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Jörg Fengler: Burnout-Prävention im Arbeitsleben

Rezensiert von Prof. Dr. Lilo Schmitz, 10.02.2014

Cover Jörg Fengler: Burnout-Prävention im Arbeitsleben ISBN 978-3-608-89127-0

Jörg Fengler: Burnout-Prävention im Arbeitsleben. Das Salamander-Modell. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2013. 227 Seiten. ISBN 978-3-608-89127-0. D: 28,95 EUR, A: 29,80 EUR, CH: 38,90 sFr.
Reihe: Leben lernen - 258
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Thema

Das Thema Burnout ist ein Dauerbrenner und im heutigen Berufsleben mit seiner Arbeits- und Veränderungsdichte aktueller denn je. In einem eingängigen Bild, dem eines Salamanders mit 7 Beinen, will Jörg Fengler in seinem Buch Gefahren und Präventionsmöglichkeiten des Burnout beschreiben. Die Leser*in soll sich einen Salamander vorstellen, der links sieben ‚Stressbeine‘ hat:

  1. Person,
  2. Privatleben,
  3. Zielgruppe,
  4. Team,
  5. Vorgesetzte,
  6. Institution und
  7. Gesellschaft

Rechts gibt es entsprechend sieben ‚Heilungsprozess-Beine‘ auf den gleichen Ebenen.

Autor

Jörg Fengler, Psychologe, bis vor kurzem Professor an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln, ist erfahrener Supervisor, Coach und Gruppendynamiker. Seit seinem vor 20 Jahren erschienenen Klassiker „Helfen macht müde“ beschäftigt sich Fengler bis heute immer wieder mit der Prävention und Bewältigung von beruflichen Be- und Überlastungen und Burnout bei Einzelnen, aber auch Teams.

Aufbau und Inhalt

Zunächst beschäftigt sich Jörg Fengler in seinem Einleitungskapitel mit Burnout allgemein. Er weist auf die Vieldeutigkeit und Uneindeutigkeit des Konzeptes hin. Kritisch beleuchtet Jörg Fengler die Geschichte und unterschiedliche Aufladung des Burnout-Konzeptes. Wenig hilfreich sind für ihn pauschale Einordnungen und Diagnosen sogenannter Burnout-Persönlichkeiten. Wichtig ist für ihn die differenzierte Betrachtung des Einzelfalls und Burnout-Tests (Fengler präsentiert einen abgewandelten Maslach-Test ohne Auswertungshinweise) sind für Fengler vor allem nützlich, wenn bestimmte Testfragen bei der Leser*in Nachdenklichkeit und Aufmerksamkeit hervorrufen, was weitere Schritte einleiten kann.

Dann geht Fengler entsprechend seinem Salamander-Modell in die Bereiche Person, Privatleben, Zielgruppen, Team, Vorgesetzte, Institution und Gesellschaft und untersucht sie nacheinander auf Risiken und Präventionsmöglichkeiten.

Im Gegensatz zum Gros der Burnout-Literatur, die in erster Linie von Risiken und Gefährdungspotential ausgeht, erwähnt Fengler zu Beginn jeden Kapitels kurz die Risiken und potentiellen Belastungen des Bereichs, um sich dann ganz ausführlich den Ressourcen und den Präventionsmöglichkeiten zu widmen. In solch ressourcenorientierter Weise beleuchtet Fengler nacheinander mit einer Vielzahl von Hinweisen, Aspekten und Methoden die für ihn relevanten sieben Bereiche, die für eine Burnout-Prävention und eine gelungene berufliche und private Lebensgestaltung relevant sind.

Mit einer Vielzahl von Literaturhinweisen, kurzen Check-Listen und präventiven Übungen breitet Fengler einen bunten Reigen an Möglichkeiten zur Entwicklung und Selbstbesinnung aus, der bei der Leserin an den für sie relevanten Stellen Interesse wecken und zum Weiterarbeiten anregen kann.

Fenglers Präventionsvorschläge sind vielfältig, teils klassisch, teils sehr innovativ und augenscheinlich aus einem breiten Fundus an praktischer Beratungserfahrung mit Einzelnen, Paaren und Teams geschöpft. Aber Jörg Fengler wird nie rezeptartig. Er belässt die Verantwortung bei der einzelnen Leser*in und ermuntert zum Experimentieren: „Grundsätzlich sind Maßnahmen der Burnout-Prävention immer dann geeignet, wenn sie leicht verfügbar sind, von Wohlwollen gegen sich selbst und andere geprägt sind und dem eigenen Wohlbefinden dienen. Jeder Mensch muss sich selbst auf die Suche nach Maßnahmen machen, die für ihn diese Bedingungen erfüllen und zugleich einen Beitrag zur Gesellschaft leisten.“ (66)

Fazit und Zielgruppe

Mit seinem Buch gelingt es Jörg Fengler, die in der Burnout-Literatur gängigen Muster auf zweierlei Art zu verändern:

  1. Fengler erweitert den klassischen Blick der Burnout-Literatur auf die gängige Dyade „Person“ und „Institution“ um wichtige weitere Aspekte. Das Privatleben mit seinem Gefährdungspotential, vor allem aber seinen Präventionsmöglichkeiten nimmt einen großen Raum in Fenglers Buch ein. Die Institution wird differenziert nach Zielgruppe, Team, Institution und der Blick auf Gefahren und Ressourcen der größeren Gesellschaft rundet die 7 Ebenen schlüssig ab.
  2. Obwohl gut recherchiert und mit einer Fülle von aktuellen Literaturhinweisen zielt das Buch weniger auf die wissenschaftliche Diskussion, sondern möchte betroffene, gefährdete und nachdenkliche Leser*innen ansprechen. Diese finden in der Tat eine Fülle von Denkanstössen und Hinweisen zum Weiter-Arbeiten. Durch die vielen Übungen und Check-Listen wird das Buch auch für Trainer*innen interessant sein.

Jörg Fenglers Buch ist für alle Menschen mit Interesse am Thema Burnout geeignet und zu empfehlen. Das Buch sollte einen festen Platz in einer Teambibliothek und in der Ausbildung von sozialen Berufen erhalten.

Rezension von
Prof. Dr. Lilo Schmitz
ILBB – Institut für lösungsorientierte Beratung Brühl
Ethnologin und Dipl. Sozialpädagogin
ehem. Hochschule Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Es gibt 126 Rezensionen von Lilo Schmitz.

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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 10.02.2014 zu: Jörg Fengler: Burnout-Prävention im Arbeitsleben. Das Salamander-Modell. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-608-89127-0. Reihe: Leben lernen - 258. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15586.php, Datum des Zugriffs 08.08.2022.


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