Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Florian Eßer: Das Kind als Hybrid

Rezensiert von Prof. Dr. Christiane Vetter, 06.01.2014

Cover Florian Eßer: Das Kind als Hybrid ISBN 978-3-7799-1556-0

Florian Eßer: Das Kind als Hybrid. Empirische Kinderforschung (1896 - 1914). Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2013. 292 Seiten. ISBN 978-3-7799-1556-0. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
Reihe: Kindheiten.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand
Kaufen beim Verlag

Autor

Dr. phil. Florian Eßer, 1980 geboren, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen im Bereich der sozialwissenschaftlichen Kindheitsforschung und im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe sowie Geschichte der Sozialpädagogik.

Entstehungshintergrund

Das „Kind als Hybrid“ ist die Dissertation, mit der Florian Eßer seine akademische Qualifikation 2013 erreichte. Das Buch gibt erstens einen guten Einblick in den pädagogischen Diskurs des 19. Jahrhunderts und Beginn des 20. Jahrhunderts. Zweitens zeigt es das Kind und Kindheit als Ergebnis einer sozialgeschichtlichen Formation des sozialprotestantisch geprägten Bürgertums und das Konzept der Hybridität verortet das Kind als Konstruktionsleistung der modernen Subjektivität. In Deutschland bildete sich ein bürgerlicher Habitus, der die Modernisierung voranbrachte und Ausgangspunkt empirischer Kinderforschung wurde. Sowohl sozialhistorisch als auch disziplingeschichtlich ermöglicht die Lektüre des Buches heutige Ansichten der Frühpädagogik, beispielsweise vom „Forschergeist in Windeln“ oder vom Kind als „Konstrukteur seiner Welt“ in der Linie sozialhistorischer und konstruktivistischer Sichtweisen zu verorten. Des Weiteren befähigt die kultursoziologische und analytische Rekonstruktion des Hybriden, von Eßer auf das Kind übertragen, ein Verständnis für die Gleichzeitig von Individualisierung und sozialer Disziplinierung als Lebenskonzept (Foucault) und Hervorbringung von Kompetenzen. Das moderne Kontingenzproblem kann jetzt im Modus eines sowohl als auch wahrgenommen werden. Eßer fragt, ob das Kind jenes ganzheitliche Wesen war, das seit der Aufklärung und Romantik als Voraussetzung von Kindheit betrachtet wurde. War das Kind, das sich vom Subjekt unterschied, wirklich das reale Kind? Die forschungsleitende Fragestellung zieht sich wie der rote Faden durch das Buch. Eßer folgt der Annahme, dass das von Forschern beforschte Kind vor allem das Ergebnis eines Konstruktionsprozesses sei. Damit wird der Blick frei für den Prozess der Veränderungen in Bezug auf die Wahrnehmung des Kindes, die Bedeutung von Kindheit und Wissenschaft.

Aufbau

  1. Empirische Kindheitsforschung und die Geschichte der Kindheit
  2. Laboratorium des Hybriden: Analytisches Konzept
  3. Die „Zeitschrift für Kinderforschung“
  4. Das Kind der „Zeitschrift für Kinderforschung“
  5. Das Kind als Hybrid
  6. Kindheit und bürgerliches Subjekt
  7. Glossar wichtiger Personen
  8. Quellen- und Literaturverzeichnis

Gleich zu Anfang des Buches begründet Eßer, warum er seine Textanalyse auf die Datenquelle „Zeitschrift für Kinderforschung“, die erstmals 1896 erschienen und in 19 Jahrgängen weitergeführt wurde, bezieht. Eßer geht davon aus, dass diese Fachzeitschrift eine zentrale Basis ist, die Hybridität des Kindes nachzuweisen (vgl. S. 12). Der Aufbau dieses Buches folgt der wissenschaftlichen Systematik, die Quelle der Forschung transparent zu machen, das Forschungsanliegen methodisch darzustellen und die eigentlichen Forschungsergebnisse samt Schlussfolgerung zu präsentieren.

