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Sabine Prohaska: Coaching in der Praxis

Cover Sabine Prohaska: Coaching in der Praxis. Tipps, Übungen und Methoden für unterschiedliche Coaching-Anlässe. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2013. 123 Seiten. ISBN 978-3-87387-971-3. D: 15,90 EUR, A: 16,40 EUR, CH: 22,90 sFr.

Reihe: Coaching & Beratung - Coaching-Tools.
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Thema und Hintergrund

Wenn man in der ersten Kurseinheit bei Coachingweiterbildungen nach der Motivation der Teilnehmenden fragt, eine solche Weiterbildung zu besuchen, lautet die Antwort sehr häufig: „Ich möchte mein Methodenrepertoire erweitern“ oder „Ich möchte meinen Werkzeugkoffer füllen“. Diesem Anliegen entsprechen die mittlerweile zahllosen Methodenbücher auf dem Markt. Ich pflege dann zu antworten, dass Coaching zu 80% durch die Haltung des Coaches wirkt und nur zu 20% durch die Methoden. Noch deutlicher sagt es die englische Redewendung: „A fool with a tool is still a fool“. Dennoch ist Coaching ohne ein methodisches Interventionsrepertoire nicht denkbar, es kommt aber auf die gelungene Einbindung in den konzeptionellen Rahmen und die eigene Haltung im Coaching an.

Im vorliegenden Buch ist das m.E. gut gelungen. Die Autorin legt ihrer Arbeit ein systemisch-lösungsfokussiertes Konzept zugrunde, dass mit einer ressourcenorientierten Haltung einhergeht. Diesem Ansatz werden die einzelnen Methoden untergeordnet, so dass sie auf einem tragfähigen Fundament stehen.

Autorin

Sabine Prohaska ist Wirtschaftspsychologin, Trainerin und systemisch-lösungsorientierte Coach, die u.a. bei Steve de Shazer und Gunther Schmidt gelernt hat. Sie ist Inhaberin von seminar consult (www.seminarconsult.at).

Aufbau und Inhalt

Nach Vorwort und Einleitung beginnt der methodische Teil des Bandes, Prohaska ordnet die Methoden, die sie vorstellt, nach Anlässen. Nach „einleitenden Gedanken“ werden drei Methoden je Anlass vorgestellt. Der Methodenvorstellung folgt jeweils ein Fallbeispiel aus der eigenen Coachingpraxis.

Die Einleitung beschreibt die systemische Fragetechnik als Grundlage der lösungsfokussierten Arbeit: Problemorientierte Fragen werden von ressourcen- und zielorientierten Fragen unterschieden, als weitere Fragetypen werden Skalierungsfragen, dissoziierte Fragen, hypothetische Fragen und paradoxe Fragen kurz vorgestellt.

Die einzelnen Kapitel sind folgenden Themen gewidmet:

  • Karrierecoaching,
  • Entscheidungsfindung,
  • Konfliktcoaching,
  • Stressbewältigung und Burnout,
  • Reflexion der eigenen Situation,
  • „Ganz schön verwirrend“ und
  • Starke Betroffenheit.
  • Ein abschließendes Kapitel ist überschrieben mit „Zu guter Letzt: Keine Lösung in Sicht? Wäre doch gelacht – Humorvolle Techniken im Coaching“.

Im Anhang werden noch die AutorInnen der Methoden vorgestellt und die Methoden verschiedenen Themen und Einsatzmöglichkeiten zugeordnet. Ein Literaturverzeichnis beschließt den Band.

Diskussion

Dieses Buch beginnt mit einem Klassiker – nämlich mit dem Satz: „Warum noch ein Buch über Coaching?“ Diese Frage stellt das Buch in Frage, schade! Es wäre gar nicht nötig. Die Autorin könnte einfach anfangen mit ihrem Buch und davon ausgehen, dass es wichtig, lesenswert und informativ ist. So aber denke ich als Leser: „Ja, wenn schon die Autorin diese Frage stellt…“ Nun gut, sie beantwortet sie ja auch: Sabine Prohaska bietet in ihrer Firma seminar consult unter anderem Coachingausbildungen an, und die Teilnehmenden fragen nach Literatur, vor allem auch nach brauchbaren Methodensammlungen. Das war der Impuls für das Buch, und das ist auf jeder Seite zu spüren: Das Buch kommt aus der Praxis und ist für Praktiker geschrieben.

