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Beat Uebelhart, Peter Zängl (Hrsg.): Praxisbuch zum Social-Impact-Modell

Cover Beat Uebelhart, Peter Zängl (Hrsg.): Praxisbuch zum Social-Impact-Modell. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2013. 371 Seiten. ISBN 978-3-8487-0089-9. D: 49,00 EUR, A: 50,40 EUR, CH: 69,90 sFr.

Reihe: Edition Sozialwirtschaft - Band 36.
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Thema

Seit Mitte der 1970er Jahre wird verstärkt über die Grenzen des Sozialstaates diskutiert. Grundlegend neue Formen staatlicher Sozialtransfers werden diskutiert, wie z. B. Modelle einer negativen Einkommensteuer, eines Bürgergeldes oder eines garantierten Grundeinkommens. Soziale, ökonomische, demographische und politische Entwicklungen führen zu Grenzen der Finanzierung und in eine Krise des Sozialstaats. Oft entsteht der Eindruck, es ginge in der Hauptsache nur um Einsparungen, um Vermeidung von Missbrauch und um die Sanierung öffentlicher Haushalte. Über Wirkungen, Nutzen, Verteilungsgerechtigkeit wird zurzeit vermehrt im Rahmen des Social Return on Investment oder der Social Impact Bonds diskutiert. Letztere sind Anleihen, mit denen soziale Projekte finanziert werden. Investoren geben Geld für einen wohltätigen Zweck und hoffen, dass die Investition langfristig eine Rendite abwirft. Die Wirkungsmessung ist dabei von zentraler Bedeutung. Die Autoren haben ein Handlungs- und Analysemodell (Social-Impact-Modell) entwickelt, das zur Lösung sozialer bzw. gesellschaftlicher Probleme dienen soll.

Herausgeber

Prof. Dr. Peter Zängl ist Diplom Verwaltungswirt und Diplom Sozialwissenschaftler und lehrt seit 2010 im Bereich Sozialmanagement an der Fachhochschule Nordwestschweiz und forscht über die Gestaltung von professionellem Handeln in organisationalen Kontexten. Zudem berät er öffentliche und private Institutionen insbesondere im Sozialwesen.

Prof. Beat Uebelhart ist seit 2001 ebenfalls an der Fachhochschule Nordwestschweiz in den Bereichen Forschung, Beratung, Bachelor-und Masterausbildung und Weiterbildung tätig und verantwortet dort den Themenschwerpunkt Social-Impact-Modell und Sozialmanagement. Darüber hinaus ist er als Coach und Organisationsberater für Public- und Nonprofit-Organisationen tätig.

Aufbau und Inhalt

Das hier rezensierte „Praxisbuch zum Social-Impact-Modell“ von den Herausgebern Beat Uebelhart und Peter Zängl ist im Nomos Verlag erschienen. Dieses Praxisbuch ist ein Folgeband des Buches „Management und Systementwicklung in der Sozialen Arbeit“ von Fritze, Maelicke und Uebelhart, in dem das Social-Impact-Modell (SIM) beschrieben wurde.

Dieses Buch ist als „Methodenbuch“ (S. 9) ein Sammelband mit Beiträgen von 14 Autoren und Autorinnen und ist in fünf Teile gegliedert.

Im ersten Teil, dem sogenannten Theorieteil, wird das SIM-Konzept von den beiden Herausgebern vorgestellt, dass an der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelt wurde. Neben dieser Einleitung befinden sich im Theorieteil vier Texte zu Transdisziplinarität (W. R. Wendt), Partizipation (E. Odermatt), Werteorientierung (B. Uebelhart, P. Zängl) und Wirkungsorientierung (E. Baumgartner), die mal als Grundsätze, mal als Gütekriterien des Social-Impact-Modells bezeichnet werden.

Im zweiten Teil des Buches sind zwei „Querschnittsthemen“ beschrieben, um eine disziplinäre Zuordnung des Social-Impact-Modells zu den Theorien der Sozialen Arbeit zu ermöglichen. Regula Dällenbach schreibt hier zu Handlungskonzepten, Methoden, Instrumenten und Verfahren der Sozialen Arbeit zur wirkungsorientierten Systementwicklung und Christoph Minnig ergänzt dies um eine Organisationsdiskussion.

Im dritten und Haupt-Teil des Buches finden sich Methoden, Techniken und Tools, die den vier Phasen:

  1. Problemkonstruktion,
  2. Lösungskonstruktion,
  3. Umsetzung und
  4. Wirkungsevaluation

des Social-Impact-Modells zugeordnet wurden. Im Schlussteil wird von Jeremias Amstutz ein Verfahrensvorschlag gemacht, wie der Transformationsprozess vom gesammelten Wissen zu konkretem Handeln wird. Zudem ziehen die Herausgeber ein Fazit und enden mit einem Ausblick. Ein 60-seitiger Anhang mit Kopiervorlagen (auch im Internet unter www.social-impact-modell.ch) und eine Kurzvorstellung der Autoren und Autorinnen beenden das 372-seitige Werk.

