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Sven Buth: Glücksspielsuchtforschung in Deutschland

Cover Sven Buth: Glücksspielsuchtforschung in Deutschland. Wissenschaftliche Erkenntnisse für Prävention, Hilfe und Politik. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2013. 198 Seiten. ISBN 978-3-7841-2148-2. D: 23,90 EUR, A: 24,60 EUR, CH: 34,50 sFr.
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Thema

Im Glücksspielstaatsvertrag ist festgehalten, dass die Bundesländer die wissenschaftliche Forschung zur Vermeidung und Abwehr von Suchtgefahren durch Glücksspiele sicherzustellen haben. Diese Regelung der Forschungsförderung hat seit dem Jahr 2008 vielfältige Projekte auf den Weg gebracht. In dem vorliegenden Sammelband werden wichtige Forschungsprojekte, die von den Bundesländern zwischen 2008 und 2012 finanziert worden sind, vorgestellt.

Entstehungshintergrund

Die aus Mitteln des 2008 in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrages (GlüStV) flächendeckend unterstützte, qualifizierte Beratungs- und Behandlungsstruktur ging mit einem bemerkenswerten Innovationsschub der Wissenschaft einher. Die Forschungsarbeiten reichen von der Grundlagenforschung über epidemiologische Erhebungen bis hin zur Evaluation konkreter Präventionsmaßnahmen. In dem vorliegenden Band werden wichtige Forschungsprojekte, die von den Bundesländern zwischen 2008 und 2012 finanziert worden sind, vorgestellt. Sie wurden an der Fachtagung „Die Glücksspielsucht-Forschung der Bundesländer – wissenschaftliche Erkenntnisse für Prävention, Hilfe und Politik“ im Februar 2012 präsentiert. Die Tagung wurde vom Institut für interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) und der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz organisiert.

Aufbau

Insgesamt werden in diesem Herausgeberband zwölf Forschungsprojekte dargestellt, die sich in die Themenbereiche „Epidemiologie“, „Prävention“, „Hilfe“ und „Grundlagen“ einordnen lassen.

Inhalt

Im Glücksspielstaatsvertrag ist festgehalten, dass die Bundesländer die wissenschaftliche Forschung zur Vermeidung und Abwehr von Suchtgefahren durch Glücksspiele sicherzustellen haben. Auf diesen spezifischen Entstehungshintergrund wird in der Einleitung von den Herausgebern Sven Buth, Jens Kalke und Sven Reimer eingegangen.

Die Beiträge des ersten Teils des Sammelbandes betreffen Fragen der Epidemiologie der Glücksspielsucht. Im ersten Beitrag wird die PAGE-Studie beschrieben, ein Forschungsprojekt, das von allen 16 Bundesländern gemeinsam gefördert worden ist. Es handelt sich dabei um die bislang größte epidemiologische Untersuchung in Deutschland, bei der repräsentativ 15.023 Personen im Alter von 14 bis 64 Jahren befragt worden sind. Für den vorliegenden Sammelband fassten Hans-Jürgen Rumpf, Ulrich John, Anja Bischof, Nadine Kastrike, Gallus Bischof sowie Christian Meyer die PAGE-Studie zusammen. Drei weitere Beiträge zum Themenbereich der Epidemiologie beziehen sich auf das Glücksspielverhalten spezifischer Gruppen: Theo Baumgartner beschreibt das Wissen, die Einstellung sowie das Verhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Bezug auf Glücksspiele, welches im Rahmen der so genannten Schulbus-Erhebung ermittelt wurden. Die Prävalenz von glücksspielsuchtspezifischen Problemen in Gefängnissen ist Thema im Beitrag von Heike Zurhold, Uwe Verthein sowie Jens Kalke. Abgeschlossen wird der Themenbereich Epidemiologie mit einer von Ingo Fiedler sowie Ann-Christin Wilcke durchgeführten Analyse über den Online-Markt weltweit, wobei auch spezielle Auswertungen für die einzelnen Bundesländer in Deutschland durchgeführt worden sind.