Mir gefällt gut, dass auch die Autorin betont, Coaching sei vor allem eine (ethische und professionelle) Haltung. Die Haltung der sechs Coaches, die mit Methoden zu diesem Buch beigetragen haben, beschreibt Prohaska als systemisch-lösungsfokussiert. Außerdem seien sie vom hypnosystemischen Ansatz geprägt. Natürlich können beide Konzepte in diesem Buch nicht detailliert dargestellt werden, es bleibt aber nicht bei den kleinen „Konzeptaufklebern“, sondern sowohl die Einleitung als auch die „Einleitenden Gedanken“ zu den einzelnen Methodenkapiteln illustrieren die genannte Haltung gut. Lösungsfokussiertes Arbeit ist ressourcenorientiertes Arbeiten. Für den Coachee und für den Coach relevante Informationen werden durch unterschiedsbasiertes Fragen generiert: „Können Sie eine Situation beschreiben, in der das Problem leichter oder ganz weg war?“, „Wie wird das erreichte Ziel Ihr Leben verändern?“, „Was ist dann statt des Problems da?“, Skalenfragen etc. Es werden nicht Probleme analysiert, sondern Lösungen.

Die 21 vorgestellten Methoden sind durchweg gut einsetzbar und gewiss -zigfach erprobt. Und es ist gut, dass es diese und nicht noch mehr Methoden sind. So dient das Buch mehr der methodischen Orientierung als dicke Toolssammlungen. Redlich sind die Quellenangaben – natürlich: „Der/die Coach klaut, wo er/sie kann“, aber es ist ehrenhaft, den Urheber/die Urheberin auch zu benennen. Jeder Methode fügt die Autorin den Abschnitt „Weitere Einsatzmöglichkeiten/Varianten“ hinzu und liefert dann ein eigenes Fallbeispiel, was noch mehr erfreuliche Praxisnähe herstellt.

Das abschließende Kapitel ist, wie gesagt, dem Thema „Humor im Coaching“ gewidmet. Nun lässt sich Humor nicht einsetzen wie andere Techniken. Wenn Humor nicht zu meiner Grundausstattung als Coach gehört, werde ich mich schwertun, mir die humorvolle Coachingjacke überzuziehen. Und so sehr ich persönlich auch Humor als Interventionsform schätze, so sehr plädiere ich für gesteigerte Achtsamkeit im Umgang damit: Der Einsatz von Humor erfordert eine tragfähige und schon vertraute Arbeitsbeziehung. Deshalb finde ich sehr wichtig, was Prohaska dazu schreibt: „Doch Vorsicht! Falsch eingesetzt wirkt Humor destruktiv. Steht zum Beispiel die Beziehung zu einem Coachee auf wackeligen Füßen, wird ein gut gemeinter Scherz schnell als Schadenfreude interpretiert.“ (S. 112) „Steht“ die Arbeitsbeziehung aber, kann man durchaus auch mal „dem Gummibaum lauschen“ (S. 116).

Fazit

Ein sehr hilfreiches Buch nicht nur für Coahces, die noch in Ausbildung sind, sondern auch für Praktiker, die schon länger im Beruf sind – denn die professionelle Entwicklung ist nie abgeschlossen und gute Methodenimpulse bereichern die Arbeit immer!


Rezensent
Peter Schröder
Pfarrer
(Lehr-)Supervisor (DGSv), Seniorcoach (DGfC)
Homepage www.resonanzraeume.de
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Zitiervorschlag
Peter Schröder. Rezension vom 15.08.2014 zu: Sabine Prohaska: Coaching in der Praxis. Tipps, Übungen und Methoden für unterschiedliche Coaching-Anlässe. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2013. ISBN 978-3-87387-971-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16062.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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