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Leslie T. Chang: Factory girls. Voices from the heart of modern China

Cover Leslie T. Chang: Factory girls. Voices from the heart of modern China. Pan Macmillan (London N1 9RR) 2010. 320 Seiten. ISBN 978-0-330-44736-2.

Preis: 14.22 Dollar (Listenpreis).
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Thema

Die Bilder und Berichte, die den Arbeitsalltag chinesischer Arbeitnehmerinnen näher beleuchten, dürften den NutzerInnen deutschsprachiger Medien einigermaßen vertraut sein. Die Tatsache, dass seit den 1980er Jahren die Zahl der ArbeitsmigrantInnen in der Volksrepublik China auf mehr als zweihundertsechzig Millionen Menschen angewachsen ist, mag weniger bekannt sein. Von den „migrant workers“ die ihre ländlichen Heimatregionen verlassen, um in den größeren Städten und Küstenregionen bessere Arbeit und damit aussichtsreichere Lebens- und Teilhabechancen zu finden stellt die Autorin im „Factory girls“ die soziale Gruppe der jungen Frauen in den Fokus. Diese wird anhand von zwei zentralen Figuren – Chunming und Min – in der bedeutendsten südchinesischen Wirtschaftsregion im Pearl River Delta nahe Hong Kong porträtiert. Die Bildungs- und Erwerbsbiographien zweier Arbeiterinnen werden dabei mit der neueren Geschichte der chinesischen Wirtschaft und Politik verwoben. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas, zu deren Konsequenzen mittlerweile die Abwanderung der Produktionsstätten in südasiatische Niedriglohnregionen gehört, bietet der Band einen historischen Einblick in die Lebenswelten der chinesischen Binnenmigration. Die subjektiven Deutungsmuster ausgewählter junger Arbeitsmigrantinnen mit Fokus auf deren Erwerbsverläufe und auf die Veränderung ihrer Sichtweisen auf Familie, Erziehung, Bildung und Lebensentwurf ergänzen die Sichtweise gängiger Wirtschaftsanalysen. Die Autorin nimmt ihre Recherchen in Südchina als Anlass, sich auch mit ihrer durch Migration geprägte chinesisch-amerikanische Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Autorin

Laut ihrer eigenen Internetseite ist Leslie T. Chang als Tochter chinesischer Migranten außerhalb von New York City aufgewachsen. Nach ihrem Studium der Amerikanischen Geschichte und Literatur an der Harvard University arbeitete sie als Journalistin in der Tschechischen Republik, Hong Kong und Taiwan. Während ihrer Tätigkeit als Korrespondentin bei The Wall Street Journal in Peking schrieb sie ihr erstes Buch „Factory Girls: From Village to City in a Changing China“, das zuerst 2008 bei Spiegel & Grau auf Englisch erschien und in mehrere Sprachen übersetzt wurde (2013 erschien es auf Chinesisch). Chang wurde mit mehreren internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem amerikanischen Mann, dem Autor und Journalisten Peter Hessler und ihren zwei Töchtern in Kairo (2014).

Entstehungshintergrund

Wie anhand des Interviews mit der Autorin deutlich wird, beabsichtigt die Autorin mit ihrem Buch die Bilder über die MigrantInnen zu ergänzen, die als Objekte von Leiden und Hass in westlichen Medien abgetan werden. Außerdem will sie die Vorstellungen über Migration als „a desparate act without much of a payoff for people“ (S. 424) um die persönliche Sichtweise der Migrantinnen auf ihre Bildungs- und Berufskarriere, auf die Veränderungen ihrer Deutungen von Familie, Freundschaft und auf die Welt erweitern. Ihr Untersuchungsdesign begründet sie mit ihrem Interesse am Forschungsgegenstand, die Fabrikwelt von innen, aus der subjektiven Sicht der Interviewpartnerinnen zu beschreiben: „I wanted to learn about the factory world as the migrants did – from the botton up and the inside out“ (S. 409).

Aufbau

Der Band gliedert sich in zwei große Teile, „The City“ und „The Village“.

Der erste Teil enthält neun, der zweite sechs Kapitel. Die Autorin verfolgt keine chronologische oder lineare Erzählweise sondern verhandelt die vier größten Themenblöcke in immer wieder durch andere Themen romanhaft durchkreuzten Kapiteln:

  1. Details der Lebenswelt der Fabrikarbeiterinnen,
  2. die Geschichte von Min,
  3. die Geschichte von Chunming,
  4. die Familiengeschichte der Autorin.

Mins Geschichte erscheint vorrangig im ersten, vierten, zehnten und dreizehnten Kapitel, Chunming wird im dritten, achten, zwölften und fünfzehnten porträtiert. Im zweiten, fünften, siebten und neunten Kapitel werden die Stadt als Produktionsort, die Arbeits- und Lebensbedingung von Fabrikarbeiterinnen, die lokalen (Fort)Bildungsmöglichkeiten und die Bedeutung von Englisch als Bildungskapital und Bildungsmarkt verhandelt. Im Rahmen des sechsten, achten, elften und vierzehnten Kapitels stellt die Autorin vorrangig ihre eigene Familiengeschichte mit deren Migrationsbewegungen dar. Nach einer Bibliographie englisch- und chinesisch-sprachiger Quellen findet sich die Danksagung der Autorin.

