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Renate Fischer: Berufliche Identität als Dimension beruflicher Kompetenz

Cover Renate Fischer: Berufliche Identität als Dimension beruflicher Kompetenz. Entwicklungsverlauf und Einflussfaktoren in der Gesundheits- und Krankenpflege. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2013. 334 Seiten. ISBN 978-3-7639-5231-1. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR, CH: 51,90 sFr.

Reihe: Berufsbildung, Arbeit und Innovation - Dissertationen und Habilitationen - 26.
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Thema

Die Autorin beschäftigt sich mit der Frage danach, wie sich unter den aktuellen Voraussetzungen des derzeitigen Ausbildungssystems sowie der aktuellen beruflichen Praxis die berufliche Identität und das berufliche Engagement im Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin/ /des Gesundheits- und Krankenpflegers entwickeln und welche Faktoren diese Entwicklung beeinflussen. Zur Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung hat sie mehr als 500 Auszubildende, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen aus Deutschland sowie Pflegestudierende aus der Schweiz befragt. Auch Pflegende mit langjähriger Berufserfahrung wurden einbezogen.

Autorin

Dr. phil. Renate Fischer ist Diplom-Pflegepädagogin (FH). Sie ist Lehrerin an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege am Katholischen Klinikum Koblenz/Montabaur. Nebenberuflich ist sie in der Fortbildung für Lehrer*innen im Gesundheitswesen sowie als Gastwissenschaftlerin am I:BB der Universität Bremen tätig.

Entstehungshintergrund

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um die Dissertation der Autorin, welche im Jahr 2013 an der Universität Bremen eingereicht wurde.

Aufbau und Inhalt

Das Buch von Renate Fischer gliedert sich in sechs differenzierte Kapitel. Es wird ergänzt durch den verwendeten Fragebogen sowie eine Zusammenfassung der Inhaltsanalyse nach Mayring.

In der Einleitung gibt die Autorin zunächst einen allgemeinen Einblick in die Gesundheits- und Krankenpflege in Deutschland. Sie skizziert die in diesem Kontext tätigen Berufsgruppen, arbeitet erste Spezifika der Gesundheits- und Krankenpfleger*innen heraus und zeigt Zukunftsperspektiven und -bedarfe auf, die sich aus dem demographischen Wandel sowie aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben. Hieran anknüpfend führt sie in aktuelle (berufs-)politische Diskussionen zur Pflegeausbildung in Deutschland ein, charakterisiert das Tätigkeitsfeld der Pflegeberufe und benennt aktuelle Diskurse und Entwicklungen in der pflegerischen Grundausbildung. Im Anschluss nimmt sie eine Problemdarstellung vor und grenzt die Zielgruppe ihrer Untersuchung auf die zahlenmäßig stärkste Berufsgruppe in diesem Kontext – die Gesundheits- und Krankenpfleger*innen – ein.

Das zweite Kapitel widmet sich dem kategorialen Rahmen des Forschungsvorhabens. Ausgehend von dem Gedanken, dass „das Identifikationspotential eines Berufes die Entwicklung beruflicher Identität grundlegend beeinflusst“ (31), erfolgt eine differenzierte Auseinandersetzung mit bereits vorhandenen Forschungsarbeiten sowie theoretischen Überlegungen, um Einflussfaktoren auf die berufliche Engagement- und Identitätsentwicklung zu identifizieren und konkrete Fragestellungen für die Weiterarbeit an dieser Thematik zu formulieren. Hierzu arbeitet die Autorin mit den drei Kategorien Beruf – berufliche Bildung – berufliche Identität.

Im dritten Kapitel erfolgt – aufbauend auf den zuvor herausgearbeiteten theoretischen Grundlagen und empirischen Erkenntnissen – die Entfaltung der leitenden Fragestellung sowie die hiermit verbundene Formulierung weiterer, konkretisierender Fragestellungen.

  • In welchem Zusammenhang stehen berufliche Identität, berufliches bzw. betriebliches Engagement und Arbeitsmoral bei Auszubildenden und Berufstätigen in der Gesundheits- und Krankenpflege?
  • Wie hoch ist die Ausprägung von beruflicher Identität, beruflichem bzw. betrieblichem Engagement und Arbeitsmoral bei Auszubildenden und Berufstätigen in der Gesundheits- und Krankenpflege?
  • Wie verläuft die Entwicklung von beruflicher Identität, beruflichem bzw. betrieblichem Engagement und Arbeitsmoral bei Auszubildenden und Berufstätigen in der Gesundheits- und Krankenpflege?
  • Welche Faktoren beeinflussen die Entwicklung von beruflicher Identität, beruflichem bzw. betrieblichem Engagement und Arbeitsmoral vor Ausbildungsbeginn, während der Ausbildung und nach Ausbildungsabschluss?

