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Fernanda Pedrina, Susanne Hauser (Hrsg.): Babys und Kleinkinder

Cover Fernanda Pedrina, Susanne Hauser (Hrsg.): Babys und Kleinkinder. Praxis und Forschung im Dialog. Brandes & Apsel (Frankfurt) 2013. 322 Seiten. ISBN 978-3-95558-038-4. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,90 sFr.

Reihe: Jahrbuch der Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalyse - Band 2.
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Herausgeberinnen

Dr. phil. Susanne Hauser ist Diplompsychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin (VAKJP), Psychoanalytikerin (DGPT, MAP) und arbeitet niedergelassen in eigener Praxis in München. Weiterhin arbeitet Frau Dr. Hauser als Dozentin, Supervisorin, Lehranalytikerin und Leiterin der Babyambulanz der MAP sowie als Dozentin für Psychoanalyse an der Ludwig – Maximilians-Universität München.

PD Dr. med. habil. Fernanda Pedrina arbeitet als Kinder- und Jugendpsychiaterin, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin (FMH), Psychoanalytikerin (PSZ), Kinderanalytikerin (ACP), Dozentin und Supervisorin niedergelassen in freier Praxis in Zürich. Außerdem lehrt sie als Privatdozentin im Fachbereich Sozialwesen an der Universität Kassel und als Dozentin im Eltern-Kleinkind-Psychotherapie-Curriculum der ärztlichen Akademie für Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen in München.

Autorinnen und Autoren

Berufliche Informationen zu den einzelnen Autoren erfolgen jeweils im Vorspann der Besprechung des betreffenden Beitrages.

Thema und Zielgruppen

Die Reihe Jahrbuch für Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalyse hat das Ziel, die Anwendung psychoanalytischer Theorie, Forschung und klinischer Erfahrung in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 0 und 25 Jahren einen speziellen Raum zu geben, wobei von Praxis und Forschung neue Impulse ausgehen sollen.

Das Buch richtet sich vorwiegend an KlinikerInnen und ForscherInnen aus dem Bereich der Psychologie und Medizin, aber auch an psychoanalytisch interessierte Fachleute aus der Sozialen Arbeit im Rahmen der Sozialpädagogischen Familienhilfe, Familienhebammen und Sozialpädagogen in der Stationären Jugendhilfe und an Studierende der Früh- und Heilpädagogik.

Aufbau

Nach einem Editorial der Herausgeberinnen folgen zwölf Beiträge unterschiedlicher AutorInnen, die jeweils eigenständig Inhalte und Erfahrungen zum Thema Babys und Kleinkinder in Praxis und Forschung unter psychoanalytischem Blickwinkel erörtern. Nach jedem Beitrag schließt sich ein eigenes Quellen-bzw. Literaturverzeichnis an.

Inhalt

Editorial. Die Herausgeberinnen thematisieren u.a. die massive Infragestellung der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie durch Erkenntnisse aus anderen Forschungsrichtungen, stellen aber fest, dass insbesondere die Psychodynamische Behandlungstradition nach Selma Fraiberg überzeugend weiterentwickelt und anerkannt bleibt (vgl. S.7). In den letzten Jahren werden insbesondere die Erkenntnisse der Bindungstheorie in die Psychoanalyse integriert und nicht wie bisher kontrovers diskutiert. Als weitere Quelle zur Erweiterung der Psychoanalyse sind auch die neurobiologische und genetische Forschung mit großem Interesse insbesondere durch Eltern-Baby-Therapeuten zur Kenntnis genommen worden.

1. Können wir die Kluft zwischen Praxis und Forschung überwinden, wenn es um Bindung geht? Prof. Dr. med. Yvon Gauthier, emeritierter Professor für Psychiatrie an der medizinischen Fakultät der Universität Montreal, ist Mitbegründer und langjähriger Leiter der Clinique d`attachement du Centre hospitalier universitaire me`re-enfant Sainte-Justine in Montreal/Kanada. Der vorliegende Artikel stellt die möglichen fachlichen Überschneidungen der psychoanalytischen Praxis mit bindungstheoretischen Forschungen in den Mittelpunkt der Betrachtungen, wobei aufgeschlüsselt wird, inwieweit neuere Erkenntnisse der Bindungsforschung in der klinischen Praxis sinnvoll übertragen werden können und andererseits die Erfahrungen der Kliniker entsprechend aufgearbeitet werden können. „Die Wege der Forscher und der Kliniker nähern und treffen sich bei der Suche nach einem Sinn, der einem bestimmten Verhalten oder einer problematischen Interaktion innewohnt – einer Sinnsuche, die im Zentrum des Anliegens der Betroffenen steht und für beide Fachrichtungen, Forschung und Praxis, gleichermaßen wegweisend ist.“ (S.40)