Ein abgedrucktes Interview schließt den Band ab, das die Beweggründe, journalistische Vorgehensweise und persönliche Involviertheit der Autorin im Untersuchungsprozess erörtert.

Zu „PART ONE The City“

1 Going out. Eine Einführung in den Fabrikarbeiterinnenalltag erfolgt durch eine allgemeine Schilderung von Einkommen und Arbeitsbedingungen, die die Realität moderner Billiglohnarbeit im Süden Chinas beleuchtet. Gleichzeitig wird die Geschichte von Lu Qingmin aufgenommen, die als zweite Tochter einer siebenköpfigen Familie bereits mit 16 Jahren Arbeitnehmerin wird. Ihr Arbeitsalltag wird von einer permanenten Enttäuschung charakerisiert: „From the moment she entered the factory she wanted to leave“ (S. 6). Von ihrer Ankunft in Dongguan an ist sie ständig auf der Suche nach einem neuen Job und nach neuen Möglichkeiten in der Hoffnung auf bessere Bezahlung, Arbeitsbedingungen und Lebenschancen. Die Autorin verhandelt die chinesische Binnenmigration als Konsequenz ökonomischer Reformen der 1980er Jahre und erläutert die Wandlung des Umganges der chinesischen Parteiführung mit ihr. Sie fragt, warum die junge Generation dem Land den Rücken kehrt und welche Konsequenzen sich daraus für den Bereich der Hausarbeit, der Kindererziehung und der Geschlechterverhältnisse ergeben. Die Autorin thematisiert die massenhafte Arbeitsmigration als zeitgenössisches Vehikel grundlegenden gesellschaftlichen Wandels.

2 The City. Die Beschreibung der Stadt Dongguan ist zentrales Thema des Kapitels, deren Motto die Autorin in „One Big Step Every Year, a New City in Five Years“ angibt (S. 20). Durch Episoden des Arbeitsalltags in Dongguan sowie die dort herrschende Prekarität, Kämpfe unter den ArbeiterInnen, Abscheu und Einsamkeit werden der Alltag und die Lebenswelt der FabrikarbeiterInnen charakterisiert. Die Autorin erläutert ihre Beweggründe der Recherche und begründet ihr Interesse am Forschungsgegenstand. Sie beschreibt ihre Überraschung, monatelang in den Fabriken keine einzige Person aus Dongguan kennenzulernen: „The world of the factory, from the top managers to the assembly line, was the exclusive domain of migrants, though the top boss was sometimes from Hong Kong or Taiwan“ (S. 31). Sie geht auf die gegenseitige Missachtung Lokaler und Zugewanderter als „mutual contempt“ (S. 31) ein, wobei sie auf einen signifikanten Unterschied zwischen den beiden sozialen Gruppen hinsichtlich des Sprachgebrauchs hiweist: während die MigrantInnen außer ihrem jeweiligen lokalen Dialekt lediglich Mandarin (Hochchinesisch) beherrschen, sprechen die Lokalen den südlichen Dialekt Cantonesisch. Solange jemand Cantonesisch nicht beherrscht, kann er sich nicht etablieren und bleibt aus der Sicht der Lokalen eine Person niederen Status. Nach sechs Monaten Forschungsreisen nach Dongguan interviewt die Autorin den dortigen stellvertretenden Oberbürgermeister. Dabei wird ihr klar, dass die Stadtregierung den Bereich der Migration und die Lebens- und Arbeitsbedingungen der ArbeitsmigrantInnen vollständig ausblendet.

3 To Die Poor Is a Sin. Dieses Kapitel enthält neben dem Erzählstrang der Autorin über Wu Chungming und den Migrantinnenalltag Ausschnitte aus Chunmings Tagebuch. Um nicht an ihren Plänen gehindert zu werden bricht Chunming im Alter von 17 Jahren ohne das Wissen ihrer Eltern von Hunan nach Dongguan auf. Nach einer zweimonatigen Arbeitserfahrung als Bemalerin von Spielzeugfiguren kehrt sie aufgrund andauernder Kopfschmerzen mit ihrer Cousine nach Hause zurück um wenige Monate später mit Freundinnen aus den Nachbardörfern trotz mütterlicher Proteste erneut in Dongguan anzufangen, wo sie trotz teils existenzbedrohlicher Erfahrungen dreizehn Jahre lebt und arbeitet. Die Autorin beschreibt die geschlechterbezogenen Unterschiede des Arbeitsmarktes und die Konsequenzen der Geschlechtersegregation für die unterschiedlichen sozialen Gruppen. Des Weiteren wird Chunmings Aufstieg beschrieben, wie sie ihr Monatsgehalt verbessert und sich aus der Masse der Arbeitnehmerinnen durch energische Einzelaktionen heraushebt. Die aus den USA nach China überschwappende Welle von Unternehmen mit „Netzwerkvertrieb“ („chuanxiao“/„network sales“), eine Art Kombination von Direktvertrieb und Schneeballsystem, wird anhand des Beispiels von Chunmings Wanmei-Mitgliedschaft charakterisiert, der viel Potenzial aber auch große Risiken hinsichtlich Erwerbschancen für die Einzelnen birgt.

