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Rolf Arnold, Frank Bomarius (Hrsg.): Leitfaden zur Gestaltung interaktiver Lernangebote in der Altenbildung

Cover Rolf Arnold, Frank Bomarius (Hrsg.): Leitfaden zur Gestaltung interaktiver Lernangebote in der Altenbildung. Erfahrungen und Best Practises aus dem Projekt „Lernend Altern“. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2013. 169 Seiten. ISBN 978-3-8340-1219-7. D: 19,80 EUR, A: 20,40 EUR, CH: 28,50 sFr.

Reihe: Grundlagen der Berufs- und Erwachsenenbildung - Band 74.
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Thema

Dieses Buch enthält eine Zusammenfassung der Ergebnisse eines von Juli 2009 bis Dezember 2011 in Rheinland-Pfalz durchgeführten Projekts „Lernend Altern, Alternd Lernen“ (LEA). Es möchte Erfahrungen und Anregungen zum Einsatz von eLearning in der Weiterbildung für Menschen in der nachberuflichen Lebensphase geben, wobei insbesondere auch an Menschen mit eingeschränkter Mobilität gedacht ist. Dabei geht es sowohl um eine Stärkung der Position älterer Menschen im gesellschaftlichen Leben als auch um positive Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit, Gesundheit und soziale Einbindung. Ein besonderer Akzent des Projekts besteht in dem Ziel, älteren Menschen die Methodik des eLearnings sowie den Umgang mit PC und Software als niedrigschwellige Erleichterung, nicht als Barriere beim Zugang zu Bildungsmöglichkeiten zu vermitteln.

Herausgeber und weitere AutorInnen

Die Herausgeber: Prof. Dr. Rolf Arnold ist Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik, insb. Berufs- und Erwachsenenpädagogik an der TU Kaiserslautern. – Prof. Dr. Frank Bomarius ist stellv. Leiter des Fraunhofer-Instituts für Software und Engineering IESE in Kaiserslautern sowie Professor im Fachbereich Angewandte Ingenieurswissenschaften an der FH Kaiserslautern.

Die AutorInnen des Buches: Dipl.-Inf. Frederick Schulz ist Mitarbeiter im Fachbereich Sozialwissenschaften/Pädagogik der TU Kaiserslautern. Matthias Heintz, Dipl.-Päd. Silke Steinbach, Dipl.-Inf. Sebastian Weber sind Mitarbeiter im Fraunhofer-Institut IESE Kaiserslautern.

Dazu kommen weitere MitarbeiterInnen des Projektes, wie VHS-Dozent/-innen u.a.

Aufbau und Inhalt

In ihren Vorworten stellen die beiden Herausgeber die oben genannten Themenschwerpunkte und Zielsetzungen des Buches vor.

Im materialen Teil gibt Frederick Schulz zunächst eine Einleitung (S. IX, X), in der er den Rahmen des Projekts LEA erläutert.

Kap. 1: LEA aus der Perspektive der Bildungsanbieter: Lernen mit digitalen Medien für ältere Menschen gestalten: Warum und wie? (S. 1-14, Verf.: F. Schulz) – In diesem Kapitel wird erläutert, wie die LEA Lernumgebung mit eLearning den Versuch unternimmt, neue Zugangswege zu Bildungsangeboten zu schaffen. Dies geschieht in einer Kombination der Vorteile von eLearning (Entgrenzung in Raum und Zeit) mit Techniken, welche die Zugangshürden für Lehrende und Teilnehmer reduzieren. Dazu gehören: Kommunikation mit gesprochener Sprache, einfache Bedienung, einfache Medienproduktion und gute Übertragbarkeit von Methoden.

Kap. 2: Perspektive der Technik (S. 15-35, Verf.: M. Heintz, S. Weber) - Es geht hier um die Frage der Auswahl von Software und Hardware, die für die Zielgruppe der älteren Menschen geeignet ist. – Abschnitt 2.1 (S. 15-31) geht zunächst auf die Auswahl einer älterengerechten Hardware ein, stellt – mit vielen Bildillustrationen – beispielhaft mögliche Hardware vor und diskutiert jeweils deren Vor- und Nachteile. – Abschnitt 2.2 (S. 31-35) geht auf grundlegende Aspekte ein, die für die Auswahl bereits bestehender Software aber auch für die Entwicklung eigener Software für ältere Menschen relevant sind.

Kap. 3: Fallstudie LEA-Lernsystem (S. 37-100, Verf.: M. Heintz, S. Weber). – In diesem Kapitel wird der Verlauf des LEA-Projektes dargestellt. Schwerpunkt ist dabei die Evaluation der technischen Ergebnisse des Projektes, welche sich hauptsächlich in der realisierten Software, nämlich dem „LEA-Lernsystem“ manifestierten. Das Kapitel geht in folgenden Schritten vor: 3.1: Motivation und Hintergrund des LEA-Lernsystems (S. 37-39); – 3.2: Technisches Konzept und Architektur des LEA-Lernsystems (S. 39-41) - 3.3: Frühzeitiges Einbinden der Zielgruppe (S. 41-46) – 3.4: Auswahl eines geeigneten LEA-Endgeräts (S. 46-52) – 3.5: Benutzeroberfläche und Interaktionsgerät (S. 52-96) – 3.6: Evaluative und iterative Weiterentwicklung der LEA-Lernumgebung.

