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Helmut Rießbeck: Einführung in die hypnodynamische Teiletherapie

Cover Helmut Rießbeck: Einführung in die hypnodynamische Teiletherapie. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2013. 128 Seiten. ISBN 978-3-8497-0006-5. D: 13,95 EUR, A: 14,40 EUR, CH: 20,50 sFr.

Reihe: Compact.
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Geschichte der Hypnose

Hypnose ist ein uraltes Verfahren, welches schon seit Jahrtausenden von den Hochkulturen und auch von einfachen Gesellschaften genutzt wird. Hypnose leitet sich von dem griechischen Wort Hypnos ab, was soviel wie Schlaf bedeutet. Ein Mensch in Hypnose sieht auf den ersten Blick auch so aus, als würde er sich in einem schlafenden Zustand befinden.

Mit „Schlaf“ ist eine tiefe Entspannung des Nervensystems und des Körpers gemeint. Auch indische Yogis, Schamanen in Afrika, Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland sowie Menschen unterschiedlicher Geistesrichtungen auf der ganzen Erde waren von derVerbindung zwischen Geist und Körper überzeugt. Unzählige Dokumente, Gemälde und Gravierungen, überall auf der Welt, veranschaulichen, dass die Hypnose jahrhundertelang imgroßen Umfang praktiziert wurde und wird. Menschen in Asien, Lateinamerika, Afrika vertrauen sich noch heute bei vielen Leiden ihren traditionellen Medizinmännern an. Diese Schamanen – Meister der Trance – erzielen bisweilen erstaunliche Erfolge.

Seit 2006 zählt die Hypnotherapie zu den wissenschaftlich anerkannten Therapieverfahren.

Teilearbeit

Die menschliche Persönlichkeit ist keine Einheit, obwohl sie uns normalerweise als eine solche erscheint. Die innere Wirklichkeit lässt sich besser als ein multidimensionales/multimodales Selbst beschreiben, im Gegensatz zur Vorstellung eines konsistenten Ich, wie bei Sigmund Freud. Es gibt viele Therapieschulen, die von einer inneren Vielfalt ausgehen und ihre eigenen Theorien entwickelt haben, z.B. die Transaktionsanalyse von Erik Bern, mit seinem Kind – Ich, Erwachsenen- Ich und Eltern-Ich, die Schematherapie von Jeffrey Young oder den Voice-Dialog des Ehepaars Stone. Die Teiletherapie mit dem Namen „Ego -State-Therapie“, wurde in den 70ziger Jahren des letzten Jahrhunderts von dem Ehepaar John und Helen Watkins in den USA entwickelt. Seine Theorie basiert auf der Psychoanalyse und der Hypnose (vor allem den Ideen von Piere Janet) und seiner Weiterentwicklung zur Ego-State-Theorie durch die beiden Watkins. Aber auch die Ego-State-Theorie ist nur ein Konzept, eine Landkarte und keine Wahrheit.

Autor

Nach dem Studium der Humanmedizin war Helmut Rießbeck lange Zeit in verschiedenen Akutkliniken in Niedersachsen und Ost-Westfalen tätig. So wechselte er nach einem Jahr Neurologie und Psychiatrie in die Allgemeinchirurgie für weitere zweieinhalb Jahre. Dem folgte die Internistische Ausbildung. Nach dem Umzug an seinen heutigen Wohnort Schwabach erhielt er im Juli 1990 die Anerkennung als Arzt für Allgemeinmedizin. Nach einer Zwischenstation in einer pulmologischen Abteilung schloss sich die internistische Weiterbildung am Stadtkrankenhaus Schwabach ab. 1994 wurde Helmut Rießbeck als Arzt für Innere Medizin anerkannt. Die Zusatzbezeichnung Psychotherapie erhielt er im Juni 1999.

Aufbau und Inhalt

Das Buch „Einführung in die hypnodynamische Teiletherapie“ von Helmut Rießbeck besteht aus zehn Kapiteln:

1 Einleitung: Die zweite Revolution nach Freud. Die Einleitung gibt einen kurzen Handlungsabriss über das Buch wieder, gepaart mit seinen Grenzen, Voraussetzungen und vertiefenden Stellen.

2 Der Kummer der Tiefenpsychologie mit der Hypnose – ein produktives Spannungsfeld. Die Vertreter/-innen der Tiefenpsychologie, mit der Zentrierung auf das Wort, haben ein ausgeprägtes Misstrauen und große Angst vor der Verselbständigung averbaler Kommunikation. Hypnotherapeuten/-innen dagegen haben mehr Vertrauen in den Prozess und in die Ressourcen, die den Prozess steuern. Sie haben eher Angst vor der Entgleisung des Prozesses.

3 Hypnoanalyse: Alte Definition und ihre Neuformulierung. In diesem Kapitel folgt ein geschichtlicher Abriss über die Entwicklung der Hypnose vom zweiten Weltkrieg bis heute.

