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Dacher Keltner, Keith Oatley u.a.: Understanding Emotions

Cover Dacher Keltner, Keith Oatley, Jennifer M. Jenkins: Understanding Emotions. John Wiley & Sons Corporate Headquarters (Hoboken, NJ 07030-5774) 2013. 3. überarbeitete Auflage. 520 Seiten. ISBN 978-1-118-14743-6. 182,00 EUR.
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Thema und Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit dem aktuellen Forschungsverständnis von Emotionen, basierend auf Ergebnissen der empirischen Psychologie. Es ist als Lehrbuch für amerikanische Universitätsstudierende konzipiert und derzeit ausschließlich in Englischer Sprache verfügbar. Aufgrund seiner außerordentlich hochwertigen und verständlich kritischen Darstellung vergangener und aktueller Forschungsergebnisse, wird es hier als vertiefende Literatur für Bachelor- und Masterstudierende der Psychologie vorgestellt.

Autor/innen

Dacher Keltner ist Professor an der University of California in Berkeley. In seiner Forschung konzentriert er sich auf Emotionen in sozialen Interaktionen und Emotionen als Basis moralischen Handelns. Er verwendet das vorliegende Buch in einer großen, jährlichen Vorlesung mit dem Titel „Human Emotions“. Keith Oatley ist Professor an der University of Toronto und forscht unter anderem zu den Themen Motivation und Emotion. Jennifer M. Jenkins lehrt ebenfalls an der University of Toronto und publiziert zu Fragestellungen der soziale und emotionale Entwicklung, Interaktionen in Familien und Psychopathologie im Kindesalter.

Aufbau und Inhalt

„Understanding Emotions“ ist thematisch aufbauend konzipiert und beschäftigt sich mit vier übergeordneten Fragen aus der Emotionspsychologie, deren Beantwortung sich auf vier korrespondierende Abschnitte verteilt. Diese Grundgliederung gestaltet sich wie folgt:

  1. Wie können Emotionen verstanden werden? (Perspectives on Emotions)
  2. Was sind Emotionen? (Elements of Emotions)
  3. Welche Rolle spielen Emotionen im sozialen Leben? (Emotions and Social Life)
  4. Welche Rolle spielen Emotionen für das Individuum? (Emotions and the Individual)

Die Abschnitte untergliedern sich in eine Vielzahl von Teilaspekten, die im Folgenden kurz darstellte werden. Jeder Teilabschnitt beschäftigt sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die zur Beantwortung der übergeordneten Frage beitragen. Dabei gelingt es den Autor/innen stets, die Aussagekraft und Grenzen verschiedener Forschungsdesigns angemessen und verständlich zu diskutieren.

Der erste Teil des vorliegenden Werkes widmet sich der Frage, wie Emotionen verstanden werden können. Dabei stellen die Autor/innen zunächst frühe Entwicklungen in der Philosophie, Psychoanalyse und Soziologie dar (Approaches to „Understanding Emotions“). Es folgen detaillierte Einführungen in den evolutionstheoretischen (Evolution of Emotion) und kulturtheoretischen Ansatz (Cultural Understanding of Emotions). In beiden Abschnitten konzentrieren sich die Autor/innen auf die Arbeiten von Charles Darwin, William James und Paul Ekman.

Im folgenden Abschnitt zwei besprechen Keltner, Oatley und Jenkins die Frage, was Emotionen sind. Dabei führen die Autor/innen zunächst in die komplexe Kommunikation von Emotionen mittels nonverbalem und vokalem Ausdruck ein (Communication of Emotions). Besonders gelungen ist die scharfsinnige Diskussion zu kulturellen Unterschieden und Ähnlichkeiten im emotionalen Austausch. Der Rest des Abschnitts beschäftigt sich mit der Physiologie von Emotionen (Bodily Changes and Emotions), involvierten Prozessen des zentralen Nervensystems (Brain Mechanisms and Emotions), sowie die Bewertung, Verarbeitung und das Erleben von Emotionen (Appraisal, Knowledge, and Experience).

