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Barbara Fornefeld: Grundwissen Geistigbehindertenpädagogik

Cover Barbara Fornefeld: Grundwissen Geistigbehindertenpädagogik. UTB (Stuttgart) 2013. 5., aktual. Auflage. 230 Seiten. ISBN 978-3-8252-8531-9. D: 24,99 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 34,70 sFr.

Reihe: UTB L (Large-Format) - 8431.
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Thema

Das Buch „Grundwissen Geistigbehindertenpädagogik“ ist die fünfte Auflage eines Einführungswerkes in das Fachgebiet der Geistigbehindertenpädagogik. Neuerungen zur vierten Auflage liegen in der Aktualisierung der Fachliteratur, vor allem unter dem Aspekt der Inklusion. Inhaltlich knüpft es sehr eng an die Vorgängerauflage an. Es werden sozialrechtliche, behinderungspolitische und ökonomische Entwicklungen in Deutschland im Feld der geistigbehindertenpädagogik seit der ersten Auflage von 2000 und damit verbundenen Folgen in den Bereichen der Erziehung, Bildung und Rehabilitation von Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung dargestellt.

Aufbau und Inhalt

1. Kapitel: Geistigbehindertenpädagogik – ein komplexes System von Hilfen und Maßnahmen. Innerhalb dieses Kapitels wird sich dem Fachgebiet der so genannten Geistigbehindertenpädagogik disziplinär angenähert. Dies geschieht sowohl über das Spannungsfeld der verschiedenen pädagogischen Ansätze (Heilpädagogik, Sonderpädagogik, Förderpädagogik, Integrationspädagogik usw.), als auch über die Brückenfunktion, welche die Geistigbehindertenpädagogik einnimmt. Sie versucht zwischen dem Individuum mit zugeschriebener geistiger Behinderung und den gesellschaftlichen Anforderungen und Erwartungen zu vermitteln. Weiterhin wird die Geistigbehindertenpädagogik in Bezug zu anderen Wissenschaften gesetzt, um so deren interdisziplinäre Ausrichtung zu verdeutlichen.

2. Kapitel Historische Wurzeln der Geistigbehindertenpädagogik. Dieser Abschnitt stellt die historischen Betrachtungsweisen auf Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung dar (Akzeptanz, Zuwendung und Betreuung). Es werden Zusammenhänge mit sozioökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eingehend betrachtet, sowie moralisch-ethische Prinzipien und herrschende Ideologien zu diesen in Beziehung gesetzt. Wie in der vorherigen Auflage widmet sich ein großer Teil dieses Kapitel den unterschiedlichen Entwicklungen in den Jahren zwischen 1945 und 1989 in den beiden deutschen Staaten BRD und DDR. Zuletzt wird auch auf aktuelle Entwicklungen und die Stärkung der Teilhaberechte anhand der Einführung der Sozialgesetzbücher und der UN-Behindertenrechtskonvention eingegangen.

3. Kapitel: Personenkreis: Menschen mit geistiger Behinderung. Innerhalb dieses Kapitel wird die Personengruppe definiert, die mit dem Etikett einer „Geistigen Behinderung“ lebt. Exemplarisch wird Herr T., 38 Jahre, vorgestellt. Wie schon in der Vorgängerausgabe werden sozialrechtliche und ökonomische Veränderungen sowie neue Sichtweisen und Entwicklungen innerhalb der Disziplin der Geistigbehindertenpädagogik berücksichtigt. Aus pädagogischer und soziologischer Perspektive werden Integrations- und Teilhabebarrieren erörtert und es wird auch auf besondere Lebenssituationen (Komplexe Behinderung, Alter, Migrationserfahrungen) eingegangen.

4. Kapitel: Aufgabenfelder der Pädagogik und Rehabilitation für Menschen mit geistiger Behinderung. Dieses Kapitel widmet sich den pädagogischen Praxisfeldern. Hierbei ist der Aufbau des Kapitels und damit verbunden die wichtigen Förderbereiche an den einzelnen Lebensphasen orientiert.

  • Frühförderung und Früherziehung
  • Schulische Erziehung und Bildung
  • Erwachsenenbildung
  • Berufliche Bildung
  • Wohnen

Es werden nicht nur die verschiedenen Bereiche der pädagogischen Praxis vorgestellt, sondern es wird auch auf deren rechtliche Grundlagen sowie auf wichtige Entwicklungen innerhalb der letzten Jahre genauer eingegangen. Besonders prägnant geschieht dies in den Unterkapiteln zur Frühförderung und zur Beruflichen Bildung. In Bezug auf die Berufliche Bildung wird nicht nur der Arbeitsplatz in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) vorgestellt, sondern auch auf das Persönliche Budget sowie auf Integrationsfachdienste und Integrationsprojekte verwiesen.

5. Kapitel: Geistigbehindertenpädagogik als Wissenschaft. Das letzte Kapitel des Einführungswerkes stellt die wissenschaftliche Betrachtungsweise auf die Geistigbehindertenpädagogik dar, die sich in ihrer Entwicklung vor allem von der Defizitorientierung hin zu einer Kompetenzorientierung zusammenfassen lässt. Hierbei werden auch verschiedene erkenntnistheoretische Ansätze in ihren Grundzügen vorgestellt, wobei der Fokus auf eine systemisch-konstruktivistische Sicht gelegt wird. Leider wird nur in Ansätzen auf die Bedeutung von Forschung in der Geistigbehindertenpädagogik eingegangen.

Diskussion

Diese 5. Auflage des „Grundwissens Geistigbehindertenpädagogik“ unterscheidet sich nicht wesentlich von ihrer Vorgängerauflage. Neuerungen bestehen darin, dass Texte neu gesetzt wurden, um die Lesbarkeit zu erhöhen. Zudem wird innerhalb des Neuauflage auch nochmal etwas verstärkter auf den Begriff der Inklusion eingegangen (u.a. auch im Glossar).

Die Zusammenfassungen sowie die Übungen an den Kapitelenden sind gut aufeinander aufgebaut und helfen, die Informationen im Sinne eines Lehrbuches zu memorieren. Am Ende jedes Kapitels finden sich zudem hilfreiche Literaturempfehlungen, welche die angesprochenen Aspekte eines Themas näher beleuchten.

Fazit

Zusammenfassend kann die Neuauflage „Grundwissen Geistigbehindertenpädagogik“ mit dem Prädikat „empfehlenswert“ versehen werden, da sie sich für den Einstieg in das Fachgebiet der Geistigbehindertenpädagogik sehr gut eignet.


Rezensentin
Prof. Dr. Saskia Schuppener
Universität Leipzig, Institut für Förderpädagogik, Professur Kompetenzbereich "Geistige Entwicklung"
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Zitiervorschlag
Saskia Schuppener. Rezension vom 04.03.2015 zu: Barbara Fornefeld: Grundwissen Geistigbehindertenpädagogik. UTB (Stuttgart) 2013. 5., aktual. Auflage. ISBN 978-3-8252-8531-9. Reihe: UTB L (Large-Format) - 8431. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15653.php, Datum des Zugriffs 24.03.2019.


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