2. Über die frühesten Spuren psycho- psychischen Erlebens. Reminiszenzen pränataler traumatischer Erfahrungen in der psychoanalytischen Praxis. Susanne Maiello arbeitet als niedergelassene Psychoanalytikerin für Kinder und Erwachsene in Rom und Mitglied verschiedener internationaler und nationaler psychoanalytischer Vereinigungen, Supervisorin, Dozentin und Leiterin des Säuglingsbeobachtungscurriculums der Berliner Studiengruppe Tavistock Modell. Es wird in diesem Beitrag vom pränatalen Leben als Grunderfahrung mentalen Erlebens ausgegangen, das spätere kindliche Erfahrungen nachhaltig beeinflussen kann. Es ist dabei von einer Kontinuität des intrauterinen Austauschs zwischen dem vorgeburtlichen Kind und seiner Mutter auszugehen, dass sogenannte Proto- Erfahrungen des auditiv-vibratorischen und interaktiven Erlebens die Mutter-Kind-Beziehung nachhaltig prägen, was durch die Fallvignette eines Vorschulkindes mit pränatalen traumatisierenden Erfahrungen exemplarisch aufgearbeitet wird. (vgl. S.13f)

3. Die Musik des Containments: Wie spricht der Psychoanalytiker die Beteiligten einer Mutter-Baby- Psychotherapie an? Dr. phil. Björn Salomonsson ist Kinderanalytiker, Lehranalytiker, Mitglied der Swedish Psychoanalytical Association und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department of Women`s and Children´s Health am Karolinska Institut in Stockholm. Er arbeitet in privater Praxis und als beratender Psychoanalytiker am Mama Mia Child Health Centre in Stockholm. Der Autor bezieht sich in seinem Beitrag auf das Konzept des Containing von Wilfred Bion (1962) Containing bezeichnet in der Psychologie die Fähigkeit von Psychotherapeuten, Projektionen von Patienten vorerst aufzunehmen, ohne die eigenen Emotionen, die durch die Projektionen ausgelöst werden, zu agieren. Es steht die therapeutische Beziehung zu dem Baby im Zentrum und Salomonsson vergleicht die Konstellation in einer Mutter-Kind-Therapie mit einem Kammermusiktrio, „bei dem alle drei zusammenspielen und aufeinander hören, und es zu Störungen kommt, wenn einer rausfällt.“ (S.14)

4. Die Sexualität von Säuglingen im Kontext ihrer Beziehungen verstehen. Campell Paul ist Consultant Infant and Child Psychiatrist am Royal Childrens Hospital in Melbourne, Honorary Fellow am Department für Psychiatrie an der Universität von Melbourne. Frances Thomson- Salo arbeitet in eigener Praxis als Psychoanalytikerin für Erwachsene und Kinder in Melbourne. Sie verfügt über langjährige Erfahrungen als Psychotherapeutin für Kinder im Public Health Service in England und Australien und ist u.a. Dozentin an der Universität Melbourne Graduate Diploma/Masters in Parent and Infant Mental Health. Paul und Thomson-Salo zeigen auf, dass die emotionale Besetzung des Körpers des Babys durch die Eltern vor allem in den ersten Jahren eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass sie später ihren Körper lustvoll erleben und ein entwicklungsförderliches Körperkonzept entwickeln können, was wiederum eine wichtige Voraussetzung für ein positives Selbstwertgefühl darstellt.