4 The Talent Market. Hier wird Min als Vertreterin einer zielstrebigen Migrantinnenschicht geschildert. Die Autorin berichtet über Mins Reaktion nach dem Lesen des Artikels, den die Autorin über sie in der Wall Street Journal veröffentlichte. Die Wertschätzung der Autorin begründet sie Min gegenüber in der Tatsache, dass sie im Vergleich zu vielen anderen nie vergaß, woher sie kam und ihren (Miss)Erfolg immer vor dem Hintergrund ihrer Herkunft zu deuten weiß. Mins Ortskenntnisse schildert die Autorin durch deren differenzierte Sichtweise auf die einzelnen Fabriken und Bezirke von Dongguan: „Every town was the possibility of a more desirable job than the one she had. Her mental map of Dongguan traced all the bus journeys she had made in search of a better life“ (S. 75). Mins Einsamkeit wird im Folgenden von verschiedenen Seiten beleuchtet. Arbeitsunfälle neuer untrainierter Mitarbeiter wird zum Thema gemacht und der offizielle und gängige Umgang mit ihnen. Mins Partnerschaft und ihr Besuch auf dem „talent market“, einem Jobvermittlungsort im Freien werden beschrieben. Die Grundregel vom „talent market“ wird in „Diskriminierung“ (S. 90) ausgemacht, die entlang der Kategorien Geschlecht, Alter, Herkunft, Aussehen oder bisherigen Erfahrungen ausgeführt wird. Mins weiterer Erwerbsweg wird geschildert und dabei der Verlust ihres Handys. Dieser Verlust der typischerweise ersten großen Anschaffung der meisten MigrantInnen, die sie mit dem Rest der Welt verbindet und die Kontakte aller enthält, die ihnen jemals wichtig waren, erscheint als fatal: „In a universe of perpetual motion, the mobile phone was magnetic north, the thing fixed a person in place“ (S. 95).

5 Factory Girls. Das Kapitel beschreibt anfangs den Betrieb in der Yue Yuen Fabrik, der größten Schuhfabrik von Dongguan, die wie eine Kleinstadt mit eigenem Kindergarten, Krankenhaus, Kino, Kraftwerk, diversen Qualifikations- und Freiwilligenkursen, eigener Feuerwehr, Theatergruppe und Wasserabfüllung organisiert ist. Die Fabrikaufsicht muss sich dementsprechend mit Problemen und Herausforderungen einer Stadtverwaltung auseinandersetzen. 70% der Mitarbeiterschaft stellen Frauen, die meisten von ihnen sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Die Hierarchien und die Netzwerke werden entlang der provinziellen Herkunftslinien gebildet. Die Autorin beschreibt die Unterschiede zwischen den ersten Migrantenwellen der 1980/1990er Jahre und den jüngsten MigrantInnen. Den größten Unterschied macht die Autorin in der gesellschaftlichen Beurteilung von Migration als Lebensentwurf aus: „There is no longer any shame attached to migration. The shame now lies in staying home“ (S. 105). Die Autorin beschreibt ferner die arbeitsintensive und marktdiktierte Produktionsweise der Sportschuh-Massenproduktion in China und Dongguan, deren Konsequenzen für den Arbeitsalltag als fatal geschildert werden. Als Fazit unternehmerischen Handelns des modernen China stellt die Autorin die Worte Allan Lees, des Chefs von „manufacturing operation“ der Firma Adidas in Dongguan hin: „If we didn´t have pressure, we wouldn´t improve. As Darwin said, only the strongest survive“ (S. 115).

6 The Stele with No Name. Im Kapitel werden die letzten dreihundert Jahre der Familiengeschichte der Autorin mit den politischen Ereignissen von China verwoben. Insbesondere die Migrationsbewegungen der unterschiedlichen Familienmitglieder und Generationen werden als prägende Kräfte hervorgehoben, die die Familiengeschichte jeweils mit einem neuen Kapitel bescheren: „the history of a family begins when a person leaves home“ (S. 170). Die Autorin spricht ferner erneut über die intergenerationalen Verhältnisse angesichts der Migration der jüngeren Generation. Auch beschreibt die Autorin, wie sie ihre eigene Familiengeschichte seit ihrer Ankunft in Dongguan als Bestandteil des Forschungsprozesses aufzurollen beginnt trotz ihrer früheren Absicht, dies zu unterlassen. Die zwei Tagebücher des Großvaters, die die Autorin von ihrem Vater überreicht bekommt umfassen nahezu 1000 Seiten chinesich-amerikanischer Familien- und Zeitgeschichte, die ihr entscheidende Anhaltspunkte zum Unterfangen liefern. Zunächst identifiziert sie Dongguan und Beijing als Süd-Nord-Gegensätze von Zukunft und Vergangenheit. Allmählich entdeckt sie immer mehr Parallelen zwischen den ProtagonistInnen der beiden Orte und berichtet, wie stark die Gedanken ihres Großvaters an die Statements der jungen Frauen aus dem Süden erinnerten. Aber auch Unterschiede der Beweggründe und Sichtweisen werden als durch den jeweiligen Zeitgeist geprägt erörtert.

