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Alexandra Häckel: Bilinguale Kita-Einrichtungen

Cover Alexandra Häckel: Bilinguale Kita-Einrichtungen. Untersuchungen zur sprachlichen Entwicklung deutsch-englisch bilingual betreuter Kita-Kinder. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2013. 324 Seiten. ISBN 978-3-8340-1241-8. D: 36,00 EUR, A: 37,10 EUR, CH: 47,90 sFr.

Reihe: Sprachenlernen konkret! - Band 13.
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Thema

Die Autorin beschäftigt sich in ihrem Buch mit Fragen der Mehrsprachigkeit und des Zweitspracherwerbs im Rahmen dreier Projekte, die in bilingual ausgerichteten Kindertageseinrichtungen durchgeführt wurden. Insbesondere die Untersuchungsergebnisse zur Sprachentwicklung deutsch-englisch-bilingual betreuter Kinder im Alter von 3-6 Jahren sind Schwerpunkt des Buches. Die Publikation ist die leicht veränderte Version der Dissertationsschrift der Autorin, Frau Alexandra Häckel, welche sie im Jahr 2011 bei der Pädagogischen Hochschule Schäbisch Gmünd eingereicht hat.

Autorin

Frau Häckel hat an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd die Fächer Deutsch und Englisch mit dem Studienziel des Grund-und Hauptschullehramts studiert. Nach Abschluss des ersten Staatsexamens hat sie zunächst einen Diplomstudiengang in Schulpädagogik absolviert. Von 2006 bis 2012 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Englisch an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd tätig. Im Rahmen ihrer Promotion beschäftigte sie sich mit dem frühkindlichen Fremdsprachenerwerb im Kontext bilingualer Angebote an Kindertageseinrichtungen. Inzwischen arbeitet sie als Lehrerin in Hamburg. (Quelle: dem Buch „Bilinguale Kita-Einrichtungen“ entnommen)

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in drei Teile untergliedert. Die Autorin geht folgenden Fragestellungen nach:

  1. Können messbare Fortschritte im Verständnis der englischen Grammatik und des englischen Wortschatzes bei bilingual betreuten Kindergartenkindern festgestellt werden?
  2. Welchen Einfluss haben darauf die pädagogische Konzeption der Einrichtung und die Dauer des täglichen englischen Inputs pro Tag?
  3. Gibt es Unterschiede im Sprachverhalten aufgrund von Geschlecht oder bestehendem Migrationshintergrund?

Im Teil 1 geht es um den theoretischen Hintergrund beim Zweitspracherwerb. Die Autorin nimmt dabei Bezug auf Erkenntnisse der Neurophysiologie und der Psycholinguistik. Sie beschreibt den Prozess des Spracherwerbs bei der Zweitsprache und stellt wissenschaftlich fundierte Sichtweisen bezüglich der Systematik beim Zweitspracherwerb vor.

Des weiteren setzt sie sich kritisch mit der kontrovers diskutierten Frage nach dem Spracherwerb und dem Alter auseinander. Sie bezieht sich dabei auf zahlreiche Studien aus dem In-und Ausland und stellt vergleichende Schlussfolgerungen. In ihrer Zusammenfassung verdeutlicht sie, dass ein früher Beginn beim Zweitspracherwerb zwar sinnvoll ist, aber nur dann effizient, wenn die Kinder kontinuierlichen und qualitativ hochwertigen fremdsprachlichen Input erhalten, der für sie authentisch und relevant ist. Sie weist dabei auch auf die Wichtigkeit der alltagsintegrierten Sprachförderung hin, die eingebettet ist in den Alltag und das Spielverhalten der Kinder.

Die Autorin erläutert außerdem die Immersionsmethode und das „Eine Person-Eine Sprache Prinzip“, die in den Projekteinrichtungen angewandt werden. Aufgrund der verschiedenen Konzeptionen der Einrichtungen stellt sie die Grundzüge der Montessoripädagogik und der offenen Arbeit vor und verdeutlicht anhand von Praxisbeispielen die Möglichkeiten dieser Profile in Hinblick auf eine bilinguale Erziehung der Kinder.

Im Teil 2 stellt die Autorin die Methoden und Daten zu den Erhebungsbereichen vor. Sie gibt einen detaillierten Einblick über die Datenanalyse und die Ergebnisse zu den rezeptiven Fähigkeiten der Kinder in der englischen Sprache. Die Sichtweisen der Eltern und der Erzieherinnen zur bilingualen Erziehung werden aufgenommen und sie stellt die Ergebnisse der Elternfragebögen ebenso vor, wie sie auch Einblick in die Erzieherinneninterviews gibt.

Im Teil 3 setzt sich Frau Häckel kritisch mit den Methoden und den Testmaterialien auseinander. Sie analysiert die Ergebnisse, interpretiert diese und stellt Schlussfolgerungen auf.

Diskussion

Die Autorin hat sich in ihrem Buch mit einem bildungspolitisch bedeutsamen und durchaus kontrovers diskutierten Thema auseinandergesetzt, das auch im Focus der Fachmedien steht. Im Buch wird die Thematik der Sprachentwicklung von deutsch-englisch- bilingual betreuten Kindern inhaltlich schlüssig aufgebaut.

Frau Häckel gelingt es immer dann besonders gut, Interesse zu wecken, wenn sie Zusammenhänge darstellt und ihre Fragestellungen mit der Praxis der Einrichtungen verknüpft.

Allerdings wäre es sinnvoll gewesen, die Untersuchungsergebnisse auf das Wesentliche zu beschränken. Die Ausführungen der Einzelergebnisse mögen für eine wissenschaftliche Facharbeit relevant sein, aber für den interessierten Leser eher wenig von Bedeutung. Auch erschweren die häufigen Erklärungen und Erläuterungen zur Vorgehensweise das flüssige Lesen und die Konzentration auf die wesentlichen Punkte.

Fazit

Für wissenschaftliche Fachkreise ist das Buch sicherlich aufschlussreich. Für interessierte Pädagogen/innen werden interessante Fragestellungen erläutert, wenngleich es gerade für die in der Praxis arbeitenden Fachkräfte spannend gewesen wäre, wenn im praxisbezogenen Teil einige Aspekte etwas ausführlicher beleuchtet worden wären, z.B. die Zusammenarbeit zwischen den deutsch und englisch sprechenden Teammitgliedern.


Rezensentin
Rita Ajas
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Zitiervorschlag
Rita Ajas. Rezension vom 19.09.2014 zu: Alexandra Häckel: Bilinguale Kita-Einrichtungen. Untersuchungen zur sprachlichen Entwicklung deutsch-englisch bilingual betreuter Kita-Kinder. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2013. ISBN 978-3-8340-1241-8. Reihe: Sprachenlernen konkret! - Band 13. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16019.php, Datum des Zugriffs 14.11.2018.


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