Marcus Damm: Persönlichkeitsstörungen verstehen in der Schule [...]
Rezensiert von Michael Lehmann-Pape, 09.01.2014
Marcus Damm: Persönlichkeitsstörungen verstehen in der Schule, Schulsozialarbeit und Jugendhilfe.
ibidem-Verlag
(Hannover) 2013.
134 Seiten.
ISBN 978-3-8382-0540-3.
D: 19,90 EUR,
A: 20,50 EUR,
CH: 28,50 sFr.
Reihe: Schemapädagogik kompakt - 13.
Thema
Aus seiner Praxiserfahrung als Lehrer und Fortbilder für Lehrer/innen und damit auch aus seinen vielfältigen Erfahrungen mit Jugendlichen mit „herausfordernden Persönlichkeitsstörungen“, wie Marcus Damm es benennt, heraus, wendet sich Damm dem Verständnis und der Arbeit mit solchen auffälligen Jugendlichen in Schule, Sozialarbeit und Jugendhilfe mit diesem Praxisbuch aus schemapädagogischer Sicht zu.
Thematisiert werden im Buch Methoden und Interventionen „zum Umgang mit Jugendlichen, die herausfordernde Persönlichkeitsstile offenbaren“.
Im Konkreten benennt Damm „antisoziale, selbstschädigende, passiv-aggressive, zwanghafte Teenager und Borderline-Strukturen“.
Sich den psychischen Auffälligkeiten und Störungen konstruktiv zuwenden zu können, ist das zentrale Anliegen dieser methodischen Hilfestellung und grundlegenden Einführung in das schemapädagogische Arbeiten.
Autor
Dr. Marcus Dammunterrichtet als Lehrer an der Berufsbildenden Schule für Hauswirtschaft/Sozialpädagogik in Ludwigshafen die Fächer Pädagogik, Psychologie und Ethik und arbeitet ebenso in der Lehrerfortbildung. Die Konzeption, Ausarbeitung und Übertragung der Schematherapie auf den schulischen/jugendlichen Bereich ist sein Arbeitsschwerpunkt.
Aufbau und Inhalt
Zunächst führt Damm in die theoretischen Grundlagen der Schemapädagogik und des Persönlichkeitsstörungskonzepts ein (wobei Damm kritisch den „Mangel an Kenntnis über dieses Konzept im Praxisfeld Erziehung“ betont).
Einordnung von Persönlichkeitsstilen, methodisches Vorgehen in Hinsicht auf schemapädagogische Interventionen und Methoden (Diagnostik, Einordnung in Schemata, Modusmodell, Beziehungsgestaltung, Umgang mit Psychospielen und Manipulationstechniken sowie die Erläuterung der Problemklärungsphase und des Transfers) werden sehr komprimiert (teils in Tabellenform) vor Augen geführt, bevor im Hauptteil der Handreichung, strukturiert nach den benannten „herausfordernden Persönlichkeitsstilen“ ebenso komprimiert, aber überaus übersichtlich, vielfache praktische Arbeitshilfen und -Anleitungen folgen.
Diese sind logisch aufeinander aufgebaut und bilden je die Arbeit mit den entsprechenden Persönlichkeitsstilen Schritt für Schritt von der Diagnostik bis zum Transfer des Erlernten ab.
Das abschließende Literaturverzeichnis verweist zunächst im engeren Bereich auf die eigenen Werke und die für Damm zentrale Literatur (hier mit kurzen Inhaltsangaben versehen) hin, bevor ausführlich weitestgehend die gesamte zur Verfügung stehende Literatur zur Schematherapie aufgeführt wird.
Zu erwähnen ist, dass mit der Buch weitere Online-Materialien in breiter Form einhergehen.
Arbeitsmaterial, Grundlagen zur Schemapädagogik und Informationen zur Ausbildung sind in drei „Ordnern“ zu finden.
Diskussion
Für im Bereich Arbeitende mit Vorkenntnissen zum schematherapeutischen Ansatz und mit Erfahrungen im schemapädagogischen Arbeiten (hier vor allem im sensiblen Bereich der Diagnostik) bietet das Arbeitsheft umgehend nutzbare Materialen, Formulare, „Spiele“, strukturiert aufeinander aufbauende methodische Schritte und Interventionshilfen, mit denen der erfahrene Leser die eigene Arbeit durchaus erleichtern und vertiefen kann.
Die Kompression der Inhalte allerdings (auch wenn sich Damm je eine Seite Raum nimmt zur Beschreibung des konkreten „herausfordernden Stils (oder Schemas)“) ist für „Einsteiger“ in das schemapädagogische Denken, in eine Diagnostik von Stilen und eine herausfordernde Arbeit mit „Psychospielen“ und „Modus-Bearbeitungen“ doch auch problematisch.
Einerseits bietet Damm genügend Grundlageninformationen, um das Gefühl zu vermitteln, das Konzept einigermaßen verstanden zu haben, andererseits (und er betont ja selber ausdrücklich den Mangel an Kenntnis des Konzeptes) bedürfte es zunächst einer grundlegenderen Beschäftigung mit der schemapädagogischen Arbeit, die in einer solch komprimierten Lektüre sich nicht genügend sicher verankern kann.
Fazit
Unter der Voraussetzung einer Kenntnis und vorliegender Erfahrungen in der schematherapeutischen Arbeit bietet auch diese Arbeitshilfe von Marcus DammMethoden und Instrumente „aus der Praxis für die Praxis“, mit denen umgehend und übersichtlich gearbeitet werden kann. Ebenso bietet die komprimierte Darstellung Anreize, sich für den Ansatz zu interessieren und motiviert tiefer sich einzuarbeiten.
Ohne Vorkenntnisse und ein gewisses Maß an Erfahrung fehlt zunächst allerdings die für die Arbeit mit dem Konzept notwendige „innere Haltung“ des Beratenden, die Schritt für Schritt einhergehend mit einem Erproben der Arbeitsmaterialien und einer anderweitigen Vertiefung der eigenen Kompetenz zunächst erworben werden sollte.
Rezension von
Michael Lehmann-Pape
Pfarrer
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