Der Abschnitt rund um den Themenbereich der Prävention wird durch einen Beitrag von Jens Kalke, Sven Buth und Philipp Hiller eingeleitet. In ihrem Beitrag beschreiben sie ein Projektvorhaben zur Entwicklung von Massnahmen der Glücksspielsucht-Prävention für das schulische Setting. In einem weiteren Beitrag evaluiert dieselbe Autorenschaft ein Präventionsprojekt im schulischen Setting, welches einen Parcours zum Thema Glücksspiel beinhaltet, der aus verschiedenen interaktiven Stationen besteht. Ebenfalls im schulischen Setting angegliedert ist das Präventionsprojekt „vernetzte www welten“. Der Beitrag von Birte Walther, Reiner Hanewinkel und Matthis Morgenstern handelt von einer Prozessevaluation eines Unterrichtsprogramms zur Prävention von problematischen Computer- und Glücksspielen. Das Kapitel schließt mit einem Werkstattbericht von Tobias Hayer, Sven Buth und Gerhard Meyer zur Früherkennung von problematischen Problemspielern in Spielhallen.

Mit bestehenden Beratungsangeboten beschäftigen sich zum einen Marina Schu sowie Christian Schütze, indem sie die Evaluationsergebnisse zum hessischen Modellprojekt „Fachberatung für Glücksspielsucht“ vorstellen. Das Kapitel „Hilfe“ wird mit dem Beitrag „Glücksspielsuchtprävention und Beratung Spielsüchtiger“ von Sebastian Giralt, Klaus Wölfling, Matthias Strie und Manfred E. Beutel abgeschlossen.

Zwei Beiträge, die tendenziell dem Bereich der Grundlagenforschung zuzuordnen sind, schließen den Sammelband ab: der erste Beitrag untersucht mit Hilfe eines quasi-experimentellen Designs die Frage, ob Poker ein Glücks- oder ein Geschicklichkeitsspiel ist (Marc von Meduna, Gerhard Meyer, Tobias Hayer). Der andere Beitrag beschäftigt sich mit der Relevanz von kognitiven Irrtümern bei pathologischen Glücksspielern (Tilmann Becker, Andrea Wöhr, Michaela Tsarouha-Wiesmann). Aus beiden Beiträgen können wichtige Konsequenzen für die Inhalte präventiven Handelns abgeleitet werden.

Diskussion

Die verschiedenen Beiträge tragen dazu bei, die Grundlagenforschung im Bereich des pathologischen Glücksspiels zu erweitern und empirische Evidenzen in Bezug auf konkrete Präventionsmaßnahmen zu schaffen. Die Herausgeber stellen jedoch kritisch fest, dass die Zielsetzung des Glücksspielstaatsvertrags nicht vollständig erreicht ist und weiterhin Forschungsbedarf bestehe. Wichtige Forschungsfragen wie etwa der Vergleich der Effektivität einzelner Behandlungsverfahren oder von Spielerschutzmaßnahmen können derzeit nicht beantwortet werden. Genauso ist ein Mangel an fundierten gesundheitsökonomischen Untersuchungen festzustellen. So fehlen seriöse Schätzungen über vorteilhafte sozioökonomische Auswirkungen des Glücksspiels, (z.B. Steuereinnahmen oder die Schaffung von Arbeitsplätzen) ebenso wie fundierte Angaben über die volkswirtschaftlichen Kosten des pathologischen Glücksspiels (z.B. Beschaffungsdelinquenz, Behandlungskosten). Die Herausgeber weisen auf dieses Manko hin und liefern damit wichtige Anregungen für die Diskussion, Ausgestaltung, Implementierung und Evaluation von weiteren Spielerschutzmaßnahmen.

Fazit

Insgesamt vermittelt der Sammelband einen informativen Einblick in verschiedene Forschungs- und Präventionsprojekte, die seit 2008 in Deutschland durchgeführt worden sind. Die Lektüre ist sowohl für Wissenschaftler als auch für Praktiker sehr zu empfehlen.


Rezension von
Dr. Suzanne Lischer
Dozentin und Projektleiterin Hochschule Luzern
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Zitiervorschlag
Suzanne Lischer. Rezension vom 31.01.2014 zu: Sven Buth: Glücksspielsuchtforschung in Deutschland. Wissenschaftliche Erkenntnisse für Prävention, Hilfe und Politik. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2013. ISBN 978-3-7841-2148-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15843.php, Datum des Zugriffs 31.05.2020.


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ISSN 2190-9245

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