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Andreas Cieslik-Eichert: Kreative Methoden für die Praxis

Rezensiert von Prof. Dr. Günther Wüsten, 05.06.2014

Cover Andreas Cieslik-Eichert: Kreative Methoden für die Praxis ISBN 978-342-74095-0-2

Andreas Cieslik-Eichert: Kreative Methoden für die Praxis. Arbeitsbuch für sozial- und heilpädagogische Berufe Arbeitsbuch. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2013. 134 Seiten. ISBN 978-342-74095-0-2. D: 18,45 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 25,90 sFr.
Reihe: Ausbildung und Studium.

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Thema

Kreativität ist ein hochgeschätzter Wert in der psychosozialen Praxis in der Arbeit mit Menschen in pädagogischen, therapeutischen und sozialen Settings. Kreativität ist häufig auch ein persönlicher Wert: Wer möchte nicht gerne kreativ sein oder als kreativ angesehen werden?

Kreative Lösungen sind der Schlüssel zu vielen Problemen und eine quasi generelle Kompetenz. Doch wer hat sie? Wie kann man sie erwerben oder erlernen? Oder ist Kreativität gar ein Persönlichkeitsmerkmal? Kreative Methoden für die Praxis eröffnet ein weites Feld. In wiso-net finden sich über 15.000 Publikationen mit dem Wort kreativ im Titel, in Psyndex finden sich immer noch 1.000 Titel mit dem Wort kreativ. Der Kontext macht den Unterschied.

Was ist eigentlich Kreativität? Gelegentlich wird Kreativität als die Geburtsstunde neuer Ideen und neuartiger Gestaltungselemente angesehen. Diese Variante des Begriffsverständnisses spannt eher eine enge Perspektive auf, denn kreativ kann auch sein, wenn schon Bekanntes in einem neuen Licht mit anderen Akzenten gesehen wird. Eine ebenso einfache wie pragmatische Definition versteht Kreativität als die Neukombination von Wissen, wie beispielsweise bei von Backerra (2007) beschrieben. Kreativität kann somit nicht einer Berufsgruppe, z.B. den Künstlerinnen oder Künstlern, zugeordnet werden, sondern sich in allen Berufsbereichen und in allen Lebenswelten ereignen: Zu Hause in der Erziehung von Kindern, in der Wirtschaft, in den Naturwissenschaften und in den künstlerischen Berufen. Die Aufzählung ist rein exemplarisch und keinesfalls abschliessend.

Das Wort kreativ geht auf das lateinische Wort creare zurück was bedeutet; neu schöpfen, erzeugen, herstellen oder auswählen. Des Weiteren besteht ein Zusammenhang mit dem Wort crescere, welches geschehen lassen oder wachsen bedeutet. Damit zusammenhängend beschreibt Csikszentmyhalyi (2007) kreative Prozesse als Ereignisse zwischen Anforderung und Entspannung sowie Können. Wie also Kreativität und kreative Prozesse verstanden werden können, ist eine weitreichende Diskussion. Wer zu dieser sehr interessanten Diskussion Material im Buch sucht, wird angeleitet, sich gleich selbst ein paar Antworten auf diese spannenden Fragen zu geben.

Autor und Entstehungshintergrund

Andreas Cieslik-Eichert ist Autor verschiedener Bücher im Themenfeld kreativer Methoden. Bisher erschienen sind von ihm: Kreatives Handeln in Fachschulen für Sozialpädagogik (2005), Basiswissen, Kunst und Kreativität (2011), Lernfeld Kunst (2010) und das jetzt erschienene Buch Kreative Methoden für die Praxis.

Aufbau und Inhalt

Nach einer kurzen Einführung werden die Lesenden mit den Themen Kunst, Farben, Symbole, Formen und Räume vertraut gemacht. Es werden viele Fragen aufgeworfen und viele Anregungen zu Arbeitsinhalten gegeben.

In Kapitel zwei werden in einer Kurzzusammenfassung die Inhalte der Konzepte von Friedemann Schulz von Thun und von Paul Watzlawick wiedergegeben, anhand derer einige Aspekte der Kommunikation dargestellt werden.

Das Kapitel „Bilder suchen“ beinhaltet die Beschreibung verschiedener Maltechniken von der Aquarell-Malerei bis hin zu Graffiti.

Anschliessend wird in das Herstellen und Betrachten dreidimensionaler Objekte eingeführt. Die Arbeitsmaterialien sind Ton oder Pappmaschee, Gips oder Metall. Lesende können erfahren, wie man kleine Tuckerboote baut.