Der dritte Abschnitt von „Understanding Emotions“ diskutiert, welche Rolle Emotionen im sozialen Miteinander spielen. Zunächst stellen die Autor/innen empirische Erkenntnisse zur emotionalen Entwicklung im Kindesalter vor (Development of Emotions in Childhood). Es folgt ein exzellenter Überblick zur komplexen Rolle von Emotionen in sozialen Beziehungen (Emotions in Social Relationship). Dabei besprechen Keltner, Oatley und Jenkins neben Wechselwirkungen in Liebesbeziehungen auch Forschung, die sich mit Emotionen in Freundschaften, hierarchischen Systemen, sowie Eigen- und Fremdgruppen beschäftigt. Der Abschnitt endet mit einer Diskussion des Zusammenhangs von Emotionen und Kognition (Emotions and Cognitions). Der Erkenntnis, dass Emotionen massiven Einfluss auf Denken, Planen und Entscheiden haben, wird hier ein besonderer Stellenwert eingeräumt.

Der letzte Teil des Buches beleuchtet die Rolle von Emotionen in Bezug auf das Individuum. Im ersten Teilabschnitt werden individuelle Unterschiede in Bezug auf die Häufigkeit, mit der bestimmte Emotionen erlebt werden fokussiert (Individual Differences in Emotionality). Ferner, wie diese emotionalen Realitäten aufrechterhalten werden. Im Anschluss werden pathologische Extreme solcher Prädispositionen besprochen (Emotion-Based Disorders of Childhood und Mental Disorders and Well-Being in Adulthood). Die Autor/innen bieten in diesem Zusammenhang eine ausführliche Zusammenfassung möglicher Kausalfaktoren für die Entwicklung psychischer Störungen an. Die Tatsache, dass Emotionen oftmals der Kern dysfunktionaler Entwicklungen sind ist einer der wichtigsten Erkenntnisse für die unmittelbare Anwendung. Der letzte Teilabschnitt beschäftigt sich mit dem Bewusstsein von Emotionen, deren Regulation und Bearbeitung im psychotherapeutischen Prozess (Consciousness, Regulation, Psychotherapy).

Alle Teilabschnitte beginnen mit einem Überblick über deren Inhalte und enden mit einer Zusammenfassung, sowie Vertiefungsfragen und Literaturempfehlungen.

Diskussion

Mit dem vorliegenden Werk stellen Keltner, Oatley und Jenkins ein anspruchsvolles Lehrbuch vor, das es versteht, Forschungsergebnisse aus unterschiedlichen Disziplinen der Psychologie zusammenzutragen, in Bezug auf das übergeordnete Thema Emotionen zu verdichten und anschließend kritisch zu diskutieren. Aufbau, Schreibweise und Zusammenfassungen helfen den Lesenden, der zuweilen komplexen Materie zu folgen und motivieren, sich weiter mit den dargestellten Themen auseinanderzusetzen. Eine spezifische Diskussion der Rolle von Emotionen in anderen Anwendungsbereichen der Psychologie, zum Beispiel im arbeits- und organisationspsychologischen oder pädagogischen Kontext, erscheint wünschenswert.

Fazit

„Understanding Emotions“ ist ein psychologisches Fachbuch und setzt ein grundsätzliches Verständnis empirischer Forschung voraus. Die Englischkenntnisse, die derzeit von Studierenden der Psychologie gefordert werden, reichen für die Lektüre aus. Für interessierte Bachelor- und Masterstudierende ist es außerdem eine hervorragende Möglichkeit, sich intensiv mit dem Bereich der Emotionsforschung auseinanderzusetzen und ein gesundes Verständnis für die Aussagekraft und Grenzen verschiedener Forschungsdesigns zu verinnerlichen. Besonders für Studierende im Schwerpunkt Klinische Psychologie bietet das vorliegende Buch eine anspruchsvolle Grundlage für die spätere berufliche Praxis. Ferner ist das Buch eine klare Empfehlung für die Psychologische Psychotherapeut/innen, Lehrende und Psycholog/innen aus dem Bereich der Personalentwicklung. Letztlich kann man die dargestellten Inhalte als essenzielles Erklärungsmodell unserer sozialen Beziehungen und unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens verstehen.


Rezension von
Johannes Heekerens
M.Sc. Psych.
Homepage www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsberei ...
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Zitiervorschlag
Johannes Heekerens. Rezension vom 04.12.2013 zu: Dacher Keltner, Keith Oatley, Jennifer M. Jenkins: Understanding Emotions. John Wiley & Sons Corporate Headquarters (Hoboken, NJ 07030-5774) 2013. 3. überarbeitete Auflage. ISBN 978-1-118-14743-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16011.php, Datum des Zugriffs 30.03.2020.


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ISSN 2190-9245

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