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Hamid Maftahi: Binationale Familien als Zielgruppe Sozialer Arbeit

Rezensiert von Prof. Dr. Brigitte Wießmeier, 21.01.2014

Cover Hamid Maftahi: Binationale Familien als Zielgruppe Sozialer Arbeit ISBN 978-3-95549-210-6

Hamid Maftahi: Binationale Familien als Zielgruppe Sozialer Arbeit. BACHELOR + MASTER PUBLISHING (Hamburg) 2013. 60 Seiten. ISBN 978-3-95549-210-6. D: 29,99 EUR, A: 29,99 EUR, CH: 40,00 sFr.
Reihe: Bachelorarbeit.

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Thema

Die Profession Soziale Arbeit hat es mit einer Vielfalt von Handlungsfeldern und auch Zielgruppen zu tun, so beschäftigt sie sich in einer Zuwanderungsgesellschaft selbstverständlich auch mit Familien, die als binationale oder bikulturelle Familien bezeichnet werden. Maftahi macht sich auf den Weg, die Berührungspunkte derartiger Familien mit der Sozialen Arbeit herauszuarbeiten, letztlich um fachliche Notwendigkeiten für einen kultursensiblen Umgang anzumahnen.

Autor und Entstehungshintergrund

Der Autor deutet, als Student der Sozialen Arbeit, im letzten Kapitel eine Selbstbetroffenheit zumindest in Hinblick auf Bilingualität an und wagt es, persönliche Erfahrungen einfließen zu lassen.

Das kleine vorliegende 50seitige Buch ist eine (leider unkorrigierte) Bachelorarbeit, die mit „gut“ bewertet wurde.

Aufbau und Inhalt

Die vorgenommene äußerst stringente Gliederung in 30 (!) Kapitel weist einerseits auf die Berücksichtigung einiger wesentlichen Aspekte dieses – spätestens seit den 1970er Jahren – aktuellen Themas und andererseits auf eine kaum machbare Vertiefung eines Schwerpunktes (Zielgruppe Sozialer Arbeit) hin.

So können die Leserinnen und Leser den Zusammenhang von Sozialer Arbeit und interkultureller Kompetenz in ersten Schritten nachvollziehen, dann grundlegende Zahlen, Fakten und Definitionen zu binationalen Familien in Deutschland kennenlernen, wobei zum Einen die Paare, zum Anderen deren Kinder fokussiert werden, was in dieser Kürze nahezu zwangsläufig diverse Generalisierungen mit sich bringen muss. Damit nicht genug, denn Soziale Arbeit ist weitgehend problemorientiert, werden gesellschaftliche Belastungsfaktoren auf den Ebenen Sozialraum und Familie betrachtet. Irritierend ist an dieser Stelle das Beklagen einer fehlenden Gruppe für die binationalen Familien (S.28), nachdem der entsprechende Verband auf Seite 16 mit seinen 30 Zweigstellen in Deutschland relativ umfangreich dargestellt wurde.

Als Dilemma stellt sich schnell der hohe Anspruch des Autors dar, wonach ein möglichst umfassender Einblick gegeben werden soll, die herangezogene Literatur aber sehr stark am Verband binationaler Familien orientiert ist, einem engagierten gut vernetzten Verband, der regelmäßig eigene Überblickswerke publiziert, insbesondere auch zu rechtlichen Fragen, die bekanntermaßen regelmäßiger Anpassung an veränderte Rechtsprechung notwendig machen, was ein angehender Sozialarbeiter unbedingt berücksichtigen muss. (Literatur von 1991 kann hierzu nur im historischen Kontext sinnvoll sein. Das Ausländergesetz wurde bereits 2005 vom Aufenthaltsgesetz abgelöst. S. 23)

Diskussion

Eine Gesellschaft, die Inklusion und Diversity Management auf ihre Fahnen schreibt, braucht eine kritische Soziale Arbeit, die im Jahre 2013 einen kultursensiblen Arbeitsansatz in interkulturell geöffneten Institutionen vorweisen muss, um eine geforderte Teilhabe aller in diesem Land lebenden Menschen zu unterstützen.

Worin aber besteht diese kritische Soziale Arbeit? In interkultureller Erziehung und Bildung? Hierzu sehen sich Erzieherinnen und Pädagogen herausgefordert. Im bilingualen Unterricht? Die Lehrerinnen und Lehrer haben hierzu einen Auftrag. Die psychosoziale Beratung mit Aspekten von Mediation sowie Empowerment im Sozialraum? Hier sieht sich Soziale Arbeit berufen, und bietet eine Vielzahl von Arbeitsansätzen und Konzepten, auch in sogenannten Regeldiensten, wie beispielsweise den Jugendämtern. Wie kann es geschehen, dass der Autor bei der Mediation verschiedene Berufsgruppen als zuständig erklärt (S.43), nicht aber die ebenfalls dazu ausgebildeten Sozialarbeiterinnen. Auch der vielzitierte Verband binationaler Familien arbeitet interdisziplinär und versteht sich nicht (nur) als Organisation der Sozialen Arbeit.

Fazit

Im Ergebnis stellt dieses Buch einen allerersten Überblick dar, der mit Hinweisen auf weiterführende Literatur zu einer unbedingt notwendigen Differenzierung führen kann. Dass binationale Familien eine Zielgruppe der Sozialen Arbeit sein kann, ist angedeutet aber keinesfalls nachgewiesen, es sei denn, es ist die allgemeine soziale Arbeit gemeint. Für rechtliche Hinweise ist das Buch völlig unbrauchbar, auch weil veraltete Literatur zugrunde gelegt wurde.

Rezension von
Prof. Dr. Brigitte Wießmeier
Forschungskoordinatorin Institut für Innovation und Beratung an der Evangelischen Hochschule Berlin, INIB
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Es gibt 10 Rezensionen von Brigitte Wießmeier.

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Zitiervorschlag
Brigitte Wießmeier. Rezension vom 21.01.2014 zu: Hamid Maftahi: Binationale Familien als Zielgruppe Sozialer Arbeit. BACHELOR + MASTER PUBLISHING (Hamburg) 2013. ISBN 978-3-95549-210-6. Reihe: Bachelorarbeit. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15902.php, Datum des Zugriffs 31.01.2023.


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