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Dominik Deimel, Marie-Luise Müller (Hrsg.): Entlassmanagement (Patientenkoordination)

Cover Dominik Deimel, Marie-Luise Müller (Hrsg.): Entlassmanagement. Vernetztes Handeln durch Patientenkoordination. Georg Thieme Verlag (Stuttgart) 2013. 260 Seiten. ISBN 978-3-13-171041-3. D: 69,99 EUR, A: 72,00 EUR.

Reihe: Kma-Reader.
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Herausgeber und Herausgeberin

Dr. D. Deimel ist Facharzt für Orthopädie. 2008 gründete er die Gesellschaft com2health GmbH, die sich vornehmlich mit der Entwicklung von webbasierten Softwarelösungen für ein einrichtungsübergreifendes Care & Case Management beschäftigt. Deimel ist Mitglied des erweiterten Vorstands im Bundesverband Managed Care (BMC) und Direktor am Institut für Kooperative Gesundheitsversorgung (IFKG).

Marie-Luise Müller war von 2000 bis 2008 Präsidentin des Deutschen Pflegerats. Während ihrer Amtszeit gründete sie die Deutsche Patientenhotel GmbH und arbeitete als selbstständige Beraterin. Sie war als Pflegedirektorin in verschiedenen deutschen Kliniken tätig. Seit 2009 ist Müller die Ehrenpräsidentin des Deutschen Pflegerates.

Autorinnen und Autoren

Im Buch kommen neben den Herausgebern noch 23 andere AutorInnen aus Medizin, Recht, Wirtschaft, Krankenkassen, aus Instituten und Vereinen zu Wort. Damit wird einen umfassenden Blick aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema möglich. Das Inhaltsverzeichnis ist über die Verlagshomepage einsehbar (https://www.thieme.de/medias/sys_master/8806935560222/9783131710413_inhaltsverzeichnis.pdf?mime=application%2Fpdf&realname=9783131710413_inhaltsverzeichnis.pdf)

Thema

Im seit 2012 gültigen Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) wird unter anderem die Einführung des Entlassmanagements in Krankenhäusern gefordert. Dadurch soll die Versorgungskontinuität an der Schnittstelle zwischen stationärem Aufenthalt und nachstationärer Weiterversorgung gewährleistet werden. Es stehen besonders Patienten mit komplexen medizinischen, pflegerischen sowie sozialen Problemen oder chronischen Erkrankungen im Mittelpunkt, die einer Unterstützung über den Krankenhausaufenthalt hinaus bedürfen.

Die Kommunikation zwischen den Beteiligten im ambulanten und stationären Bereich soll verbessert werden. Dies erfordert eine Anpassung der internen Strukturen und Prozesse aller beteiligten Partner, damit die zu schaffenden neuen internen und externen Netzwerke effektiv und zum Nutzen des Patienten arbeiten können.

Das Buch möchte einen Beitrag zur Bewältigung dieser neuen Herausforderung leisten und richtet sich an interessierte Mitarbeiter und Führungskräfte in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken und Pflegeeinrichtungen, aber auch an niedergelassenen Ärzte und andere beteiligte Dienstleister.

Aufbau

Das Buch ist in einen allgemeinen und einen speziellen Teil gegliedert. Der allgemeine Teil umfasst fünf Kapitel, der spezielle Teil drei Kapitel. Das Buch hat 260 Seiten inkl. eines umfangreichen Literaturverzeichnisses und eines Glossars der wichtigsten Begriffe. Ein alphabetisches Stichwortverzeichnis fehlt, dies wird durch eine sehr detaillierte Gliederung ausgeglichen.

Inhalt

Im 1.Kapitel erfolgt eine Einführung und Begriffsbestimmung durch Deimel und Müller. Auf den Expertenstandard „Entlassungsmanagement in der Pflege“ wird ausführlich eingegangen.