Inhalt und Diskussion

In Kapitel 1 wird das Periodikum „„Zeitschrift für Kinderforschung““ vorgestellt. In ihr fokussiert sich der wissenschaftliche Dialog. Das Periodikum entstand im Umfeld des sogenannten Herbartianismus, der die Pädagogik im deutschsprachigen Raum über die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zentral prägte. Die Artikel reflektieren die bürgerliche Kultur der klassischen Moderne. Darüber hinaus wurde die Zeitschrift von der Tradition der empirischen Child-Studies inspiriert. Das Kind, so die empirische Annahme, folge einem Entwicklungsplan und bedürfe der pädagogischen Unterstützung, seine Anlagen zu entfalten.

In Kapitel 2 stellt Florian Eßer sein analytisches Konzept vor, mit dessen Hilfe das Kind als Hybrid rekonstruiert wird. Die „Zeitschrift für Kinderforschung“ wird von ihm als ein Laboratorium von Kindheit aufgefasst, in dem das Kind als Hybrid entworfen wurde. Die kultursoziologische These vom postkolonialen Subjekt als Hybrid (Reckwitz) macht plausibel, warum die Annahme einer Hybridität erkenntnistheoretisch hilfreich ist. Hybridität bezeichnet eine Form der Koppelung und Kombination unterschiedlicher Codes, die das Phänomen Subjektivität kennzeichnen (Reckwitz). Florian Eßer stellte sich der Herausforderung, durch die Analyse der Beiträge der „Zeitschrift für Kinderforschung“ zentrale Codes herauszuarbeiten, innerhalb derer das empirische Kind zu Beginn der Moderne vermessen wurde. Um den Fokus auf den Prozess der Hervorbringung des Kindes zu richten, ordnete er die Themen der Zeitschrift und markierte die Praktiken der Repräsentation. Die Diskursanalyse wurde software gestützt um die Darstellungsweise des Kindes und seiner Eigenschaften innerhalb der Zeitschrift ergänzt.

In Kapitel 3 reflektiert Eßer die Zeitschriftenbeiträge in bildungs- und kulturhistorischer Perspektive. Die Gründungsgeschichte steht im Zusammenhang zum pädagogischen Diskurs der Zeit. Die Herausgeber standen der Pädagogik von Herbart (1776-1841) nahe. Die Themen entstammten dem wilhelminischen Erziehungsdenken, das einerseits die bürgerliche protestantische Kultur widerspiegelte. Die wilhelminische Zeit gilt andererseits auch als Zeit einer intensiven Auseinandersetzung alter- und neue Erziehungsvorstellungen. Der Herbartianismus wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts ebenso heftig kritisiert was zu Gegenbewegungen führte. Der sogenannte „Kampf um Herbart bedeutete zu dieser Zeit auf der Handlungsebene eine schematische Lehrplanorientierung und die Ausrichtung von Lehrinhalten am Ideal eines Kindes. Des Weiteren ging es um die pädagogische Autorität. Dringend sei eine neue Pädagogik „vom Kinde aus“ notwendig. Die reformpädagogischen Kritiker wollten Kindheit nicht weiter als Übergangsphase betrachten und das Kind nicht allein als werdenden Erwachsenen begreifen. Impulse der Kunsterziehungsbewegung und der Child-Studies, die das Kind „wie es leibt und lebt“ beobachten wollten, so der Selbstanspruch, wurden in die Diskussionen um die richtige Pädagogik aufgenommen.

Die Herausgeber der „Zeitschrift für Kinderforschung“ waren: Johannes Trüper, Lehrer und Gründer sowie Direktor der Anstalt „Sophienhöhe“ für schwer erziehbare Kinder. Dr. Julius Koch, Psychiater und Direktor der Irrenanstalt Zwiefalten. Christian Ufer arbeitete als Schulrektor und der Theologe Prof. Dr. Friedrich Zimmer stellte die Verbindung zum Kulturprotestantismus her. Die „Herbertianer“ zeigten hier, wie die interdisziplinäre Auseinandersetzung zwischen Pädagogik, Medizin, Psychologie, Fürsorgerziehung und Psychiatrie wirkte. Sie trugen zur Entstehung einer therapeutischen Heilpädagogik bei, boten die Plattform für sonderpädagogische Konzepte und die Etablierung einer medizinischen Anthropologie sowie Kritik an der Zwangserziehung in Rettungshäusern.