Diese einzelnen Fragestellungen werden weiter operationalisiert und durch konkretisierende Fragestellungen (z.B. nach dem Unterschied zwischen Auszubildenden und Studierenden) ergänzt.

Das vierte Kapitel gibt einen Einblick in das methodische Vorgehen. Basierend auf den formulierten Fragestellungen erläutert und begründet die Autorin das Forschungsdesign und die hiermit verbundene Stichprobenauswahl. Um verschiedene Facetten der Fragestellungen beleuchten zu können, entschied sich die Autorin für eine Kombination aus quantitativen und qualitativen Verfahren, welche im Rahmen der Ausführungen erläutert und anhand konkreter Beispiele greifbar gemacht werden. Darüber hinaus werden die Auswertungsverfahren vorgestellt und ebenfalls beispielhaft beschrieben.

Das fünfte Kapitel umfasst die Darstellung der zentralen Untersuchungsergebnisse. Das komplexe Datenmaterial wird anhand der zeitlichen Strukturierung (vor Ausbildungsbeginn, während der Ausbildung und nach Ausbildungsabschluss) aufbereitet. Zudem findet eine vergleichende Analyse zwischen Auszubildenden und Studierenden statt.

Das sechste Kapitel stellt das Fazit dar, in welchem zunächst eine Methodenreflexion erfolgt. Hieran schließen sich Ausführungen zur Reichweite der Ergebnisse sowie sich abzeichnende Anknüpfungspunkte für weitere Forschungsarbeiten an. Abschließend formuliert die Autorin Schlussfolgerungen für die Praxis hinsichtlich der

  • Verortung der Pflegeausbildung,
  • Auswahl von Bewerber*innen für die Pflegeausbildung,
  • Gestaltung von Pflegeausbildung – sowohl in der Schule als auch in der Praxis,
  • Team- und Personalentwicklung im Anschluss an die Ausbildung.

Diskussion

Das vorliegende Buch gibt einen umfassenden Einblick in die Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpfleger*innen. Die Berücksichtigung von Auszubildenden als auch von Studierenden greift die aktuellen Diskurse zur Pflegeausbildung auf und eröffnet wichtige Anknüpfungspunkte für die weitere Auseinandersetzung.

Die Untersuchung positiver und negativer Einflussfaktoren auf das berufliche Selbstverständnis der Befragten bringt zentrale Potentiale für die Weiterentwicklung dieser Berufsgruppe hervor. Hierauf aufbauend formuliert die Autorin Vorschlägen zur Gestaltung der Pflegeausbildung und zur Entwicklung tragfähiger beruflicher Kompetenzen.

Darüber hinaus gibt die differenzierte Darstellung des methodischen Vorgehens und der Untersuchungsergebnisse einen guten Einblick in die empirische Forschung sowie in diverse Auswertungsverfahren.

Der Charakter der Forschungsarbeit erfordert von den Leser*innen die Bereitschaft, sich in die Systematik wissenschaftlicher Arbeiten einzudenken – eröffnet aber gleichzeitig die Möglichkeit eines umfassenden Einblickes sowohl in die erlangten Ergebnisse als auch in den Prozess der Datengewinnung, -auswertung und -analyse.

Fazit

Insgesamt handelt es sich bei dem Werk von Renate Fischer „Berufliche Identität als Dimension beruflicher Kompetenz. Entwicklungsverlauf und Einflussfaktoren in der Gesundheits- und Krankenpflege“ um ein interessantes und anregendes Buch – nicht nur, aber insbesondere für Gesundheits- und Krankenpfleger*innen, Pflegewissenschaftler*innen etc. Die Autorin leistet durch ihre Forschungsarbeit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Pflegeausbildung.

Es ist zu hoffen, dass die erlangten Erkenntnisse in der Konzeption und Optimierung der Ausbildungs- und Studiengänge im Pflegekontext perspektivisch berücksichtigt werden.


Rezension von
Prof. Dr. phil. Verena Klomann
Dipl. Sozialpädagogin/M.A. Social Services Administration/Supervisorin und Coaching (DGSv)
Professur für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit an der KatHO NRW, Abteilung Aachen
Homepage www.katho-nrw.de/aachen/studium-lehre/lehrende/haup ...
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Zitiervorschlag
Verena Klomann. Rezension vom 20.01.2015 zu: Renate Fischer: Berufliche Identität als Dimension beruflicher Kompetenz. Entwicklungsverlauf und Einflussfaktoren in der Gesundheits- und Krankenpflege. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2013. ISBN 978-3-7639-5231-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15698.php, Datum des Zugriffs 24.09.2020.


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