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Henrike Friedrichs (Hrsg.): Jugendmedienschutz in Deutschland

Cover Henrike Friedrichs (Hrsg.): Jugendmedienschutz in Deutschland. Springer VS (Wiesbaden) 2013. 372 Seiten. ISBN 978-3-531-17206-4. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.

Reihe: Medienbildung und Gesellschaft - Band 22.
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Thema

Der Sammelband beleuchtet den Gegenstand des Jugendmedienschutzes aus verschiedenen Perspektiven. Neben einer ausführlichen Beschreibung der rechtlichen und institutionellen Grundlagen beschreibt er, nach welchen Kriterien Gefährdungspotentiale von Medien bestimmt werden können. Zahlreiche Beispiele aus der Praxis veranschaulichen die verschiedenen Facetten des Jugendmedienschutzes in Deutschland.

Herausgeberschaft

Prof. Dr. Uwe Sander ist Professor an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld. Dr. Thorsten Junge ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung der FernUniversität Hagen. Dipl.Päd. Henrike Friedrichs ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld.

Aufbau

Der Inhalt des Sammelbandes gliedert sich in sechs Abschnitte:

  1. Historischer Rückblick
  2. Grundlagen des Jugendmedienschutzes
  3. Beispiele aus der Praxis
  4. Die erzieherische Perspektive des Jugendmedienschutzes
  5. Diskurse zum Gefahrenpotential von Medien
  6. Status Quo und Ausblick auf künftige Anforderungen

Inhalt

In einem historischen Rückblick (Abschnitt A) werden einleitend die Anfänge des Jugendmedienschutzes beschrieben. Verena Weigand rekonstruiert dessen Ursprünge bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts und Dieter Wiedemann geht auf die partikuläre Situation in der DDR ein. Mit seinem Beitrag „Jugendmedienschutz in der Bundesrepublik Deutschland (ab 1949)“ führt Thorsten Junge in die aktuelle Situation des beginnenden 21. Jahrhunderts.

Im zweiten Teil werden die Grundlagen des Jugendmedienschutzes erläutert (Abschnitt B). In diesem Abschnitt geht Stephan Dreyer dezidiert auf die rechtlichen Grundlagen ein. Thorsten Junge und Patrycja Psyk beschreiben das System der regulierten Selbstregulierung. Auf die verschiedenen Formen der Medienkontrolle im Kontext des Jugendmedienschutzes wird abschließend im Beitrag von Henrike Friedrichs eingegangen.

Um transparent zu machen, wie der rechtliche Jugendmedienschutz in konkreten Verfahren umgesetzt wird, gibt der ausführliche Abschnitt C des vorliegenden Sammelbandes Einblicke in die Arbeit und Spruchpraxis der verschiedenen Instanzen der Selbstkontrollen im Medienbereich. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) verbindet Selbstkontrolle mit staatlicher Aufsicht. In seinem Beitrag erläutert Folker Hönge deren Prüfkriterien und zeigt anhand eines Fallbeispiels die Prüfpraxis auf. Am Beispiel der Sendung „Super Nanny“ erläutert Joachim von Gottberg die Praxis der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Lidia Grashof und Jürgen Hilse beschreiben das konkrete Prüfverfahren des Kinder- und Jugendschutzes für Computer- und Videospiele. Die Freiwillige Selbstkontrollen Multimedia-Dienstanbieter (FSM e.V.) ist die älteste unter den für Telemedien zuständigen Selbstkontrollen. In ihrem Beitrag geben Katja Lange und Martin Drechsler einen Einblick in die Funktionsweise des Jugendmedienschutzes für Online-Medien. Auf das Indizierungsverfahren der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) wird im Beitrag von Corinna Bochmann eingegangen. Zuständig für die Jugendschutzaufsicht im privaten Rundfunk und in den Telemedien ist seit dem Jahr 2003 die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM). Sonja Schwendner erläutert die Prüfpraxis der KJM anhand verschiedener Praxisbeispielen. Das Tätigkeitsfeld von jugendschutz.net ist Thema im Beitrag von Thomas Günter. Wie ein proaktiver Jugendschutz gestaltet werden kann, erklären Caroline Cyris, Franziska Kroll sowie Tilmann Gräter. Abgerundet wird das Kapitel der Selbstkontrollen mit einem Beitrag über Jugendmedienschutz bei Google (Arnd Haller) sowie bei MTV (Heike Leidiger). Bei allen Autor/-innen dieses Kapitels handelt es sich um Vertreter/-innen der einzelnen Einrichtungen. Damit werden die Perspektiven von Praktiker/-innen zum Thema Jugendmedienschutz sowie konkrete Fallbeispiele in den Fachdiskurs eingespeist.

