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Michael Wendel: Blumenkohl mit Schlag

Cover Michael Wendel: Blumenkohl mit Schlag. Leander Verlag (Jena) 2011. 208 Seiten. ISBN 978-3-9813936-4-4. 14,90 EUR.
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Thema

Dieses Buch handelt von einem Ereignis, dass jeden treffen kann: ein Schlaganfall. 150.000 Menschen ereilt in Deutschland jährlich der „Schlag“. Laut Wikipedia ist er eine der dritthäufigsten Todesursachen und die häufigste Ursache für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter sowie für Pflegebedürftigkeit im Alter. Michael Wendel, der über 100 Publikationen veröffentlicht hat, schrieb ein Tagebuch über sein eigenes Schicksal. Auf der Kippe zwischen Leben und Tod entscheidet er sich für das Leben. Damit beginnt, sein mühsamer Weg zurück ins Leben nach dem Schlag, an dem er den Leser teilhaben lässt.

Autor

1945 wurde Michael Wendel in Leipzig geboren. Bis zu seiner Erkrankung arbeitete er als Projektleiter archäologischer Ausgrabungen in Bulgarien und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 2008 erlitt er einen Schlaganfall aufgrund einer Hirnblutung.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist im Leander Verlag in Jena als Taschenbuch erschienen. Es umfasst 21 Kapitel auf 208 Seiten.

  1. Vorwort
  2. Der Schlag
  3. Im Stoffabteil
  4. Fieberphantasien und merkwürdige Begegnungen
  5. Metropolis
  6. Negclet
  7. California Blue
  8. 8Bei uns in Bernburg…
  9. Das Lokführerdiplom
  10. Ka, Ki, Ko…
  11. Stehtisch und Vierpunktstock
  12. Transfer
  13. Krimskrams
  14. Noch mehr Krimskrams
  15. Mike Tysan
  16. Import & Export
  17. Amerikanische Wissenschaftler und der Sahnekrieg
  18. Exit
  19. Knack
  20. Spasmen
  21. Übermut

Michael Wendel arbeitete als Dozent an der Martin-Luther-Universität Halle. Mit 63 Jahren ereilt ihn nach einer Hirnblutung ein Schlaganfall. Auf der Kippe zwischen Leben und Tod entschließt er sich weiter zu leben. Seine Geschichte nach dem Schlag beginnt auf der Intensivstation. Auf dem CT seines Schädels erkennt er einen Blumenkohl mit Bratensoße – so entstand der Titel des Buches. Der Weg ins Leben ist harte Arbeit. Nach der Intensivstation kommt die Reha und am Ende des Buches wird er nach Hause entlassen. Das Gehen fällt ihm schwer und seine Rekonvaleszenz ist geprägt von vielen Stürzen. Er gibt nicht auf und findet immer wieder die Energie, weiter zu machen. Vor ihm liegt eine Zeit, in der er wieder auf sich gestellt ist und zum Glück ist da seine Freundin Lisa, auf deren Hilfe er zukünftig angewiesen ist.

Diskussion

Das Buch beschreibt ein Ereignis, welches jährlich 150.000 Menschen in Deutschland erleiden: einen Schlaganfall. Wie viele andere Menschen auch trifft der „Schlag“ den Autor aus heiterem Himmel. Ein Schlaganfall ist in Deutschland eine der dritthäufigsten Todesursachen und die häufigste Ursache für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter und für Pflegebedürftigkeit im Alter. Obwohl das Buch von Michael Wendel, der wie der Klappentext ankündigt, Dozent an der Martin-Luther-Universität Halle ist geschrieben wurde ist es kein Fachbuch über den Schlaganfall, sondern es ist ein Tagebuch, das aus einer sehr persönlichen Perspektive eines Betroffenen berichtet. Es scheint dem Autor auch nicht in erster Linie darum zu gehen, der Umwelt sein Erleben nahe zu bringen, sondern es scheint eher darum zu gehen, für sich das Erlebte zu verarbeiten und sich selber durch das Schreiben zu entlasten. Das Schreiben ist ein Teil des Heilungsprozesses. Wendel stand auf der Kippe zwischen Leben und Tod. Er hat sich dafür entschieden zu leben und darum zu kämpfen. Er lässt den Leser teilhaben an seinen Erfahrungen. Gerade die Anfangszeit ist geprägt von Düsternis, Wut und Trauer. Das Buch legt Zeugnis ab über den mühsamen Weg, den Betroffene vor sich haben, denn sie müssen in vielen Dingen wieder neu anfangen und lange üben, um alte Sicherheiten wieder zu erlangen. Das Buch gibt Einblicke in die unterschiedlichen Phasen des Verarbeitungsprozesses, die von harter Arbeit, aber auch vielen kleinen Erfolgserlebnissen geprägt sind, die Schritt für Schritt zurück ins Leben bringen.

Jeder Patient arbeitet darauf hin, wieder ins Leben entlassen zu werden. Dabei besteht eine große Hürde darin, aus einer rundumversorgenden Kliniksituation wieder in ein selbstständiges und selbst verantwortliches Leben zurückzukehren, in dem nicht mehr alles so ist, wie es vorher war. Viele Betroffene sind nach dem Schlag dauerhaft auf so umfassende Hilfe angewiesen sind, dass nur noch eine vollstationäre Heimunterbringung in Frage kommt, sodass die Rückkehr in die eigene Häuslichkeit nicht mehr in Frage kommt.

Fazit

Das Buch verschweigt nicht die Mühen, die ein Mensch ertragen muss, wenn ihn von heute auf morgen der Schlaganfall ereilt. Michael Wendel hat Glück. Er ist in der Lage, schreibend das Erlebte zu verarbeiten. Er schafft es einen Zugang zu seinem Körper zu finden und Frieden mit diesem Schicksalsschlag zu schließen. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei sein Umfeld und die Unterstützung seiner Lebensgefährtin, die ihn intensiv begleitet. Das Buch endet mit einer Perspektive zurück ins Leben, denn Michael Wendel kann in seine gewohnte Umgebung nach Hause zurückkehren. Aber es verschweigt auch nicht, dass die Anstrengung zuhause weiter geht, denn nach wie vor ist er sehr wackelig auf den Beinen und auf die Hilfe Dritter angewiesen. Hier endet das Buch und es bleibt dem Leser überlassen, sich auszumalen, wie es weitergehen wird. Wer ein Fachbuch erwartet wird enttäuscht sein, wer sich auf das Tagebuch eines Schlaganfallpatienten einlassen kann kommt auf seine Kosten, vorausgesetzt er mag einen Schreibstil, der von schwarzem Humor eingefärbt ist.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 04.12.2013 zu: Michael Wendel: Blumenkohl mit Schlag. Leander Verlag (Jena) 2011. ISBN 978-3-9813936-4-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15688.php, Datum des Zugriffs 22.09.2017.


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