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Heinz Jacobs (Hrsg.): Der Sozialstaat auf dem Prüfstand

Cover Heinz Jacobs (Hrsg.): Der Sozialstaat auf dem Prüfstand. Zehn Unterrichtsvorschläge für den Politik- und Ökonomieunterricht. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2013. 95 Seiten. ISBN 978-3-89974-733-1. D: 19,80 EUR, A: 20,40 EUR, CH: 28,50 sFr.

Reihe: Trappen-Texte. Ökonomie unterrichten. Ökonomie.
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Thema

Globalisierung und demografischer Wandel sind nur zwei Entwicklungen, die den Sozialstaat vor große Herausforderungen stellen. Welche Auswirkungen haben diese auf die Sozialpolitik? Wo lauern die Verteilungskonflikte? Welche Alternativen lassen sich finden? Und wie lassen sich diese bewerten? Der vorliegende Band „Der Sozialstaat auf dem Prüfstand. Zehn Unterrichtsvorschläge für den Politik- und Ökonomieunterricht“ liefert eine Reihe von Unterrichtskonzepten, um diese und viele weitere Fragen im Unterricht zu bearbeiten. Das Buch enthält ausführliche Hinweise für die Umsetzung der Unterrichtsvorschläge und die zum Buch gehörende CD-ROM liefert umfangreiche Materialien, die angepasst und direkt für den Unterricht ausgedruckt werden können.

Herausgeber und AutorInnen

Der Herausgeber des Bandes ist Heinz Jacobs, der als Studiendirektor (i.R.) und Autor mehrerer Didaktikbücher über viel praktische Erfahrung verfügt. Er ist zudem Vorsitzender des Vereins „Ökonomie im Unterricht e.V.“ und leitet die Bad Honnefer Sommerakademie, die zum Ziel hat, den Ökonomieunterricht didaktisch weiterzuentwickeln.

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch ist das Ergebnis zweier Bad Honnefer Sommerakademien in den Jahren 2011 und 2012.

Aufbau und Inhalt

Der Band umfasst – wie im Titel aufgeführt – zehn Unterrichtsvorschläge für den Politik- und Ökonomieunterricht. Die Beiträge eint zum einen, dass sie sich allesamt aktuell wichtigen sozialstaatlichen Problemfeldern widmen; und zum anderen, dass sie dabei didaktisch-methodisch innovative Lernarrangements verwenden und diese mit aktiven Handlungsmustern verbinden.

Den zehn Unterrichtseinheiten vorangestellt ist ein Beitrag von Frank Langner, der in die Thematik der ökonomischen Bildung einführt und dabei vor allem auf den sozialwissenschaftlichen Ansatz verweist: er sei es, der durch seine Offenheit und Pragmatismus für diesen sehr vernetzten Themenbereich am geeignetsten erscheine.

Den nächsten Beitrag haben Heike Hornbruch und Stephan Schieren geschrieben: „Urteilskompetenz diagnostizieren und weiterentwickeln – Sechs Beispiele für die produktive und analytische Erschließung sozialpolitischer Inhalte“. Dabei stellen die Autoren keine in sich geschlossene Unterrichtseinheit vor, sondern lose Bausteine zur „Diagnose und Weiterentwicklung von politisch-ökonomischer Urteilskompetenz“ (S. 15) im Kontext sozialer Gerechtigkeit und sozialer Sicherung.

Der dritte Beitrag widmet sich einem weiteren sensiblen Thema, nämlich der Arbeitslosigkeit. Judith Abel und Rainer Schulz: „Arbeitslos! – Was bleibt uns übrig? – Ein Fallbeispiel“. Wie Frank Langner in seinem Einleitungstext lehnen auch diese beiden Autoren „die zu einseitige Betonung theoretisch-ökonomischer Sachverhalte“ (S. 27) ab. Sie plädieren vielmehr für eine Öffnung der Perspektive und entwickeln ihre Unterrichtseinheit (Fallbeispiel Familie Batel) unter Einbeziehung soziologischer, rechtlicher und politikwissenschaftlicher Dimensionen.

Christina Cron und Sonja Pellin bleiben beim Thema Arbeitslosigkeit und erarbeiten zwei Unterrichtsvorschläge zur Förderung der Urteilskompetenz: „Ist Hartz IV menschenwürdig?“

Im darauffolgenden Beitrag fragt Michael Germann „Soll die gesetzliche Rente reformiert werden?“ und erarbeitet sein Unterrichtskonzept mit Hilfe eines Fallbeispiels (Der Fall Gertrud Kayser) im Dreieck von demographischer Entwicklung, Rentenformel und alternativer Rentenmodelle (z.B. Riester-Rente, Rente mit 70).