Der vierte Teil (Abschnitt D) befasst sich mit der erzieherischen Perspektive des Jugendmedienschutzes. Mit dessen Zusammenspiel mit den (Medien-)Sozialisationsinstanzen befasst sich Henrike Friedrichs. Beispiele aus medienpädagogischen Initiativen und Projekten geben dem Kapitel einen fundierten Praxisbezug (Henrike Friedrichs und Friederike von Gross).

Der Jugendmedienschutz geht von der impliziten Annahme aus, dass Medien ein Gefahrenpotential enthalten können. Der fünfte Teil (Abschnitt E) enthält empirische Untersuchungen, welche sich mit möglichen Risiken von medialer Kommunikation befassen. Der Forschungsstand zu den Wirkungen von Mediengewalt wird einleitend von Michael Kunczik und Astrid Zipfel aufgearbeitet. Gerd Hallenberger geht auf spezifische Probleme wie beispielsweise Casting-Shows ein, mit denen sich der Jugendmedienschutz in jüngerer Zeit beschäftigt. Mit dem Zusammenhang von Gewalt an Bildschirmspielen und aggressivem Verhalten beschäftigen sich Ingrid Möller und Barbara Krahé aus empirischer Perspektive. Mit Gefährdungspotentialen speziell im Internet befasst sich Petra Grimm. Abschließend werden Praktiken und Risiken im Social Web beschrieben (Jan-Hinrik Schmidt). Der Jugendmedienschutz befasst sich naturgemäß mit der Frage, ob, wann und welche Medien(-inhalte) Gefährdungspotentiale beinhalten. In diesem Kapitel wird jedoch keineswegs das Bild vermittelt, wonach die Mediennutzung von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen nur in einer Problem- und Gefährdungsperspektive gesehen werden soll.

Eine Darstellung des Status Quo und ein Ausblick auf künftige Anforderungen runden den Sammelband ab (Abschnitt F). Davon ausgehend, dass gesetzliche Altersbeschränkungen im Internet nicht durchsetzbar sind, zeigt Joachim von Gottberg mögliche Alternativen auf. Antworten auf die Frage, inwiefern das Internet mit Jugendschutzprogrammen und Altersselbstklassifizierung „in den Griff zu bekommen ist“, geben Achim Hackenberg und Daniel Hajok. Ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Jugendmedienschutzes liefert Martin Geisler. Das Thema „Kinder, Jugendliche und Werbung“ wird im Beitrag von Julia Busse aufgegriffen. Seit 2001 zeichnet der Dieter Baacke Preis herausragende Projekte von Kindern, Jugendlichen und Familien zur Förderung von Medienkompetenz aus. Renate Röllecke hebt in ihrem Beitrag besonders gelungene Projekte hervor. Damit schließt der Sammelband mit einem Ausblick auf die Zukunft des Jugendmedienschutzes, mit seinen Herausforderungen, aber auch mit dessen kreativen Umsetzungsmöglichkeiten.

Diskussion

Die Autorenschaft geht von der Auffassung aus, dass mit einer rechtlichen Regulierung des Medienangebotes allein der gesellschaftliche Gesamtbereich medialer Kommunikation heute nicht mehr gestaltet werden kann. Vor diesem Hintergrund gewinnen Konzepte von Medienkompetenz und -bildung immer stärker an Bedeutung, sollen sie doch dazu beitragen, dass in einer kaum mehr in Gänze regulierbaren Medienwelt die medienrezipierenden und kommunizierenden Individuen ihr Medienhandeln autonom und verantwortungsvoll gestalten können. Der Band beinhaltet eine Sammlung an Beiträgen aus Wissenschaft und Praxis, welche die verschiedenen Facetten aufzeigen. Dabei wird keine Priorisierung oder Gewichtung der verschiedenen Konzepte vorgenommen. Vielmehr wird der Akzent auf die Prämisse gelegt, wonach der Jugendmedienschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, bei der pädagogische Anforderungen ebenso zu berücksichtigen sind wie rechtliche sowie technische Rahmenbedingungen.

Fazit

Der umfangreiche Sammelband beinhaltet die Beiträge namhafter Expertinnen und Experten, die zu den verschiedenen Teilaspekten des Jugendmedienschutzes Stellung nehmen. Mit einer umfassenden systematischen Darstellung bietet er Fachpersonen aus Wissenschaft und Praxis eine wertvolle Orientierungshilfe in einem zunehmend an Komplexität gewinnenden Feld.


Rezension von
Dr. Suzanne Lischer
Dozentin und Projektleiterin Hochschule Luzern
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Zitiervorschlag
Suzanne Lischer. Rezension vom 23.01.2014 zu: Henrike Friedrichs (Hrsg.): Jugendmedienschutz in Deutschland. Springer VS (Wiesbaden) 2013. ISBN 978-3-531-17206-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15747.php, Datum des Zugriffs 31.05.2020.


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ISSN 2190-9245

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