr oder weniger lang bearbeitete Stichworte von „Soziabilität“ bis „Soziotop“.

Unter „Soziale Dominanz“ wird bspw. zunächst auf das relevante Essay im Teil I verwiesen (SOZ), danach knapp definiert (.alle menschlichen Gesellschaften sind Systeme gruppenbasierter sozialer Hierarchien, in denen die dominierende Gruppe einen disproportional großen Anteil an materiellen und symbolischen Werten hat…). Es werden drei Hierarchiesysteme genannt (Alter, Geschlecht, weitere Einflussfaktoren) und weitere Spezifizierungen vorgenommen ( soziale Diskriminierung, legitimierte Mythen und Ideologien, wie z.B. Rassismus, Sexismus, u.a.). Schließlich werden Fragen der Messbarkeit von Sozialer Dominanz angesprochen (Skala von Sidanius, 1979, und deren deutsche Adaptation durch Six et al, 2001) und weiterführende Ergebnisse dieser Theorie angeführt- bspw. die Bestätigung in der sog. Subordinate-Male Target Hypothese, wonach Männer aus Minoritätengruppen in höherem Masse Opfer von Aggression werden, als Frauen der gleichen Gruppe. Autor dieses Beitrags im Lexikon ist B.Six.

Diskussion

Insgesamt wird in einer solchen Darstellungsform differenziert auch einer Illusion vorgebaut, nämlich der, sozusagen verbriefte „einfache“ Antworten auf die überwiegend komplexen Themen und Sachverhalte, mit denen sich Psychologie befasst, zu bekommen. So „lernt“ der Studierende und die Leserin dieses Werkes, das das Verständnis für psychische Phänomene und Prozesse wichtiger ist, als vermeintlich griffig-trivialisierende Definitionsvermittlung. Dass die Darstellungen dabei auf Verständlichkeit und Lesbarkeit Wert legen, ist allen Autoren hoch anzurechnen- denn so kommt neben der Neugier beim Lesen auch Freude auf!

Der Dorsch kann rundherum empfohlen werden – Psychologie-Interessierte kommen an ihm nicht vorbei, was sich sicherlich in der Zitierhäufigkeit auch in Fachartikel bemerkbar machen wird.

Fazit

Der Versuch eines wirklich umfassenden und systematisiert darstellenden Lexikons kann nur als voll gelungen charakterisiert werden – entsprechend eine uneingeschränkter Empfehlung, verbunden mit Anerkennung und Dank an Herausgeberschaft und Autoren auch für die Möglichkeit des Online-Zuganges!


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
E-Mail Mailformular


Lesen Sie weitere Rezensionen zum gleichen Titel: Nr.16296


Lesen Sie weitere Rezensionen zu neueren Auflagen des gleichen Titels: Nr.22830


Alle 83 Rezensionen von Christian Schulte-Cloos anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 07.03.2014 zu: Markus A. Wirtz, Janina Strohmer (Hrsg.): Lexikon der Psychologie - Dorsch. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2013. 16., vollst. überarb. Auflage. ISBN 978-3-456-85234-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15519.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung