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Ada Borkenhagen, Aglaja Stirn u.a. (Hrsg.): Handbuch Körpermodifikationen

Cover Ada Borkenhagen, Aglaja Stirn, Elmar Brähler (Hrsg.): Handbuch Körpermodifikationen. Praktischer Leitfaden für Ärzte, Psychologen, Betreuer und Berater. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2013. 300 Seiten. ISBN 978-3-941468-88-7. D: 39,95 EUR, A: 41,15 EUR, CH: 48,00 sFr.
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Thema

Tatoos und Piercings sind in der Öffentlichkeit allgegenwärtig. Andere Körperveränderungen, wie sie durch die moderne Schönheitschirurgie ermöglicht werden, sind weniger sichtbar, tragen aber gleichwohl zum Wohlbefinden der Betroffenen bei. Dieses Buch beschäftigt sich mit derartigen Körpermodifikationen, die zum größten Teil mit professioneller Hilfe, gelegentlich aber auch durch die Betroffenen selbst vorgenommen werden. Zu den Themen zählen die eben erwähnten Hautveränderungen ebenso wie Veränderungen der Brüste oder der Geschlechtsorgane bis hin zum Body Building.

Autorinnen und Autoren

Mehr als 30 Autorinnen und Autoren tragen nicht nur ihr Wissen über solche Veränderungsmöglichkeiten und die entsprechenden Risiken zusammen, sondern berichten zu einem großen Teil aus eigener klinischer Erfahrung, welche Motive die Betroffenen veranlassen, eine Körperveränderung vornehmen zu lassen und welches Körper- und Selbstgefühl sich bei ihnen nach erfolgter Veränderung einstellt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst 18 Kapitel, von denen sich die meisten auf die phänomenal sichtbaren Veränderungen beziehen, einige Kapitel aber auch auf diametrale Fragen. Die Themen der einzelnen Kapitel sind:

  • Tätowierungen
  • iercings
  • Schönheitsoperationen
  • Minimalinvasive schönheitschirurgische Eingriffe
  • Adipositaschirurgie
  • Dento-orales Tuning
  • Körpermodifizierende Maßnahmen im Verlauf transsexueller Entwicklungen
  • Körpermodifikationen bei Intersexualität
  • Seelische Aspekte bei einem Wunsch nach operativer Korrektur
  • Männliche Genitalbeschneidung
  • Ästhetische Chirurgie des weiblichen Genitals
  • Weibliche Genitalverstümmelung
  • Selbstverletzendes Verhalten
  • Amputationen
  • Die Tiefe Hirnstimulation
  • Essstörungen
  • Mode
  • Bodybuilding.

Die einzelnen Kapitel sind dabei nach einem einheitlichen Muster gegliedert:

  • Phänomenologie,
  • medizingeschichtlicher oder kultureller Hintergrund,
  • Prävalenz,
  • Nebenwirkungen und Komplikationen,
  • rechtliche Rahmenbedingungen und psychisch-motivationale Aspekte.

Abschließend wird jeweils ein Fazit für die Praxis der Beratung gezogen. Angesprochen werden in erster Linie Ärzte, Psychologen und andere Gesundheitsberufe mit einer beratenden Funktion. Zahlreiche Fotos und Abbildungen veranschaulichen die jeweils durchgeführten Körperveränderungen.

Diskussion

Das Buch lässt eine Vielfalt von Motiven erkennen, aus denen heraus Körperveränderungen beabsichtigt werden oder schon durchgeführt wurden. Solche Motive sind zum Tel indikationsunspezifisch (z.B. Annäherung an Schönheitsideale, Erhöhung der eigenen Attraktivität und des eigenen Selbstwertgefühls, Beitrag zur eigenen Identität bzw. Unverwechselbarkeit), zum Teil aber auch spezifisch (z.B. bei Genitalkorrekturen, die aus Scham oder aus hygienischen Gründen durchgeführt werden). Zu den Spezifika zählt auch, dass z.B. Botox-Einspritzungen in der Hoffnung veranlasst werden, hinterher jünger und entspannter auszusehen, oder dass Adipositas-Behandlungen initiiert werden, um einer Diskriminierung und Stigmatisierung zu entgehen. Ein Generalmotiv scheint die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper zu sein, welche sowohl auf sozialisationsbedingte Gründe als auch auf Bedürfnisse nach Anpassung an medial verbreitete, frauen- oder männerspezifische Schönheitsnormen zurückgeführt werden kann.

Fazit

Das Buch ist allen Professionellen zu empfehlen, welche bei der Beratung über mögliche Körperveränderungen eine beratende bzw. durchführende Rolle einnehmen. In ihrer Verantwortung liegt es letztlich, ob Betroffene eine zumeist unumkehrbare Veränderung ihres Körpers durchführen lassen, welche auch noch Bestand hat, wenn sich die ursprüngliche Motivation oder die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper aus anderen Gründen geändert hat. Obwohl das Buch körperliche Modifikationen thematisiert, regt es doch zugleich dazu an, gemeinsam mit den Betroffenen der psychologischen Frage nachzugehen, warum sie mit dem eigenen Körper unzufrieden sind oder ihre Identität über die Beschaffenheit ihres Körpers zu definieren versuchen.


Rezension von
Prof. Dr. Hans Wolfgang Hoefert


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Zitiervorschlag
Hans Wolfgang Hoefert. Rezension vom 12.03.2014 zu: Ada Borkenhagen, Aglaja Stirn, Elmar Brähler (Hrsg.): Handbuch Körpermodifikationen. Praktischer Leitfaden für Ärzte, Psychologen, Betreuer und Berater. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2013. ISBN 978-3-941468-88-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16006.php, Datum des Zugriffs 24.02.2020.


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