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Jan Glasenapp: Emotionen als Ressourcen

Cover Jan Glasenapp: Emotionen als Ressourcen. Manual für Psychotherapie, Coaching und Beratung ; mit Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2013. 240 Seiten. ISBN 978-3-621-27953-6. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.

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Gefühle, Stimmungen, Affekte und Emotionen

Affekte werden als globale psychophysische Befindlichkeiten von unterschiedlicher Dauer, Qualität und Bewusstseinsnähe aufgefasst. Diesem Oberbegriff ordnen sich gefühlsartige Erscheinungen wie Gefühle, Emotionen und Stimmungen unter.

Während es sich bei der Emotion um einen komplexen Prozess handelt, welcher auf verschiedenen psychischen Funktionsebenen abläuft, bezeichnet ein Gefühl das subjektive Erleben einer Emotion. Gefühle werden oft als distinkt zum Wahrnehmen, Empfinden und Denken angesehen. Dies bedeutet, dass hier durchaus die kognitive Komponente fehlen kann. Um Schmerz zu fühlen, muss etwa nicht verstanden werden was passiert. Emotionen hingegen beinhalten immer irgendeine Art von Verständnis. Des Weiteren gilt es Stimmungen von Emotionen zu differenzieren. Emotionen sind im Gegensatz zu Stimmungen relativ kurz und intensiv. Ihr Auslöser sowie die psychologischen und physiologischen Komponenten stehen meist im Fokus der Aufmerksamkeit. Stimmungen hingegen werden als zeitlich länger erlebt und ihr Auslöser bleibt meist unbemerkt. Ein weiterer Unterschied stellt die Gerichtetheit dar. Während Emotionen stets auf ein gewisses Objekt gerichtet sind, treten Stimmungen meist ohne bestimmten Grund auf. Zuletzt muss noch zwischen Emotion und Affekt unterschieden werden. Wenn Emotionen Handlungen auslösen, welche nicht oder nur gering kontrollierbar sind, spricht man von Affekten. Hierbei handelt es sich um besonders intensive emotionale Zustände, welche meist plötzlich auftreten und stark handlungsinitiierend wirken.

Autor

Dr. phil.Dipl. Psych. Jan Glasenapp, Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis in Schwäbisch Gmünd, Dozent und Supervisor am Studienzentrum Verhaltensmedizin und Psychotherapie (SZVT), Stuttgart.

Aufbau

Das Buch „Emotionen als Ressourcen. Manual für Psychotherapie, Coaching und Beratung“ setzt sich aus zwei Teilen mit insgesamt 14 Kapiteln zusammen.

Zu Teil I: Grundlagen

1. Emotionen. In diesem ersten Kapitel wird eine Begriffsbestimmung für Emotionen vorgenommen, mit Abgrenzungen gegenüber Affekten, Gefühlen und Stimmungen. Es folgt eine tiefergehende Entstehungserklärung mit Hilfe der Metapher eines Kuchens, mit deren Hilfe verdeutlich wird, wie neurologische Strukturen, Wahrnehmung, körperliche Veränderungen und kognitive Prozesse zusammen wirken. Dabei wird das Potential von Emotionen, als Schnittstelle zwischen Kultur, Körper, Bedürfnissen und Handlungen, heraus gearbeitet.

2. Der adaptive Umgang mit Emotionen. Der adaptive Umgang mit Emotionen basiert auf Emotionsregulation. Emotionsregulation beschreibt differenzierte und wissenschaftlich überprüfte Strategien, mit denen Menschen Einfluss auf Emotionen nehmen können. Die emotionalen Fähigkeiten lassen sich hinsichtlich des Fokus selbst vs. andere Menschen und dem Erkennen vs. managen von Emotionen unterscheiden. Das Ziel therapeutischer und beratender Aspekte besteht darin, implizite Annahmen der Meta-Emotionen zu überprüfen sowie das deklarative und prozedurale Wissen um den adaptiven Umgang mit Emotionen zu erweitern.

3 Der maladaptive Umgang mit Emotionen. Ein maladaptiver Umgang mit Emotionen kann das Risiko für die Entwicklung einer psychischen Störung erhöhen. In diesem Zusammenhang sind folgende Syndrome bedeutsam: Alexithymie, Erlebnisvermeidung, emotion-driven behavior, emotional Dissonanz als Inkongruenz von gezeigten und empfundenen Emotionen.

4. Veränderung des Umgangs mit Emotionen. Die Veränderung des maladaptiven Umgangs mit Emotionen ist nicht neu und findet sich in vielen Therapieschulen wieder. Die unterschiedlichen Ansätze lassen sich unter dem Aspekt der Intensität des emotionalen Erlebens in der Behandlung hinsichtlich cold und hot learning unterteilen. Eine wesentliche Erkenntnis der neueren Ansätze in der Verhaltenstherapie ist, dass psychisches Leiden oftmals erst durch den Kampf gegen das emotionale Erleben selbst verstärkt wird. Eine ressourcenorientierte Vorgehensweise im Umgang mit Emotionen könnte dem entgegen wirken.

Zu Teil II: Praxis

5. Emotionen als Ressourcen in der Praxis. Die Einleitung in den praxisorientierten Teil des Buches erfolgt über die beiden Grundannahmen:

  1. Emotionen sind Ressourcen, die genutzt werden können.
  2. Man kann nicht nicht mit Emotionen arbeiten.

6. Die Vorbereitung: Eine Frage von Raum und Zeit. Für die Arbeit mit Emotionen gibt es eine kurzfristige und eine langfristige Perspektive. Bei der kurzfristigen Perspektive stehen eher die in einem Moment erlebten Emotionen im Fokus, bei der langfristigen eher die aktuell nicht-erlebten. Die Arbeit mit Emotionen benötigt neben Zeit einen angemessen Raum. Dieser Raum kann gefördert und begrenzt werden. Er sollte neben anderen therapeutischen Räumen genutzt werden, diese aber nicht ersetzen.