Diskussion

Die Herausgeber Beat Uebelhart und Peter Zängl beabsichtigen mit diesem „Praxisbuch zum Social-Impact-Modell“ den Schritt von der Theorieentwicklung zur praktischen Umsetzung zu gehen. Es spricht für sie, dass sie sich der Unzulänglichkeiten dieses Vorhabens bewusst sind (S. 301), zumal sie von diesem Modell nichts weniger erwarten, als ein multiperspektivisches, interdisziplinäres, beteiligungs-, wirkungs- und wertorientiertes Gegenmodell zum ökonomischen Primat. Das Social-Impact-Modell soll als Analyse- und Handlungsmodell zur Lösung sozialer bzw. gesellschaftlicher Probleme dienen und Instrumente und Methoden für ein strukturiertes Vorgehen bei der Maßnahmenentwicklung zur Bereitstellung sozialer Hilfen bieten. Darüber hinaus erheben die Autoren mit diesem Modell auch den Anspruch „zur Mitgestaltung gesellschaftlicher Modellierung“ (S. 18). Die Formulierung eines so hohen Anspruchs direkt zu Beginn legt die Messlatte zur Bewertung dieses Buches sehr hoch.

Im Theorieteil wird das Konzept des Social-Impact-Modells beschrieben. Das Gesellschaftsverständnis im Social-Impact-Modell beruht auf der strukturfunktionalistischen Theorie Talcott Parsons und seiner Erweiterung durch Michael Opielka. Das Verständnis von Gesellschaft beschränkt sich auf vier Subsysteme von Wirtschaft, Politik, Gemeinschaft und Legitimation. Hier werden die o.g. Unzulänglichkeiten deutlich, denn das Modell baut auf diesen vier Subsystemen auf, und bemüht sich damit, die Komplexität einer funktional ausdifferenzierten Gesellschaft zu reduzieren. Die Reduktion auf diese vier Subsysteme dient einem einfacheren Transfer in die Praxis, wie anhand verschiedener Instrumente und den Kopiervorlagen deutlich wird.

Die aus diesen vier Subsystemen resultierenden vier Logiken (Innovations-, Bewertung-, Anwendungs- und Mandatierungslogik) werden ebenfalls durch vier Arbeitsgrundsätze der Interdisziplinarität (wird je nach Autor*in auch als Trans- oder Multiperspektivität bezeichnet), der Partizipation, des Wertebezuges und der Wirkungsorientierung ergänzt, um ein planbares und nachvollziehbares Verfahren zu etablieren.

Dieses Vorgehen ist einerseits pragmatisch nachvollziehbar, da diese Gliederung es ermöglicht, eine Art Landkarte zur Reduktion von Komplexität zu zeichnen. Andererseits wirken dadurch einige Modelle eher unterkomplex und widersprechen sich stellenweise mit den gelungenen Ausführungen von Wolf Rainer Wendt zur Transdisziplinarität, der ja gerade die Weite der Erfassung und Analyse von Bedingungen und Möglichkeiten der Problemlösung als ein Kriterium transdisziplinären Vorgehens beschreibt.

Wie häufig bei Herausgeberbänden wären einheitliche Termini, Vermeidung von Redundanzen und durchgehend qualitativ adäquate Abbildungen (vgl. 41, 59, 272) wünschenswert gewesen. Der oben formulierte Anspruch an das Modell in Verbindung mit der Herausforderung komplexe Probleme in steuer- und anwendbare Matrizen zu überführen, wurde an vielen Stellen zu Gunsten einer pragmatischen Anwendbarkeit entschieden.

Fazit

Das Praxisbuch zum Social-Impact-Modell überzeugt als Methodenbuch. Die Methoden, Techniken und Tools liefern Anregungen für die Praxis. Die auch im Internet vorhandenen Kopiervorlagen ermuntern zur und erleichtern die Anwendung. Der Theorieteil überzeugt teilweise. Ein multiperspektivisches, interdisziplinäres, beteiligungs-, wirkungs- und wertorientiertes Gegenmodell zum ökonomischen Primat zu erstellen, verlangt einen Umfang an Reduktion von Komplexität, der in Trivialität enden könnte. Den Autoren ist es jedoch gelungen, eine überschaubare Abfolge von Ereignissen zu beschreiben, um von dem Ausgangspunkt der Identifikation eines sozialen Problems über die Lösungskonstruktion und Umsetzung bis hin zur Evaluation eine Landkarte zu zeichnen, die in der Praxis als Orientierungshilfe im unübersichtlichen Terrain dienen kann.


Rezensent
Prof. Dr. Martin Klein
Homepage www.katho-nrw.de
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Zitiervorschlag
Martin Klein. Rezension vom 10.10.2014 zu: Beat Uebelhart, Peter Zängl (Hrsg.): Praxisbuch zum Social-Impact-Modell. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2013. ISBN 978-3-8487-0089-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15769.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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