4 Warum überhaupt Teilemodell? Nach klinischer Erfahrung sind Menschen am stärksten beeinträchtigt, wenn sie in ihrer Selbststeuerung und in ihren Kontrollerwartungen erschüttert werden. Dies geschieht regelmäßig dann, wenn gegen den Willen automatisierte Reaktionsmuster ablaufen und in ihrem Ablauf scheinbar unbeeinflussbar sind, wie z.B. bei Panikattacken, Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen. Es wird von den Klienten/-innen durchweg als entlastend und strukturbildend empfunden, wenn diese Ereignisse nicht die ganze Persönlichkeit, sondern nur einen „Teil“ in ihnen betreffen.

5 Licht ins Dickicht der Teilemodelle. Im Rahmen dieser Darstellung werden nun die Multiplizitätsmodelle verglichen, die in einem gewissen Umfang am leichtesten in eine hypnoanalytische Ego-State-Arbeit einfließen können. Dazu zählen:

  • Transaktionsanalyse
  • Schematherapie
  • Ego-State-Therapie
  • Das Modell der strukturellen Dissoziation der Persönlichkeit
  • Modell der inneren Familie nach Schwarz
  • Modell des inneren Teams nach Schulz von Thun sowie das
  • Hypnosystemische Modelle von Gunther Schmidt

6 Der psychische Automatismus – Pierre Janet und seine Grundannahmen. Janet unterscheidet 3 Niveaus von Handlungen, die in unterschiedlichen Ausmaßen mentaler Effizienz aus einzelnen Elementen zusammengefügt wurden:

  • unkoordinierte Reflexe
  • reflexhafte Überzeugungen
  • Blick auf längere Zeiträume

Diese Hierarchie der Handlungssysteme umfasst auch eine Schichtung von Bewusstheit.

7 Beziehung und Übertragung in der Teilearbeit. Die Übertragung von Erfahrungen mit anderen Menschen auf neue Beziehungen ist ein ständiger Prozess. Er findet im Alltag statt wie in Therapien. Wie reagieren dabei auf bestimmte Aspekte beim anderen, die eher prominent, einen anderen State emotional besonders ansprechenden Teilaspekt im anderen, denn auf eine Person in ihrer Ganzheit.

8 Analyse und Intervention aus hypnoanalytischem Verständnis. Vor der Arbeit mit inneren Systemen muss klar sein, ob der Mentalisierungsgrad des/der Klienten/-in den Zugang zu Ego-States überhaupt zu lässt. Mentalisieren bedeutet nicht nur zu verstehen, was in uns und anderen Menschen vor sich geht, sondern auch die Art und Weise zu begreifen, wie wir und andere dies tun.

9 Die therapeutische Wirkung in der hypnoanalytischen Therapie. Der Umgang mit erlebten Vergangenheiten geht von der Vorstellung aus, dass sowohl in der traumatischen wie in der neurotischen Belastung das Zeitraster des Erlebens gestört ist. Dies hat zur Folge, dass Erinnerungen einen unpassend hohen Stellenwert für das gegenwärtige Handeln und Erleben haben können, ebenso wie die Zukunft übermächtige Belastungsvorstellungen und Bewertungen erzeugen kann.

10 Traumatherapeutische Prinzipien als generelle therapeutische Grundhaltung? Das Buch endet mit der Idee, unabhängig von Diagnosen, einen therapeutischen Prozess grundsätzlich mit hypnotherapeutischer Teilearbeit zu beginnen. Der Therapierende fragt also nach Belastungen und dem bisherigen Umgang damit sowie nach inneren Stärken und danach, inwieweit sie nutzbar sind. Damit werden auch verschiedene personale Schemata sichtbar, die die Stressbelastung bisher in Grenzen halten konnten.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an psychotherapeutische Fachkräfte.

Fazit

Das Buch „Einführung in die hypnodynamische Teiletherapie“ vertritt die These, dass hypnotherapeutische und tiefenpsychologische Ansätze mehr sind als ein gutes Gemisch. Sie stellen komplementäre Partner da und heben die Schwächen der jeweils anderen Methode auf. Dabei stellt Hypnotherapie die einzige vor allem zukunfts- und progressivorientierte Methode dar. Rießbeck bietet mit diesem Buch auf der Basis von Pierre Janets Grundannahmen über psychische Automatismen ein Teilemodell an, das normale und pathologische Handlungsweisen von Menschen erklärt. Das Angebot einer Normalitätshypothese mit dazugehörigem Modell schafft für viele Klienten/-innen Erleichterung, Kompliance sowie die Möglichkeit einer erfolgreichen, inneren Integrationsarbeit. Therapierende eigenen sich mit diesem Buch ein Grundlagenwissen über hypnotherapeutische Teiletherapie an, dass vielen Klienten/-innen sehr nützlich und hilfreich sein wird.


Rezensentin
Dr. Kirsten Oleimeulen
Psychologin – Familienberaterin, akkreditierte Psychologin für Gesundheitspsychologie und Prävention (BDP), systemische Familientherapeutin und Supervisorin, online-Beraterin
Homepage www.oleimeulen.info


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Zitiervorschlag
Kirsten Oleimeulen. Rezension vom 21.01.2014 zu: Helmut Rießbeck: Einführung in die hypnodynamische Teiletherapie. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2013. ISBN 978-3-8497-0006-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15977.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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