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Michael Reder, Hanna Pfeifer u.a. (Hrsg.): Was hält Gesellschaften zusammen?

Cover Michael Reder, Hanna Pfeifer, Mara-Daria Cojocaru (Hrsg.): Was hält Gesellschaften zusammen? Der gefährdete Umgang mit Pluralität. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2013. 138 Seiten. ISBN 978-3-17-022964-8. 26,90 EUR.

Reihe: Globale Solidarität - Schritte zu einer neuen Weltkultur - Band 23.
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Thema

Der vorliegende Sammelband geht davon aus, dass sich moderne Gesellschaften durch eine Vielfalt der Lebensstile und Weltanschauungen auszeichnen. Wie sie mit dieser Pluralität umgehen und sie bewältigen können, ist die Frage.

HerausgeberInnen und Entstehungshintergrund

Das Buch geht auf ein Symposium zurück, das die Münchner Hochschule für Philosophie im Juni 2012 veranstaltete. Es gehört zu einem Forschungsprojekt, das von der Stiftung des Pharma-Unternehmens Rottendorf gefördert wird. M. Reder ist der Leiter des Projekts, an dem Hanna Pfeifer und M. Cojocaru beschäftigt waren bzw. sind. Die Referenten vertraten unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen, so u.a. die Soziologie, Sinologie, Philosophie, Politikwissenschaft.

Aufbau

Das Buch besteht aus einer breit angelegten Einführung durch die drei Herausgebenden, acht Fachbeiträgen und einer abschließenden Zusammenfassung der Diskussion.

Inhalt

Die einzelnen Beiträge können hier nur angedeutet und radikal verkürzt werden.

Die Einführung ins Thema stellt dem liberalen Gesellschaftskonzept die Tatsache gegenüber, dass Menschen immer Gemeinschaften angehören und miteinander kommunizieren, also deliberative Demokratien ihre Chance haben.

Armin Nassehin geht im Gefolge von Luhmann von der Ausdifferenzierung von Gesellschaften in Subsysteme aus, weist aber den Begriff der Exklusion zurück, da auch der Außenseiter wahrgenommen und für relevant gehalten wird. Benachteiligungen in den Subsystemen (z.B. Wirtschaft) haben Folgen in anderen (z.B. Bildung).

Christian Weller unterstreicht die Tatsache, dass Konflikte verbinden, weil sie Gruppenbildung fördern, aber eben auch die Anerkennung von Regeln und Interessen erfordern. Hans van Ess informiert über die erstaunliche Reaktualisierung des Konfuzianismus, nicht nur in der Fremdwahrnehmung Chinas, sondern inzwischen auch in China selbst. Christian Schumann befasst sich mit der Arabischen Welt, wo die alten Monarchien, ob nun durch Herrscherfamilien oder nationale Ideologien begründet, noch stabiler sind als die Republiken, deren arabische, säkulare, sozialistische Legitimität nicht tragfähig ist.

Nach Aleida Assmann darf das Gedächtnis Europas nicht gespalten bleiben: hier der „europäische Gründungsmythos“ Holocaust, in den Ländern des vormaligen Ostblocks die übermächtige Erinnerung an die Opfer des Stalinismus, die russische Besatzung und die kommunistische Diktatur. Es gilt, im transnationalen Dialog eine gemeinsame Gedächtniskultur zu entwickeln.

Michael Bordt erklärt zunächst utilitaristische und deontische Ethik, um dann die „eudämonistische“ zu empfehlen: nicht der Nutzen einer Handlung oder die Erfüllung einer Pflicht machen eine Handlung gut, sondern ihr Beitrag zu einem gelungenen Leben. Dafür, was nun gelungenes Leben ausmacht, haben Individuen und Gesellschaft eigene und einige Vorstellungen (Liebe, Selbstbestimmung). Andreas Trampota setzt die philosophische Seite fort, indem er zwischen kulturspezifischen Werten und universalen Normen unterscheidet.

In der abschließende Zusammenfassung setzt Hanna Pfeifer einige Akzente neu, verweist insbesondere noch (einmal) auf die Funktion, die zivilgesellschaftliches Engagement und Teilhabe an Entscheidungsprozessen für den Zusammenhalt haben könnten.

Diskussion

Was hält eine Veröffentlichung zusammen? Die disziplinäre Vielfalt wird disparat, wenn jeder Beitrag sich selbst genug ist. Wie soll der Zusammenhalt diskutiert werden, wenn die gesellschaftlichen Entwicklungen, die den „Umgang mit Pluralität gefährden“, nicht präzise benannt, geschweige denn empirisch belegt und exemplarisch veranschaulicht werden? Der Leser darf ja nicht die Antwort erwarten, aber Konkreteres schon.

Der eine oder andere Beitrag kommt nicht so recht auf den Punkt, scheint (auch) für einen anderen Anlass, z.B. die Würdigung Eric Voegelins (Hauptwerk von 1959) gedacht zu sein.

Fazit

Die meisten Beiträge lesen sich mit intellektuellem Gewinn, für die konkrete Umsetzung muss dann jede/r selbst sorgen.


Rezensent
Prof. Dr. Wolfgang Berg
Hochschule Merseburg
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Zitiervorschlag
Wolfgang Berg. Rezension vom 28.11.2013 zu: Michael Reder, Hanna Pfeifer, Mara-Daria Cojocaru (Hrsg.): Was hält Gesellschaften zusammen? Der gefährdete Umgang mit Pluralität. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-17-022964-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15838.php, Datum des Zugriffs 22.10.2019.


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