5. Vom Mann zum Vater der frühen Kindheit. Christiane Wiesler ist als analytische Kinder- und Jugendlichen- Psychotherapeutin in eigener Praxis tätig und ist Mitbegründerin der Freiburger Babyambulanz und Dozentin am Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Freiburg. Dr. med. Barbara von Kalckreuth arbeitet als Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Ärztin für Psychotherapeutische Medizin in eigener Praxis. Sie ist ebenfalls Mitbegründerin der Freiburger Babyambulanz und Dozentin am Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Freiburg und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der frühen Kindheit (GAIMH). Dr. med. Wolfgang von Kalckreuth arbeitet als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in eigener Praxis. Der Artikel stellt einen Erfahrungsbericht über die Väterarbeit im Rahmen der Freiburger Babyambulanz dar und wie im Unterschied zu früher Väter sich gegenwärtig zunehmend mehr mit ihrer Vaterschaft auseinandersetzen und von Anfang an eine primäre Bezogenheit zu ihrem Baby aufzubauen. Es wird analog zur Mutterschaftskonstellation von einer Vaterschaftskonstellation mit vergleichbaren Themen gesprochen (vgl. S. 139). Die Integration der Väter in die Arbeit der Babyambulanz kann einen Zugang eröffnen, einen eigenen Platz in der Familie zu finden (vgl. S. 15).

6. Die frühen Beziehungsmuster von Jungen. Entwicklungstheorie und Fallbericht aus einem tiefenhermeneutischen Forschungsprojekt. Dr. phil. Frank Dammasch (Diplom-Soziologe und Pädagoge) ist niedergelassen als analytischer Kinder- und Jugendlichen- Psychotherapeut in eigener Praxis und Professor für Psychosoziale Problemlagen und Symptome bei Kindern und Jugendlichen im Fachbereich 4 der Fachhochschule Frankfurt a.M. Sein Forschungsprojekt befasst sich u.a. damit, inwieweit geschlechtsspezifische Vorannahmen und unbewusste Phantasien der Eltern die frühen Interaktionserlebnisse von kleinen Jungen bestimmen. Anhand einer Einzelfallanalyse wird untersucht, in wieweit unsichere Bindungsmuster die Rigidität geschlechtsspezifischer Verhaltensmuster bei Jungen verstärken, während bei sicheren Bindungsqualitäten solche Verhaltensweisen weniger dominieren. (vgl.S.15, S.169f)

7. Posttraumatische Störungen bei Mutter und Kind. Grundlagen vernetzter Interventionen. PD Dr. med. habil. Fernanda Pedrina arbeitet als Kinder- und Jugendpsychiaterin, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin (FMH), Psychoanalytikerin (PSZ), Kinderanalytikerin (ACP), Dozentin und Supervisorin niedergelassen in freier Praxis in Zürich. Außerdem lehrt sie als Privatdozentin im Fachbereich Sozialwesen an der Universität Kassel und als Dozentin im Eltern-Kleinkind-Psychotherapie-Curriculum der ärztlichen Akademie für Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen in München. Anhand eines Fallbeispiels wird expliziert, wie vielschichtig und individuell sich die Symptomatik einer traumabedingten Entwicklungsstörung offenbaren kann und welche besondere Bedeutung die klinische Fachkompetenz der Therapeuten, aber auch die Qualität der Vernetzung mit den anderen Professionen der Jugendhilfe spielt. Denn erst die Begegnung mit dem Kind und seinen Betreuern ermöglicht es, ihre Belastungen, Bedürfnisse und ihre Beziehungsdynamik einzuschätzen (vgl.S.195f).

8. Das Reframing traumatisierter und traumatisierender Beziehungen durch Mutter-Kind-Psychotherapie. Tessa Baradon ist niedergelassene Kinder- und Jugendlichen- Psychotherapeutin in London, Gründerin, langjährige Leiterin des Parent-Infant- Project am Anna Freud Centre, Gastprofessorin an der Universität Johannesburg sowie Mitglied der Association of Child Psychotherapists und der Association of Child Psychoanalysis. Die psychoanalytische Arbeit von Tessa Baradon steht in der Tradition des entwicklungsorientierten Ansatzes des Anna Freud Center und beinhaltet neben der Elternarbeit die direkte Arbeit mit dem Kind. Im vorliegenden Artikel zeigt die Autorin auf, wie durch „Reframing„- Techniken bei transgenerationalen traumatischen Beziehungserfahrungen im „Hier und Jetzt“ des Behandlungsraumes die Erlebnisse in einen anderen Kontext gestellt und damit umgedeutet werden können. Besonders tiefgründig und verständnisvoll werden die therapeutischen Prozesse anhand des Fallbeispiels Mila und David in ihrer gesamten emotional verstrickten Beziehungsproblematik verdeutlicht.