7 Square and Round. Die Autorin geht in diesem Kapitel anfangs auf die zentralen Veränderungen des chinesischen Bildungssystems seit der Zeit der Qing Dynastie ein. Sie berichtet über die Kurse und Fortbildungsmöglichkeiten von Migrantinnen in Dongguan – die größtenteils nachts, im Anschluss an dem Arbeitstag stattfinden und erhebliche Summen kosten – und anhand von subjektiven Erfahrungen ausgewählter Frauen darüber, wie diese von den Teilnehmerinnen in Anspruch genommen und beurteilt werden. Die Kritik der Autorin ist bei der Beschreibung des Lehrbuchs „Square and Round“, einer Art Lebensphilosophie für Autodidakten nicht zu überhören. Insbesonders prangert sie die Ethiklosigkeit des Lehrwerks im Sinne höherer Bildungsideale an: „It did not try the change its readers. Instead it taught them how to do better what they already knew so well: pettiness, materialism, envy, competition, flattery and subterfuge“ (S. 196). Anhand des Beispiels des „White-Collar Secretarial Skills Special Training Class“ beleuchtet die Autorin die Spannungsfelder und Grenzen des lokalen Bildungsmarkts und die Skrupellosigkeit ihrer AkteurInnen.

8 Eight-Minute Date. Dieses Kapitel geht auf das Thema Partnerfindung in Dongguan vor dem Hintergrund der traditionellen chinesischen Geschlechterverhältnisse ein. Dabei fokussiert die Autorin durch mehrere Fallbeispiele einerseits den materiell orientierten Pragmatismus der Partnersuche, andererseits werden Erwartungen, Ansprüche und Orientierung an „Normalitätsverhältnissen“ der ProtagonistInnen thematisiert, die unter den Umständen des beschriebenen Fabrikalltags vielerlei Herausforderungen entgegenstehen. Durch die filiale Pflicht der Töchter zum Heiraten sowie die hohe Zahl der Frauen in Dongguan wird die Vielzahl der Partnervermittlungsagenturen erklärt, die im Gegensatz zu der Anonymität amerikanischer Agenturen auf Gruppensitzungen setzen. Bei einer solchen Sitzung der größten Partnervermittlungsagentur der Stadt „Dongguan Making Friends Club“ lernt die Autorin die 29-jährige Wu Chunming kennen, deren Erwerbsbiographie an dieser Stelle weitergeführt wird. Ohne auf weitere Details hier einzugehen, arbeitet Chunming derzeit im Verkauf einer schwedischen Firma, die Farben und Anstriche für Bauwerke vertreibt, nachdem sie ihre gesamten Ersparnisse aus den ersten Fabrikjahren, 100.000 RMB (heute wären das mehr als 12.000 Euro) in einem mit ihrem ersten Freund gegründeten Großhandel innerhalb von sechs Monaten verlor. In Chunmings Geschichte findet die Autorin am bemerkenswertesten die Erwartung einer auf gegenseitige Gefühle erblühenden Romanze vor dem Hintergrund bisheriger (erwerbs)biographischen Erfahrungen in einer eigensinnigen und betrügerischen Stadt (vgl. S. 211).

9 Assembly-Line English. In diesem Kapitel wird die Rolle und Bedeutung von Englischkenntnissen in China und speziell in Dongguan erörtert. Durch das Portrait von Liu Yixia, einer Abgängerin der Englisch-Schule von Mr. Wu, werden die Tücken und Macken der lokalen Englischschulen verhandelt, die als Musterbeispiele von Geschäftstüchtigkeit der Anbieter auf Kosten der KursteilnehmerInnen charakterisiert werden. Angesichts fehlender Qualitätskontrolle in allen Bereichen in Dongguan werden zweifelhafte Kursinhalte von Lehrkräften mit fehlerhaftem Englisch vermittelt. Englisch, das zentrale Mittel zu höheren Positionen, die Sprache vertikaler Mobilität wird angesichts der Hoffnung auf ein besseres Leben trotz ihrer Deformationen und des sparsamen Budgets der Zielgruppe zu hohen Preisen verkaufbar.