Kuno Rinke, Andrea Stilla und Beatrix Wolf haben eine Unterrichtseinheit zu einem weiteren, sehr komplexen Thema entwickelt: der Steuer(gerechtigkeit). Sie greifen darin auf Computersimulationen („Steuerland“) und rollengestützte Diskussionen („Soll die Einkommensteuer in Deutschland gesenkt werden?“) zurück.

Die nächste Unterrichtskonzeption wendet sich anhand einer Simulation (Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags) der traditionellen Wohlfahrtsmessung und möglicher Alternativen zu. Ulrich Krüger und Gordon Tavernier: „Gut leben statt immer mehr haben? – Die Diskussion um einen neuen Wohlstandsindex.“ (S. 67) Was macht ein gutes Leben aus – und wie lässt sich das messen?

Wolfgang Arnoldt, Julia Mertens und Michael Schultes verlassen mit ihrem Beitrag den deutschen Mikrokosmos und weiten den Blick. Aus einer international vergleichenden Perspektive lassen sie in ihrer Unterrichtseinheit die Reformdiskussion in Deutschland analysieren. Dabei folgen sie der didaktischen Grundidee des Kompass Bereitstellens und nutzen verschiedene Puzzles zur Steuerung der Lern- und Denkprozesse.

Der Band schließt mit zwei „best practice“-Beispielen von Gregor Pallast („Ein Grundmodell zum Arbeitsmarkt – Simulation unter verschiedenen Bedingungen“) sowie Heinz Jacobs und Andreas Schalück („Recherchen zum Ein-Euro-Job“)

Dem Band beigelegt ist eine CD-Rom mit Arbeitshilfen und Materialien für die Unterrichtspraxis: von Filmsequenzen, über PowerPoint-Präsentationen und Excel-Kalkulationsdateien, bis zu Rollen-, Material- und Ereigniskarten und vielen anderen Materialien, Arbeitsaufträgen und Kopiervorlagen. So lassen sich rasch konsistente Unterrichtseinheiten konzipieren. Zudem enthält die CD-Rom eine Vielzahl an spielerischen Elementen und Arbeitsaufgaben sowie deren Lösungen.

Diskussion

Die Autorinnen und Autoren dieses praktischen Bandes öffnen wohltuend die Perspektive auf den komplexen Gegenstand der Sozialpolitik. Diese Mehrdimensionalität zeigt sich sowohl in der Kombination ökonomischer, juristischer und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse als auch im kreativen Einsatz eines sehr reichhaltigen Methodenmix. So wünscht sich der Leser bzw. die Leserin am Schluss vielleicht nur, dass der Band gerne noch fünf weitere Unterrichtseinheiten umfassen dürfte, die zum Beispiel auch andere wichtige sozialstaatliche Herausforderungen wie die Kinderbetreuung, Pflege und das Gesundheitswesen behandeln könnten. Zudem ließe sich am Beitrag von Wolfgang Arnoldt, Julia Mertens und Michael Schultes anknüpfen und so noch stärker die international vergleichende Perspektive nutzen.

Fazit

Heinz Jacobs und seinen zahlreichen Autorinnen und Autoren ist ein sehr hilfreiches Werk gelungen. Es ist eine aktuelle Sammlung zentraler sozialstaatlicher Herausforderungen und ihrer gelungenen didaktischen Aufarbeitung mit Hilfe einer Vielzahl an Methoden. Daher lohnt sich das Buch für angehende Referendarinnen und Referendare genauso wie für erfahrene Lehrerinnen und Lehrer.


Rezension von
Prof. Dr. Daniel Buhr
Eberhard Karls Universität Tübingen, Institut für Politikwissenschaft. Professur für Policy Analyse und Politische Wirtschaftslehre
Homepage www.uni-tuebingen.de/pol/wip
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Zitiervorschlag
Daniel Buhr. Rezension vom 20.12.2013 zu: Heinz Jacobs (Hrsg.): Der Sozialstaat auf dem Prüfstand. Zehn Unterrichtsvorschläge für den Politik- und Ökonomieunterricht. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2013. ISBN 978-3-89974-733-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15893.php, Datum des Zugriffs 07.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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