7. Emotionen als Ressourcen nutzen in Aktion. Das hier vorgestellte Manual richtet sich an Patienten und Ratsuchende, die den Umgang mit ihren Emotionen betrachten, näher kennen lernen, überprüfen und gegebenenfalls verändern möchten. Es wählt didaktisch einen einfachen, klar gegliederten Weg, der an verschiedenen Stellen auf Reduktion basiert. Diese dienen der einfachen Wissensvermittlung und damit einer höheren Akzeptanz gegenüber der Nutzung von Emotionen als Ressourcen.

8. Modul 1: Emotionen Worte geben und Emotionen erkennen. Der Einsatz in die Nutzung von Emotionen als Ressourcen erfolgt als cold learning über die Erweiterung von Wissen. Für diejenigen, die nicht bereit über einen adaptiven Umgang mit ihren Emotionen verfügen, die das Wissen eine entscheidende Voraussetzung dafür, Entscheidungen über eine Veränderung ihres Umgang mit Emotionen zu fällen.

9. Modul 2: Den Sinn von Emotionen verstehen. Der Sinn von Emotionen liegt in ihrem Potential, uns in der Befriedigung und Sicherung unserer Grundbedürfnisse zu unterstützen. Ihre Signalwirkung geht dabei nach innen und aktiviert oder hemmt körperliche Reaktionen, die zweite Signalwirkung wirkt nach außen und aktiviert oder hemmt soziale Reaktionen. Emotionen helfen also Grenzen zu regulieren, die unsere Grundbedürfnisse realisieren und unsere Identität sichern.

10. Modul 3: Das eigenen emotionale Erleben verstehen. Der individuelle emotionale Stil eines Menschen wird auf quantitativer und qualitativer Ebene analysiert. Auf der quantitativen Ebene unterscheiden sich Menschen hinsichtlich der Intensität, mit der die Emotionen empfinden und ausdrücken. Auf der qualitativen Ebene unterscheiden sich Menschen hinsichtlich der Differenzierung ihres emotionalen Empfindens und ihres Ausdrucks in unterschiedlichen Emotionsqualitäten.

11. Modul 4: Biografische Bezüge verstehen. In diesem Modul wird der Fokus auf die Vergangenheit und damit auf die Entwicklung des emotionalen Stils aus der persönlichen Lebens- und Lerngeschichte heraus, gerichtet. Um das zu erreichen werden drei zentrale Interventionen zur Vertiefung biografischer Bezüge vorgestellt: Imaginationsübungen, die narrative Therapie und die Arbeit mit Ich-Zuständen.

12. Modul 5: Veränderung des emotionalen Stils und Aktivierung neuer Potentiale. Auf dem Weg zur Aktivierung neuer emotionaler Potentiale werden Strategien der Veränderung ohne hinreichende Akzeptanz ebenso wenig zum Ziel führen wie Akzeptanz alleine ohne Möglichkeit zur Veränderung. Das zentrale Ziel der Arbeit mit Emotionen als Ressourcen ist die Erweiterung der Flexibilität im Umgang mit Emotionen. Im Veränderungsprozess wird mit den Emotionen begonnen, die gezeigt werden, und es werden Möglichkeiten erweitert, intensiv erlebte Emotionen zu regulieren.

13 Modul 6: Emotionen als Ressourcen im Alltag. Ziel dieses Moduls ist es, Patienten/-innen bzw. Ratsuchende dahin zu führen, die Verantwortung für ihren Veränderungsprozess sowie für die nachhaltige Veränderung ihres emotionalen Stils zu übernehmen.

14 Emotionen als Ressourcen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Zum Schluss geht Glasenapp auf verschiedene Arbeitsfelder und Settings ein, in denen das Training eingesetzt werden kann. Es werden Einzel- und Gruppentherapie sowie Beratung, Coaching und Supervision mit emotionaler Arbeit vorgestellt.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an psychotherapeutische Fachkräfte, die ihr Methodenrepertoire im Bereich der Emotionen erweitern möchten.

Fazit

Emotionen bewegen uns etwas zu tun oder nicht zu tun. Das Buch „Emotionen als Ressourcen“ führt den Lesenden dahin, Emotionen als Regulationsmechanismus zwischen Zielen und auf sie einwirkende Signale dahingehend einzuschätzen, inwieweit sie für ihre eigenen Ziele hinderlich oder förderlich sind. Emotionen schließen so die Lücke zwischen dem Ist- und Sollzustand und den Zielen eines Menschen. Individuen, die ihre Emotionen zur Erreichung der eigenen Ziele nutzen, gelten als emotional intelligent. Das Training führt emotional Interessierte über kognitive (cold) Informationen der Emotionen zu hot learning Strategien, die mit direktem Gefühlserlebnis verbunden sind. Therapeuten/-innen werden in kleinen Schritten angeleitet und können das Training direkt im Arbeitsalltag anwenden. Ein sehr nützliches Buch, mit dem man gut die Insel der Emotionen ansteuern kann.


Rezensentin
Dr. Kirsten Oleimeulen
Psychologin – Familienberaterin, akkreditierte Psychologin für Gesundheitspsychologie und Prävention (BDP), systemische Familientherapeutin und Supervisorin, online-Beraterin
Homepage www.oleimeulen.info


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Zitiervorschlag
Kirsten Oleimeulen. Rezension vom 28.04.2014 zu: Jan Glasenapp: Emotionen als Ressourcen. Manual für Psychotherapie, Coaching und Beratung ; mit Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2013. ISBN 978-3-621-27953-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16065.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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