Zu „PART TWO The Village“

10 The Village. Die Autorin nimmt erneut die Erzähllinie über Min auf, die sie zu sich nach Hause zu den Neujahresfeiertagen einlädt. Mins romantische Beziehungen zu zwei jungen Männern und die Beziehungsproblematik ihrer Schwester werden als Teil einer komplizierten Positions- und Statussuche in der Ferne verhandelt, die mit der Herkunftsfamilie nicht thematisiert werden kann. Das Kapitel fokussiert darauf, wie Min und Giumin, mittlerweile individualisierte Töchter des modernen Stadtlebenes die Verhältnisse ihrer Heimatgemeinschaft im Dorf neu aufmischen und mit ihren im Dorf ungewohnten Ansichten für Konflikte sorgen. Diese werden gegenüber der Erwartungen älterer Familienmitglieder selbstbewusst ausgetragen oder die beabsichtigten Handlungen ohne das Wissen der Eltern ausgeführt. Als Fazit beschreibt die Autorin die dörfliche soziale Kontrolle als Triebkraft der Binnenmigration: „The Chinese countryside is not relaxing. It is a place of constant socializing and negotiation […]. Spending time in Min´s village, I understood why migrants felt so alone when they first went to the city. But I also saw how they came to value the freedom they found there, until at last they were unable to live without it“ (S. 293). Die Autorin vergleicht Mins Erziehungserfahrung als Teil eines Kollektivs mit ihrer eigenen frei von familiären Verpflichtungen. Die Autorin verbirgt ihre Dankbarkeit ihren Eltern gegenüber nicht, da diese, trotz ihrer traditionell geprägten Kindheit ihre Tochter stets in ihrer Unabhängigkeit bestärkten (vgl. S. 292f.).

11 The Historian in My Family. Die Autorin beschreibt ihren Besuch des Dorfes ihrer Vorfahren, Liutai und seiner Region im Nordosten Chinas, um ältere Verwandte, Bekannte und andere Dorfbewohner nach Informationen über Familienmitglieder zu befragen. In Harbin in der Manschurei gelangt sie zum ältesten noch lebenden Cousin des Vaters, Lijiao und zu Zhang Hong, einem entfernten väterlichen Cousin in Shenyang. Die Autorin weist auf die Besonderheit chinesischer Genealogien hin, die die Familiengeschichte bis zu dem Vorfahren zurückverfolgen, der zuerst migriert ist und sich woanders etabliert hat: „Migration fixes a person in place and time, and the history of a family begins when a person leaves home“ (S. 322).

12 The South China Mall. In diesem Kapitel wird Chunmings Arbeitsalltag in der Baubranche weiter verfolgt. Die Autorin begleitet sie zu der Baustelle der größten chinesischen Mall, die schnell aufgebaut aber sich schwieriger mit Geschäften zu füllen scheint. Neben ihrer Arbeitsstelle macht sich Chunming mit ihrer Freundin und Geschäftspartnerin Fu Gui mit Gussmaschinenteilen selbstständig. Nachdem ihr in der Baubranche gekündigt wird, und der Verdienst mehrerer Monate an sie nicht ausgezahlt wird, versucht Chunming erst ein schiedsrichterliches Verfahren gegen ihren Chef in der Provinzhauptstadt Guangzhou einzuleiten. Als dies misslingt, fragt sie die Autorin, Kontakt zu ihrem früheren schwedischen Chef Kontakt aufzunehmen. Die Autorin hinterließ eine Nachricht auf Chunmings Anfrage, der Chef ruft nie zurück. Die Autorin thematisiert Chunmings Vorhaben, nach den dreizehn Jahren harter und ermüdender Arbeit nicht mehr nur noch Geld verdienen, sondern ihr Leben grundsätzlich ändern und bessern zu wollen. Sie steigt aus dem Geschäft aus und lernt zwei Jahre lang Englisch: „I want to learn English so I can live a happier life“ (S. 359).

13 Love and Money. Anhand der Liebesbeziehung zwischen Min und ihrem Freund Ah Jie werden im Kapitel eingangs ungeschriebene Firmenregeln entlang von Herkunfts- und Geschlechterlinien thematisiert. Auch wird das Thema Korruption anhand von Schmuggelaktionen und Bestechungsgeldern in den Fabriken vom letzten Kapitel weitergeführt: von den höchsten Etagen bis zu den Fabrikarbeitern werden alle Arbeitnehmerschichten von der Autorin als in Korruption involviert beschrieben. Die Erwartungen der Eltern an Min und ihr spannungsreiches Verhältnis werden das erste Mal vor dem Hintergrund ihrer sozioökonomischen Position thematisiert: schickt sie zu wenig Geld nach Hause, kritisieren die Eltern ihre Tochter offen und vergleichen sie mit ihren wohlhabenderen Zeitgenossen aus dem Dorf. Min lehnt sich vor dem Hintergrund ihrer finanziellen Erfolge gegen ihre Eltern auf, die als Arbeitsmigranten sich nicht beweisen konnten und ohne sozioökonomischen Aufstieg frühzeitig nach Hause zurückkehrten. Als Min im Bereich Einkauf über ihr offizielles Monatsgehalt hinaus schwarz dazuverdient und die Renovierungs- und Modernisierungskosten ihres Elternhauses finanziert, gelangt sie plötzlich zu Anerkennung der Eltern und übernimmt dabei die machtvolle Rolle der respektierten Entscheidungsträgerin. Die Autorin trifft die Familie erneut zum chinesischen Neujahr 2007 und nimmt als Gast an der Hochzeitszeremonie des Cousins von Min in der Nachbarschaft teil.

