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Richard Blonna: Effektiver coachen mit ACT

Cover Richard Blonna: Effektiver coachen mit ACT. Psychologisches Handwerkszeug für Coaches. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2013. 186 Seiten. ISBN 978-3-87387-840-2. D: 17,90 EUR, A: 18,40 EUR, CH: 25,90 sFr.

Reihe: Coaching & Beratung - ACT & Coaching.
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Thema

Der Autor überträgt die Acceptance und Commitment Therapie (ACT) in die Coachingpraxis. ACT verbindet verhaltenstherapeutische Ansätze und Methoden mit achtsamkeitsfokussierenden Interventionen. Dabei werden sowohl theoretische Hintergründe beschrieben, als auch vielfältige praktische Arbeitshinweise bis hin zu Arbeits- und Übungsvorlagen gegeben.

Autor

Nach Angaben des Verlages ist der Autor Hochschulprofessor, Autor und Coach. ACT integriert er dabei in seine Lehrtätigkeit und in seine Arbeit als Coach. Er selbst gibt an, dass er ebenfalls Gesundheitsberater und Spezialist für Gesundheitserziehung ist.

Entstehungshintergrund

Der Autor selbst beschreibt, dass sein Buch seines Wissens das Erste ist, das ACT und Coaching miteinander verbindet. Dies ist ihm ein besonderes Anliegen und er ist davon überzeugt, dass Coaching und ACT besonders gut für zu fördernde Entwicklungsmöglichkeiten des Klienten zusammenpassen. Ausgehend von einer früheren Veröffentlichung „ACT in Verbindung mit Stress“ wurde im deutlich, wie leicht der Ansatz auch in das Coaching zu übertragen ist.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beginnt mit einer Danksagung und einer Einleitung.

1. Kapitel „ACT-Coaching und Psychotherapie“. Ausgangspunkt ist für Blonna die psychische Inflexibilität des Klienten. Sie führt dazu, dass er sich in einer Sackgasse befindet. Sechs Faktoren tragen besonders dazu bei: Festhalten an einem bestimmten Selbstkonzept, Kognitive Fusion, Vorherrschen veralteter Skripte und Lerninhalte, Erlebensvermeidung, Unklare Wertvorstellungen, Untätigkeit und Impulsivität. Genau hier setzt ACT an und begegnet im Coaching der Inflexibilität mit sechs therapeutischen Prozessen: Präsent sein, als wertvoll eingeschätzte Orientierung definieren, engagiertes Handeln, das Selbst als Kontext, akzeptieren üben und kognitive Defusion anwenden. Im weiteren Verlauf des Kapitels grenzt der Autor Coaching von Psychotherapie ab und bietet dem Leser eine Checkliste zur Überweisung an einen Therapeuten an.

2. Kapitel „Was ist ACT?“ Der Autor erläutert die Buchstaben von „ACT“ Akzeptieren, Commitment und Therapie. Akzeptieren meint in erster Linie Achtsamkeit, Commitment fokussiert die Selbstverpflichtung des Klienten, Therapie steht dafür den Klienten dabei zu unterstützen wieder psychisch flexibler agieren zu können. Die zentralen theoretischen Grundlagen von ACT sind vier Schlüsselkonzepte, die Blonna wie folgt benennt:

  1. Das Gehirn ist eine Nonstop-Denkmaschine
  2. Gegenwärtige Gedanken und Gefühle werden durch Bezugsrahmen der Vergangenheit gefiltert
  3. Wörter und Sprache spielen eine Schlüsselrolle in Hinsicht auf Ihr Wohlergehen.
  4. Das Denken kann nicht kontrolliert werden, das Verhalten, das als Reaktion auf dieses Denken erfolgt, jedoch sehr wohl.

Das Kapitel endet mit den zehn häufigsten Denkfallen. Im der ACT geht es vor allem darum, das der Klient die Denkfallen erkennt und dann kontrolliert, wie er sich dazu verhält. Es wird davon ausgegangen, dass es durch Übung möglich ist, die Denkfallen frühzeitig wahrzunehmen und damit das „Hineintappen“ zu vermeiden. Blonna erläutert dann, wie sich die einzelnen Denkfallen entschärfen lassen.

In den Kapiteln 3 – 7 wird das Buch praktischer und der Autor stellt vielfältige Arbeitspapiere und Übungsaufgaben für den und mit dem Klienten vor.

3. Kapitel „Seelischen Sackgassen und wie man sich aus ihnen befreit“. In diesem Kapitel orientiert er sich an den sechs oben genannten therapeutischen Prozessen (Präsent sein, als wertvoll eingeschätzte Orientierung definieren, engagiertes Handeln, das Selbst als Kontext, akzeptieren üben und kognitive Defusion anwenden). Ziel ist es den Klienten dabei zu unterstützen mehr psychische Flexibilität zu gewinnen. Blonna hebt dabei besonders die „kognitive Defusion“ und „das Selbst als Kontext“ sowie die Achtsamkeit und das Akzeptieren hervor.

4. Kapitel „Klienten helfen, eine wertebasierte Lebensrichtung zu definieren“. Werte beschreibt Blonna als Spiegel der Seele. Dabei unterscheidet er Kernwerte und Satellitenwerte. Die Kernwerte stehen nach seiner Vorstellung im Zentrum und sind von den Satellitenwerten umgeben. Kernwerte sind nach seiner Auffassung das Fundament der Persönlichkeit. Für die Werteklärung orientiert er sich an dem ursprünglichen Modell zur Werteklärung von S. Simon, L. Howe und H. Kirschenbauch (1995). Dies folgt 4 Stufen:

  1. Werte erkunden
  2. Werte auswählen und nach Wichtigkeit einstufen
  3. Werten öffentlich bestätigen
  4. Nach Werten handeln.

