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Margit Stein: Jugend in ländlichen Räumen

Rezensiert von Prof. Dr. Astrid Hübner, 17.03.2015

Cover Margit Stein: Jugend in ländlichen Räumen ISBN 978-3-7815-1949-7

Margit Stein: Jugend in ländlichen Räumen. Die Landjugendstudie 2010. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2013. 200 Seiten. ISBN 978-3-7815-1949-7. D: 18,90 EUR, A: 19,50 EUR, CH: 27,50 sFr.
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Jugendforschung im ländlichen Raum fördern und fordern

Jugendstudien, in denen explizit der ländliche Raum als Gegenstand der Untersuchung berücksichtigt wird, sind unterrepräsentiert. In empirischen Studien (u.a. Shell 2010, Deutsches Jugendinstitut 2010) werden oftmals differentielle Aspekte fokussiert, wie Geschlecht, Migrationshintergrund, Alter. Räumliche Betrachtungen beschränken sich zumeist auf den Ost-West Vergleich. Die vorliegende Publikation schließt an dieses Desiderat an; Stein widmet sich den objektiven Lebenslagen und subjektiven Lebenswelten Jugendlicher im ländlichen Raum, insbesondere im Hinblick auf Aspekte wie Demographie, Familien- und Wohnsituation, Bildungs- und Ausbildungssituation, Mobilität, Freundeskreis, Freizeitverhalten, Medienkonsum, Internetverhalten, Werteorientierung, politische Orientierung und freiwilliges Engagement.

Von der Autorin wird einführend eine dichte Analyse der Forschungsergebnisse im Themenfeld „Jugend in ländlichen Regionen“ vorgenommen, bevor sich die Ergebnisdarstellung der Landjugendstudie von 2010 anschließt. Nicht nur die Einschätzungen der Jugendlichen zur Bindung und Einbindung in die niedersächsische Landjugend e.V. werden ermittelt, sondern darüber hinaus analog zu den o.g. Dimensionen, Analysen zu den Lebenswirklichkeiten der Mitglieder vorgenommen und diskutiert.

Autorin und Entstehungshintergrund

Dr. Margit Stein ist Professorin für Allgemeine Pädagogik und stellvertretende Direktorin des Zentrums für Lehrerinnen- und Lehrerbildung an der Universität Vechta. Sie forscht und publiziert zum Themenschwerpunkt „Kindheit und Jugend“ seit mehreren Jahren. Die Autorin befasst sich in einem Team von Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen der Universität Vechta mit dem „Ländlichen Raum“ in verschiedenen Kontexten. Die Verfasserin greift auf aktuelle Daten der im Abstand von zehn Jahren erscheinenden Landjugendstudie zurück (2010, Befragungszeitraum Mai bis August 2009), die durch die Niedersächsische Landjugend e.V. seit den 70er Jahren erhoben werden.

Aufbau und Inhalt

Die Monographie umfasst auf 184 Seiten sechs Kapitel, ein Literaturverzeichnis und den in der Anlage dokumentierten Fragebogen zur Landjugendstudie 2010.

In Kapitel 1 wirft die Autorin einen Blick auf die Besonderheiten der Lebenssituation im ländlichen Raum, indem sie Definitionen anhand qualitativer und quantitativer Konzepte von „Stadt und Land“ vornimmt. Hierfür greift sie zunächst auf juristische bzw. sozialwissenschaftliche Zugänge (qualitativ) bzw. auf siedlungsstrukturelle Betrachtungen (quantitativ) zurück. Im Weiteren ergänzen „statistische Daten zur regionalräumlichen Entwicklung“ und zum „Familienleben im Stadt-Land-Vergleich“ ihre aktuellen und kritischen Ausführungen zu den Besonderheiten des Lebens im ländlichen Raum.

Daran anschließend werden in Kapitel 2 Dimensionen der Lebensphase „zwölf bis 25 Jahre“ sowohl definitorisch als auch auf der Grundlage quantitativer Daten zur demografischen Entwicklung beschrieben, bevor umfangreich und differenziert die „Geschichte der Jugendforschung“ unter besonderer Berücksichtigung der „Forschung zur Lebenssituation junger Menschen auf dem Land“ nachgezeichnet wird. Dabei geht die Autorin zunächst historisch chronologisch in der Auseinander-setzung mit Studien im nationalen und internationalen Bereich vor, um anschließend die zentralen inhaltlichen Entwicklungslinien nachzuzeichnen.

In Kapitel 3 fokussiert die Verfasserin die „Lebenslagen und Lebenswelten junger Menschen im ländlichen Raum“. Da in der Landjugendstudie (neben der Bindung und Einbindung der Jugendlichen in die Landjugend e.V.) die Freizeit- und Erlebenssettings der Jugendlichen thematisiert werden, bezieht sich Stein insbesondere auf repräsentative Jugendstudien, die einen differentiellen Vergleich mit den Ergebnissen der Studie im weiteren Verlauf ermöglichen. Der Fragestellung folgend werden hier insbesondere die (begrenzt) vorliegenden ermittelten Ergebnisse zu sozialräumlichen Unterschieden im Stadt-Land-Vergleich berücksichtigt.