In Kapitel 4 arbeitet Florian Eßer die hybride Struktur des Kindes heraus. Die zuvor bestimmten Codes der Natürlichkeit, Individualität und Unschuldigkeit des Kindes sowie ihre Antipoden, der Wildwuchs, die psychopathische Minderwertigkeit und vermeintlich verlorene Unschuld des Kindes werden vorgestellt.
Unter dem Code Natürlichkeit wurden Beiträge aus der Medizin und Psychologie berücksichtigt. Die Notwendigkeit hygienischer Erziehung diskutierte man im Kontext von Ernährung und Pflege. Die Lehre von Reifungsprozessen und Entwicklungsstufen wurde im Kontext entwicklungspsychologischer Erkenntnisse auf Fragen der moralischen Erziehung und Sexualpädagogik bezogen.
Die Bedeutung des Spiels wurde in dieser Zeit neu belebt. Jetzt ging es um die Beurteilung von Kinderspielzeug. „Besonders Qualität und Quantität des Spielzeugs wurden auf seinen pädagogischen Wert hin verhandelt“ (S. 86). Das freie spielen wurde propagiert aber das Lernen durch Arbeiten sollte dem natürlichen Drang des Kindes in nichts nachstehen. „Spielerisches Lernen“ wurde betont, kanalisiere es doch die Selbsttätig und den natürlichen Tätigkeitsdrang des Kindes aus der Sphäre des Müßiggangs in den Bereich des Ernsts des Lebens. Beim Spielen erwerbe das Kind Fähigkeiten, die für das Leben und die Arbeit nützlich seien.

Die Natürlichkeit des Kindes, die die Pädagogik aufzuspüren und zu erhalten habe, werde in ihrem idealen Zustand durch die „psychopathische Minderwertigkeit“ bedroht Gemeint war die Devianz, die entweder als Folge von Erkrankung oder von falscher Erziehung oder als vererbt angesehen war. Die Sexualität des Kindes wurde nach wie vor nicht erforscht, wie Eßer noch zeigen wird.
Um der Natürlichkeit des Kindes auf die Spur zu kommen, wurden die Beobachtung und das Verfassen von Entwicklungsberichten modern. Die Beobachtungen wurden meist von Männern aufgeschrieben, die wiederum Frauen um ihre Einschätzung fragten, die mit den Kindern zu tun hatten. Um das reale Kind bemüht waren nämlich Mütter und weilbliche Dienstkräfte (vgl. S. 128).

Unter dem Code Individualitätfanden sichrhetorisch sittliche Verhaltensweisen wieder. Autoren nannten die guten Einflüsse auf die Individualität des Kindes und fertigten Studien an über die individuellen Vorlieben der Kinder, ihre Freundschaften, Freizeitaktivitäten und ihr Lebensumfeld. So bekäme man Einblick in die Seele des Kindes, die als charakterliche Disposition aufgefasst wurde (vgl. S.134). Der Antipode zur Individualität war der Wildwuchs. Vor dieser Negativfolie befürchteten die Autoren, den Verlust eines Verantwortungsgefühls für das Gemeinwohl. In der Zeitschrift wurden die Kunsterziehungsbewegung und die Reformpädagogik dahingehend kritisiert. Kinder seien nicht mündig, sondern müssten erst mündig werden. Deshalb seien sie von Rechten, die Erwachsene haben, zu Recht ausgeschlossen, z.B. der Mitbestimmung. Erziehung habe die Aufgabe, die Differenz zwischen Erwachsenen und Kindern zu betonen und Kinder vor zu schneller Verantwortung und Vorbereitung auf die Mündigkeit zu schützen. Das Thema der Individualität wurde zur Ablehnung der Prügelstrafe im Elternhaus und in der öffentlichen Fürsorgeerziehung thematisiert. Die Prügelstrafe entferne Kinder von Eltern oder Erziehern. Schlimmsten Falls verführe sie Kinder zur Onanie und sähe „den verderblichen Samen der Lüge“ (S. 162).