Das 2. Kapitel umfasst eine kritische Analyse des Entlassmanagements aus der Sicht der Akteure. Aus der Sicht von Patienten/Angehörigen (2.1) zeigt Bender erhebliche Verbesserungspotenziale im Rahmen der Vorbereitung von Entlassungen, der Abstimmung des Zeitpunktes und der Situation nach der Entlassung. Pilgrim und Kittlick ordnen aus Sicht des Versorgungsmanagements (2.2) das Entlassmanagement als kritischen Faktor in den Kontext des Versorgungsmanagements ein. Kuß sieht die Kostenträger (2.3) als Akteur im Gesundheitswesen von Patienten /Angehörigen kaum wahrgenommen. Die Einbeziehung der Kostenträger als Partner der Leistungserbringer wird für die positive Qualitätsentwicklung aus Sicht der Kostenträger zwingend erforderlich. Dienst sieht für die Krankenhäuser (2.4) Potenzial in der Verbesserung interner (multiprofessionelle Zusammenarbeit) und externer (Sicherstellung der kontinuierlichen Therapie und Versorgung) Prozesse. Die Herausforderungen sind nicht in der Akuttherapie zu sehen, sondern im Umgang mit chronischen, multimorbiden Patienten. Wehmeier und Schäfer nimmt aus Sicht der Rehakliniken (2.5) die Integration in das Entlassmanagement der Akutkrankenhäuser als essentielle Bedeutung für eine erfolgreiche Positionierung wahr. Die abschließende kritische Analyse des Entlassmanagements erfolgt durch Müller aus Sicht des ambulanten ärztlichen Dienstleisters (2.6). Hier werden verschiedene Probleme (fehlende Informationen, fehlende Absprachen zu z.B. Medikationsänderungen) aufgeführt. Am Ende des 2. Kapitels (2.7) fasst Deimel die aufgezeigten Probleme und Verbesserungspotenziale der unterschiedlichen Sichtweisen zusammen.

Das 3. Kapitel geht Ossege ausführlich auf das Versorgungsstrukturgesetz (3.1) und Lehnert auf das Entlassmanagement im Krankenhaus als Teil der Unternehmensstrategie (3.2) ein. Vosseler arbeitet die Bedeutung des Case Managements als methodischen Ansatz für ein Entlassungsmanagement heraus (3.3) und geht auf das Trajectory Work Model als theoretischen Bezugsrahmen für Case Management ein (3.4).

Im 4. Kapitel werden Lösungskonzepte eines vernetzten Entlassungsmanagements detailliert und aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln dargelegt. Im Kapitel 4.1 stellt Deimel Lösungsbausteine vor. Einzelne Aufgaben des Entlassmanagements werden an Beispielen erklärt. So wird u.a. die Rolle eines Patientenkoordinators beschrieben oder die Bedeutung der Vernetzung und Kommunikation mit nachsorgenden Partnern gezeigt. In Kapitel 4.2 präsentiert Deimel die prozesshafte Umsetzung des Entlassmanagements in seinen Einzelschritten. Die strukturellen Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten erklären Deimel und Müller in Kapitel 4.3. Verschiedene Instrumente, die für ein professionelles Entlassmanagement geeignet sind, beschreiben Jensen und Deimel in Kapital 4.4. Es folgen ein Abschnitt von Lüttringhaus (4.5) zur Sozialraumorientierung als schnittstellenübergreifendes Konzept zur Versorgung und ein Kapitel von Deimel (4.6) zu Anreizen und Finanzierung im Rahmen des Entlassmanagements. Selektivvertragliche Vereinbarungen (4.7; Neuschulz), Aufgaben im Team Patientenkoordination (4.8; Deimel) und ein Abschnitt mit mehreren ausführlichen Fallbeispielen (4.9; Laag und Lehrian) runden das Kapitel 4 ab. Hier finden in diesem Bereich Tätige viele Anregungen, Tipps und Hinweise für ihre tägliche Arbeit.