9. Psychoanalytische Psychotherapie eines präödipalen Jungen: werden und loslassen. Übergangsprozesse für charmante Prinzen und ihre Therapeutinnen. Inge-Martine Pretorius (PhD in Mikrobiologie) ist analytische Psychotherapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Leiterin des Eltern-Kleinkind-Programms am Anna Freud Center in London sowie Klinische Tutorin für psychoanalytische Entwicklungspsychologie an dem University College London und am Anna Freud Center. Am Behandlungsverlauf einer psychoanalytischen Therapie eines Vorschulkindes wird unter besonderer Berücksichtigung des entwicklungsorientierten Ansatzes von Anna Freud und ihren Nachfolgerinnen illustriert wie die Entwicklungspsychotherapie zur Anwendung kommt, damit die kindliche Entwicklung gefördert und das Kind Unterstützung durch Spielen erfährt (vgl. S. 242). Mittels Feinjustierungen der Beziehungsebene auf die Entwicklungsbedürfnisse des Kindes ist es möglich, Veränderungen zu initiieren.„Der Analytiker vereinigt also zwei schwierige und eigentlich einander widersprechende Aufgaben in einer Person: er muss analysieren und erziehen“ (vgl. S. 243 zitiert nach A. Freud, 1927, S. 72)

10. „Wer bin ich und zu wem gehöre ich?“ Entwicklungsprozess von Zugehörigkeit und Identität bei Pflegekindern im Vorschulalter. Maria Mögel ist klinische Psychologin und Psychoanalytikerin, die über langjährige klinische und leitende Erfahrungen in der Kinder- und Jugendhilfe verfügt und mit Fernanda Pedrina, Monika Strauss und Daniela Molinari in Zürich seit 2009 eine gemeinsame Praxis “ babyundkleinkind- Zentrum für Entwicklungspsychotherapie“ betreibt. Bei fremdplatzierten Pflegekindern erweist sich die Bindungstheorie als zentrales Konzept zur Charakteristik der Beziehungsqualität zu den Primärbezugspersonen nicht immer als ausreichend aus, um die innerpsychische Konstruktion ihrer Beziehungserfahrungen auszuloten und angemessen zu berücksichtigen. Aus den Erfahrungen der Jugendhilfe zeigt sich, dass Zugehörigkeit und Kontinuitätserleben in weitergefassten sozialen Kontext dazu beitragen können, das Pflegekind bei der Entwicklung einer kohärenten Selbstorganisation zu fördern (vgl. S. 16, S. 268ff).

11. Stationäres interdisziplinäres Behandlungsangebot für psychisch kranke Mütter (Väter) und ihre Kleinkinder. Dr. med. Silvia Reischist Kinder- und Jugendpsychiaterin, leitende Ärztin im Bereich „Frühe Kindheit“ des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes des Kantons Thurgau und neben dem Kleinkindambulatorium zuständig für die interdisziplinär geführte stationäre Eltern- Kind – Einheit in Zusammenarbeit mit Erwachsenenpsychiatrie und Pädiatrie. Anhand eines Fallberichtes einer depressiven Mutter und ihres achtmonatigen Säuglings wird die Brisanz der Beziehungsproblematik zwischen psychisch kranken Eltern und den gleichzeitig hospitalisierten Kindern differenziert und anschaulich dargestellt. Nach anfänglicher ambulanter Betreuung stellte sich heraus, dass auch stationäre Angebote notwendig sind, die drei zentrale Phasen umfassen sollten:

  1. Mutter/Eltern- Kind- Interaktionstherapie (direktiv-psychodynamisch ausgerichtet)
  2. Psychotherapie der Mutter und Paartherapie, Entwicklungsförderung des Kindes
  3. Stabilisierung der Mutter/Eltern- Kind Beziehung (vgl. S.284).