Kap. 4: LEA aus der Perspektive der Lehrenden: Erfahrungen aus den Pilotveranstaltungen und weitere Bereiche der LEA-Lernumgebung (S. 101-141; Verf.: F. Schulz) - Es werden Erfahrungen dargestellt, die im Einsatz der LEA-Lernumgebung gesammelt wurden, ferner wird die Bandbreite der realisierten Angebotskonzepte beschrieben. Dazu gehören auch vier Einzelberichte über Kursverläufe mit einer anschließenden evaluierenden Reflexion. Das Kapitel soll auch eine Grundlage für Dozenten und Dozentinnen bilden, die darauf aufbauend eigene Angebote für die LEA-Lernumgebung konzipieren bzw. bestehende Lernangebote für den Einsatz in der LEA-Lernumgebung anpassen möchten.

Kap. 5: Usability-Tests (S. 143-154; Verf.: B. Rausch) - Ziel dieses Kapitels ist es, auf der Grundlage einer Untersuchung der Stärken und Schwächen der Anwendung des LEA-Konzepts sowie aus der Beobachtung des Nutzungsverhaltens von Tablets durch Senioren den Entwurf eines Redesigns zu entwickeln.

Zwei Anhänge schließen den Band ab:

Anhang A: Dozentenleitfaden für die LEA-Lernumgebung - Hinweise zur Gestaltung von Kursangeboten (S. 155-164; Verf.: F. Schulz) – Es handelt sich hier um eine kompakte Handreichung für interessierte VHS-Dozenten und -dozentinnen, welche die Möglichkeit der LEA-Lernumgebung in ihren Angeboten nutzen wollen.

Anhang B: Literaturverzeichnis (S. 165-169)

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an „Bildungsanbieter, Softwareentwickler und Dozenten, die Angebote für ältere Bildungsinteressierte entwickeln und diese mit eLearning-Technologien unterstützen und zugänglich gestalten wollen.“ (Einleitung, S. X) – Insbesondere im Bereich von Angeboten der Volkshochschulen für ältere Menschen dürfte der Band von einigem Interesse sein.

Diskussion

Der Einzug von eLearning bzw. Blended learning auch in die Bildungsarbeit mit alten Menschen ist eine Entwicklung, die in vieler Hinsicht neue Möglichkeiten entfaltet, zumal hier eingeschränkte Möglichkeiten der Mobilität alter Menschen keine wesentliche Rolle spielen. Laut einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (Nr. 215 v. 02.08.2012) waren zum damaligen Zeitpunkt 28% der über 70-Jährigen regelmäßig online. Dass diese Zahl erheblich steigen wird, ergibt sich nicht nur aus der Zunahme an „Neulernern“ in dieser Altersgruppe sondern vor allem aus dem Zuwachs nachwachsender Altersgruppen, für die der Umgang mit elektronischen Medien selbstverständlich ist. Insofern ist das von Rolf Arnold und Frank Bomarius herausgegebene Buch ein wichtiger Beitrag zur Gestaltung altersgerechter Bildungsangebote auf elektronischer Basis. Das hier vorgestellte Programm LEA, das in seinen grundsätzlichen, technischen, praktischen und durchführungsbezogenen Aspekten ausführlich erläutert und dokumentiert wird, erscheint als eine interessante Möglichkeit zur konkreten Gestaltung solcher Angebote, und bietet vor allem da eine wichtige Hilfe, wo es um das mediale Design dieser Angebote geht, also vor allem bei Anbietern im Raum von Bildungseinrichtungen, Volkshochschulen etc.

Kritisch anzumerken ist allerdings, dass die Sichtweise der Autoren sich sehr stark auf den Raum der Informationstechnologie beschränkt. Die Autoren sind überwiegend Informatiker bzw. Mitarbeiter im Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering. Das bringt es mit sich, dass allgemeine lerntheoretische und didaktische Aspekte von eLearning bzw. Blended learning, wie sie im Hochschulbereich, in der Erwachsenenbildung und im Fernunterricht bzw. Fernstudium entwickelt wurden, kaum einbezogen werden. Für die Rezeption dieses Buches bedeutet das, dass es für das Design eines elektronischen Lernprogramms oder -konzeptes eine sehr wichtige Hilfe sein kann, die aber in einen weiter reichenden didaktischen Rahmen eingefügt werden sollte.

Fazit

Insbesondere die hohe Kompetenz der Autoren in Fragen von Hardware und Software bei elektronischen Bildungsprogrammen für alte Menschen macht das Buch zu einer wichtigen Hilfe bei der eigenen Verwendung bzw. Konzeption solcher Programme. Es bedarf hierzu aber weiterer altersbezogener didaktischer Grundüberlegungen, um den Ertrag dieses Buches wirklich auszuschöpfen. – Dann allerdings ist es sehr empfehlenswert.


Rezension von
Prof. Dr. Michael Brömse
Fachhochschule Hannover, Fakultät V (Diakonie, Gesundheit und Soziales)


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Zitiervorschlag
Michael Brömse. Rezension vom 17.03.2014 zu: Rolf Arnold, Frank Bomarius (Hrsg.): Leitfaden zur Gestaltung interaktiver Lernangebote in der Altenbildung. Erfahrungen und Best Practises aus dem Projekt „Lernend Altern“. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2013. ISBN 978-3-8340-1219-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15794.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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