Die Umsetzung und die Rahmenbedingungen sind Inhalt von Kapitel 5. Die Voraussetzungen für eine qualitätsgesicherte Einführung von Entlassmanagement beschreibt Deimel in Kapitel 5.1. Hier werden auch die einzelnen Projektphasen der Implementierung eines Entlassungsmanagements vorgestellt Den Aufbau eines externen Partnernetzwerks und die Umsetzung eines Netzwerkmanagements im Krankenhaus wird im Kapitel 5.2 von Wilhelm und Deimel gezeigt. Die Anforderungen an eine moderne Informationstechnologie wird im Kapitel 5.3. von Böckmann beleuchtet. Ausführlich erläutert Harney in Abschnitt 5.4 die rechtlichen Aspekte im Entlassmanagement. Abschließend verweist Felger in Abschnitt 5.5 auf Kennzahlen und Evaluation im Entlassmanagement. Als zentrale Kennzahl wird die Verweildauer genannt, weitere Kennzahlen werden nicht aufgeführt. Ob die Ergebnisqualität im Rahmen des Entlassmanagements anhand der Betrachtung der Verweildauer zu erkennen bzw. zu sichern ist, muss hier kritisch hinterfragt werden.

Der spezielle Teil wird mit Kapitel 6 durch Müller eingeleitet und auf drei methodische Ansätze für die Umsetzung des Entlassmanagements verwiesen.

In Kapitel 7 stellt Gottwald ein Projekt aus dem Krankenhaus München-Neuperlach vor.

Die Patientenkoordination im Klinikum Stadt Soest ist Thema von Lenze im Kapitel 8.

In Kapitel 9 beschreiben Geiger und Wilhelm das „Speyerer Modell“, ein Case Management Projekt im Krankenhaus. In den Kapiteln werden nach der Vorstellung der jeweiligen Organisation die Projekte in allen Facetten demonstriert und Erfahrungen und gewonnene Erkenntnisse dargestellt. Der Schwerpunkt in diesen Kapiteln liegt auf den konkreten Lösungsbeschreibungen, die dem Leser einen Einblick in das Spannungsfeld Theorie und Praxis erlauben sollen.

Fazit

Es zeigt sich, dass das Entlassungsmanagement ein Schlüsselbaustein im Versorgungsmanagement des Patienten darstellt. Gerade im DRG-Zeitalter mit kürzeren Verweildauern und der zunehmenden Notwendigkeit der Nachversorgung von Patienten mit komplexem Unterstützungsbedarf müssen alle Professionen innerhalb und außerhalb des Krankenhauses miteinander kooperieren, um diese Aufgaben zu bewältigen. Dabei ist die Herausforderung, wirtschaftlich zu arbeiten und trotzdem grundsätzlich den Fokus auf den Patienten zu richten.

Das Buch „Entlassmanagement“ von Deimel und Müller ist ein empfehlenswertes Werk für Praktiker im Bereich des Entlassmanagement bzw. des Case Management. Es ist vorrangig an Leser gerichtet, die im Krankenhaus arbeiten. Darüber hinaus können alle an der Versorgung Beteiligten und ebenso Studenten in Managementstudiengängen im Gesundheitswesen von der Lektüre profitieren.

Das Buch „Entlassmanagement“ bietet es einen guten Überblick zum Thema, die Praxisbeispiele sind eine hilfreiche Ergänzung der theoretischen Grundlagen. Zahlreiche Grafiken und Abbildungen unterstützen die Verständlichkeit dieser aktuellen Thematik.


Rezension von
Diplom-Pflegewirtin Heike Vogelbusch
MBA
und
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Heike Vogelbusch/Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 18.02.2014 zu: Dominik Deimel, Marie-Luise Müller (Hrsg.): Entlassmanagement. Vernetztes Handeln durch Patientenkoordination. Georg Thieme Verlag (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-13-171041-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15976.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.


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