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MOZAIK gGmbH (Hrsg.): Bildungsintegration mit Migrantenorganisationen

Rezensiert von Dipl.-Hdl. Dr. phil. Klaus Halfpap, 28.11.2013

Cover  MOZAIK gGmbH (Hrsg.): Bildungsintegration mit Migrantenorganisationen ISBN 978-3-7639-5164-2

MOZAIK gGmbH (Hrsg.): Bildungsintegration mit Migrantenorganisationen. Die Anwendung der (Inter-)Cultural Mainstreaming-Strategie für lokale Netzwerke. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2013. 120 Seiten. ISBN 978-3-7639-5164-2. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Thema

16 Millionen Menschen haben in Deutschland einen Migrationshintergrund. Besonders die jungen von ihnen haben Probleme beim Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung und/oder Arbeitstätigkeit. Von 2009 bis 2012 wurde bundesweit ein Projekt zur Verbesserung der Bildungsintegration durch interkulturelle Kooperation durchgeführt, bei dem Migrantenorganisationen als Akteure der beruflichen Integration von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund tätig sind. Darüber wird in diesem Buch berichtet mit Handlungsempfehlungen für die Praxis aufgrund der gewonnenen Erfahrungen.

Herausgeber

ist die MOZAIK gGmbH, d. h. die gemeinnützige Gesellschaft für Interkulturelle Bildungs- und Beratungsangebote mbH in Bielefeld, gegründet „2003 durch Akademiker mit Migrationshintergrund“ (S. 113). Bei der Herausgerangabe werden namentlich aufgeführt deren geschäftsführender Gesellschafter Dipl.-Ing. Cemalettin Özer sowie Annalena Böhmer.

Entstehungshintergrund

In die erwähnten Erfahrungen sind mit Sicherheit auch Erkenntnisse aus anderen Projekten und Aktivitäten des Herausgebers eingeflossen, von denen acht aus den Jahren 2002 bis 2014 genannt werden (113 f.). Grundlage des hier thematisierten Projektes der Förderinitiative „Regionales Übergangsmanagement“ – durchgeführt an 16 Standorten in Schleswig-Holstein, Sachsen, Hessen und Saarland – war die Kooperation mit Migrantenorganisationen, von denen es bundesweit über 16000 gibt (7).

Aufbau

Das Buch ist nach einem Vorwort (7 f.) in sechs Kapitel gegliedert:

  1. Einleitung (9 ff.)
  2. (Inter-)Cultural Mainstreaming in lokalen Bildungsnetzwerken (14 ff.)
  3. Migrantenorganisationen als Kooperatiospartner in Bildungsnetzwerken – Ein Leitfaden zur Einbindung von Migrantenvertretern (34 ff.)
  4. Verbesserung der Bildungsingegration durch interkulturelle Netzwerke von und mit Migrantenorganisationen – Handlungsempfehlungen (80 ff.)
  5. Arbeitshilfen – Checklisten und Vordrucke (83 ff.)
  6. Daten und Fakten zu Bildungsbeauftragten im Begleitprojekt „Mit MigrantInnen für MigrantInnen“ im Zeitraum Januar 2010 bis Oktober 2012 (110 ff.)

Danach folgen Angaben über den Herausgeber (113 ff.) und ein Literaturverzeichnis (116 ff.). Bei den Abschnitten der untergliederten Kapitel 2 und 3 werden Tipps bzw. Links zum Weiterlesen gegeben. Ein Sachregister fehlt.

Inhalt

„Die vorliegende Publikation möchte im Sinne eines Leitfadens zeigen, wie sich mehr Chancengleichheit/Chancengerechtigkeit für Migrant/-innen mithilfe von (Inter-)Cultural Mainstreaming in kommunalen/regionalen Netzwerken umsetzen lässt“ (12).

Im 2. Kapitel wird dieses Konzept erläutert. Entsprechend der Definition des BMBF (2009) ist dieses Prinzip (auch Ethnik Mainstreaming genannt) „analog zum Prinzip des Gender Mainstreaming als Teil eines umfassenden Diversity Managements zu verstehe, also als Teil einer Strategie, die Vielfalt nicht als Problem, sondern als Ressource betrachtet“ (15). Warum es „in erster Linie als Top-down-Prinzip“ funktioniert (16), wird konstatiert, aber nicht hinterfragt. Seine Umsetzung in Netzwerken anhand der verschiedenen Qualitätsmanagementebenen wird folglich systemgemäß dargestellt und (auch in den folgenden Abschnitten näher) erläutert. Da „Bildung in Form von Qualifikationen als Schlüsselelement für Integration anzusehen ist“, aber – so wird festgestellt – die Regelangebote im Weiterbildungsbereich eine „fehlende interkulturelle Öffnung“ zeigen , „sollten auch regional verortete Bildungsnetzwerke sich dem Problem annehmen und sich interkulturell öffnen“ (21). Auch durch eine Abbildung wird nachdrücklich belegt, dass die Bildungsintegration in Deutschland bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen prekär ist (22 ff.). Schlussfolgerung der Analyse: „Bildungsnetzwerke spielen also für die Gestaltung der lokalen Bildungslandschaft eine große Rolle“ (25). Wie interkulturelle Öffnung durch die Einbindung von Migrantenorganisationen erfolgen kann, wird im folgenden Schritt ausführlich erläutert (27 ff.) und im