Ein differenzierter Überblick zum Forschungsdesign in puncto Untersuch-ungmethodik und Stichprobe wird in Kapitel 4 präsentiert.

Stein schließt in Kapitel 5 mit der Ergebnisdarstellung und -interpretation der Landjugendstudie 2010 an. Lebenslagen und Lebenswelten der Jugendlichen stehen neben der Einbindung der Mitglieder in die Landjugend e.V. im Mittelpunkt. Informelle Bildungs- und Entwicklungsprozesse Jugendlicher ‒ fernab formaler Bildungsinstitutionen ‒ bieten hier wichtige inhaltliche Bezugspunkte. Ergebnisse zu den folgenden Themenbereichen werden dargestellt und insbesondere mit den Ergebnissen der aktuellen Shell Jugendstudie (2010) verglichen:

  • „Freizeit-, Medien- und Engagementverhalten“,
  • „Werte, Religiosität und politische Grundüberzeugungen“,
  • „Zukunft und Zukunftswünsche“ und
  • „Einstellungen junger Menschen zur Niedersächsischen Landjugend“.

Im abschließenden Kapitel 6 werden die zentralen Ergebnisse der Landjugendstudie komprimiert dargestellt. Die Autorin konstatiert die „fortschreitende Verinselung jugendlicher Lebenswelten in ländlichen Regionen“ (S. 163), die sie insbesondere durch die „mangelnde Öffentlichkeit“ und den „marginalisierten Status in Politik und Medien“ (ebd.), den junge Menschen im ländlichen Raum „genießen“, begründet. Sie plädiert insbesondere vor dem Hintergrund des demographischen Wandels für eine „Neuorientierung in der jugendkulturellen Infrastruktur“ (ebd.), die die Sichtweisen der Jugendlichen selbst auf ihre Lebenslagen und -welten berücksichtigt; Partizipationsperspektiven sollten dabei handlungsleitend und selbstverständlich verfolgt werden. Anschließend an diese Forderung skizziert und konkretisiert die Autorin ein aktuelles Forschungsprojekt der Universität Vechta zur „Regionalen Jugendberichterstattung“ (S.164) und verweist beispielhaft auf die sich so ergebenden Optionen zur kommunalen, jugendfreundlichen Umgestaltung im ländlichen Raum.

Diskussion und Fazit

Es handelt sich bei der vorliegenden Publikation zum einen um eine sehr gute,dichte und differenzierte Zusammenschau repräsentativer Studien und theoretischer Zugänge zum Themenfeld „Jugend im ländlichen Raum“. Zum anderen ist die Ergebnispräsentation der Landjugendstudie 2010 analog zu der in den ersten 3 Kapiteln fundiert geführten Diskussion eine aktuelle, erkenntnisreiche Erweiterung, die Einblicke in die Lebenswelten und -lagen junger Menschen auf dem Land gewährt. Auch wenn die empirischen Ergebnisse nicht als repräsentativ für die Gruppe der in der ländlichen Region Niedersachsen lebenden Jugendlichen einzuordnen sind, erlauben sie doch erste Hypothesen. So erstaunt es nicht, dass sich konsequenterweise ein Ausblick auf ein Forschungsprojekt zur „regionalen Jugendberichtserstattung“ im ländlichen Raum anschließt. Auf wertvolle Art und Weise werden hier die geführten Auseinandersetzungen mit der Skizze eines spannenden Forschungsvorhabens verbunden, das einerseits u.a. zu einer „repräsentativen, regelmäßigen, wissenschaftlich fundierten und sozialpolitisch relevanten Jugendberichtserstattung“ (S.165) im Landkreis Vechta führt, andererseits auch für weitere, ähnlich gelagerte Forschungsvorhaben gute Anknüpfungspunkte liefert.

Das Buch ist in einer klaren Sprache verfasst und daher sehr gut lesbar. Sowohl Wissenschaftler*innen als auch Praktiker*innen (z.B. in Feldern der Sozialen Arbeit, wie der Jugendarbeit oder der Schulsozialarbeit), die sich grundlegend und auf der Basis aktueller empirischer Erkenntnisse mit dem Thema „Jugend im ländlichen Raum“ beschäftigen möchten, dürften sich durch die Lektüre dieses Buches sehr bereichert und angeregt sehen.

Rezension von
Prof. Dr. Astrid Hübner
Hochschule Emden/Leer, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
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Es gibt 2 Rezensionen von Astrid Hübner.

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Zitiervorschlag
Astrid Hübner. Rezension vom 17.03.2015 zu: Margit Stein: Jugend in ländlichen Räumen. Die Landjugendstudie 2010. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2013. ISBN 978-3-7815-1949-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15949.php, Datum des Zugriffs 22.05.2022.


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