14 The Tomb of the Emperor. Nachdem die Autorin den letztendlich beschriebenen Grabstein ihres 1946 verstorbenen Großvaters besucht, reflektiert sie die Migrationsverhältnisse ihrer Familie und die der jungen Frauen sowie ihre Sichtweise auf die Vergangenheit und auf Individualismus. Dabei kommt sie wiederholt zum Schluss, dass die maßgebliche Triebkraft hinter dem Auszug der jungen Frauen der Wunsch sei, eigens über die eigenen Lebenswege entscheiden zu können. Die Autorin beschreibt außerdem ihre Kommunikation mit ihrer Tante Irene, der jüngsten Schwester ihres Vaters, die nach der Migration nach Amerika länger in Taiwan arbeitete und nun als halbpensionierte Direktorin einer amerikanischen Biotechnologiefirma als „Superfrau“ in China immer noch einen vollen Terminkalender zu bewältigen hat. Die Aussagen von Irene über die Großmutter der Autorin werden als außerordentlich emotional und sehr wertschätzend geschildert. Die traditionell erzogene, jedoch studierte und damit ungewöhnlich gebildete und sehr arbeitsame Frau erzog ihre Kinder unter schweren Bedingungen fast eigenständig, da ihr Mann sieben Jahre in Amerika studierte, danach weit von dem Familienwohnsitz arbeitete und mit 48 Jahren ums Leben kam.

15 Perfect Health (im Inhaltsverzeichnis versehentlich als Heath erschienen). Chunming wird nach eher erfolglosen und kurzen Monaten des Englischlernens erneut Verkäuferin der nicht komplett zerschlagenen chuanxia-Firma Wanmei, die weiterhin Gesundheitspräparate verbreitet. Sie verkauft ihren Geschäftsanteil bei der Baufirma an ihre Geschäftspartnerin Fu Gui, nimmt Kredit bei Freunden auf und eröffnet ihren eigenen Wanmei-Ausstellungs- und Vertriebsraum in der Innenstadt von Dongguan. Gegen ihre Erwartungen erhält allerdings die Firma nicht die erforderliche Zulassung von der chinesischen Regierung, so dass Chunmings Erwerbsbiographie das zweite Mal durch Wanmei ruiniert wird. Sie wird daraufhin Verkäuferin einer Klebefirma für Schuhe und Handtaschen. Im Sommer 2006 entdeckt Chunming die Schriften des amerikanischen Gesundheitsgurus Harvey Diamond, die sie sofort überzeugen. Sie wird Vertrieblerin von Büchern über gesunde Ernährung und Lebensweise aus Amerika. Die Weite ihres Weges stellt die Autorin als bemerkenswert hin: Chunming, aufgewachsen in einem chinesischen Dorf ohne ärztliche Versorgung und Fertigprodukte der Lebensmittelindustrie hat die gleichen gesundheitlichen Vorsätze wie ihre Zeitgenossen aus den USA, die sich nach einem gesunden, reinen und einfachen Leben sehnen. In ihrem Fazit beschreibt die Autorin warum sie die Protagonistinnen ihres Buches als Vertreterinnen ihrer Generation sieht und wie Migration das Leben der „factory girls“ ändert. Sie reflektiert dabei ihre Rolle anhand von Reziprozität im Forschungsprozess: „Perhaps my presence was encouraging to them […]. But in all the time I knew them, the migrant girls never asked me for help, and rarely even for advice. Life was something they faced alone, as they had been telling me from the first day we met“ (S. 405). Das Buch endet mit der wertschätzenden Beschreibung von Chunming, die zwar erwerbsbezogen sehr weit fällt – nach einem Gehalt von umgerechnet mehrere Tausend Euro verdient sie zweieinhalb Jahre später unter 200 Euro im Monat – jedoch mehr im Gleichgewicht zu sein scheint als jemals: „Chunming had somehow broken free and developed her own personal morality“ (S. 405). Die Autorin beschreibt ihren letzten Besuch in Dongguan im Februar 2007 im Rahmen einer Neujahrsfeier einer Lederfabrik, wo Chunming, 32 Jahre alt, als eingeladener Gast spontan eine flammende Rede an die Fabrikarbeiterschaft hält.

