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Michael Monzer: Case-Management

Cover Michael Monzer: Case-Management. Grundlagen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2013. 375 Seiten. ISBN 978-3-86216-116-4. 78,99 EUR.

Reihe: Case-Management in der Praxis.
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Thema

„Das Buch baut auf den bekannten Elementen des Case Managements auf und vertieft diese, indem es aus dem Blick der umsetzenden Organisationen und MitarbeiterInnen, die handlungsrelevanten Möglichkeiten durchdenkt, strukturiert und ausführt…“ (Klappentext)

Autor

Dr. Michael Monzer, Diplom-Psychologe, Projektmanager und Sozialplaner beim Sozialamt Stuttgart, ist zertifizierter Case Management-Ausbilder (DGCC) und als solcher an verschiedenen Weiterbildungsinstituten in Deutschland tätig.

Aufbau und Inhalte

Nach einer grundlegenden Darlegung des Handlungskonzeptes Case Management im ersten Kapitel, erläutert der Autor im 2. Kapitel detailliert zentrale Begriffe des CM im Sinne eines terminus technicus, wie z.B. Fallmanagement, Care Management oder Utilization Review. Schon an deren Erörterung wird deutlich, wie sich das CM im letzten Jahrzehnt ausdifferenziert hat.

In den folgenden Kapiteln werden dann, dem Phasenschema des CM in der Fallarbeit folgend, die Teilschritte ausführlich erläutert und diskutiert:

  • Klärungsphase (Kap 3),
  • Assessment (Kap. 4),
  • Serviceplanung (Kap 5.),
  • Linking (Kap. 6),
  • Monitoring (Kap 7) und
  • Evaluation (Kap. 8).

Monzer verarbeitet neben den Wissensbeständen aus der Literatur auch vielfältige Implementationserfahrungen. Die Ausführungen zeigen, dass der Autor über langjährige Erfahrung als Praktiker und Ausbilder verfügt, da er zur Illustration der Sachverhalte viele Beispiele und Grafiken verwendet.

Das Abschlusskapitel 9 befasst sich mit der Systemsteuerung im Case Management als der konsequenten Fortführung der Fallsteuerung. Hier hätte eine etwas ausführlichere Darstellung der Systemebene des Einsatzes von CM dem Buch nicht geschadet. So endet es offen – wie auch die Anwendungen in der Praxis noch nicht am Ende sind.

Als Beigabe zum Buch erhält jede/r Käufer/in die Downloadmöglichkeit, um vom Autor selbst entwickelte Tools (kleine PC-Werkzeuge) zur Fallauswahl, zum fallbezogenen Problemnetz, zur Ziel- und Leistungsüberprüfung selbst zu nutzen.

Diskussion

Das Buch besticht durch verständliche Sprache und einen überzeugenden Aufbau. Das ist bei der nicht einfachen Materie ein Vorteil. Die Idee, den mittlerweile schon recht verbreiteten CM-Ansatz zunächst kompakt vorzustellen, um dann in den Folgekapiteln ganz gezielt und differenziert auf generelle wie spezifische Fragestellungen einzugehen, mag zwar im ersten Augenblick redundant erscheinen, beim Lesen zeigt sich dann rasch, dass dies das Verständnis erleichtert. Der Autor sucht die Komplexität der Thematik durch grafische Aufarbeitung zu reduzieren. 87 Grafiken und 35 Tabellen sollen die dargelegten Sachverhalte illustrieren und zusammenzufassen. Das gelingt häufig, aber nicht immer: einige Grafiken lassen den Leser eher verwirrt zurück

Inhaltlich ist es ein mutiges Buch: Sich der Komplexität des Themas zu stellen und zu glauben, damit hinreichend umgehen zu können, kann, so zeigt sich, nur fragmentarisch gelingen. Die vielen Querverweise erschließen sich nicht von selbst und die „verästelte“ Struktur muss erst durchdrungen werden.

Monzer legt ein wichtiges Buch zum Case Management vor: Er reflektiert, kommentiert und bewertet die aktuellen Debatten und Diskussionsbeiträge um das Care und Case Management. Was bleibt am Ende?

Das Buch ist kein Reader, ist kein Lehrbuch, kein Lexikon und auch kein Grundlagenbuch. Das Buch ist eine Fundgrube und eine Einladung zu Case Management 2.0. Es ist ein Update der bestehenden Grundlagenwerke. Es dockt an, nimmt unter die Lupe und führt die Ansätze größtenteils fort. Monzer stellt Diskussions- und Verbindungslinien zwischen den Teilthemen des CM-Ansatzes her, aber manchmal öffnet sich nach einer Tür (Erläuterung) noch eine und noch eine. Deshalb muss man dieses Buch zweimal lesen. Wie heißt es im Geleitwort mit Bezug auf Luhmann: „Ein Sachverhalt ist komplex, wenn er aus so vielen Elementen besteht, daß diese nur selektiv zueinander in Beziehung treten können.“

Fazit

Die Lektüre sei all jenen empfohlen, die sich über Case Management der zweiten Generation informieren wollen. Es ist ein Nachschlagwerk in gelungener Sprache, das das Lesen der 375 Seiten zum – überwiegenden – Vergnügen macht. Eine Anschaffung, die sich trotz des relativ hohen Preises lohnt.


Rezension von
Prof. Dr. Peter Löcherbach
Sozialarbeitswissenschaft: Case Management, Systemtheorien und Soziale Arbeit, Bedarfsermittlung und Angebotsplanung
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC)
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Zitiervorschlag
Peter Löcherbach. Rezension vom 11.03.2014 zu: Michael Monzer: Case-Management. Grundlagen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2013. ISBN 978-3-86216-116-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15974.php, Datum des Zugriffs 27.11.2020.


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