Kapitel fünf beschreibt Möglichkeiten, sich mit Architektur auseinander zu setzen. Dabei geht es um Fotografie und das Beschreiben von Architektur. Anhand eines Planspiels wird die Aufgabe, ein Modell für ein Architekturobjekt zu bauen, beschrieben und wie damit gearbeitet werden könnte.

In Kapitel sechs erfahren Lesende, wie man Videos gestalten könnte, sie werden mit den Themen Fotografie sowie Wirkung und Gestaltung von Printmedien in Berührung gebracht. Auch dieses Kapitel enthält vielfältige Arbeitsvorschläge. Es endet mit einer Beschreibung zum Erstellen von Powerpointfolien.

Im letzten Kapitel werden unter dem Stichwort Dekoration Anleitungen zum Papierschöpfen oder zum Herstellen von Taschen, Kerzen und dem Arbeiten mit Perlen gegeben.

Fazit

Kreative Methoden für die Praxis. Der Titel lässt vieles offen. Die Zielgruppen des Buches sind Studierende an Fachhochschulen, in der Sozialen Arbeit oder in heilpädagogischen Arbeitsfeldern. Es bleibt etwas vage, für wen dieses Buch genau gedacht wurde, an welche Praxis es sich wendet. Der Begriff der Kreativität wird – wie schon erwähnt – vielfältig verwendet. Es bestehen viele unterschiedliche Begriffsauffassungen, und in der Regel ergibt sich die nähere Bedeutung aus dem Kontext. Dieser wird hier mit Praxis beschrieben. Das ist ebenfalls ein sehr weiter Begriff, weil nicht präzisiert wird, um welche Praxis es sich handelt. Geht es beispielsweise um die frühkindliche Schulförderung oder um psychosoziale Beratung oder um stationäre Jugendhilfe oder um ergotherapeutische Unterstützung? Da die Praxis nicht weiterausgeführt wird, können sich die Lesenden selbst überlegen, ob die Vorschläge für ihre Praxis relevant sein könnten.

Einige Buchkapitel überraschen, wie z.B. „Dekoratives Gestalten“. Manches erscheint sich in der Nähe des klassischen Werkunterrichts anzusiedeln. Interessante Themen wie z.B. Selbstdarstellung und Ausdruck werden aufgeworfen, doch werden die Lesenden schnell auf sich zurückgeworfen und angeleitet, zu diesen Themen selbst zu denken.

Insgesamt erhält man ein reichhaltiges Methodenbuch, fast könnte man sagen „Kochbuch“ für kreatives Arbeiten unterschiedlichster Art. Inhalte sind Auseinandersetzungen mit Malerei, Plastiken und dreidimensionalen Arbeiten, das Wahrnehmen von Räumen sowie der Umgang mit Medien und das Gestalten von Videoarbeiten. Lesende, die reichhaltige Anwendungen kreativer Techniken suchen, werden in diesem Buch das eine oder andere finden. Wer sich konzeptuell oder theoriebasiert mit dem Thema Kreativität auseinandersetzen will, wird zu vielfältigen Arbeiten eingeladen. Manches ist etwas ungenau dargestellt, wenn z.B. ein Kapitel mit Naturräumen überschrieben wird und im Wesentlichen Gartengestaltung enthält. Eine klarere Struktur, in welcher beispielsweise zu Beginn der Kapitel die Lernziele, Methoden und mögliche Schwierigkeiten der Bearbeitung sowie die Zielgruppen beschrieben werden, hätte den praktischen Wert des Buches erhöht. Eine Kurzdarstellung des Autors könnte die Lesenden mit dem Verfasser des Buches vertrauter machen.

Der Wert der Inhalte ergibt sich aus der Vielfalt der Themen als auch aus der Konkretheit der Vorschläge. Sehr anschaulich sind die vielen enthaltenen Bilder, Grafiken und Darstellungen, welche die Kapitel begleiten.

Rezension von
Prof. Dr. Günther Wüsten

Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, Diplom Sozialpädagoge FH

Prof. am Institut für Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Tätigkeitsfelder: Methoden und Konzepte der Psychosozialen Beratung, ressourcenorientierte Beratung in psychosozialen Arbeitsfeldern, ressourcenorientierte und soziokulturelle Verfahren in der Psychosozialen Praxis, Selbstmanagement


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Es gibt 7 Rezensionen von Günther Wüsten.

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Zitiervorschlag
Günther Wüsten. Rezension vom 05.06.2014 zu: Andreas Cieslik-Eichert: Kreative Methoden für die Praxis. Arbeitsbuch für sozial- und heilpädagogische Berufe Arbeitsbuch. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2013. ISBN 978-342-74095-0-2. Reihe: Ausbildung und Studium. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15748.php, Datum des Zugriffs 31.01.2023.


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