3. Kapitel vertieft dargestellt durch die Entwicklung eines Leitfadens (vgl. o. g. Titel). Im Detail werden folgende Fragen beantwortet und Handlungsschritte aufgezeigt (35 ff.):

  1. Wie baue ich interkulturelle Bildungsnetzwerke auf?
  2. Wie erreiche ich Migrantenorganisationen?
  3. Was brauchen Migrantenorganisationen, um sie in kommunale/regionale Bildungsnetzwerke einzubinden?
  4. Wie sorge ich für eine nachhaltige Struktur interkultureller Bildungsnetzwerke?

Kurz, aber aussagestark, werden im 4. Kapitel 34 (!) Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Bildungsintegration gegeben, um „interkulturelle Kooperation voranzutreiben“ (80). Sie beziehen sich erstens allgemein auf die nachhaltige Einbindung von Migrantenorganisationen in Bildungs- und andere Netzwerke bzw. sind zweitens an Städte und Kreise, aber auch an andere Regionale Bildungsakteure gerichtet und drittens an die Migrantenorganisationen.

Im Kontext eines Zehn-Stufen-Beratungsmodells des Herausgebers werden im 5. Kapitel Checklisten und Vordrucke sowie zwei „Mustersteckbriefe von Bildungsbeauftragten“ als Arbeitshilfen vorgestellt (83 ff.). So z. B. ein Beispiel eines Vertrages für Bildungsbeauftragte und eine fünfseitige „Abfrage Schulungsinteresse“ sowie ein vierseitiger Erhebungsfragebogen „Merkmale der Migrantenorganisationen“.

Kapitel 6 (Titel s. o.) gibt auch einen Überblick über die Standorte und Struktur der am Projekt beteiligten Bildungsbeauftragten.

Diskussion

Der Autor weist auf die öffentlich geführte Diskussion hin, „ob die Teilhabe an Migrantenorganisationen zu ethnischer Abschottung führe und einer Integration in die deutsche Gesellschaft damit eher im Weg stehe“ (30). Gibt das vorgestellte Konzept eine schlüssige und eindeutige Antwort?

Zur Beantwortung von Frage 3 wird im 3. Kapitel (s. o.) ein mit Recht notwendiges Curriculum zur Schulung von Bildungsbeauftragten in Migrantenorganisationen vorgeschlagen und skizziert (61 ff.) sowie in Kapitel 5 beispielhaft durch Themenangaben konkretisiert (94 ff.). Reicht das aus, um Migrantenorganisationen ohne zusätzliche Beratungshilfen zu informieren, um eigenständig durch dieses Buch ein entsprechendes Konzept für die eigenen regionalen/lokalen Bedürfnisse zu entwickeln?

Fazit

Nach einem Buchdeckelhinweis wird aufgezeigt, „wie sich Chancengleichheit für Migrant/-innen mithilfe des (Inter-)Cultural Mainstreaming umsetzen lässt“, indem „für lokale (regionale/kommunale) (Netzwerk-)Akteure praxisrelevante Handlungsoptionen“ aufgezeigt werden (8). Dies erfolgt in verlegerisch hervorragender drucktechnischer Gestaltung sowie veranschaulicht durch zahlreiche Abbildungen und tabellarische Übersichten. Der Kerngedanke der „Gleichbehandlung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund“ wird herausgearbeitet. In diesem beruflichen Arbeitsfeld Tätige in Stadt- und Kreisverwaltungen sowie in Migrantenorganisationen und bereits bestehenden Bildungs- und Netzwerken erhalten umfangreiche Anregungen für die Erfüllung ihrer Aufgaben. Die Lektüre dieses Buches wird ihnen sehr empfohlen.

Rezension von
Dipl.-Hdl. Dr. phil. Klaus Halfpap
Ltd. Regierungsschuldirektor a. D.

Es gibt 51 Rezensionen von Klaus Halfpap.

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Zitiervorschlag
Klaus Halfpap. Rezension vom 28.11.2013 zu: MOZAIK gGmbH (Hrsg.): Bildungsintegration mit Migrantenorganisationen. Die Anwendung der (Inter-)Cultural Mainstreaming-Strategie für lokale Netzwerke. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2013. ISBN 978-3-7639-5164-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15780.php, Datum des Zugriffs 17.05.2022.


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