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Klaus Hansen: Die Hochschule als komischer Ort

Rezensiert von Prof. (em) Dr. Herbert Effinger, 15.01.2014

Cover Klaus Hansen: Die Hochschule als komischer Ort ISBN 978-3-8196-0920-6

Klaus Hansen: Die Hochschule als komischer Ort. Humoreske Annotationen. Universitätsverlag Brockmeyer (Bochum) 2013. 63 Seiten. ISBN 978-3-8196-0920-6. D: 9,90 EUR, A: 10,20 EUR, CH: 14,90 sFr.

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Thema

Am Ende seiner Karriere als Hochschullehrer blickt der Autor auf freiwillige und unfreiwillige Komik des Hochschulalltages.

Autor

Vor seiner Berufung als Professor für Politikwissenschaft politische Bildung in den Studiengängen Soziale Arbeit und Kulturpädagogik an der Hochschule Niederrhein war Klaus Hansen Dozent und Leiter der Theodor-Heuss-Akademie und Regierungsdirektor im Bundesinnenministerium. An der Hochschule befasste er sich u.a. mit „kreativem Schreiben“ und der Faszination des Spiels. In den letzten Jahren galt sein Forschungsinteresse dem altruistischen und zivilcouragierten Verhalten.

Entstehungshintergrund

Bei dem Büchlein handelt es sich um den Text seiner Abschiedsvorlesung im Sommersemester 2013 und einer Zusammenstellung von „Denkplakaten“.

Aufbau und Inhalt

Der Text ist fragmentarisch und anekdotisch aufgebaut.

Der Autor beschäftigt sich zunächst mit der bekannten Figur des weltfremden, bibliomanischen und zerstreuten Professors und Eigenbrödlers, der sich mit skurrilen Forschungsfragen befasst und unter mangelnder Anerkennung leidet. Im Kontext einer Hochschule als Hochschule der angepassten Wissenschaften, wird er zunehmend „vom versierten Netzwerker und dem in den Windkanälen spätkapitalistischer Trends und Driften geschmeidig gemachten Wissenschaftskaufmann“ (9) verdrängt. Hier verkomme die Wissenschaft zur bloßen Sprechweise des Nichtwissenden.

Anschließend beschreibt er wie es bei geneigten Zuhörern von weitgehend unverständlichen Vorträgen zum „Stockholmsyndrom“ kommen kann, wenn sich der Ärger darüber in Mitleid transformiert.

Nun wendet er sich den Paradoxien des Forschungs- und Zitierbetriebes zu. Dabei weist es auf Forschungsprojekte und -ergebnisse hin, deren Nutzen mehr als fraglich erscheint,aber doch immer gut für einen Lacher ist. So beispielsweise, wenn festgestellt wird, dass ausgeprägtes Gitarrespielen zur Brustwarzenvereiterung führen kann oder dass Jugendliche durchschnittlich viermal täglich in der Nase bohren.

Unter der Überschrift „Großer Ruf, kleines Ansehen“ setzt er sich im Folgenden mit der magischen Bedeutung von Abkürzungen wie PROM (Promotion), HABIL (Habilitation), WIPRO (Wissenschaftliches Profil) und den Bewerbungsritualen in einer PROVO (Probevorlesung) auseinander. Er skizziert den Professor als einen Geltungskranken, der erst über die Liebe zu einer Frau (oft Studentin) wieder in das wahre Leben zurückfindet. Allerdings verweist der Autor darauf, dass diese Überlebensstrategie durch gendersensible Umgangsformen zunehmend verbaut wird.

Zum Ende seiner Anekdoten zeichnet er das Bild des geltungssüchtigen Wissenschaftlers und zitiert aus Uri Hurtigs „Knigge für Konferenzprofis“ die wichtigsten Ratschläge zum wirksamen Aufsichaufmerksammachen: 1. Handy anlassen. 2. Antizyklisch essen und 3. vorzeitig abhauen. Etwas resignierend schließt Hansen mit der Vermutung, dass „etwas ganz genau zu wissen“ allmählich verloren geht und „das Ideal des Ungefähren, des bloß Angedeuteten, (…) an die Stelle des Glasklaren (tritt).“ (30)

In der zweiten Hälfte des Buches sind Plakatentwürfe abgedruckt, welche der Autor als Denkanstöße in seiner Hochschule aufhängen wollte. Diese „Denkplakate“ – zumeist in Form von Buchstaben und Wortspielen – enthalten teilweise skurrile und paradoxe Botschaften.

Diskussion

Der recht kurze Text (30 Seiten) mit seinen Anekdoten und Textfragmenten enthält teilweise bekannte Klischees über den Wissenschaftsbetrieb. Von diesem verabschiedet sich jemand in einer überwiegend witzigen und heiter-gelassenen manchmal aber auch ein wenig launigen und larmoyanten Weise. Man spürt sowohl den Schmerz des Abschieds vom Gewohnten als auch die Freude darüber, die komischen und teilweise lästigen Mechanismen dieses Systems hinter sich lassen zu können. Der Sinn der Denkplakate hat sich dem Rezensenten nicht immer ganz erschlossen. Da könnte man noch einige herausnehmen und die Texte damit illustrieren. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Fazit

Das Büchlein scheint für Insider, Mitglieder des Hochschulbetriebes, geeignet, die hier auf eine durchaus kurzweilige Art ein wenig den Spiegel vorgehalten bekommen. Für Außenstehende ist es jedoch eher unverständlich oder verfestigt eh schon vorhandene Klischees.

Rezension von
Prof. (em) Dr. Herbert Effinger
Diplomsozialpädagoge (DBSH, Supervisor (DGSv), Case Management Ausbilder (DGCC), Professor für Sozialarbeitswissenschaft/Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Dresden
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Es gibt 25 Rezensionen von Herbert Effinger.

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Zitiervorschlag
Herbert Effinger. Rezension vom 15.01.2014 zu: Klaus Hansen: Die Hochschule als komischer Ort. Humoreske Annotationen. Universitätsverlag Brockmeyer (Bochum) 2013. ISBN 978-3-8196-0920-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16021.php, Datum des Zugriffs 30.11.2022.


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