Zentrale Themen

Die Verhandlung von Migration als Selbstermächtigung und emanzipatorische Erweiterung der eigenen Teilhabemöglichkeiten ist zentrales Thema des Bandes. Während der biographischen Erzählungen, die mit der neuesten Geschichte der chinesischen Wirtschaft und Politik verwoben werden, werden allerdings weitere Themenkomplexe verhandelt, die nicht nur für die Migrationsforschung von Bedeutung sind:
- räumliche und vertikale Mobilität (durch eine Kombination von Migration an die chancenreichere Orte des eigenen Landes und zertifizierten Bildungserfolg)
- Erwerbszentriertheit als einzig geltende Vergesellschaftungsinstanz, die Sphäre von Erwerbsarbeit als ein hierarchisches System und die statusgebende Relevanz von Erwerbsarbeit
- Prekarität als oftmals lebenslanger Dauerzustand einer breiten und wirtschaftlich elementar wichtigen Bevölkerungspopulation der Produktionsstätten
- die Unterschiede im Denken und Handeln von Land- und Stadtbevölkerung (verhandelt u.a. anhand der Deutung vom Handygebrauch, Kaufkraft und Bewährung als MigrantIn in der Ferne)
- Kritik an den gesundheitsgefährdenden Produktionsweisen, prekären Arbeitsbedingungen und an der Ignoranz der politisch Verantwortlichen hinsichtlich den Lebens- und Arbeitsbedingungen der MigrantInnen
- Kritik an der chinesischen schulischen und außerschulischen Bildung, insbesondere im Hinblick auf die Vermittlung von Geschichtsverständnis und vom reflektierten Umgang mit der eigenen Geschichte
- globaler Konsumkritik und (leiser) Kapitalismuskritik

Diskussion

Die auf Ergebnisse der Recherchereisen 2004-2007 basierenden Befunde und das Untersuchungsdesign überzeugen. Die Autorin erweist sich als engagierte und interessierte forschende Journalistin, die im Rahmen des Buches auch ihre subjektive Sichtweise und Rolle im Forschungsprozess verhandelt.
„There was nothing to do at home, so I went out. This is how a migrant story begins“ (S. 11). Mit dem Begriff „chūqù“ im Sinne von hinausgehen, hinausziehen beschreiben die meisten ArbeitsmigrantInnen ihren Aufbruch. Die Autorin nimmt diese Aussage zum Anlass, Migration jenseits potenziell herausfordernder und gesundheitsgefährdender Erfahrungen als Selbstermächtigung und emanzipatorischen Moment mit Bildungszügen zu charakterisieren. Die Attraktivität von „going out“ begründet die Autorin in in den ländlichen Regionen raren Erwerbsarbeitsmöglichkeiten und fehlenden individuellen Möglichkeitsräumen junger Menschen. Nicht die Angst, sondern der Stolz hält demnach die ArbeitsmigrantInnen ländlicher Regionen in den Städten, die sich vor ihrem Umfeld beweisen und ihr Leben verändern wollen. In diesem Sinne erweist sich „chūqù“ auch als moderner Weg von Individuierung: indem junge Frauen ihr eigenes Schicksal in die eigene Hände nehmen, erlangen sie zum Preis ihrer prekär bezahlten Arbeitskraft einen Grad an Individualität und Unabhängigkeit, das zu Hause niemals möglich wäre. Die traditionelle konfuzianisch geprägte Familienstruktur ländlicher Regionen ist aufgrund der neuen Möglichkeiten der jungen Generationen als Modernisierer und Familienernährer im Wandel begriffen. Die MigrantInnen werden als „the rural elite“ vorgestellt: sie sind jünger, formal besser gebildet und unternehmungslustiger als ihre Zeitgenossen, die sie hinter sich lassen. Obwohl die Stadtbevölkerung sie als einfache Bauernschicht verabscheut, stellt die Autorin klar, dass die meisten jungen ArbeitsmigrantInnen nicht mehr zur Bauernschicht wie ihre Eltern gehören, sondern aus der Schule kommen. Die Vergleiche zwischen den Erfahrungen der Familienmitglieder der Autorin und den Erfahrungen der jungen Fabrikarbeiterinnen im Kontext von Migration ergeben ein interessantes Gesamtbild über Erziehung, Bildung, und Familie, Land und Stadt, Erwerbsarbeit und Geschlechterverhältnisse in unterschiedlichen historischen Epochen unter je verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen.
Die persönliche Kritik der Rezensentin fokussiert auf folgende Punkte:
Die im Rahmen des Bandes verhandelte eigene Familiengeschichte der Autorin, als zentral durch Migration bestimmt, erscheint als interessanter Ansatz. Allerdings hält die Rezensentin diese vier Kapiteln umfassende Verhandlung vor dem Hintergrund des Fokus des Buches auf die Lebenswelt der Fabrikarbeiterinnen als überdehnt und zu detailliert.
Der immer wieder durch andere Kapitel durchkreuzte Erzählstrang der einzelnen Themenblöcke erzeugt Spannung und beabsichtigt vermutlich das Interesse der Leserschaft aufrechtzuerhalten. Allerdings erleichtert dies das Lesen nicht, man muss immer wieder zu den Erzählsträngen über die Protagonistinnen zurückblättern, um die bereits erwähnten Details in Erinnerung zu rufen.
Der an manchen Stellen ausartende „Amerika-Zentrismus“ in der Sichtweise der Autorin auf die Zustände ist China ist immer dann störend, wenn sie Wertungen und Kritik enthält, die als unangebracht erscheinen. Außerdem bezieht sich die Kritik auf Details, die das Gesagte unnötig überfrachten oder Menschen unnötig abwerten (z.B. im Kapitel 7: „I had always felt that social interactions among the Chinese were needlessly complicated“ (S. 197). Im Kapitel 8 über die Partnerfindung in Dongguan beschreibt die Autorin ihren Besuch mit Chunming und deren Freundin Ah Ning in eine Yoghurt-Getränkebar. Ah Ning bestellt eine heiße Erdbeermilch, die die Autorin folgendermaßen kommentiert: „It had a chemical pink color, like industrial vaste.“ (S. 223); Oder: „She wanted to be a simultaneous interpreter, an odd career choice for Dongguan, where United Nation-caliber translators were not exactly in high demand“ (S. 390); Oder: „The boyfriend answered the door. His face was narrow and tough and darkish red, like a cord of beef jerky“ (S. 245). Als Kritik an die Redaktion kann angemerkt werden, dass das abschließende Interview mit der Autorin ohne Personen- und Ortsangaben und ohne Hinweise auf den Entstehungskontext abgedruckt wurde und daher unvollständig wirkt. Diese Vorgehensweise erscheint unseriös.