Anschließend stellt Blonna ein auf diese Stufen und ACT begründetes System zur Werteklärung vor und bietet dazu umfangreiche praktische Umsetzungsvorschläge an.

5. Kapitel „Klienten helfen, Ziele zu setzen und sich Handlungen zu verpflichten“. Hier ist der Bezug zum Commitment zentral. Dabei werden die Werteaspekte aus Kapitel 4 mit der Selbstverpflichtung und dem Prozess der eigenen Zielsetzung verknüpft. Effektiv aus der Perspektive von ACT ist dabei, einen engen Bezug zwischen den eigenen Werten und der eigenen Zielsetzungen herzustellen. Dabei geht es um das Setzen von realistischen Zielen und den Zusammenhang zwischen Inflexibilität und Zielen.

6. Kapitel „Klienten helfen, präsent zu sein“. Kapitel 6 ist geprägt vom Thema „Achtsamkeit“. Achtsame Augenblicke werden dabei beschrieben als gegenwartsbezogen, nicht beurteilend, nonverbal und nicht konzeptuell. Blonna skizziert zu Beginn grundlegende Annahmen über Aufmerksamkeit, um dann für ein tägliches Achtsamkeitstraining zu plädieren. Dabei arbeitet er deutlich heraus, wie zentral die Achtsamkeit für die ACT ist.

7. Kapitel „Kontrolle abgeben – Akzeptieren und Bereitschaft erhöhen“. „Ein wichtiger Teil Ihrer Arbeit als Coach, der ACT-Prinzipien in sein Coaching-Repertoire integrieren möchte, besteht darin, Ihre Klienten den Unterschied zwischen dem, was sie teilweise kontrollieren, und dem, was sie überhaupt nicht kontrollieren können zu lehren“ (S. 139). Dieses Zitat beschreibt gut was in Kapitel 7 von Blonna beschrieben wird. Dabei stehen das „Akzeptieren“ und die „Bereitschaft“ im Zentrum der Betrachtungen.

8. Kapitel „Integrieren Sie ACT in Ihr Coaching“. Hier stellt der Autor ein Drei-Stufen-Modell für die Arbeit mit dem Klienten vor.

  • 1. Stufe: Hausaufgaben in der virtuellen Therapie aufgeben
  • 2. Stufe: Das Entwickeln von Gewohnheiten, die die Gesundheit fördern
  • 3. Stufe: Ziele erreichen und ein sinnerfülltes Leben führen

Im weiteren Verlauf beschreibt Blonna wie ein Coach zum ACT Coach wird und bietet dazu einen Prozess in 6 Schritten. Dabei unterstreicht er, wie wichtig es bei diesem Prozess ist selbst alle Übungen aus dem Buch durchzuführen. In diesem Kontext verspricht er zwei Dinge: „Sie werden verstehen, wie alle Prozesse funktionieren, und Sie werden in der Lage sein Ihren Klienten die Wichtigkeit des Ausführens der Übungen klarzumachen, da Sie sie selbst durchgegangen sind“ (S. 163).

Im Anhang findet der Leser Material, das Coaches dabei unterstützt ACT in die eigene Coachingpraxis zu integrieren.

Diskussion

Das Buch suggeriert aus meiner Sicht, dass mit den theoretischen Erläuterungen und den praktischen Übungen ACT ohne weiteres in das Coaching zu übertragen ist. Dies mag dem beruflichen Hintergrund geschuldet sein, geht der Autor doch mit einer deutlich „lehrenden“, fast „belehrenden“ Haltung an den Klienten. Ebenso (siehe oben Zitat von S. 163) empfiehlt er auch dem Coach auf jeden Fall alle Übungen selbst durchzuführen.

Dazu erscheint mir in weiten Strecken des Buches der Klienten als deutlich zu defizitorientiert dargestellt, als jemand der durch viel Training (verhaltensorientiert) „Fehlverhalten“ umlernen muss. Dabei vermisse ich eine dem Klienten gegenüber achtende und wertschätzende Haltung. Es macht auf mich fast den Eindruck, dass Blonna für sich ein eindeutiges Bild hat, wie die Welt und die Klienten „funktionieren“ sollen.

Positiv zu erwähnen ist, dass das Buch vielfältige Übungen bereithält, die sicher in der einen oder anderen Situation bei dem einen oder anderen Coachee angewendet werden können, ohne dabei ein komplettes ACT Programm durchführen zu müssen. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang das Kapitel 4 über die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten. Hier finden sich für eine werteorientiertes Coaching einige Anregungen, auch ganz unabhängig von ACT.

Fazit

„Effektiver coachen mit ACT“ so der Titel des Buches. Nach der Lektüre bleiben bei mir als Rezensent mehr Zweifel, dass Coaching generell durch ACT effektiver wird. Hier verspricht der Titel mehr als er hält.


Rezensent
Dipl. Soz.-Arb. Bertram Kasper
Dipl. Supervisor und Supervisor (DGSv), Krisen- und Business Coach, Coaching- und Trainerausbilder, profilingvalues® Partner
www.gisa-marburg.de
Homepage www.focus-fuehren.de
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Zitiervorschlag
Bertram Kasper. Rezension vom 08.05.2014 zu: Richard Blonna: Effektiver coachen mit ACT. Psychologisches Handwerkszeug für Coaches. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2013. ISBN 978-3-87387-840-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16050.php, Datum des Zugriffs 15.09.2019.


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