12. SAFE®- Spezial in Kinderkrippen zur Förderung einer sicheren Bindungsentwicklung von Säuglingen und Kleinkindern. PD Dr.med. habil. Karl Heinz Brisch ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Psychiater und Psychoanalytiker für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Gruppen, leitender Oberarzt der Abteilung Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie an der Kinderklinik und Poliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig- Maximilians- Universität München, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Neurologie, Lehranalytiker in Stuttgart sowie Vorsitzender für Deutschland der Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der frühen Kindheit (GAIMH). Julia Quehenberger ist Diplom-Psychologin, SAFE®- Mentorin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Dr. von Haunerschen Kinderspital Abteilung Pädiatrische Psychosomatik. Anne Budke ist SAFE®- Mentorin, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Dr. von Haunerschen Kinderspital Abteilung Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie, B.A.S.E.®-Gruppenleiterin und Mentorin Brigitte Forstner ist SAFE®- Mentorin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Dr. von Haunerschen Kinderspital Abteilung Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie der Ludwig- Maximilians- Universität München. Dr. phil. Christine Kern ist Diplom- Pädagogin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Traumatherapeutin sowie Psychoonkologin und arbeitet im St. Marienhospital Düren- Birkesdorf. Verena Menken ist Pädagogin (M.A.), Reittherapeutin (IPTH), SAFE®-Mentorin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Dr. von Haunerschen Kinderspital Abteilung Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie der Ludwig- Maximilians- Universität München. Das Projekt „SAFE®“ (Sichere Ausbildung für Eltern) ist Präventions- und Trainingsprogramm zur Förderung einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind. Insbesondere sollen Bindungsstörungen vermieden und transgenerationale traumatische Erlebnisse verhindert werden. Das Modellprojekt läuft seit 2005 im Dr. von Haunerschen Kinderspital an der Ludwig-Maximilians- Universität München und richtet sich an alle werdenden Eltern bis etwa zum 7. Schwangerschaftsmonat und wird bis zum Ende des ersten Lebensjahres durchgeführt. In einzelnen schwierigen Fällen wird auch zusätzliche Hilfe im zweiten und dritten Lebensjahr angeboten. In einem Spezial wird auch eine modifizierte Weiterbildung für Fachpersonal in Kinderkrippen angeboten. Das Programm beinhaltet vier Module, ein pränatales und postnatales Seminarmodul, ein Feinfühligkeitstraining für die Eltern, eine Hotline und bei Bedarf Traumatherapie. Anhand von zwei Fallbeispielen wird die individuelle Veränderung im Bindungsverhalten expliziert (vgl. S.17; 311ff).

Diskussion

Trotz teilweiser massiver Infragestellung der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie durch Forschungsergebnisse aus anderen Forschungsrichtungen hat sich die psychodynamische Behandlungstradition nach Fraiberg überzeugend weiterentwickelt und bleibt nach wie vor wissenschaftlich anerkannt. Allerdings ist es bereichernd, neurobiologische und genetische Befunde zu rezipieren und in psychodynamische Erkenntnisse zu integrieren. Dieses Bemühen wird in den einzelnen Beiträgen dieses Buches entsprechend deutlich. Was ebenfalls die psychodynamische Betrachtungsweise vor allem im empirischen Forschungsbereich wesentlich ergänzte ist die Bindungstheorie nach Bowlby und Ainsworth. Damit ergeben sich Möglichkeiten der Untersuchung von psychologischen Prozessen im emotionalen Bereich, die mit den klassischen psychoanalytischen Methoden so nicht möglich waren.

Fazit

Insgesamt ist dieses 2. Jahrbuch der Kinder- und Jugendlichen- Psychoanalyse ein gelungenes Dokument, das die Bedeutung moderner psychoanalytischer Erkenntnisse mit der Integration und Modifikation von neuen Forschungsergebnissen der Neurobiologie, der Genetik und der Bindungstheorie verbindet. Mehr denn je zeigt sich, dass besonders präventive Fördermöglichkeiten im frühkindlichen Bereich dazu beitragen, um im Vorfeld eventuell spätere Verhaltensprobleme abzumildern bzw. nicht erst aufkommen lassen.

Literatur:

Freud; Anna: Einführung in die Psychoanalyse. Vorträge für Kinderanalytiker und Lehrer. AF Schriften, München 1927


Rezension von
Prof. Dr. Eva-Mia Coenen
Studienrichtungsleiterin Hilfen für Erziehung an der Staatlichen Studienakademie Breitenbrunn
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Zitiervorschlag
Eva-Mia Coenen. Rezension vom 06.02.2015 zu: Fernanda Pedrina, Susanne Hauser (Hrsg.): Babys und Kleinkinder. Praxis und Forschung im Dialog. Brandes & Apsel (Frankfurt) 2013. ISBN 978-3-95558-038-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15985.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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