Fazit

Die Autorin interviewt und begleitet junge Fabrikarbeiterinnen in Dongguan, einer Stadt des Pearl-River-Deltas, der wichtigsten wirtschaftlichen Region Chinas zwischen 2004 und 2007. Sie schlägt damit einen neuen Weg jenseits von „newspaper journalism“ ein, ihr Werk präsentiert schließlich eine dichte Beschreibung des Fabrikalltags aus Arbeiterinnensicht. Die Befunde aus subjektorientierter Perspektive – Motive der Arbeitsmigration, individuelle und strukturelle Rahmenbedingungen, Ziele, Lebensentwürfe, Handlungsstrategien im Hinblick auf eine erfolgreiche Positionierung, Deutung von Familie, Partnerschaft, Erwerbsarbeit etc. – werden mit historischen Belegen und neuesten Studienergebnissen verknüpft, die insgesamt in die elementaren wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge des Landes auf eindrucksvolle Weise einführen. Das Buch verhandelt dabei Thematiken wie Erwerbszentriertheit, Geschlechterverhältnisse, Bildungs- und Chancengerechtigkeit, soziale Ungleichheit unter Migrationsbedingungen u.a. ohne auf diese explizit hinzuweisen. Für den Band sprechen insbesondere das gewählte Untersuchungsdesign des ethnographischen Journalismus unter Berücksichtigung der Forscherinnensubjektivität und die Thematisierung biographischer Erwerbsverläufe im Kontext von Migration aus Sicht junger Arbeitsmigrantinnen vor dem Hintergrund der zentralen wirtschaftlichen und politischen Ereignisse der chinesischen Volksrepublik. Trotz aller Annäherungsversuche bleibt die Autorin privilegierte Außenseiterin. Jedoch ist ihre Intention zu begrüßen, eine Ergänzung der westlichen Sichtweise auf die chinesische Binnenmigration zu liefern und ihr Beitrag über die subjektiven Deutungen der Protagonistinnen über ihre eigenen Wege in die Ferne und die dadurch veränderten Verhältnisse zu ihrem sozialen Umfeld als gut gelungen zu beurteilen. Es ist auch bemerkenswert, wie es der Autorin gelingt, die Veränderungen des individuellen Habitus der jungen Frauen als gesamtgesellschaftliche Kraft auszuloten, die zukunftsweisende Wandlungen mit sich bringt.
Abgesehen von der als zu lang und detailüberfrachtet zu beurteilenden Abhandlung der eigenen amerikanisch-chinesischen Familiengeschichte der Autorin ergibt der Band ein gelungenes Tableau chinesischer Geschichte der letzten 300 Jahre mit dem Fokus auf den Wirtschaftsboom der neueren Geschichte aus der Subjektperspektive der Arbeiterinnen niedrigen sozioökonomischen Status. Aufgrund des in der chinesischen Ungleichheitsforschung ungewöhnlichen Fokus auf die subjektorientierten Perspektive der deklassierten Migrantinnen-Schicht verdient der Band Anerkennung.


Rezensentin
Dipl. Soz. Päd. Júlia Wéber
M.A. Germ. Promoviert an der Universität Kassel zum Thema Bildungsbezogene Übergangserfahrungen junger Frauen an der Schwelle der Erwerbsgesellschaft. Sie lebte 2011-2014 in Shanghai, wo sie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus verschiedenen chinesischen Provinzen kennenlernte
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Zitiervorschlag
Júlia Wéber. Rezension vom 27.02.2014 zu: Leslie T. Chang: Factory girls. Voices from the heart of modern China. Pan Macmillan (London N1 9RR) 2010. ISBN 978-0-330-44736-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15675.php, Datum des Zugriffs 21.10.2019.


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