Mit dem Code Unschuldigkeit waren Phänomene der sittlichen Gefährdungen, Gesetzesübertretungen und sexuelle Normverletzungen gemeint. Die Kinderforscher erörterten die Frage, inwiefern ein moralisch unreifes Kind verantwortlich sei für Quälereien, Diebstähle und Grenzüberschreitungen wie übermäßigen Alkoholkonsum und Lügen. „Obwohl die große Zahl geschlechtlicher Verirrungen von Kindern zum Anlass für die Beschäftigung mit dem Thema erklärt und ihnen zudem zumindest latent geschlechtliche Triebe attestiert wurden, geschah die Problematisierung stets in einem mehr oder weniger expliziten Rekurs auf die ‚normal‘ und idealer Weise gegebene Unschuldigkeit des Kindes“ (S. 179). Onanie, Masturbation und Sadomasochismus führe zu Geschlechtskrankheiten und überfordere das Kind. Es werde dadurch zu früh reif und lebe in einer Fantasiewelt, weil die Geschlechtlichkeit ohne ein reales Gegenüber ausgeübt werde. Außerdem sei Selbstbefriedigung eine Sünde. Des Weiteren wurde die Homosexualität gefürchtet. Sexualwissenschaftler der Kaiserzeit kamen in der Zeitschrift zu Wort. Der sogenannte Uranismus wurde diskutiert, der Homosexualität als angeborene Eigenschaft betrachtete. Dadurch seien Jungen bereits als kleine Kinder mädchenhaft und aus dieser weiblichen Grundnatur erwachse die Homosexualität. Solche Jungen hätten einen kleinen Penis, eine weibliche Stimmlage und kleine Brüste sowie mangelnden Bartwuchs. Uranische Kinder würden fühlen, dass sie weder zu den Knaben noch zu den Mädchen gehören (vgl. S. 189). „Einerseits war die Unschuldigkeit eines jeden Kindes anzunehmen und andererseits ihr Gegenteil zu befürchten“ (S. 195). Im sowohl als auch begegneten sich die Argumente, so Florian Eßer. Hilfreich sei eine Pädagogik der Affektkontrolle. Auch die an sich verpönte sexuelle Aufklärung der Kinder durch Erwachsene galt als Notwendigkeit und die Isolierung der frühreifen Kinder wurde propagiert. Empfohlen wurden auch Kinderhosen ohne Taschen und Schulbänke mit Sicht auf den Unterkörper der Kinder. Die Koedukation wurde befürwortet, um die Erregbarkeit während der Pubertät zu reduzieren. Wenn Mädchen und Jungen gemeinsam erzogen werden, sei dies eine Chance (vgl. S. 206). Unter diesem Stichwort fasst Eßer auch Beiträge zur Kinderarbeit und Bettelei sowie die Kindesmisshandlung zusammen. Diese war ein Thema, weil das 1900 eingeführte BGB das Elternrecht über das Wohl der Kinder stellte. Vielen Pädagogen war klar, dass Kinder trotz des Wunsches nach der intakten familialen Erziehung, diese nicht hatten. Kinder, so die Argumentation, könnten schließlich nichts dafür, wenn ihre Eltern Geld vertrinken und sie missbrauchen. Der Staat müsse Kinder auch vor Eltern schützen.
Selbst der Kinematograph wurde in der „Zeitschrift für Kinderforschung“ diskutiert und wegen der als zu schnell erlebten Bildfolge, des stickigen Raums und der Erregung kindlicher Phantasien auch als Gefahr für Kinder betrachtet (vgl. S.216).
Ein Blick auf die Rettungshäuser ließ Zweifel an der Professionalität der Pädagogik aufkommen.

