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Altin Islami: Kreatives Sozialmanagement

Cover Altin Islami: Kreatives Sozialmanagement. Vom Umgang mit Dilemmas und komplexen Konstellationen. Springer VS (Wiesbaden) 2013. 92 Seiten. ISBN 978-3-658-02497-0. D: 29,99 EUR, A: 30,83 EUR, CH: 37,50 sFr.
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Thema

Es dürfte nur wenige Führungskräfte in der sozialen Arbeit geben, die nicht schon von Dilemmas bzw. kaum auflösbaren Problemkonstellationen heimgesucht worden sind. Die Sehnsucht nach Lösungen jenseits eingefahrener Wege und belastender Widersprüchlichkeiten könnte gerade in der Sozialwirtschaft mittlerweile groß sein. Im Kontext der veränderten Rahmenbedingungen muss die Managementpraxis in Sozialorganisationen zwischen verschiedenen und nicht selten kontroversen Positionen agieren, sozialpädagogische Fachlichkeit versus ökonomische Sachlichkeit ist dabei wohl nur ein Ausschnitt aus einem wesentlich größeren Feld vermeintlich »unentscheidbarer« Situationen.

Entstehungshintergrund

Altin Islami geht in seinem Buch von der Notwendigkeit einer Neuorientierung und Positionierung der sozialen Arbeit als Disziplin und Profession aus. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen ökonomisch dominierten Managementpraxis müssen gleichzeitig Anforderungen fachlicher Natur erfüllt werden, um die Identität von Verbänden, Trägern und Einrichtungen nicht zu gefährden. Der Autor stellt mit dem »lateralen Denken« ein Konzept vor, welches verspricht, solche und andere Dilemmas und komplexe Situationen im Sozialmanagement zu bewältigen oder wenigstens dabei behilflich zu sein.

Autor

Der Autor ist diplomierter Sozialpädagoge und Master of Arts, er ist tätig in der Jugendhilfe.

Aufbau und Inhalte

Die Publikation enthält neben einer Einleitung fünf Kapitel, jeweils ein Quellen-, Tabellen- und Abbildungsverzeichnis sowie einen Anhang.

Nach der Einleitung erfolgen im ersten Kapitel eine Hinführung zum Thema und eine thematische Einbettung. Neben ersten Erläuterungen zum lateralen Denken enthält dieses Kapitel kurze Ausführungen zu Institutionen und Organisationen der sozialen Arbeit »als Setting«, zu Führungskräften in der sozialen Arbeit »als Subjekt« sowie zum Management »als Kontext«. Dabei geht es unter dem Strich um die Frage, warum die Aufrechterhaltung der sozialen Arbeit als eigenständige Disziplin und Profession unter veränderten Rahmenbedingungen ein wichtiges Anliegen des Managements sein muss. Kreative und innovative Herangehensweisen sind nach Ansicht des Autors unumgänglich.

Im zweiten Kapitel werden die theoretischen Zugänge spezifiziert. Zunächst werden der Konstruktivismus, die Systemtheorien und der Ansatz des »negierten Tetralemmas« skizziert. Fazit ist dabei, dass Wirklichkeit als wahrnehmungsunabhängiges Konstrukt verstanden werden kann. Im Anschluss hieran werden die Grundannahmen des sogenannten »lateralen Denkens« beschrieben. Denken, Informationsverarbeitung und Musterbildung spielen dabei ebenso eine Rolle wie die extravaganten Prinzipien dieses Ansatzes. Besonders hervorzuheben ist dabei die Technik der »Umkehrung«, die es erlaubt, die Dinge einmal aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten.

Im dritten Kapitel schildert der Autor sein empirisches Forschungsdesign sowie die Ergebnisse seiner kleinen Studie zu Implementation und (möglichen) Effekten des lateralen Denkens. Als Ergebnis soll festgehalten werden, dass in der Auseinandersetzung mit dem lateralen Denken Reflexionsprozesse und das schöpferische Potenzial des Ansatzes erkennbar werden können. Die Unterscheidung zwischen linearem und lateralem Denken kann offensichtlich rasch erfahren werden.

Eine Diskussion und ein ausführlicher Transfer der Ergebnisse erfolgen im vierten Kapitel. Den Ausgangspunkt bilden dabei die Identitätsproblematik sozialer Organisationen und ihre Abhängigkeit von turbulenten Umwelten, welche zunehmend ökonomischen Imperativen folgen (müssen). Altin Islami leitet aus den gewonnenen Erkenntnissen der Arbeit konkrete Handlungsempfehlungen für die Führungskräfte, die Organisation sowie das Personalmanagement ab. Sie dienen vor allem der Klärung von und in der Reflexion, ermöglichen aber auch eine Ausweitung des kreativen Potenzials von Lösungs- und Entscheidungsprozessen.

Abschließend werden im fünften Kapitel ein Resümee der Arbeit gezogen sowie Ausblicke für Wissenschaft und Praxis dargelegt.

Diskussion

Altin Islami entwickelt in seiner insgesamt nur knapp über einhundert Seiten kurzen Arbeit zu Möglichkeiten und Grenzen eines »kreativen Sozialmanagements« einen durchaus interessanten Ansatz, welcher in der Tat die Praxis des Managements in der sozialen Arbeit bereichern kann. Er übt sich dabei einerseits in einer zum Teil äußerst knappen Herangehensweise an ein doch sehr komplexes Thema. Die eine oder andere Darlegung ist sicherlich bis an die Grenzen des Vertretbaren verkürzt vorgenommen worden. Der vom Autor in seiner Arbeit gewählte empirische Zugang ist angemessen, die Ergebnisse in ihrer Aussagekraft naturgemäß beschränkt. Andererseits kann konstatiert werden, dass Leserinnen und Leser mit diesem Band einen guten Einstieg in das Feld des lateralen Denkens erfahren und SozialmanagerInnen möglicherweise bereits mit der Lektüre dieser Publikation erste konkrete Anregungen für den einen oder anderen »Switch« in ihrem bisherigen Denken erhalten. Das Thema sollte weiterverfolgt werden.

Fazit

Ein durchaus interessanter Ansatz zu mehr Kreativität im Sozialmanagement.


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 22.10.2013 zu: Altin Islami: Kreatives Sozialmanagement. Vom Umgang mit Dilemmas und komplexen Konstellationen. Springer VS (Wiesbaden) 2013. ISBN 978-3-658-02497-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15532.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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