Im 5. Kapitel kommt die Hybridität des Kindes zum Tragen. Keiner der drei Codes Natürlichkeit, Individualität, Unschuldigkeit sei neu und keineswegs spezifisch für Kinderforschung, so Eßer. Die Verknüpfung und Kopplung von kindlichen Eigenschaften, historischer Zeitdiagnostik und Diskursanalyse zeige, wie sich die Bedeutung der Ansichten über das Kind und die Kindheit änderte. Natürlichkeit war zu Zeiten Herbarts kulturanthropologisch argumentiert und von Fröbel romantisch philosophisch-mythisch gefasst worden. Unter dem Einfluss des Darwinismus und der wilhelminischen Epoche wird sie zur Entwicklungstatsache, von der her das Kind als Subjekt gedacht werden konnte (vgl. S. 233).

Individualität einst als Abgrenzung zur höfischen Ständegesellschaft gefordert, wurde vom Bürgertum durch den Anspruch auf Selbsttätigkeit und die Verantwortung für Selbstführung konnotiert. Jetzt ging es um ein Verständnis von Individualität, dass sich der sozialistischen Idee der Gleichheit von Menschen entgegenstellte (vgl. S. 234). Außerdem war Individualität erst zu erwerben und zwar in der Auseinandersetzung mit erwachsenen Autoritäten. Das Kind sollte zum mündigen Bürger heranreifen und die Einsicht in die Abhängigkeit von einer Autorität anerkennen. Deshalb seien Schläge und Unterwerfung abzulehnen, weil sie nur disziplinieren aber nicht erziehen. Die „Zeitschrift für Kinderforschung“ laborierte das Kind zwischen Natur und Kultur, so Eßer. „Einerseits ist das Kind seine Natur und ist es Kind, indem es Natur ist“ (S. 240). Das Periodikum basiert auf unterschiedlichen Zugängen und Methoden der wissenschaftlichen Reflexion auf das Kind und die Rekonstruktion der kindlichen Entwicklung lieferte nicht nur Erkenntnisse über die sogenannte Normalität, sondern half auch, die Wirklichkeit subjektiv zu bewältigen. Am Beispiel der Zeitschrift zeigt Eßer, wie Wissenschaftlichkeit im Fin de Siècle zum Moment alltäglicher Lebensführung erhoben wurde (vgl. S. 243). Die Kontingenzen der Moderne forderten die Menschen auf, Verhältnisse zu gestalten und mit den Risiken des Scheiterns selbstverantwortlich umzugehen. Die Frage nach den Bildungsmöglichkeiten, der Fürsorge im Kontext der Pädagogik und der Entwicklung des Subjekts spiegelt sich das Selbstverhältnis der Profession und Disziplin und die Gleichzeitigkeit des Widersprüchlichen, die der Motor für den Diskurs ist, wider.

Kapitel 6. Florian Eßer fokussiert Reformpädagogik und Herbartianismus. Hier jedoch nicht als zwei sich bekämpfende Richtungen, sondern als Gegenüber, die sich im Geflecht von Konsensen, Widersprüchen und Ähnlichkeiten befruchteten. „Die Ergebnisse der Zeitschriftenanalyse weisen darauf hin, dass sich Kindheiten nicht trotz, sondern wegen und in der hybriden Struktur des Kindes in der modernen Gesellschaft universalisierten und vervielfältigten“ (S. 264).

Fazit

Die Lektüre dieses Buches informiert und regt an, die pädagogischen Fragen unserer Zeit zu formulieren und ernst zu nehmen. Florian Eßer geht von einem Entwicklungskontinuum der Moderne aus, in die wir eingebunden sind. Das Individuum bricht sich an der historischen Konstellation, ist nur in der Abhängigkeit des Menschen von anderen Menschen zu denken und von den äußeren und subjektiven Möglichkeiten, sich zu entwickeln. Dieses Buch ermutigt zur Erziehung.

Rezension von
Prof. Dr. Christiane Vetter
Leiterin der Studienrichtung Soziale Arbeit in der Elementarpädagogik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart

Es gibt 63 Rezensionen von Christiane Vetter.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Christiane Vetter. Rezension vom 06.01.2014 zu: Florian Eßer: Das Kind als Hybrid. Empirische Kinderforschung (1896 - 1914). Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2013. ISBN 978-3-7799-1556-0. Reihe: Kindheiten. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15687.php, Datum des Zugriffs 29.05.2024.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht